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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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18.03.2015 | 15:53
Alberto Giacometti, Selbstbildnis, 1921

Den Film "Die Reise zum sichersten Ort der Erde", auf welchen Guy Krneta in seinem letzten Blog verweist, habe ich noch nicht gesehen. Aber die ganze Problematik der ungelösten Entsorgung von Atommüll hat mich persönlich schon immer so stark beschäftigt, dass ich das Gefühl habe, mit all den Bildern, die sich über die Jahre in meinem Kopf angesammelt haben, könnte ich selbst einen Film drehen. Und zwar einen Horrorfilm!

Dabei würde ich nicht nur auf die Bilder von Demonstrationen, von Atomdörfern, von Kundgebungen jeder Art, von Sitzstreiks und Wasserwerfern zurückgreifen können. Auch höchst dramatische Szenen im Zusammenhang mit der gnadenlosen Staatsgewalt würden mir für diesen Film zur Verfügung stehen. Am schlimmsten sind in meiner Vorstellung jedoch tatsächlich die Bilder von jenen gelben, mit einem schwarzen Atomsymbol bemalten Fässern, die irgendwo tief unter der Erde giftig und radioaktiv vor sich hin rosten, in eine ferne Zeit hinein, von welcher wir keine Ahnung haben können, wer und was sein wird.

Da darf man wahrlich kein bisschen Fantasie besitzen, wenn man nicht von Visionen heimgesucht werden will, die einen erschauern lassen und bis auf die Knochen erschüttern! Immer, wenn ich daran denke, werde ich erstens wütend über das so verharmlosende Wort Umwelt, denn es ist nicht die Umwelt, die wir gefährden, die Umwelt gibt es gar nicht, es gibt nur die Welt! Und ich werde auch wütend über die Politiker und Politikerinnen hier und dort und überall, die anstatt wirklich Probleme anzugehen, sich vor allem damit zu beschäftigen scheinen, was sie anstellen müssen, damit sie wieder gewählt werden.

Und was hat Alberto Giacometti damit zu tun? Giacometti ist einer jener Künstler, der die Widersprüche der Moderne, in welche wir uns auch mit unserem Energiegebaren so heillos verstricken, sichtbar machen kann.

Giacometti zeigt mit seinen Figuren, wie Menschen durch die Welt gehen: Aufrecht zwar, sogar mit einem Ziel vor dem Kopf, aber eigentlich sind sie in Anbetracht der Welt fürchterlich einsam, wahnsinnig zerbrechlich und höllisch machtlos.