Aare
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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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14.08.2020 | 16:56
Erwin Wurm: Truck, Karlsruhe 2015 (photo: )

Und dann ist man doch schon seit einem Monat wieder in Spanien. Hat sogar einen Garten angelegt, wenn auch in ziemlich bescheidenem Rahmen. In diesem Jahr wird es weder Kartoffeln noch Zwiebeln zu ernten geben. Aber immerhin ernte ich schon Salat und Zucchetti und ein paar Tomaten sind am Reifen, so munzig, wie sie auch noch sind. Bei den Gurken sieht die Sache schon unsicherer aus.
Ich war gerade dabei, dem einen Stängel mit ein paar etwas schlaffen Blättern dran gut zuzureden, als die Nachbarn aus Katalonien auftauchten und zwar diesmal mit einem Hund. Es war an dem bis jetzt heissesten Tag des Sommers. Ich wollte der Gurke gerade noch gut zureden: Du schaffst das, wollte ich sagen, ihr seid eine äusserst widerstandsfähige, robuste Truppe, viel zu spät eingepflanzt, überhaupt nicht nach Fahrplan, ich weiss, aber die Nachbarn und auch der neue Hund wollten angemessen begrüsst sein und natürlich bestätigten wir uns gegenseitig, dass wir in eigenartigen Zeiten lebten. Tiempos muy raros.

Während die Nachbarin eine Maske trug, hatte der Nachbar diese nur an einem Ohr angehängt. Er lobte mir freundlich den Garten und meinte dann, dass es in diesem Jahr wegen der Pandemie mehr Sommergäste als üblich im Dorf haben werde, denn Reisen ins Ausland seien ja fast unmöglich. Auch sie hätten für diesen Juli eigentlich eine Reise geplant, Thailand wäre an der Reihe gewesen. Glücklicherweise hätten sie aber im März, noch vor dem Ausbruch der Pandemie, Kenia besucht, und er sei im Februar in Chile und Argentinien durch Patagonien gefahren. Und immer mit der an einem Ohr herunterhängenden Maske fügte er noch hinzu, Gott sei Dank hätten sie im Januar noch ein paar Tage in Rom verbringen können.


Klar, sagte ich, weil ich mich gedrängt fühlte, auch etwas zu sagen, Rom sei immer für eine Reise gut, aber eigentlich war ich in Gedanken noch immer bei meinen Gurken, welchen ich unbedingt noch nahe legen wollte, dass sie sich keine Sorgen machen sollten, kein Mensch erwarte von ihnen wieder so eine Überproduktion wie letztes Jahr. Nein! Nein! Ein paar wenige saftige Exemplare würden reichen, aber ohne Gurken sei ein Gazpacho eben doch nicht wirklich ein richtiger Gazpacho.
Mein Nachbar tätschelte dann den Hund und als er sagte, dieses liebe Tier hätten sie im April bei sich aufgenommen und schon sei es ein Mitglied der Famile, dachte ich, hoffentlich wird es das auch bleiben, wenn es ans Buchen der nächsten Flüge geht, denn Thailand wartet und Tausende der Hunde, die in Spanien während der Ausgangsperre über geschäftstüchtige Onlinehändler Besitzer gefunden hatten, um diesen einen Vorwand zum Verlassen ihrer Wohnung zu liefern, wurden nur Wochen später wieder ausgesetzt.

Und was hat Erwin Wurm damit zu tun?

Erwin Wurm ist einer der ganz wenigen Künstler, denen das Verdienst zukommt, der Gurke in der Kunst ihren angemessenen Platz verschafft zu haben. Die Gurke im öffentlichen Raum wie in Salzburg. Herrlich ballt sich da der österreichische Witz. Der an die Wand gestellte Lastwagen hat mir aber auch schon immer gut gefallen.

31.05.2020 | 11:02
Urs Stoss: Going Home, 2016 (60x120 cm) (photo: )

 «Von unserem Bericht hoffen wir, dass er nicht allzu sehr missfallen haben möge, sollten wir den Leser jedoch bloss gelangweilt haben, so halte man uns zugute, dass es nicht mit Absicht geschehen ist.»
So endet nach mehr als 700 Seiten das Buch, das man ungern aus den Händen gibt und dem man im Regal einen ganz besonderen Platz zuweisen wird. Es ist ein Buch, das man vorerst aber noch ein paar Tage rumliegen lässt, weil es bei der Lektüre eine besondere Aura entwickelt hat, weil es lebendig geworden ist, weil es nachwirkt, weil die in ihm aufgegriffenen Themen in einem weiterwuchern.
Es ist eines jener Bücher, von welchen man noch bei den unpassendsten Gelegenheiten schwärmen möchte, aus welchem man Geschichten nacherzählt und zwar so betroffen, als hätte man sowohl die dargestellten Niederträchtigkeiten als auch die erhabenen Momente alle selbst erlebt.
Und ja, es ist eines jener Bücher auf die in diesen besonderen Zeiten immer wieder verwiesen worden ist, weil es sich vor einem historischen Hintergrund entfaltet, in welchem nicht nur eine legendäre Hungersnot, sondern auch der katastrophale Ausbruch  der Pest in Mailand während des Dreissigjährigen Krieges eine Rolle spielen.
Zum ersten Mal begegnet bin ich dem Buch, als ich mir von sachkundiger Seite die herausragenden Werke der italienischen Literatur empfehlen liess.
Es handelt sich um «Die Verlobten» von Allesandro Manzoni.
Unter all den Fragen und Gedanken, die dieses grosse Buch auch noch nach der Lektüre anstiess, beschäftigte mich unter anderem plötzlich die Tatsache, dass zwei sehr unterschiedliche Romanfiguren in Anbetracht von bestimmten Umständen, allen Beteiligen beteuerten, man solle sich keine Sorgen machen, man habe Geld genug und werde für das Nötige aufkommen. Man habe Geld genug!
Das waren noch Zeiten, als es reiche Männer und Frauen gab,  - in einem Fall handelt es sich um eine Witwe - die sagten: Geld habe man genug. Geld ist kein Problem. Vermutlich hat es noch nie so viele Menschen wie heute gegeben, die mehr als genug Geld haben, aber dass jemand sagt: Keine Sorge, Geld habe man genug! Das hört man eher selten. Das wäre heute wohl unschick oder gar dumm. Ich weiss es nicht. Es ist trotzdem schön, zu lesen, Geld habe man genug.

Und was hat Urs Stoss damit zu tun?

In der Zeitung sah ich ein Bild des  Sechseläutenplatzes in Zürich an einem Samstagnachmittag. Erst traute ich meinen Augen nicht und dachte: Aber diese über den Platz verteilten Figuren, diese Distanz haltenden, isolierten Menschen, die kenne ich doch. Sogar in genau diesen Farben habe ich das schon gesehen.
Dann erinnerte ich mich an die Bilder von Urs Stoss, die ich, wenn sie an der Münstergasse in der Galerie Krebs ausgestellt worden waren, immer gerne gesehen habe und immer stehen geblieben bin, um sie eingehend zu betrachten, weil es Bilder waren, auf denen so vieles zu sehen war. Es sind kunstvolle Wimmelbilder voller Geschichten. Moderne Kunst wie gemacht für Kindsköpfe wie mich. Aber nie hätte ich gedacht, dass ein gefragter Berner Künstler in seinen Bildern einen ganz besonderen Zustand der Welt so genau vorwegzunehmen wusste.

11.05.2020 | 15:10
Paul Klee: Berner Münster ohne Turm mit Platttform (photo: )

Einer der dümmsten Menschen, die ich je kennengelernt habe,  war von Beruf Journalist und zwar mit Starstatus. Wenn ich schreibe, schreibe ich für Millionen, pflegte er zu sagen. Was er privat allerdings an weltanschaulichen Ungeheuerlichkeiten absonderte, ging auf keine Kuhhaut. Auch sonst ist man zwar oft genug gezwungen, zu erkennen, wie eingeschränkt die sogenannten Eliten in ihrem Denken sein können, dass man sich mit solchen Äusserungen aber in heikle Bereiche begibt, ist auch klar. Ist man selbst wirklich gescheit genug, um anderen ihre Dummheit vorwerfen zu dürfen?
Ohne Zweifel ein schwieriges Kapitel, aber was soll man tun, wenn die Emotionen ins Spiel kommen, wenn man sich derart für dumm verkauft vorkommt, dass man sich mit dem ausgestreckten Zeigefinger quer durch die Küche stürzen muss, um mit einem heftigen Knopfdruck dem ärgerlichen Gespräch am Radio ein Ende zu bereiten?
Schon mehrmals war es schlicht nicht mehr auszuhalten.
Da fragte tatsächlich zum hundertsten Mal eine Journalistin einen Korrespondenten: Was hat das für Folgen? Mein Gott, weil man wissen will, was etwas für Folgen hat, hat man doch die verdammten Nachrichten eingeschaltet. Was hat das für Folgen? Alles hat Folgen! möchte man schreien. Wozu fragen Sie dann noch! Egal welche schlimmen Entwicklungen in welchem Bereich auch immer es zu vermelden und zu beachten gibt, ob in der Türkei, in den USA, in China, in Indien, in Italien, in Australien oder in Afrika, in der braven Schweiz fragt am braven Schweizer Radio eine brave Schweizer Stimme ganz brav und absolut überflüssig: Was hat das für Folgen?
Und warum?
Weil brav befolgt wird, was irgend ein fehlgeleiteter Vorgesetzter oder meinetwegen ein «Vorgesetzter mit Sternchen» befohlen hat. Mir, dem Hörer wird nämlich beleidigenderweise eine Konzentrationsspanne von etwa einer halben Minute zugetraut und deshalb muss wie von oben herab verschrieben, jede Information mit meistens dilettantisch improvisierten Zwischenfragen zerstückelt und zerdrückt werden wie die Banane für den Kinderbrei mit dem Löffel.
Wollen die mich ausgerechnet in diesen wirren Zeiten noch zum Fernseher machen?

Und was hat Paul Klee damit zu tun?

Eigentlich nichts, aber seit ein paar Tagen ist die Münsterplattform wieder geöffnet und was dies für die Bewohner der Unteren Stadt bedeutet, ist kaum zu überschätzen. Die Plattform ist für viele der einzige Balkon, der einzige Garten und ein Kraftort dazu. Auf der Plattform kann man sehen, dass die Aare weiter ziemlich gelassen und grün wie immer daherkommt, auf der Plattform kann man sich von ihr berauschen lassen und auf der Plattform kann man sich auch vergewissern, dass sie weiter wie eh und je unbekümmert in die Welt hinausfliesst.
An der Ansicht, die Paul Klee möglicherweise von der damals gerade neu gebauten Kirchenfeldbrücke aus gezeichnet hat, ist vor allem ausserordentlich, dass er gerade mal 12 Jahre alt war.

03.04.2020 | 22:28
Aquarell von Peter Iseli (photo: )

Weil ich an dieser Stelle schon öfters direkt aus Spanien berichtete, will ich dies auch jetzt tun, obschon ich nicht vor Ort bin. Ich fühle mich dazu auch durchaus berechtigt, träumte ich doch neulich tatsächlich, ich hätte mich mit Quim Torra, dem Regionalpräsidenten von Katalonien getroffen und wir hätten uns so gut unterhalten, als wären wir schon immer die besten Kumpels gewesen.
Ein Teil von mir ist also offensichtlich auch jetzt in Spanien.
Als mich ungefähr vor zwei Wochen von dort die ersten Nachrichten erreichten, die schon Schlimmes befürchten liessen, rief ich deshalb einen Freund an. Ich erreichte ihn in einem Reisebus unterwegs in Andalusien. Der Empfang war mässig, aber ich erfuhr, dass offensichtlich schon alle Museen geschlossen und alle Veranstaltungen abgesagt worden waren. So auch der Stierkampf in der berühmten Arena von Sevilla, der ein Höhepunkt des Reiseangebotes hätte sein sollen.
Als mich mein lieber spanischer Freund dann fragte: «Tambien lo teneis?» Also, ob wir «es» in der Schweiz auch hätten, und ich darauf wissen wollte, was er meine, sagte er: «Hombre, el bicho». Er fragte also nach dem «Beast», wie das Virus in Spanien, wie ich mittlerweile weiss, offensichtlich allgemein genannt wird und das ihnen auf ihrer Reise überall einen Strich durch die Rechnung machte.
Natürlich wunderte ich mich über seine Frage und gleichzeitig begann ich zu erahnen, was sich mir alsbald bestätigen sollte: Es ist überhaupt nicht so, dass sich Leute, die in normalen Zeiten kaum eine Zeitung aufschlagen und sich eigentlich nur mässig für Politik und den allgemeinen Gang der Welt interessieren, in Krisenzeiten plötzlich anfangen, sich ausführlich zu informieren.


Dieser Verdacht bestätigte sich mir gleich darauf auch hier in der Schweiz in der Apotheke, die ich mittlerweile längst nicht mehr selbst aufsuche.
Aus guten Gründen gab es dort bereits eine Abschrankung, um ein Gedränge vor dem Ladentisch zu verhindern, was die wartenden Kunden und Kundinnen nicht daran hinderte, sich vor der Abschrankung auf kleinstem Raum so dicht zusammenzuballen, als hätte noch kein Mensch je von den ersten, einfach zu treffenden Vorsichtsmassnahmen gehört.
Einen ähnlichen Grad an katastrophaler Uninformiertheit gab es in Spanien im besonders stark betroffenen Madrid, als die ersten Massnahmen verschärft werden mussten. Schulen und Läden wurden geschlossen, aber der Wissensstand der Bevölkerung war offensichtlich noch immer so tief, dass dies viele der Betroffenen als Aufforderung verstanden hatten, sich wie im Urlaub in ihre Zweitwohnungen – und davon gibt es in Spanien vorzugsweise am Meer sehr viele – zurückzuziehen, ohne zu bedenken, dass sie damit «el bicho» erst richtig im ganzen Land verteilten.
Es kann wohl sein, dass ich mich irre, aber ich meine in diesen Tagen gelernt und verstanden zu haben, dass dies auch in noch schlimmeren Krisenzeiten und ganz bestimmt in nicht so fernen Kriegszeiten ähnlich gewesen sein muss. Im Nachhinein ist es leicht zu meinen, man hätte doch von dem Ausmass der Sinnlosigkeit, des Schreckens und der Verbrechen «gewusst haben müssen». Jetzt lese und höre ich von Menschen, die schon heute «davon» nichts mehr wissen wollen oder auch einfach nicht noch mehr ertragen können, weil sie, wie unsere Nachbarn in Italien, schon so viel Leid und Elend miterleben mussten. 

 
Und was hat Peter Iseli damit zu tun?
Freundlicherweise hat er mir völlig absichtslos dieses Aquarell mit dem mittelalterlichen Pestarzt zukommen lassen, das mir auf Anhieb so gut gefiel, dass ich es als Anlass nahm, wieder einen Blog zu schreiben, damit auch andere es sehen könnten. Als ich Peter Iseli fragte, ob ich das Aquarell verwenden dürfe, sagte er von ihm aus gerne, aber er wolle niemanden verletzen.
Wen meinst du denn, könntest du damit verletzen? fragte ich. Er wisse es auch nicht, aber heute sei das jederzeit möglich. Er wolle einfach kein Missverständnis verursachen und schon gar nicht, sich über jemanden lustig machen. Ach komm, sagte ich, gerade jetzt dürfen wir doch den Humor nicht verlieren.
Vielleicht, dachte ich danach, machen wir ja gerade eine Erfahrung durch, welche die Dünnhäutigkeit, mit welcher man sich noch vor wenigen  Monaten über alles und nichts entrüsten konnte, einem etwas gestärkten Selbstbewusstsein weicht. Vielleicht muss auch die eine oder andere Prioritätenpyramide wenn nicht neu aufgebaut, so doch überdacht werden. Es sind vielleicht tatsächlich Zeiten, die uns daran erinnern, dass wir tatsächlich als Schicksalsgemeinschaft alle im gleichen Boot sitzen und wir nicht jeden und jede, bloss weil er oder sie eine von uns abweichende Sicht auf die Welt hat, über Bord werfen sollten.




18.10.2019 | 23:02
Bild: Oriol Maspons (photo: )

Jetzt ist er also da, der heisse Herbst in Katalonien. Sein Einfluss auf die spanischen Wahlen wird gigantisch sein. Die Erfahrung lehrt….
Könnte gut sein, dass sich die progressiven Kräfte die Haare noch einzeln ausreissen werden, sollten sie die Mehrheit, die sie jetzt gehabt hätten, verlieren. Die im ganzen Land ununterbrochen ausgestrahlten Bilder von brennenden Strassen und von Steine werfenden Vermummten spielen den falschen in die Hand.
Bei allem Verständnis für die Ursachen des Konfliktes, kann man als Aussenseiter nicht aufhören, den Kopf zu schütteln. Die alten Zweifel am erhofften Segen der Unabhängigkeit bleiben bestehen und die schon jetzt gigantischen Widersprüche wachsen in den Himmel. Als wäre das Land im Krieg. Dabei ist Kataloniens Exportwirtschaft zu 80% von Spanien abhängig.
Persönlich kann ich den «newspeak» nicht mehr hören. Obschon sie das Wort total pervertiert haben, können die führenden Politiker und Politikerinnen der Unabhängigkeitsbewegung keinen kurzen Satz mehr sagen, ohne mindestens zweimal «democratic» dranzuhängen. Und alle reden immer wie selbstverständlich vom «Volk», dabei hatten sie von diesem Volk noch nie  eine bewiesene Mehrheit hinter sich. Einem nicht separatistischen Bürger muss das sehr schief vorkommen.
Einmal mehr erweist es sich auch, dass im Niemandsland der Illegalität nicht gut sein ist. Dort ist niemand wirklich zuhause, ausser vielleicht das Monster der Gewalt. Man vergisst leicht, dass die Zivilisation nicht durch Gesetze möglich wurde, sondern durch ihr Einhalten. Sicher: Wo es Gesetze gibt, gibt es auch gute und schlechte Gesetze, deshalb kann ziviler Ungehorsam durchaus eine für die Gesellschaft gewinnbringende Funktion haben. Aber wenn die Regierung eines Landes oder einer Region, also die Gesetzgeber selbst zum zivilen Ungehorsam aufrufen, dann wird es glitschig. Das kann ins Auge gehen. Die Geister, die man hier ruft, können sich bekanntlich leicht gegen einen selbst drehen. Aber in Katalonien ist sich Präsident Torra seiner Rolle als Zauberlehrling nicht bewusst.
 
Und was hat Oriol Maspons damit zu tun?

Er heisst nicht nur wie der populäre, zu 13 Jahren Gefängnis verurteilte ehemalige Vizepräsident Oriol Junqueras, er war selbst auch Katalane. Trotzdem fällt es einem schwer, in seinen grossartigen Bildern Katalonien als eine von Spanien unterscheidbare Kultur zu sehen. Natürlich ist er in Paris bei Cartier Bresson und anderen Grossmeistern der Fotografie in den Fünfzigerjahren durch eine internationale Schule gegangen, aber auch so, wer es nicht weiss, könnte ihn für einen nichtkatalanischen Spanier halten. Sicher ist, Maspons war offensichtlich einer jener Fotografen mit einem direkten Draht zum Lieben Gott, der ihnen ganz genau sagte, wann sie auf den Auslöser zu drücken hatten. Dass dieser Liebe Gott beim Bild der beiden Hunde die gegenwärtigen Ausschreitungen vorausgesehen hätte, ist nicht anzunehmen.   

 

05.10.2019 | 21:39

Es soll hier von der politischen Aktualität in Spanien die Rede sein. Jetzt steht nicht nur die Urteilsverkündigung im Prozess gegen die Vertreter und Vertreterinnen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung an, jetzt stehen auch noch Wahlen bevor.  Die vierten in vier Jahren. Und schon gibt es in meinem Bekanntenkreis Schlaumeier, die lauthals verkünden, also diesmal würden sie sicher nicht noch einmal wählen gehen. Allerdings muss auch ich zugeben, dass mich das anlaufende Wahlkampfspektakel nur sehr beschränkt zu interessieren vermag. Es kommt sogar vor, dass es mich peinlich berührt und ich mich abwende. Am Radio sprach gestern ein Kommentator von «Infantilismus», was sich ziemlich genau mit meinen Eindrücken deckt. Es ist, als ob dieses Land nicht gewaltige Probleme hätte. Bei vielen Spaniern und Spanierinnen kann man sich aus Schweizer Sicht kaum vorstellen, wie sie es mit ihren Einkommen zum Monatsende schaffen. Auch die schwerwiegende Entvölkerung weiter Teile des Landes ist als Thema wieder verschwunden. Dafür führen die favorisierten Sozialdemokraten als Hauptargument für ihre Wahl die Erfahrung an, die sie als Übergangsregierung in Madrid angeblich sammeln konnten, während sie in Wirklichkeit wie gestört in der ganzen Welt rumjetteten, um sich für die Medien aufzuspielen, anstatt die Hausaufgaben zu machen. Nämlich die Wahlen zu verhindern. Ob sich der vorausgesagte Sitzgewinn für sie bewahrheitet, steht in den Sternen. Sicher ist, dass jetzt auf den Putz gehauen wird, dass es einen richtig anödet. Da es hier parteipolitisch noch keine Grüntöne gibt, geht es vor allem um Rot und Schwarz, um links und rechts wie vor hundert Jahren. Hier die Guten, da die Bösen. Sogar über das Grab des Ex-Diktators, das eigentlich ein Mausoleum ist,  wird noch immer gestritten. Und ohne  Beleidigung, ohne Ehrverletzung geht nichts. Immer die andern sind korrupt. Immer die andern lügen und stehlen! Als wäre man auf verschiedenen Planeten und nicht in der Schicksalsgemeinschaft einer Stadt, einer Region, eines Landes. Keiner bedenkt, dass er oder sie bei der sich aufsplitternden Parteienlandschaft früher oder später eine Hand ausstrecken muss, dass es möglicherweise ohne Koalition wieder nicht geht. Weil es nur darum geht, an die Macht zu kommen, gibt es null Bewusstsein für die Tatsache, dass die Probleme des Landes nur gemeinsam gelöst werden können.
Und was hat Nicolas Bouvier damit zu tun?
Überall, ausser bei den Spanischen Wahlen, redet man über das Klima, über unsere Reisegewohnheiten und über die Konsequenzen des Massentourismus.
Da erinnert man sich gerne an den grossen Schweizer Reiseschriftsteller aus Genf, der seinen Nebenberuf des Ikonographen mit der gleichen Ernsthaftigkeit wie den des Reiseschriftstellers ausübte.
Er tauchte in die Archive wie in die unberührten Landschaften, die er auf seiner ersten grossen Reise mit seinem «Dopolino» unternahm. Er grub sich durch dicke Folianten mit der gleichen Neugier, mit der er Städten und Menschen begegnete und förderte dort ebenso Kostbares zu Tage wie unterwegs in Lappland oder Afghanistan. Also auch da ein Entdecker. Auf die Bilder von Maria Sybilla Merian hat er immer wieder besonders gern zurückgegriffen, denn sie war ihrer Zeit in jeder Beziehung, ganz besonders aber künstlerisch weit voraus.


19.08.2019 | 13:24

Also, zurück in den Spanischen Bergen.
Vor wenigen Tagen habe ich mir im nahen Städtchen die Zeitungen gekauft und als ich in einem Café darin zu lesen begann, erinnerte ich mich wieder an meinen Freund und Kollegen Guy Krneta. Insbesondere an zwei Sätze aus seinem letzten Mail. Er würde sich sehr freuen, wenn ich hier an dieser Stelle wieder über Spanien schreiben würde. Man dürfe das Journal B nicht unterschätzen.
Das hat er wirklich geschrieben.
Ich las allerdings gerade einen Artikel, der nur bedingt mit Spanien zu  tun hatte, und noch bevor ich ihn fertig gelesen hatte, kam aus einem Laden neben dem Café eine Frau mit einem Schuh in der Hand auf den Mann am Nebentisch zu. Die Frau war vielleicht um die 60 Jahre alt, war sehr geschmackvoll gekleidet, machte einen aufgestellten Eindruck und fragte: Gefällt dir dieser Schuh?
Es war einer dieser Stoffschuhe mit Schnursohle, die man, glaube ich, auch auf Deutsch  «Espadrilles» nennt. Ohne den Schuh auch nur anzuschauen, sagte der Mann: Von dieser Sorte hast du zuhause doch schon eine ganze Menge! Nein, sagte die Frau, der ist anders, worauf der Mann sagte: Aber du hast doch schon so viele Schuhe.
Weil die Frau dann sagte, sie habe ihn nicht gefragt, wie viele Schuhe sie besitze, sondern, ob ihm dieser Schuh hier gefalle, schaute ich von meiner Zeitung auf, und es entging der Frau nicht, dass ich zugehört hatte und dass ich lachen musste. Sie schaute mich an und fragte: Sind Sie auch so? Nein, nein, behauptete ich, und während sich die Frau wieder dem Schuhladen zuwandte, sagte der Mann am Nebentisch: Sie müssen wissen, dass niemand so viele Schuhe besitzt wie meine Frau.
Oh, sagte ich, ausser vielleicht Frau Marcos, von den Philippinen, erinnern Sie sich? Sie soll 6000 besessen haben.
Der Mann schüttelt den Kopf und sagte: Mi mujer tiene mas! Meine Frau hat mehr!
Ich las dann den angefangenen Artikel zu Ende, in welchem die in Madrid weilende schwedische Erfolgsautorin Camilla Läckberg unter anderem behauptete, die Männer seien eine Rasse für sich, die sich den Frauen überlegen fühle. Hier war es also wieder: «Die Männer». Also der Mann am Nebentisch und ich? Oder ich und dieser Präsidentenfreund, der sich in seiner Zelle umgebracht haben soll und noch ein paar andere? Oder ich und Putin? Oder ich und diese italienischen Politiker und der ganze Rest? Oder ich und Neymar?
Wie käme ich dazu, fragte ich mich, so verallgemeinernd von «den Frauen» zu reden? Als ob alle Frauen in einem einzigen Korb Platz fänden? Nein, Frau Läckberg, dachte ich dann, ich hielt mich nie für klüger als Sie. Nie im Leben. Jedenfalls bist jetzt nicht. Aber seien Sie beruhigt, wandte ich mich in Gedanken dann weiter an sie, kürzlich musste ich nach der Lektüre eines Interviews in der gleichen Zeitung auch Frau Siri Hustvedt meine bis dahin unbeschränkte Bewunderung entziehen, meinte diese doch behaupten zu müssen, die Männer – wieder dieses «die Männer» - liebten zwar die Schönheit der Frauen, aber sie würden es nicht mögen, wenn diese zu aller äusserlichen Attraktivität auch noch intelligent seien.
Ich habe nicht nur selten etwas so Unintelligentes gehört, ich fühlte mich auch richtig beleidigt, denn diese Aussage unterstellt mir eine Dummheit, mit der ich nun wirklich nicht unwidersprochen zu leben gewillt war.
So viel zu Frau Läckberg.
Und was hat das mit Joan Brossa zu tun?
Könnte gut sein, dass es hier in unserem «Bern ist überall-Blog» mit diesem grossen katalanischen Poeten und Künstler wirklich weiter geht, aber mit der spanischen Politik, zu welcher Guy Krneta von mir wieder etwas lesen möchte, geht es etwa so, als liefe alles auf quadratischen Rädern. Es läuft einfach nicht rund. Seit neun Monaten hat Spanien eine Übergangsregierung, vielleicht stehen sogar Neuwahlen an. Und dies in der Zeit, in welcher die Urteile im Prozess gegen die Verantwortlichen der illegalen katalanischen Unabhängigkeitsbestrebungen bevorstehen. Könnte gut sein, dass der Herbst heisser wird als der heisse Sommer. Ganz sicher wird die Reise holperig.

01.06.2019 | 10:18
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Übers Wochenende finden die Solothurner Literaturtage statt. Bereits im Vorfeld wollen Medien «klaffende Lücken» im Programm ausgemacht haben. Statt das Interesse darauf zu richten, was ein Publikum erwartet und welchen selbst erklärten Ansprüchen die Programmierung zu genügen hat, wird ein Skandalon herbeigeschrieben.

Das Vorgehen ist bekannt. Bei jeder grösseren Preisverleihung findet es mittlerweile statt: Die Auswahl sei fragwürdig, Renommiertere und Gewichtigere seien übergangen worden. Ganz ins Leere läuft der Vorwurf nie. Es liegt in der Natur einer Auswahl, dass sie Wenige berücksichtigt und Viele übergeht.

Das Elend der Literaturkritik

Ja, die Literaturkritik hat heute einen schweren Stand. Redaktionen werden verkleinert, der Platz schrumpft. Kritiken würden nicht gelesen, behaupten die Chefs und berufen sich auf Klickzahlen. Versucht sich das Feuilleton nun Aufmerksamkeit zu verschaffen, indem es wie die Politberichterstattung skandalisiert, auf Personen spielt, angebliche Missstände aufdeckt, Konflikte schürt? Oder fühlt sich eine Kritikerin, ein Kritiker schlicht in der Eitelkeit verletzt, wenn eine unabhängige Jury anders entscheidet, als er oder sie das gerne hätte?

Dabei ist es ja gar nicht so, dass die verbliebenen Festangestellten an Präsenz verloren hätten, im Gegenteil. Sie schreiben heute für Zentralredaktionen, welche im einen Fall die Regionen Bern, Basel, Zürich, Winterthur, im anderen St. Gallen, Luzern, Zug und den Aargau bis nach Basel abdecken. Gesamtleser*innenzahl in beiden Fällen je um die 600'000. Ausserdem sitzen sie in Jurys, moderieren Literaturveranstaltungen (u.a. an den Solothurner Literaturtagen) oder äussern ihre Meinung in Literatursendungen am Schweizer Fernsehen.

Es soll über jene geredet werden, die fehlen

Üblicherweise ist es der Kritiker des «Tages-Anzeigers», der den Ton angibt. Diesmal übernahm die «Aargauer Zeitung» die Methode. Kritikerin Anne-Sophie Scholl traf die Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage Reina Gehrig zum Interview. Ein «konfrontatives» Gespräch sollte es sein. Die «Konfrontation» bestand darin, die Geschäftsführerin sich rechtfertigen zu lassen, warum bestimmte Namen im Programm nicht auftauchten. Da stecke eine gewisse Systematik dahinter, unterstellte die Kritikerin. Die Geschäftsführerin wies (einmal mehr) darauf hin, dass die Literaturtage anders als andere Festivals nicht von einer künstlerischen Leitung kuratiert werden. Strenge Richtlinien gibt es nicht. Es werde diskutiert und zwar innerhalb einer zehnköpfigen Programmkommission, die alle zwei Jahre wechselt.

Machtstrukturen im Literaturbetrieb

 Damit gab sich die Kritikerin jedoch nicht zufrieden. Sie beauftragte die nach Solothurn nicht eingeladene Autorin Corinna T. Sievers, über «Machtstrukturen im Literaturbetrieb» zu schreiben. Die Nichteingeladene sollte nun öffentlich begründen, warum sie «zwingend» hätte eingeladen werden müssen und aus welchen systemischen Gründen das leider nicht der Fall sei. Ein desaströser Auftrag. Und erstaunlich, dass ihn Sievers, vermutlich noch unter Zeitdruck, angenommen hat.

Doch mit den Literaturtagen scheint sie sich nicht weiter befasst zu haben. «In Entscheider-Positionen» sässen «nur 20 Prozent weibliches Personal» zitiert sie eine nicht genannte Studie bzw. die Autorin Nina George: «Alte, weisse Männer» verstopften Jurys und Fördergremien. Zwei Klicks hätten genügt, um auf der Website der Literaturtage festzustellen, dass die Solothurner Programmkommission aus 5 Frauen und 5 Männern unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Sprachen besteht (ja, bezüglich Hautfarbe gibt es Nachholbedarf).

Medienpräsenz als Ticket für Solothurn

Eine andere Studie komme zum Schluss, dass «männliche Literaturkritiker zu 76 % Bücher männlicher Autoren» besprechen würden und Literaturkritikerinnen ihrerseits wiederum zu 52 % Männer. Das erscheint alles, auch wenn ohne Quellenangabe, plausibel. Ein bisschen irritierend ist allerdings, dass die Autorin ausgerechnet ihre eigene hohe Medienpräsenz und die zweier Kolleginnen anführt, um aufzuzeigen, mit welcher dringlichen Berechtigung sie nach Solothurn hätte eingeladen werden müssen: «...Spiegel-Bestsellerliste, Lobeshymnen in Zeit, FAZ, NZZ... SRF 52 beste Bücher...». Soll da einer unabhängigen, paritätisch besetzten Programmkommission etwa mit männlich dominierter Medienresonanz Eindruck gemacht werden?

Eingerahmt werden Sievers zusammengeklaubte Zitate durch die rührige «Geschichte» einer 22-jährigen «Lena oder Lara», die am Literaturinstitut in Biel studiert habe, sich von einem «Verleger» einreden lasse, «wirklich begabt» zu sein und sich von diesem, «weil es ja für irgendwas gut sein muss, eine Frau zu sein», auch mal die Hand aufs Knie legen lasse. Offenbar kennt Corinna T. Sievers weder jüngere Autorinnen, die in Biel studiert haben, noch die in Kleinverlagen organisierte ums Überleben kämpfende Schweizer Buchbranche. So werden ihre «grundsätzlichen» kulturpolitischen Überlegungen entlarvend zur Vorabend-Soap.

Leerstellen – aber bei wem genau?

Und wie es sich für die herdengetriebenen Medienschaffenden gehört, nimmt ausgerechnet der «alte weisse Mann» vom «Tages-Anzeiger», Martin Ebel, der seit Jahren Sendeplätze und Jurys «verstopft», den Ball auf: «Was die Programmkommission dieses Jahr zusammengestellt hat», schreibt er, sei «voller schwer erklärbarer Leerstellen». Schwer erklärbar ist das Verfahren, wie es Reina Gehrig im Interview schildert, eigentlich nicht, aber offenbar schwer begreifbar für einen Literaturkritiker, dessen Alltag darin besteht, seinerseits das Gros der literarischen Produktion auszublenden. – Der Germanist und Literaturvermittler Benjamin Schlüer kontert auf Twitter: «Wenig überraschende, aber billige Kritik am Programm der @SOLiteraturtage von Martin Ebel: Einige wichtige Autorinnen würden übergangen – diese Behauptung passt ironischerweise wie die Faust aufs Auge, wenn man Ebels Liste von Rezensionen ansieht…».

Ein Kritiker muss naturgemäss ausblenden. Dass er sich dann aber nicht freut, bei einem Festival mit möglicherweise übersehenen Dingen konfrontiert zu werden, sondern die Machthebel in Gang setzt, um sich darin bestätigt zu sehen, das einzig Relevante nicht verpasst zu haben, zeugt doch von einer ziemlichen Ignoranz.

20.05.2019 | 20:54
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On est partis avant l’aube.  On a quitté Aigle, il devait être quoi ? 5 h, 5h15 ? Je m’en rappelle parce que j’ai voulu choper un croissant à la gare, et que le magasin était encore fermé.  Du coup comme j’avais l’estomac vide, ça m’a un peu brassé dans les virages en montant, j’ai presque vomi à la sortie du Sépey. Mais qu’est-ce que vous voulez, ces expulsions de réfugiés, on est bien obligés de les faire tôt le matin. D’abord ça nous permet de profiter de l’effet de surprise : même s’ils sont souvent un peu stressés, ces gaillards, y en a toujours un ou deux qui sont en train de roupiller quand on débarque, et ça nous facilite la tâche. Et puis quand c’est toute une famille qu’il faut embarquer pour les mettre dans l’avion, ça te permet de choper tout le monde en une fois, plutôt que de devoir encore aller chercher les gamins à l’école ou chez la logopédiste ou Dieu sait où.  

On s’est donc pointés sur le coup des 6 heures devant la porte de l’appartement de cette famille de  - c’était des quoi d’ailleurs, ceux-là ? Des Yézidites, ou Yézédines, je sais pas comment on dit exactement, mais pas venus directement de Yézédinie en tout cas, vu que c’est en Géorgie qu’on devait les expédier par vol spécial- bref, leurs origines n’étaient pas très claires, mais ils venaient en tout cas d’un pays arabe à voir leurs figures...- on s’est donc pointés là, devant leur porte, avec ordre d’emmener toute la smala manu militari à l’aéroport de Cointrin dans la matinée.  

On était une quinzaine en tout avec les collègues de Lausanne, dont trois femmes pour s’occuper de la mère et des gamins, ça devait bien se passer. En plus on était à Leysin - moi j’adore Leysin, c’est vraiment une station sympa pour aller skier avec les enfants, et puis y a ce restaurant tournant – le Kuklos, qu’il s’appelle- qui est quand même super- bref, ça devait se passer comme ça se passe en général avec les familles – le serrurier ouvre la porte, on entre en gueulant pour leur faire un peu peur et puis ensuite on leur parle gentiment s’ils se montrent coopératifs-  sauf que les Yézidites ou Yéditiens, je sais de nouveau plus comment on dit, ont fait des histoires. Le père s’est tailladé les bras avec un couteau. La mère s’est mise à nous traiter de tous les noms. Les gamins ont commencé à se cacher sous les lits ou dans les armoires. Impossible de leur mettre le grappin dessus. Nous on a l’habitude, bien sûr, on n’en a régulièrement des qui se roulent par terre en suppliant, en nous disant qu’on les tuera là-bas ou Dieu sait quoi, on n’écoute même plus. Mais là il fallait les voir s’agiter, on ne savait plus comment en faire façon. On aurait dit que leur dernière heure était venue alors que tout ce qu’ils avaient à faire c’était de retourner tranquillement chez eux et de régler leurs problèmes une fois pour toutes, même si leurs gamins avaient chopé l’accent vaudois. On n’aurait pas attaché les adultes, fait un peu la grosse voix devant les gosses, et puis bouclé les valises à leur place, c’est clair qu’on y serait encore.

Une fois toute la bande enfermée dans les fourgons, le chef a appelé le Conseiller d’Etat, à Lausanne.   «The job is done » il lui a dit en voulant crâner un peu (y en a deux ou trois comme ça à la Police Cantonale). Mais Monsieur Leuba n’a pas compris -le réseau n’est pas toujours très bon à la montagne- alors le chef a repris : « on a fait le boulot, monsieur le Conseiller d’Etat » et à voir sa tête, j’ai compris que le grand vizir l’avait félicité.  Là-dessus les collègues de Lausanne ont pris la route pour emmener les Yédzini à Cointrin et nous, ceux du poste d’Aigle, on est allés boire un café. Franchement, on ne l’avait pas volé celui-là.  Et puis moi j’ai pris un sandwich au jambon en plus de mon renversé, j’avais pas envie de me trouver de nouveau mal dans la descente. Eh ben le pire c’est que je l’ai regretté, parce que juste avant le Sépey j’ai dû demander au collègue de s’arrêter et je suis allé rendre tripes et boyaux derrière un entrepôt de l’office des routes. Comme quoi, qu’on soit à jeun ou pas dans les virages, cela ne change pas grand-chose.

…Et puis le soir j’ai demandé à ma femme si elle savait où c’était la Yézidite.
Elle savait pas non plus. On a voulu chercher un moment sur Internet mais on s’est découragé et on a fini par commander un truc en ligne, chez Zalando.  



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31.03.2019 | 21:03
Bild:  Miriam Cahn: Das Bild ist  eventuell urheberrechtlich geschützt. (photo: )

Beim Betreten der Ausstellung im Kunstmuseum erinnerte ich mich sofort an einen Kollegen, der die Künstlerin Miriam Cahn einmal getroffen hat und erzählte, dass diese schon in jungen Jahren sehr genau gewusst habe, wer sie war und was sie wollte. Daran, ob er sie möglicherweise als «aggressiv» geschildert hatte, konnte ich mich nicht mehr erinnern, sicher ist aber, dass «Aggression» die treffende Bezeichnung für das Gefühl ist,  das mir beim Betreten des Saales entgegenschlug. Schon nach ein paar wenigen ersten Blicken auf die mächtig auftrumpfenden, wildbunten Gemälde an den Wänden musste ich mich in den ersten Nebenraum flüchten, wo eine Seelandschaft hing, die mich nicht auf der Stelle zwang, meinen Blick abzuwenden. Diese Landschaft strahlte sogar so etwas wie Ruhe aus, wenn wahrscheinlich auch eine trügerische. Aber ich war dankbar, dass ich mich dort auf eine Holzbank setzen und mich sammeln konnte. Geflohen bin ich vor aufdringlichen Verstümmelungen und Verzerrungen, die so brutal und direkt auf mich einstürzten, dass ich sofort überfordert gewesen war und, ausser dem Empfinden von Aggression, meine Gefühle nicht mehr einordnen konnte. Plötzlich hatten mich riesige, plakative Fratzen angestarrt, als wollten sie mich als Museumsbesucher verhöhnen. Waren das Bilder, die das Publikum beschimpfen wollen oder sollen? Was hast Du Dir gedacht du spiessiger Sack! Du hast wohl Erbauung und Besinnung gesucht im Musentempel! Irrtum! Gigantischer Irrtum! Falsche Adresse! Ätsch! Bätsch!
Was ich gesehen hatte, zeugte zweifellos von schier grenzenlosem Mut zur Darstellung einer sehr persönlichen und äusserst intensiven Wahrnehmung der Welt. Da war in diesen groteskfarbigen Fratzen und Figuren auch noch eine ebenso grenzenlose Wut auf diese Welt, und ich war wirklich froh, dass ich mich setzen und in diese Landschaft schauend, mich beruhigen konnte. Erst dort auf dieser Bank bemerkte ich, wie verstört ich wirklich war. Ja, dachte ich, ich bin aufgewühlt, verunsichert, klein gemacht, enttäuscht, vor den Kopf gestossen. Viel mehr kann Kunst gar nicht können, als so schnell, so viel auszulösen. Dann dachte ich, viel mehr darf Kunst aber auch nicht müssen, sonst sind wir ja mitten im Krieg. Und schliesslich dachte ich, jetzt schaue ich mir alles noch einmal in Ruhe an, aber bitte, sagte ich mir eindringlich, mit kühlem Kopf und mit etwas mehr Distanz, sonst kannst du gleich nachhause gehen.