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Berner Besetzungswelle: Nicht gekommen um zu bleiben

«Aus dem RaBe-Info»

Am vergangenen Wochenende wurden mehrere Häuser in Bern besetzt oder scheinbesetzt. RaBe Info hat mit Pascal (Name geändert) aus der Anarchistischen Gruppe Bern über die Hintergründe, Absichten und Forderungen der Besetzer*innen gesprochen.

Die Besetzungen vom Wochenende haben für viel Wirbel gesorgt. Zum Auftakt der Effy29-Prozesse haben die Anarchistische Gruppe Bern und die Revolutionäre Alternative Bern in einer koordinierten Aktion in Bern, Zollikofen und Ostermundigen insgesamt sechs Gebäude besetzt.

Allerdings sind sie nicht gekommen, um zu bleiben. Wie Pascal von der Anarchistischen Gruppe Bern AGB im Gespräch mit RaBe ausführt, gingen sie nicht davon aus, dass die Besetzungen Bestand haben könnten und haben sich deswegen auch Häuser ausgesucht, welche bereits Jahre oder Jahrzehnte leer stehen.

Ziel der Aktion war, sich solidarisch zu zeigen mit den Angeklagten im Effy29-Prozess. Die damalige und aktuelle Debatte rund um die angeblichen «Terrorist*innen» sei fernab von den Realitäten in der Berner Besetzer*innenszene. Zudem würden dadurch die politischen Ziele und Inhalte von Besetzungen komplett ausgeblendet, welche sie mit der Aktion ins Zentrum rückten, indem sie auf den Leerstand bei gleichzeitigem Mangel an Freiräumen aufmerksam machten.
Sie kritisieren die Aufwertung und die damit einhergehende Gentrifizierung vieler Berner Quartiere, die Ausrichtung der offiziellen, städtebaulichen Politik auf vermögende Privatpersonen und Firmen und der damit einhergehende Verlust von Räumen für Geringverdienende und alternative Projekte, Wohn-, Lebens-, und Arbeitsweisen. Der Druck auf die verbliebenen Freiräume sei enorm und diese gelte es zu verteidigen.
Bei Besetzungen gehe es um viel mehr als nur darum, Raum für Kunst, Kultur und Konzerte zu schaffen, sondern ebenso oder vor allem auch um politische Inhalte. Deswegen stehen die beiden Gruppen auch Zwischennutzungen skeptisch gegenüber, weil diese darauf ausgerichtet seien, Besetzungen gezielt zu verhindern. Zwischennutzungsverträge seien Kontrollmechanismen, weil damit erstens Externe entscheiden, wer die Räume wofür nutzen kann und wer nicht, wodurch auch der politische Aspekt verloren zu gehen droht.
Weiter kritisieren die Gruppierungen, dass sich die Stadt einerseits mit Projekten und Initiativen von Besetzer*innen, bzw. allgemein «von unten» schmückt, diese jedoch gleichzeitig zu vereinnahmen versucht, um sie ihren Vorstellungen und Wünschen gemäss anzupassen.

RaBe im Gespräch mit «Pascal» von Anarchistische Gruppe Bern AGB: