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Das Kollektiv Gastrostreik Bern ruft zum «Datenstreik» auf

Ab heute, dem 10. Mai, sind Gastronomiebetriebe verpflichtet, Gästedaten täglich auf eine zentrale kantonale Datenbank zu übermitteln. Dem Kollektiv Gastrostreik Bern geht das zu weit: Es tritt in den «Datenstreik» und ruft dazu auf, seine Forderungen zu unterstützen.

Das Kollektiv Gastrostreik Bern ist gegen eine zentrale Datenbank beim Contact-Tracing. (Bild: zVg)

Der Kanton Bern will das Contact Tracing mithilfe einer zentralen Datenbank vereinfachen. Ab heute sind alle Gastronomiebetriebe dazu verpflichtet, die Kontaktdaten ihrer Gäste spätestens alle 24 Stunden über die Registrierungsapplikationen direkt an die kantonale Datenbank weiterzuleiten. Grund für diese Neuerung: Im vergangenen Jahr war das Einholen der Daten von den Gastrobetrieben oft mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden gewesen. Dass das bisherige System so nicht funktioniert, sieht auch das Kollektiv Gastrostreik Bern. «Wir sind nicht gegen eine Automatisierung und Effizienzsteigerung des Contact Tracings – das begrüssen wir sogar», erklärt Diego Dahinden, Pressesprecher des Kollektivs, «Aber eine zentrale Datenbank sehen wir als viel zu gefährlich an.» Ausserdem sei es ein bedenklicher Eingriff in die Privatsphäre ihrer Gäste: «Wenn wir alle Daten an den Kanton übermitteln müssen, stellt das eigentlich einen Grundrechtseinschnitt für unsere Gäste dar. Es gibt mildere Mittel, die weniger einschneidend sind als eine zentrale Datenbank.»

Der Kanton schreibt auf seiner Website, die neue Datenbank werde nur in Fällen von Ansteckungen zur Unterbrechung von Infektionsketten herbeigezogen. Dem Kollektiv Gastrostreik sind die kantonalen Stellungsnahmen aber zu vage. Sie fordern, die Möglichkeit von Missbrauch solle technisch ausgeschlossen werden und zeitgemässe, dezentrale IT-Lösungen gefunden werden.

Eine Woche «Datenstreik»

Deshalb tritt das Kollektiv ab heute in den «Datenstreik» und fordert weitere Branchenbetriebe auf, mitzumachen oder ihre Forderungen solidarisch zu unterstützen. Bisher nehmen schon mehrere Dutzend Betriebe aus dem Raum Bern teil. Ziel ist ein Umdenken des Kantons. «Die Daten werden während dieser Woche symbolisch nicht an den Kanton übermittelt», so Diego Dahinden, «Was uns sehr wichtig ist: Das Contact Tracing wird natürlich gewährleistet. Wir werden Gästedaten wie bis anhin aufnehmen und bei einem positiven Fall unverzüglich an den Kanton weiterleiten.»

Eigenverantwortung der Gäste

Weiter fordert das Kollektiv einen Paradigmenwechsel beim Contact Tracing: Die Verantwortung für das Eintragen der Daten soll nicht mehr hauptsächlich bei den Betreiber*innen von Gastro-und Kulturlokalen liegen. Bisher ist das Betriebspersonal dafür zuständig, die Gäste zum Ausfüllen der Kontaktdaten anzuhalten. Auf diese Weise «Polizei» spielen zu müssen, sei aber definitiv nicht ihre Aufgabe, so das Kollektiv in ihrem Streikaufruf. Stattdessen sollten die Gäste mehr Eigenverantwortung für das korrekte Eintragen übernehmen müssen, analog zu den Self-Checkout-Kassen der Detailhändler, wo sich auch die Kund*innen strafbar machen, wenn sie Waren stehlen und sich nicht an die Regeln halten.