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«Auch die Schweiz profitiert vom Kolonialismus»

«Aus dem RaBe-Info»

Kolonialismus ohne Kolonie: Obwohl die Schweiz keine eigene Kolonie besass, profitierte sie massiv vom weltweiten Kolonialismus. Im Rahmen einer Infoserie zur diesjährigen Tour de Lorraine beleuchtet RaBe-Info heute die kolonialen Versrickungen der Schweiz.

Gemeinsam gegen Multis: Der March against Bayer und Syngenta in Basel 2018 (Bild: zVg)

Im Gegensatz zu Frankreich, Grossbritannien oder Deutschland schickte sich die Schweiz nie an, Gebiete auf fernen Kontinenten für sich zu beanspruchen. Trotzdem profitierte sie massiv vom Kolonialismus, wie Elango Kanakasundaram von Multiwatch im Interview mit RaBe erklärt. «Die Gebrüder Volkart zum Beispiel betrieben im 19. und 20. Jahrhundert einen Handelskonzern, der Waren wie Baumwolle, Kaffee, Tee und Gewürze aus Indien und Sri Lanka importierte.» Auch Schweizer Unternehmen hätten sich also die ausbeuterischen Bedingungen im globalen Süden zu Nutze gemacht. «In dieser Zeit wurde ein enormer Reichtum aufgebaut, von welchem die Schweiz noch immer zehren kann», so Kanakasundaram und verweist auf die Gründung verschiedener Banken, welche dann wiederum der Schweiz dazu verhalfen, eine Rohstoffdrehscheibe zu werden.

Noch heute übten multinationale Konzerne mit Sitz in der Schweiz eine grosse Macht auf die Politik aus, sie profitieren zum Beispiel von einem tiefen Steuersatz auf ihren Gewinnen. Die Konzernverantwortungsinitiative ist zwar letzten Herbst am Ständemehr gescheitert, trotzdem sei sie ein Erfolg gewesen, an welchen jetzt ein neues Projekt von Multiwatch anknüpfen will. Mit einem Handbuch und einem Lehrgang will die Organisation Menschen aus der Zivilbevölkerung befähigen, selber zu den Machenschaften der Schweizer Konzerne zu recherchieren, sagt Kanakasundaram.