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Baubewilligung für das Türmchen

Das kleine Türmchen auf dem Haus der Religionen am Europaplatz kann wohl gebaut werden. Der Regierungsstatthalter stützt einen Bericht des Bauinspektorats. Das Egerkinger Komitee zieht seine Einsprache nicht weiter.

So diskret, dass man es fast nicht sieht: die Profile für den Aufbau mit Kuppel und Türmchen auf dem Haus der Religionen. (Foto: Rita Jost)

Gestern lief die 30-tägige Einsprachefrist gegen das geplante 75cm hohe Türmchen und die kleine Kuppel auf dem Haus der Religionen ab. SVP-Stadtrat Henri-Charles Beuchat, der im Mai beim Bauinspektorat der Stadt Bern geklagt hatte mit dem Argument, dieser Aufbau widerspreche dem Minarettverbot in der Bundesverfassung, räumt ein, dass sich ein Weiterziehen wohl nicht lohne. Aber der Protest aus Kreisen der SVP sei trotzdem «richtig und wichtig» gewesen.

Der Imam im Haus der Religionen, Mustafa Memeti, atmet auf. Für ihn war allerdings immer klar gewesen, dass das Minitürmchen über seiner Moschee kein Minarett ist. «Ein Minarett», sagt Mehmedi, «ist erklärtermassen ein Turm, auf den ein Muezzin steigen kann, um das Gebet auszurufen.» Das sei aber bei dem symbolischen Türmchen definitiv nicht möglich. Im Übrigen sei dieser Aufbau bereits bei der Eröffnung des Hauses 2014 geplant gewesen, aus finanziellen Gründen damals aber zurückgestellt worden.

Unbegründete Einsprache

Das Bauinspektorat der Stadt Bern sah das ebenso. Und Regierungsstatthalter Christoph Lerch schliesst sich dieser Auffassung an. «Die Einsprachen wurden als öffentlich-rechtlich unbegründet beurteilt und die Baubewilligung erteilt», teilt er mit. David Leutwyler, der Geschäftsführer im Haus auf dem Europaplatz, ist überzeugt, dass damit die Sache auf gutem Weg ist, und die Muslime ihr Türmchen und die dazugehörige Kuppel wie geplant bauen können.

Die Kontroverse hat einmal mehr gezeigt, dass religiöse Symbolik im öffentlichen Raum ein Minenfeld ist, insbesondere muslimische Symbolik. Die Kuppel und das Türmchen sind zusammen viel weniger hoch und ungleich diskreter als die Hindugottheiten, die ein paar Meter weiter aus dem Dach über dem Tempel hinausreichen. Aber der SVP-Vertreter Henri Beuchat sieht im muslimischen Türmchen trotzdem «eine Machdemonstration», die seine Partei nicht widerspruchslos habe hinnehmen wollen.