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Pop-up uf Bärndütsch

«Pop-up Store» ist jetzt nicht gerade ein ur-berndeutsches Wort. Aber der Laden, der in der Galerie Alex Doll an der Gerechtigkeitsgasse 74 in diesem Sommer «aufspringen» soll, hat viel mit Berndeutsch zu tun. Und mit «aufspringen» (oder besser und berndeutsch: «ufgumpe»…) auch.

Célina Rohrbach  (links) und Anna Meier vor ihrem künftigen (temporären) Lädeli in der Gerechtigkeitsgasse 74. (Foto: Rita Jost)

Da sind einmal die beiden Betreiberinnen des temporären Lädelis: Célina Rohrbach (23) und Anna Meier (24), zwei gebürtige und leidenschaftlich angefressene Bernerinnen. Und da sind anderseits ihre Produkte, die sie dort verkaufen werden: witzige Karten- und Brettspiele mit starkem Bernbezug.

Ein Bären-Jass

Zum Beispiel ein von den beiden Multimedia-Studentinnen entworfenes Jass mit Bärenmotiven, dann ein Leiterlispiel, das durch die Stadt und ihre Umgebung führt und schliesslich die Eigenkreation «Löu», ein Kartenspiel mit 120 Karten (in Anlehnung an Mani Matters Lied «e Löu, e blöde Siech, e Glünggi und e Sürmu»). Und neuerdings auch noch ein berndeutsches Pokerspiel.

Entstanden sind diese Spiele, die unter anderem auch von Bern Tourismus und im Museum für Kommunikation vertrieben werden, im Studiengang Multimedia Production der Fachhochschule Graubünden und der Hochschule der Künste Bern. Diese Ausbildung haben die beiden Frauen in den letzten drei Jahren gemacht, im August werden sie ihr Studium mit dem Bachelor abschliessen. Die Website, die Spieleproduktion und das Lädeli in der Gerechtigkeitsgasse sind Teil ihrer Bachelorarbeit.

Keine Puristinnen

Célina und Anna, aufgewachsen in Schwarzenburg und Bern, haben sich im Studium kennengelernt. Weil die zwei Bärner Modis dort unter den Studierenden aus der ganzen Schweiz oft auf ihr ausgeprägtes Berndeutsch angesprochen wurden, begannen sie, sich intensiver mit ihrer Muttersprache zu befassen. «Aber,» stellen sie gleich klar, «wir sind keine Sprachwissenschaftlerinnen, unser Dialekt gefällt uns einfach. Und wir sprechen ihn gerne.»

 

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Ihr Berndeutsch ist auch nicht puristisch. Sie sprechen ihre Sprache genauso mit Anglizismen wie ihre Altersgenossen, und schreiben den Dialekt auch nicht immer ganz nach den Regeln der Sprachpäpste. Ihnen ist die Freude am Dialekt und seinen Möglichkeiten wichtiger als irgendwelche Dogmen. Und deshalb war ihnen auch schnell klar, was das Thema ihrer Bachelorarbeit sein sollte. Eine Website, die ihren Dialekt in den Mittelpunkt stellt und Produkte, die auf diese Website aufmerksam machen. Oder umgekehrt.

Glück mit der Domain

Und so unglaublich es klingt: die Domain «baernduetsch.ch» war tatsächlich noch zu haben und wurde auch gleich reserviert. Dann entstand der Schriftzug mit dem fehlenden a und dem fehlenden u unter den Umlautpünktli. Und Celina machte sich ans Gestalten der Homepage. Die junge Frau, die ursprünglich eine KV-Lehre bei der Swisscom machte und dort immer noch zu 40 Prozent arbeitet, ist nämlich «eine super Programmiererin», wie ihre Kollegin Anna sagt; sie hingegen kümmert sich im Duo eher um das Marketing und die Kommunikation.

Abenteuer Firmengründung

Zusammen sind die beiden seit kurzem (die einzigen) Teilhaberinnen der «Bärndütsch GmbH». Das Startkapital haben sie mit Selbsterspartem bzw. mit etwas familiären Zuwendungen aufgebracht. Der Entscheid, eine Firma zu gründen, war ein spontaner Entscheid, wie sie lachend sagen, «wie vieles, was wir anpacken.»

Wie beispielsweise auch das erste Produkt, das Bären-Jass, das 2020 auf den Markt kam und gleich erfreulich einschlug. Die Startauflage von 300 Stück war sofort verkauft. Verschiedene Firmen bestellten dann auf Weihnachten die Kartensets als Geschenke, und die beiden Frauen hatten ein erstes Mal Stress. Das Planen der Produktion sei tatsächlich für sie die bisher grösste Herausforderung, sagen die Jungunternehmerinnen.

Zum Bärenjass gehört auch ein leicht verständlich formuliertes Schieber-Reglement. Dieses jedoch – mit Blick auf die Auswärtigen – nicht auf Berndeutsch. (Foto: Rita Jost)

Zum Bärenjass gehört auch ein leicht verständlich formuliertes Schieber-Reglement. Dieses jedoch – mit Blick auf die Auswärtigen – nicht auf Berndeutsch. (Foto: Rita Jost)

Aber sie hätten viel gelernt in den letzten Monaten. Und nebst Job, Uni, Bachelorarbeit haben sie auch ganz viel Freizeit in ihr Startup investiert. Ein Problem sei das allerdings nicht, denn: «wir haben grossen Spass an unserer Arbeit. Da arbeitet man gerne abends noch ein paar Stunden weiter.» Einfach hinsitzen und einen Film schauen, das gebe es bei ihnen ohnehin eher selten.

Und was kommt nach dem Lädeli?

Vom 15. Juni bis zum 15. Juli kommt jetzt also das Experiment «Pop-up-Lädeli». Die beiden jungen Frauen haben sich in ihren bisherigen Erwerbsjobs Ferien genommen für diesen «Sommerjob», der sie zu 100 Prozent auslasten wird. Danach wird die Bachelorarbeit abgegeben. Was danach kommt, lassen sie im Moment noch offen. «Cool wäre, wenn wir unsere Dialektleidenschaft zum Hauptberuf machen könnten», sagen sie und schliessen auch nicht aus, dass sie vielleicht einmal ein berndeutsches Game entwickeln. Da bräuchten sie allerdings noch Unterstützung. Aber: sie wüssten, wo sie sich diese holen könnten. Und im Übrigen funktioniere es ja ganz unkompliziert zwischen ihnen: «Eine hat eine Idee, die andere springt auf und wir legen los.» Pop-up eben...