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KlimaBalkone für Biodiversität und gegen Stadthitze

Mit der Aktion «KlimaBalkone» ruft die Stadt Bern ihre Bewohner*innen dazu auf, ihre Balkone zu begrünen. Damit soll die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen in der Stadt gefördert und die städtische Sommerhitze reduziert werden.

Tausend KlimaBalkone sollen im Sommer 2021 in Bern entstehen. (Bild: ZVG)

Unter dem Motto «Natur braucht Stadt» hat Stadtgrün Bern zusammen mit dem Botanischen Garten (BOGA) und der Universität Bern ein Themenjahr lanciert, das für die Notwendigkeit von naturnahen Flächen in der Stadt sensibilisieren soll. Im Fokus stehen dabei die Förderung von Biodiversität und Massnahmen gegen die Klimaerwärmung.

Städte hätten eine wichtige Bedeutung als Lebensraum für einheimische Pflanzen und Tiere, schreibt die Universität Bern in ihrer Medienmitteilung zum Projekt. So kämen rund 67 Prozent der Tierarten sowie 45 Prozent der einheimischen Wildpflanzen im Siedlungsgebiet vor. Im Zuge des verdichteten Siedlungsbaus sind die Lebensräume für Flora und Fauna in den Städten aber immer mehr bedroht. Umso dringlicher sei es deshalb, dass gleichzeitig zu Bauprojekten stets Massnahmen zur Förderung von Biodiversität getroffen würden. Bern verfügt seit 2012 als erste Schweizer Stadt über ein Biodiversitätskonzept. Diesem zufolge soll, wo immer dies möglich sei, durch das Anlegen von Wildhecken, Teichen, Blumenwiesen oder Grünflächen am Strassenrand neue Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaffen werden.

Hitzeinsel Stadt

Neben Artenverlust durch Überbauung und Versiegelung ist auch die Hitze in der Stadt ein grosses Umweltthema. Dicht stehende Gebäude, asphaltierte Flächen und die Abwärme von Verkehr und Klimaanlagen machen die Stadt zu einem Backofen, der auch in der Nacht eine Wärmequelle bleibt und nur langsam abkühlt. In einer windstillen Sommernacht kann es in grösseren Städten deshalb bis zu 10°C wärmer sein als im Umland. Ein Forschungsprojekt von der Gruppe für Klimatologie der Universität Bern misst seit 2018 die Temperaturen an verschiedensten Orten in der Stadt Bern. Die Messergebnisse haben gezeigt, dass im Sommer grosse Schwankungen vorherrschen: So sei es in Bümpliz in der Nacht um einiges angenehmer zum Schlafen als in der Altstadt oder im Breitenrain.

Mehr Begrünung biete aber auch in dieser Hinsicht Abhilfe, sagt Natalie Schäfer vom Amt für Umweltschutz. Nebst dem, dass sie Schatten spenden würden, verdunsten Pflanzen Wasser, was Abkühlung verschafft. Das wirke sich auf ihr unmittelbares Umfeld aus. Letztes Jahr hat die Universität Bern in einem Pilotprojekt Pflanzenkübel auf dem Waisenhausplatz aufgestellt. Eine Wärmekamera habe gezeigt, dass die Temperatur rund um die Kletterpflanzen zwischen 10 und 15°C kühler gewesen sei, als auf dem restlichen Platz.

1000 KlimaBalkone für Bern

Um gegen den Verlust von Biodiversität und gegen die sommerliche Stadthitze anzukämpfen, soll nun neben anderen Klimaanpassungsmassnahmen auch die Zivilbevölkerung eingebunden werden. Mit der Aktion «KlimaBalkon» lädt die Stadt Bern ihre Bewohner*innen dazu ein, ihre Balkone mit einheimischen Pflanzen zu begrünen. Der Slogan «Kein Balkon zu klein, ein ‹Klimabalkon› zu sein!» ruft explizit dazu auf, dass es nicht unbedingt einen Garten brauche um etwas zur Biodiversität und zum Stadtklima beizutragen. Auch kleine Balkon-Biotope würden Lebensraum für Insekten und Vögel schaffen und der kühlende Effekt der Pflanzen beeinflusse das städtische Mikroklima positiv. Angepflanzt werden sollen möglichst viele einheimische Wildpflanzen wie beispielsweise Thymian, Klee, Glockenblumen, Mohn, Schafgarbe, Brennnessel und viele mehr. Auf die typischen Berner Geranien sollte aber besser verzichtet werden, rät Schäfer: «Diese führen keinen Nektar mit und sind eigentlich ein toter Rasen.»  Sie empfiehlt an deren Stelle nützliche Küchenkräuter wie Rosmarin und Salbei.

Kein Balkon zu klein, ein KlimaBalkon zu sein. (Bild: Amt für Umweltschutz)

Kein Balkon zu klein, ein KlimaBalkon zu sein. (Bild: Amt für Umweltschutz)

Wer einen Balkon nach den Kriterien eines Klimabalkons bepflanzt, kann diesen mit einem sichtbaren KlimaBalkon-Wimpel auszeichnen und auf einem interaktiven Stadtplan eintragen.

Je mehr Menschen sich engagieren und zusätzliche naturnahe Flächen schaffen würden, desto besser. «Ein Balkon allein wird das Stadtklima natürlich nicht verändern», sagt Natalie Schäfer. Vielmehr gehe es darum möglichst viel Grün zu schaffen: «Wenn ganze Hausfassaden oder Dächer begrünt werden, so können sich Städte damit doch wirksam gegen Hitzesommer wappnen.» Das Ziel für diesen Sommer: Tausend neue KlimaBalkone sollen in der Stadt Bern entstehen.

Wer mitmachen will, findet unter diesem Link eine Broschüre mit weiteren Informationen und Anleitungen und Tipps.