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Sabine Reber

09.05.2021 | 19:03

Neue Früchte-Züchtungen für Balkon und Stadtgarten lassen auch auf kleinstem Raum eine schmackhafte Ernte zu. Da ist inzwischen viel mehr möglich, als man gemeinhin glaubt. Gerade wer Kinder hat, sollte eigene Beeren und Früchte ziehen und sich vom Resultat überraschen lassen.

Kann auch im kleinen Garten blühen: Der Apfelbaum. (Foto: Luca Hubschmied)

Beim Thema Früchte aus dem eigenen Garten denken die meisten an Hochstamm-Apfelbäume oder ein riesiges Brombeergestrüpp, das alles überwuchert, und verwerfen den Gedanken gleich wieder. Oder vielleicht kommen einem alte Sorten von Walderdbeeren in den Sinn, die nur einmal im Jahr Früchte tragen und die übrige Zeit recht unattraktiv im Topf dahinvegetieren. Das ist alles für den kleinen Balkon oder das winzige Stadtgärtchen nicht sonderlich attraktiv. Umso mehr lohnt sich ein Blick auf neue Züchtungen: Da gibt es nämlich Himbeeren, die so kompakt bleiben, dass sie in einem gewöhnlichen Balkonkistchen gedeihen können. Die Früchte werden verhältnismässig gross und schmecken erst noch fantastisch. Da gibt es Brombeeren, die weder wuchern noch Stacheln tragen, und die sich zu einem wohlgeordneten Sichtschutz und Schattgenspender heranziehen lassen. Da gibt es Erdbeersorten in Hülle und Fülle - bei diesen beliebten Früchten gibt es gerade für Balkongärtner eine riesige Auswahl an schmackhaften neuen Züchtungen, die mehrmals pro Saison Früchte tragen. Besonders attraktiv sind die "Double Pleasure"-Erdbeeren, die wunderschöne rosarote Blüten bilden, und die uns danach auch noch mit leckeren Früchten erfreuen.

Je kleiner der Balkon oder der Stadtgarten ist, umso mehr gilt: Die Pflanzen sollten möglichst hübsch aussehen, sie sollten leckere Früchte liefern und überhaupt insgesamt möglichst lange möglichst viel Freude machen. Dabei sollten sie auch noch gesund und robust sein und möglichst wenig Platz beanspruchen. Das ist leider mit den meisten traditionellen alten Sorten nicht zu bewerkstelligen. Entweder, sie werden riesig (Beispiel Hochstammbäume), oder sie sehen nicht besonders hübsch aus und/oder wuchern alles zu (Beispiel Himbeeren, Brombeeren).

Die grössten Fortschritte wurden nebst den balkontauglichen Himbeeren und den verbesserten Erdbeeren im Bereich der Obstbäume erzielt, und zwar insbesondere bei den Äpfeln. Hier gibt es seit einiger Zeit sogenannte Säulenbäume, die von Natur aus ganz schmal bleiben, und aber trotzdem richtig viele, grosse, schmackhafte Früchte tragen. Auch Birnbäume gibt es in Säulenform. Beim Steinobst jedoch  muss man genau hinschauen. Dort funktioniert die Technik mit der natürlichen Säulenform in der Regel nicht, und wenn Zwetschgen, Aprikosen oder Kirschen in Säulenform angeboten werden, dann sind sie meist künstlich zurechtgestutzt worden und geraten dann bald wieder aus der Form. Beim Steinobst, insbesondere bei Pfirsich und Aprikosen, gibt es dafür aber hübsche Zwergbäumchen, die auf so schwach wachsende Wurzeln veredelt wurden, dass sie jahrelang in einem Kübel auf dem Balkon gedeihen können. Diese kleinbleibenden Obstbäume sind eigentlich eine züchterische Sensation, denn sie blühen wie die Grossen und bilden auch normal grosse Früchte - und das meist schon im ersten Jahr!

Wie das gemacht wird? Durch die Veredelung von Edelsorten auf sehr schwachwüchsige Wurzeln. Diese alte Kulturtechnik wird seit jeher im Obstbau (gerade auch bei den alten Sorten!) angewendet, und wir kennen die Technik des Veredelns zum Beispiel auch aus der Rosenkultur. Wenn wir schon beim Thema Veredeln sind: auch bei den Tomaten sind veredelte Sorten erhältlich. Diese haben grosse Vorteile gegenüber den herkömmlichen Tomatensetzlingen, und gerade wer auf einem kleinen Balkon nur wenig Platz zur Verfügung hat, wird viel Freude haben an diese Stauden. Denn erstens sind sie einiges robuster und kommen auch mit schlechtem Wetter zurecht. Vor allem aber bilden sie mehr, und auch schmackhaftere Früchte. Wer es nicht glaubt, soll eine alte Sorte und eine neue, veredelte Tomate zum Vergleich nebeneinander wachsen lassen. Ihr werdet staunen über den Unterschied.... ah, jetzt höre ich schon den Einwand, die alten Sorten würden aber besser schmecken. Seid ihr sicher? Ich rede hier ja nicht von den Industriesorten aus dem Billigsupermarkt. Für die Veredelung werden meist durchaus schmackhafte, manchmal alte, oftmals aber auch geschmacklich attraktive neue Sorten verwendet.

Und noch zum Thema Geschmack: ein bisschen habt ihr das auch selber in der Hand. Bei den Tomaten, und zum Beispiel auch bei den Erdbeeren kommt es bei der Intensität des Geschmacks nicht nur auf die Sorte an, sondern auch auf die Art und Weise, wie die Pflanzen kultiviert werden. Das heisst: zu viel Dünger und Wasser geben führt zu grösseren, aber geschmacklich weniger intensiven Früchten. Gerade nur genug Wasser und eher weniger Dünger geben hingegen intensiviert den Geschmack. Die Früchte werden dann aber eher kleiner bleiben. Alles kann man eben auch hier nicht haben!

Das grösste und beste Angebot an Balkonobst gibt es beim Schweizer Obstzüchter Lubera, der seine Pflanzen online verkauft über www.lubera.com. Auch andere Anbieter im Fachhandel haben geeignete Sorten im Angebot, zum Beispiel von Hauenstein Rafz. Aber Achtung bei Billigeinkäufen unbekannter Herkunft: nicht alles, was im Laden klein und günstig aussieht, bleibt dann auch klein.

 

Sabine Reber ist Schriftstellerin und Gartenexpertin. Sie hat schon an den verrücktesten Orten Pflanzen zum Wachsen gebracht, und sie gestaltet auch Gärten und Balkone für Kunden. Alles über ihre Bücher und ihr weiteres Angebot auf www.sabinesgarten.ch