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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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Printmedium auf Expansionskurs

Die bärner studizytig ist die offizielle Studierendenzeitung der Universität Bern. Sie erscheint vierteljährlich und hat eine Auflage von aktuell rund 15‘000 Exemplaren (vorher etwa 12‘000), da sie an alle Studierende der Uni Bern und neu auch an alle PH-Studierende geschickt wird. Ein Printmedium auf Expansionskurs. Wie geht das?

Lucie Jakob im Redaktionsraum der bsz an der Uni Tobler. (Foto: Nicolas Eggen)

Bisher war die bärner studizytig (bsz) in zwei Teile gegliedert, seit der letzten Ausgabe sind es deren drei. Diese sind redaktionell voneinander getrennt. Den ersten und grössten Teil gestaltet die bsz-Redaktion. Der zweite Teil wird von der Studierendenschaft der Universität Bern (SUB) veröffentlicht, dies sind die sogenannten SUB-Seiten. Die SUB ist die offizielle Vereinigung der Studenten, welche diese in hochschulpolitischen Angelegenheiten vertritt und von den Studierenden gewählt wird. Analog dazu kommt nun also mit der Vereinigung der Studierenden PH Bern (VdS) ein dritter Teil hinzu, die VdS-Seiten. Dies bedeutet neben neuem Inhalt auch, dass die bsz neu an alle Studierenden der Pädagogischen Hochschule (PH) geschickt wird und somit ihre Reichweite beträchtlich steigern kann.

 

Gegenseitiges Profitieren

Chiara Scarnato vom Vorstand der SUB schätzt die bsz mit ihrer grossen Reichweite, um «die hochschulpolitischen Schwerpunkte detaillierter zu thematisieren, wie es in einem anderen Medium nicht möglich wäre». Bis 2014 existierte die Zeitschrift Unikum als offizielles Publikationsorgan der SUB. Dieses musste aufgrund mangelnder Werbeeinnahmen eingestellt werden. Darauf folgte 2015 die bsz. Zwischen der bsz und der SUB besteht seither ein Leistungsvertrag. Die bsz stellt die SUB-Seiten der SUB zur Verfügung und erhält dafür ein Entgelt. Somit profitieren beide voneinander. Einen solchen Leistungsvertrag gibt es auch für die VdS-Seiten. Max Liechti, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Studenten der PH Bern (VdS) sagt dazu: «Die Delegiertenversammlung der VdS hat sich dazu entschieden, Beiträge in der bsz zu veröffentlichen, damit wir uns somit auch als Studierende von Bern bemerkbar machen können». Die VdS-Seiten geben also den Studierenden die Möglichkeit, über Ihr Studium zu berichten, welches laut Liechti: «oftmals etwas anders angeschaut wird als ein Studium an der Uni». Somit erhofft man sich eine stärkere Verknüpfung der Uni- und PH-Studierenden. In Zukunft werden alle PH-Studenten die Möglichkeit haben eigene Texte zu verfassen und der VdS zu schicken. Diese Texte und die Mundartkolumne «Gruess us em Lehrerzimmer», werden den Inhalt der VdS-Seiten ausmachen.

 

Motivierte Studierende

Zurück zum Hauptteil der bsz, welchen die bsz-Redaktion herstellt. Diese besteht aus etwa 10 Studierenden, wobei die Anzahl immer wieder variiert. Beheimatet ist die bsz-Redaktion in einem kleinen Raum im Keller der Uni Tobler. Dort hat es einen Arbeitsplatz mit PC, einen grossen Sitzungstisch und prominent an der Wand ausgestellt, alle Ausgaben der bärner studizytig. Die Redaktion ist basisdemokratisch organisiert, es gibt also keine Redaktionsleitung und alle haben gleich viel Mitspracherecht. Nur der juristischen Form des Vereins wegen gibt es pro forma eine Vereinspräsidentin: Lucie Jakob (26), studiert Religionswissenschaft und öffentliches Recht im Master an der Uni Bern und ist schon seit der 5. Ausgabe in der Redaktion der bsz. Die Redaktion trifft sich ungefähr wöchentlich und besteht aus Studierenden, welche Freude am Schreiben haben, sich für Journalismus interessieren und selber erste Erfahrungen sammeln wollen. So war es auch bei Lucie. Sie kannte das Schreiben vor allem aus dem wissenschaftlichen Kontext und wollte auch «kreativ schreiben und für Reportagen recherchieren oder Interviews führen», wie sie sagt. Die Themenwahl ist frei, in der bsz finden sich Reportagen zu einem oder mehreren Themen und in jeder Ausgabe gibt es ein längeres Interview. Die Themen beschränken sich keineswegs nur auf lokale Berner «Studi-Themen». Aktuell berichtet die bsz etwa von einem regierungskritischen «Think-Tank» in Weissrussland, Widerstand gegen einen Windpark in Norwegen oder Pushbacks an der EU Aussengrenze in Griechenland, um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Reportagen sind länger und man merkt, dass viel Zeit und Aufwand investiert wurde. Die Redaktor*innen leisten diese Arbeit ehrenamtlich.

 

Finanzielle Hürden

Die bsz existiert nun schon seit sechs Jahren. Das aufwändige Drucken einer Printausgabe von 15‘000 Exemplaren wurde im Verlauf der Zeit für die bsz zu teuer. Glücklicherweise fand man eine Druckerei, welche zu viel günstigeren Preisen druckt und somit die Printausgabe ermöglicht. Allgemein musste die bsz schwierige Zeiten überstehen, bevor sie sich etablieren konnte. Einerseits waren es finanzielle Schwierigkeiten: es wurde mit der Zeit generell schwieriger, Inserenten für die bsz zu finden. Die Corona-Krise verschärft dieses Problem noch weiter. Dieses Phänomen akzentuierte sich in den letzten Jahren in der ganzen Zeitungsbranche. Früher ging die Redaktion der bärner studizytig potentielle Inserenten direkt an, indem stundenlang Telefonlisten durchgewählt wurden, bis sich jemand überzeugen liess, in der bsz zu werben. Doch wegen mangelnden Erfolgs musste die Strategie angepasst werden.  Durch Kontakte mit der Zürcher Studentenzeitung wurde die bsz auf die «Student-Deals» aufmerksam. Die «Student Deals» sind ein Coupon- und Rabattheft für Studierende, indem vom Getränkegutschein im Supermarkt bis zum Wettbewerb für einen Sprachaufenthalt alle Branchen vertreten sind, welche junge Studierende als potentielle Neukunden gewinnen wollen. Seit sie dieses Modell der «Student-Deals» hätten, ist die bsz «nicht mehr so sehr auf die traditionellen Inserate angewiesen», sagt Lucie. Da man aber immer froh ist, motivierte Schreiber für die bsz zu finden, wird der freigewordene Platz der Anzeigen für Werbung in eigener Sache gebraucht. So konnte auch das Rekrutierungsproblem der Schreibenden, welches zwischenzeitlich vorherrschte, etwas entschärft werden.

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Durch die angesprochenen Leistungsverträge und die «Student-Deals» habe sich eine gewisse finanzielle Stabilität entwickelt. So konnte für die neueste Ausgabe, welche in einem völlig neuen Design daherkommt, eine Grafik-Studentin bezahlt werden. Sie machte schon länger das Layout der bsz, jedoch unbezahlt. Angesprochen, ob man sich auch vorstellen könnte weitere Hochschulen in Bern ins Boot zu holen und ihnen Seiten in der bsz anzubieten meint Lucie: «Das wäre auf der einen Seite gut für die Reichweite, jedoch besteht auch die Gefahr, dass dadurch der Inhalt der bsz-Redaktion fast ein bisschen untergeht, wenn der Anteil von ‹auswärtigem› Inhalt zur Mehrheit wird. Dies wäre dann doch ein bisschen schade.» Aktuell sei ein gutes Gleichgewicht gefunden worden.

Es ist bemerkenswert, was Eigeninitiative und Motivation, trotz einem sehr beschränkten Budget alles entstehen lassen können. Wer sich davon selber ein Bild machen will: Alle Artikel der bsz sind online abrufbar auf www.studizytig.ch und können auch für Nicht-Studierende von grossem Interesse sein.