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KOLUMNE /

Sabine Reber

20.04.2021 | 15:58

Kräuter sind ein weites Feld – vom Basilikum, der nicht recht wachsen will, bis zur Minze, die fröhlich alles andere überwuchert. Wo anfangen, was kaufen und wovon besser die Finger lassen?

Sie mag es hell und halbschattig: Die Petersilie. (Foto: Luca Hubschmied)

Wie jeden Frühling habe ich grad mal wieder ein Dutzend Kräuter in Töpfchen gekauft. Die kosten nicht viel, und man kann sofort ernten. Jetzt ist nur die Frage, wie und wo pflanzen wir was, damit dann auch wirklich den ganzen Sommer über geerntet werden kann. Denn auch wenn die einzelnen Kräuterpflanzen nicht viel kosten, macht es doch Sinn, sie möglichst lange am Leben zu halten. Schon nur wegen den Plastiktöpfen und den Transportkosten und sonstigen Fussabdrücken. Einmal kaufen, und dann möglichst lange dazu Sorge tragen lautet auch hier die ökologische Devise.

Was wohin kommt ist einfach zu erklären: Alle mediterranen Kräuter kommen grundsätzlich an die Sonne. Rosmarin, Thymian, Lavendel, Oregano etc.: sie brauchen durchlässige Kräutererde oder Kübelpflanzenerde, einen Topf mit grossem Abzugloch, und einen warmen, sonnigen Standort. Ich habe sie in Eternitkistchen vorne beim Sitzplatz hingestellt. Dort ist es bei uns am wärmsten und die Kräuter bekommen den ganzen Tag über genug Sonne.

Nun gehört auch Basilikum zu den mediterranen Kräutern. Aber mit dem Basilikum ist es so eine Sache. Erstens reagiert dieses zarte Gewächs extrem empfindlich auf Kälte, von Frost gar nicht zu reden. Darum darf Basilikum grundsätzlich vor den Eisheiligen Mitte Mai nicht nach draussen. Und auch dann gilt noch: Kälte verträgt er einfach überhaupt nicht. Ab Ende Mai, wenn auch die Nächte wärmer werden, ist Basilikum jedoch ganz einfach zu ziehen. Am besten kauft ihr nur eine Samentüte, und sät dann immer mal wieder ein wenig an. Nicht geeignet für die Kultur auf dem Balkon oder im Garten sind die Basilikumpflanzen aus dem Supermarkt, die im Gemüseregal stehen. Die sind eigentlich nur zur sofortigen Verwendung gedacht. Mit denen müsst ihr nicht gärtnern wollen, das ist nur schade fürs Geld. Das andere wärmeliebende Kraut, das ihr ab Ende Mai gut aus Samen ziehen könnt, ist Koriander. Koriander ist an einem warmen Standort super einfach zu kultivieren! Funktioniert aber eben nur während den Sommermonaten.

Nun zu den Klassikern: Schnittlauch. Und Petersilie. Grundsätzlich kommen die nicht in den gleichen Topf, weil sie beide hungrige, nährstoffliebende Pflanzen sind. Im gleichen Gefäss wird es ihnen bald zu eng. Schnittlauch ist eine mehrjährige Staude. Die Wurzeln überleben also den Winter und kommen jedes Jahr wieder. Am besten pflanzt man ihn in eine Zinkwanne oder sonst einen grösseren Kübel, wo er sich so richtig entfalten kann. Schliesslich braucht man ja auch immer viel Schnittlauch. Er kann an einem halbschattigen Standort stehen. Auch die Petersilie braucht nicht volle Sonne. Ein heller, halbschattiger Standort ist gut. Sie bildet kräftige Pfahlwurzeln. Das heisst, schöne üppig wachsende Petersilie braucht ebenfalls einen nicht zu kleinen Kübel, mit guter Komposterde versehen. Ausserdem braucht Petersilie etwas Glück, und ein gutes Händchen. Das ist eines der eher launischen Kräuter, die halt nicht überall und auch nicht bei allen wachsen. Nehmt es nicht persönlich, falls es nicht auf Anhieb klappen will. Standort wechseln, herumpröbeln, nicht gleich aufgeben.

Ja, und dann gibt es noch die ganz einfachen Kräuter, von denen man eigentlich immer zu viel hat. Das wären einerseits die wuchernde Minze, und anderseits die sich allerseits freimütig versamende Melisse. Super, wenn ihr Mojito und Tee mögt. Ansonsten: platziert diese Kräuter irgendwo am Rande, wo sie nicht zu sehr stören mit ihrem übergriffigen Wuchsverhalten. Minze und Melisse gedeihen beide am besten im Halbschatten. Und sie mögen es eher etwas feucht. Zu heisst ist nicht gut.

Ebenfalls im Halbschatten und von wuchskräftiger Natur ist das Maggikraut. Man liebt es, oder man hasst es. Ich mag seinen kräftigen Selleriegeschmack sehr, und kultiviere dieses mehrjährige Kraut in grossen Horsten. Auf dem Balkon braucht der Liebstöckel, wie das Maggikraut eigentlich korrekt heisst, einen grossen Kübel. Es ist ein mehrjähriges Kraut, das mit den Jahren zu einer stattlichen Pflanze heranwächst. Sehr lohnend! Einmal eine Jungpflanze kaufen, und dann das Leben lang ernten.... Ebenfalls mehr als genug hat man vom Meerrettich, so er denn endlich einmal kräftig angewachsen ist. Meerrettich wird jedoch so gross, dass er auf dem Balkon nicht eigentlich geeignet ist. Ausser ihr habt grad noch einen grossen Kübel in einer eher schattigen Ecke übrig, dann ist Meerrettich auf jeden Fall einen Versuch wert. Ah, und wenn wir schon bei den schattigen Ecken sind. Versucht es mit Wasabi! Eigener Wasabi ist wahnsinnig cool. Es dauert einige Jahre, bis die dicken, kostbaren Wurzeln entstehen, aber auch die Blätter und die kleinen weissen Blüten lassen sich verwenden. Wenn ihr junge Wasabipflanzen zu kaufen findet, nehmt sie unbedingt mit. Aber Achtung, so cool dieses japanische Gewächs ist, so schwierig ist es in der Kultur. Viel Spass damit, und das nötige Glück!

 

Sabine Reber ist Schriftstellerin und Gartenexpertin. Sie hat schon an den verrücktesten Orten Pflanzen zum Wachsen gebracht, und sie gestaltet auch Gärten und Balkone für Kunden. Alles über ihre Bücher und ihr weiteres Angebot auf www.sabinesgarten.ch