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Die erste Klimaschule im Kanton

Soziale Innovation

Das Schulhaus Rebacker in Münsingen darf sich bald als erste Schule im Kanton Bern «Klimaschule» nennen. Was es damit auf sich hat und ob auch Schulen in der Stadt Bern nachziehen.

Eine Schülerin bei der Montage der Solarpanels auf dem Dach des Rebacker Schulhauses in Münsingen. (Bild: myblueplanet)

Auf dem Dach des Schulhauses Rebacker in Münsingen steht eine Fotovoltaikanlage. Das Besondere: Die lapisfarbene Sonnenanbeterin haben die Schülerinnen und Schüler unter fachkundiger Anleitung selber montiert. Die Anlage markiert prominent den ersten Schritt einer vierjährigen Klimareise, welche die Schule in diesem Sommer abschliessen wird. Danach darf sie sich als erste im Kanton «Klimaschule» nennen.

Lernen bei Kerzenschein

Das Projekt «Klimaschule» ist ein Programm des Winterthurer NGOs «myblueplanet». Laut Website sollen mit dem vierjährigen Bildungs- und Klimaschutzprogramm die Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit langfristig an den teilnehmenden Schulen verankert werden. Die Schule verringert einerseits ihren ökologischen Fussabdruck und bemüht sich andererseits, den Schülerinnen und Schülern Klimaschutz und Nachhaltigkeit näher zu bringen. Dafür stellt «myblueplanet» den Schulen diverse Bildungsinhalte zur Verfügung, damit die Lehrer*innen die Themen in den Unterricht einbauen können. So ist auf der Website ein Bildungskatalog mit zahlreichen Erklärfilmen, Ideen für den Unterricht oder Exkursionsvorschlägen abrufbar.

Ein besonderes Augenmerk wird bei der Wissensvermittlung auf die Erlebbarkeit gelegt. So verbrachten die Schüler*innen der Rebacker Schule am «Blackout Day» im Februar 2017 etwa einen Schultag komplett ohne Strom und mussten ihre Verben für einmal im Kerzenlicht konjugieren. Ziel der Aktion war es, die Schülerinnen und Schüler für einen schonenden Umgang mit Ressourcen zu sensibilisieren.

Auf dem besten Weg zur Klimaschule

Damit sich eine Schulen am Ende des vierjährigen Programms als «Klimaschule» bezeichnen darf, muss sie bestimmte Kriterien erfüllen: Sie verpflichten sich beispielsweise, bei Neuanschaffungen und Investitionen klimaschonende Produkte zu berücksichtigen, klimaschonende Mobilität im Umfeld der Schule zu fördern, klimafreundliche Ernährung zu fördern und einen aus Schüler*innen, Lehrpersonen, Schulleitung und Hausdienst zusammengesetzten Klimarat zu gründen. Im Fall des Schulhauses Rebacker beschloss dieser unter anderem ein Recyclingkonzept - ein weiteres Kriterium für die Verleihung des Labels «Klimaschule».

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«Zu Beginn haben wir nicht auf das Label hingearbeitet, wir haben davon noch gar nicht gewusst», erklärt Willi Hermann, Schulleiter des Schulhauses Rebacker. Erst durch die Mitarbeitenden von «myblueplanet» habe man davon erfahren und sich entschlossen, dieses anzustreben. Heute erfüllt das Schulhaus Rebacker die meisten Kriterien. Einzig eine Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer im Bereich Klima, Energie und Nachhaltigkeit steht noch an. Sobald diese absolviert ist, darf sich die Schule auf die Zertifikatsfeier im Juni freuen. Man sei schon stolz, das Label nun bald zu erhalten, so Hermann. «Uns geht es allerdings mehr darum, dass wir auf einem konstanten Niveau weiter am Thema dranbleiben können.»

Und in der Stadt?

Stellt sich die Frage, wie mit den Themen Klimaschutz und Nachhaltigkeit an den städtischen Schulen umgegangen wird. Immerhin ist im Lehrplan 21 die Bildung für nachhaltige Entwicklung als Bildungsziel verankert. Gemäss der Website von «myblueplanet» nimmt aktuell keine stadtbernische Schule am Programm «Klimaschule» teil. Man habe aber interessierte Schulen aus den Regionen Kehrsatz und Brügg, schreibt die Organisation auf Anfrage.

Beim Schulamt der Stadt Bern zeigt man sich für das Projekt Klimaschule grundsätzlich interessiert. Die Stadt Bern tue jedoch bereits viel im Bereich Nachhaltigkeit an Berner Schulen, heisst es dort auf Anfrage. So würden bei Um- und Neubauten umfassende bauliche und betriebliche Umweltstandards flächendeckend eingeführt und den Schulen auch Bildungsangebote zur Verfügung gestellt. Ein solches Angebot ist zum Beispiel die «Energiekiste». Mit ihr können Kinder der 5. und 6. Klasse diverse Versuche im Zusammenhang mit der nachhaltigen Energiegewinnung durchführen. Das Angebot wird den Schulen von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt.

Mit «Jugendsolar» bietet die Stadt denn auch ein Projekt, das zumindest der initialen Phase der «Klimaschule» zum Verwechseln ähnlich sieht: Just im letzten Herbst installierten die Schülerinnen und Schüler der Schule Munzinger im Mattenhofquartier im Rahmen einer «Jugendsolarwoche» auf zwei Bauten der Schule Marzili eine Fotovoltaikanlage. «Praktische Umweltbildung» nennt sich das und wird flankiert von diversen Unterrichtseinheiten. So bauten die Kinder im Werkunterricht etwa kleine Solarautos oder lernten, wie alleine mit Sonnenenergie gekocht werden kann. Das Ziel sei, ein solches Jugendsolarprojekt pro Jahr durchzuführen, so das Schulamt der Stadt Bern.

Hauptsache ökologische Bildung

Unter welchem Label solche ökologischen Bildungsprogramme laufen, ist letztlich von untergeordneter Bedeutung. Schulleiter Hermann jedenfalls zieht nach vier Jahren «Klimaschule» eine positive Bilanz: «Das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler für Nachhaltigkeit und schonendem Umgang mit Ressourcen ist aus meiner Sicht gestiegen.» Er empfiehlt das Programm deshalb auch anderen Schulen weiter. Hermann ist überzeugt: «Es braucht Lehrpersonen, die sich für den Klimaschutz engagieren.»