Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Lebenselixier für den Loryplatz?

Eine städtebauliche Perle war er nie, aber seit die Migros ihre Filiale aufgegeben hat, ist der Loryplatz klinisch tot. Der Gemeinderat will den Patienten nun an den Tropf hängen und einen direkten Zugangsweg für Spitalmitarbeitende und Patienten ebnen.

Der Loryplatz ist menschenleer (Foto: Nino Ruef)

Während am Hirschengraben Berns Leben pulsiert, liegt der Loryplatz nur drei Tramstationen entfernt menschenleer in der Mittagspause. Kommt ein Tram, kehrt für kurze Zeit Leben ein, doch das Menschengewimmel flieht rasch in Richtung Inselspital oder steigt in den Bus nach Köniz. In Bewegung gehalten wird der Patient Loryplatz vorrangig vom motorisierten und öffentlichen Verkehr. Nach der Migros ist im Herbst ein weiteres Geschäft verschwunden: der Rosenkavalier. Laufkundschaft gibt es kaum und selbst Quartierbewohner gehen lieber «id Stadt ga ichoufe». 

Der Berner Gemeinderat will Leben auf den verwaisten Platz bringen und legt nun das langersehnte Nutzungskonzept vor. Der Gemeinderat will vor allem:

• einen direkten Fussweg zum Inselspital bauen,

• den Wochenmarkt zwei Mal pro Woche bewilligen,

• Anlässe des Quartiers fördern

• und dafür einen Elektrokasten installieren. 

Seit Jahren engagieren sich Quartierverein, Holligen-Fischermätteli-Leist und IG Loryplatz für die Aufwertung. Vor zwei Jahren wurde der Loryplatz zum Geschäft im Stadtrat: Manuel C. Widmer (GFL) und Ruedi Keller (SP) wohnen beide im Quartier und hatten vor über zwei Jahren die interfraktionelle Motion «Loryplatz beleben!» eingereicht. 

«Neuer Detailhändler ist das A und O»

Enttäuscht zeigt sich nun einer der beiden Motionäre von den Ideen der Berner Regierung. «Ich finde das Konzept mutlos und sehr schwammig», sagt Manuel C. Widmer (GFL). Keller findet auch Positives. «Es ist ein guter Start, nun muss es umgesetzt werden», sagt der frühere SP-Stadtrat. Widmer beklagt vor allem, der Gemeinderat solle möglichst günstige Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich schnellstmöglich wieder ein Detailhändler ansiedeln könne. «Der Loryplatz braucht einen Anziehungspunkt», betont Widmer, und das ist für ihn ganz klar ein Ersatz für die geschlossene Migros-Filiale. Geeignete Standorte und leerstehende Liegenschaften gäbe es aus seiner Sicht genügend: «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.» Co-Motionär Keller sagt: «Der Gemeinderat kann keinem Unternehmer etwas verordnen, aber ein Lebensmittelhändler ist das A und O.» Seit dem Wegzug der Migros hätten die benachbarten Geschäfte Einbussen bis zu 40 Prozent verzeichnet. 

Klar ist: Die neue Überbauung Brunnmatt-Ost mit 95 neuen Wohnungen ist im nächsten Monat fertiggestellt. Und spätestens wenn die Überbauungen auf der Schlossmatte und auf dem KVA-Areal realisiert sind, braucht es für die über 1000 neuen Bewohnerinnen und Bewohner Einkaufsmöglichkeiten. Die bisher vorhandenen Läden – Coop an der Schlossstrasse und Denner an der Brunnmattstrasse – werden den Bedarf nicht decken können. Zudem sollen auf dem Areal der Metzgerei Meinen AG dereinst ebenfalls Wohnungen gebaut werden. 

Lob für den Insel-Weg

Ein weiteres Ärgernis ist für Widmer die Verkehrsberuhigung. Die beiden Strassendreiecke Köniz- und Schlossstrasse sowie Effinger- und Schwarztorstrasse seien keine Plätze, sondern vom Verkehr umschlossene Inseln. Zudem sollen die beiden einzigen Grünflächen und einige Sitzbänke zugunsten von Kieselsteinen weichen, damit diese Flächen besser überquert werden können. «Dass verreisst den Platz», moniert Widmer. Auch Keller sieht noch kräftigen Handlungsbedarf bei ebendiesen beiden Dreiecksflächen. «Zwischen Effinger- und Schwarztorstrasse ist heute einfach eine Brache, da könnten Bäume gepflanzt werden», schlägt er vor.

Lob haben beide Motionäre hingegen für den Weg aufs Insel-Areal. Von diesem Weg verspricht sich der Gemeinderat mehr Publikumsverkehr und mehr Kundenpotenzial für die wenigen und künftigen Geschäfte – quasi eine Lebensader zum Loryplatz.