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Beat Kohler

«Bern erneuerbar» ist eine grosse Chance

«Bern erneuerbar» bietet sich eine einmalige Chance, bei der sowohl die lokale Wirtschaft als auch die Umwelt nur gewinnen können. Eine Abkehr vom Erdöl verringert zudem die Abhängigkeit von Ölförderländern mit zweifelhaftem Ruf. 

Niemand will kalte Zehen. Schon gar nicht in den eigenen vier Wänden. Deshalb kaufen wir Heizenergie ein. Woher diese Energie kommt, spielt bis heute für die meisten keine Rolle. Hauptsache günstig.

Das Geld, das wir für Heizenergie ausgeben, fliesst heute zum grössten Teil ins Ausland. Das Rohöl, das in die Schweiz kommt, stammt beispielsweise aus Nigeria, Lybien, Algerien und anderen Vorzeigedemokratien. (Quellen: Schweizerische Erdölvereinigung, SIPER) Je schwieriger es ist, Erdöl zu fördern, umso teuerer wird diese Energie, umso mehr Geld fliesst ins Ausland.

Warum haben Politiker, die sich als wirtschaftsnah bezeichnen, ein Interesse daran, dass wir die Enerige weiterhin über grosse Ölfirmen in diesen Ländern kaufen? Warum zählt die von denselben Leuten vielbeschworene Souveränität unseres Landes in diesem Fall nicht? Welche Wirtschaft vertreten diese Politiker? Lokale Holzproduzenten, Sanitär-Installateure oder Heizungstechniker oder doch eher die grossen Rohstofffirmen in Zug oder Genf?

Mir erschliesst sich auf jeden Fall nicht, warum von 100 Franken, die ich in Heizenergie investiere, weiterhin 80 Franken ins Ausland abfliessen sollen. (Quellen: Energiestrategie Kanton Bern, Energiestrategie Stadt Bern) Lieber gebe ich dieses Geld hier in der Schweiz aus und ermögliche damit, dass Wälder genutzt und gepflegt werden, Solarfirmen Sonnenkollektoren bauen und Baufirmen Häuser mit besserer Isolation nachrüsten können. Dass die Gegner in diesem Zusammenhang von einem Sanierungszwang sprechen, leuchtet mir nur teilweise ein. Denn wer in der Umsetzungsfrist der Initiative, in den kommenden 37 Jahren, nichts in seine Gebäude investiert, der nimmt den Verfall seiner Liegenschaft in Kauf.

«Der Markt wird den Umbau der Energiesysteme nicht anstossen»

Beat Kohler

Der Markt wird den Umbau der Energiesysteme nicht anstossen, sondern im besten Fall begünstigen. Die langfristigen Zielvorgaben kann aber nicht der Markt machen, das müssen die Politik und letztlich das Stimmvolk tun. Die Bernerinnen und Berner haben nun die Chance, mit ihrem Ja an der Urne ein Zeichen zu setzten für einen starken Wirtschaftsstandort Bern.

Die Annahme von «Bern erneuerbar» wäre auch ein Zeichen für einen ernsthaften Klimaschutz. Der Abschied von – im wahrsten Sinn des Wortes –prähistorischen hin zu erneuerbaren Energiequellen senkt den Ausstoss von CO2. Daran hat eine Bewohnerin der Matte ein genau so grosses Interesse wie ein Bergbauer an der Lütschine. Denn von den zunehmenden Starkniederschlägen im Zusammenhang mit dem Klimawandel sind alle betroffen.

Natürlich wird der Umbau der Energiesysteme auch die Hausbesitzer etwas kosten. Möglicherweise 50 Milliarden Franken. Vielleicht wird dieser Umbau im ersten Moment sogar etwas teuerer, als wenn wir weiterhin darauf setzen, fossile Brennstoffe in Wärme umzuwandeln. Doch wenn mit diesem Geld Arbeitsplätze bei uns gesichert werden, halte ich das für eine gute Investition.

Zudem: In die Rechnung noch nicht einbezogen sind die langfristigen Umweltschäden, die durch den Ausstoss von CO2 entstehen und die uns über einen sehr langen Zeitraum belasten werden. Ich bezahle lieber jetzt für ein nachhaltiges Heizsystem, als in Zukunft für Flutschäden und endlos steigende Versicherungsprämien. Deshalb werde ich für «Bern erneuerbar» und für den Gegenvorschlag des Grossen Rates stimmen.