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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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12.10.2015 | 06:30

Adi Blum schreibt zwölf Hymnen zu zwölf Menschenrechten. Die achte heisst „Hymne an das Recht auf freie Wahlen“.

Jeder hat das Recht, an der Gestaltung der öffentlichen Angelegenheiten seines Landes unmittelbar oder durch frei gewählte Vertreter mitzuwirken. – Jeder hat das Recht auf gleichen Zugang zu öffentlichen Ämtern in seinem Lande. – Der Wille des Volkes bildet die Grundlage für die Autorität der öffentlichen Gewalt; dieser Wille muss durch regelmässige, unverfälschte, allgemeine und gleiche Wahlen mit geheimer Stimmabgabe oder einem gleichwertigen Wahlverfahren zum Ausdruck kommen.

(Artikel 21 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, 1948, UNO Generalversammlung)

06.10.2015 | 17:26

Balts Nill spielt mit Instrumenten und Worten. Für Journal B stellt er kleine Karaoke-Vorlagen her, zu denen man am besten kurze Extrakte aus Zeitungen, Büchern etc. liest (oder singt oder pfeift).

Die heutige Situation wäre auch so zu beschreiben: Uns fehlt mittlerweile jede Vorstellung davon, dass es geistige Inhalte geben könnte, die Wert und Interesse in und für sich selber haben und deshalb der entscheidende Stoff, die entscheidende Nahrung für die Entwicklung eines jungen Menschen sein müssen. Wissen heute ist ergebnisorientiert und anlassbezogen, es soll sich entweder an den Bedürfnissen der jungen Menschen, an den Wünschen der Arbeitgeber oder an den Herausforderungen der Zukunft, die niemand kennt, orientieren (...) Man könnte es drastischer formulieren: Wir sind zu feige geworden, um uns noch zu geistigen Inhalten zu bekennen, die einen Wert an sich darstellen und deren Kenntnis und Verständnis jenseits aller aktuellen Bedürfnisse eine Befriedigung zu geben vermag.

Aus: Konrad Paul Liessmann, Geisterstunde. Die Praxis der Unbildung, S. 56 f.

Innerhalb von 40 Jahren hat sich der Rüssel zweier Hummelarten in den Rocky Mountains  „signifikant“ verkürzt – meldet das Journal Science. Früher waren diese Hummeln durch ihre langen Rüssel  darauf eingestellt, Nektar aus tiefen Blüten herauszusaugen, heute sind sie dazu kaum mehr in der Lage. Die Autoren der Studie erklären die kürzeren Rüssel mit dem Klimawandel: Durch längere Sommer wurden die tiefen, von den Hummeln präferierten Blüten knapp. Infolgedessen wichen die Insekten auf flache Blüten aus.

Aus: Die Zeit, 1. Oktober 2015

21.09.2015 | 06:30

Adi Blum schreibt zwölf Hymnen zu zwölf Menschenrechten. Die siebte heisst „Hymne an das Recht auf Anerkennung“.

Jeder hat das Recht, überall als rechtsfähig anerkannt zu werden.

(Artikel 6 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, 1948, UNO Generalversammlung)

07.09.2015 | 06:30

Balts Nill spielt mit Instrumenten und Worten. Für Journal B stellt er kleine Karaoke-Vorlagen her, zu denen man am besten kurze Extrakte aus Zeitungen, Büchern etc. liest (oder singt oder pfeift).

Kurz vor der Fusion von Net-a-Porter und Yoox zum führenden Online-Luxusmodehaus verliert Yoox Net-a-Porter eine wichtige Führungskraft. Net-a-Porter Gründerin Natalie Massenet verlässt die Firma überraschend. Sie erhielt durch die Fusion umgerechnet rund 148 Millionen Franken.

Der Bund, 4. September 2015

Zwei ehrliche Hühnerhunde, die, in der Schule des Hungers zu Schlauköpfen gemacht, alles griffen, was sich auf der Erde blicken liess, stiessen auf einen Vogel. Dieser Vogel, verlegen, weil  er sich nicht in seinem Element befand, wich hüpfend bald hier, bald dorthin aus, und seine Gegner triumphierten schon; doch bald darauf, zu hitzig gedrängt, regte er die Flügel und schwang sich in die Luft: da standen sie, wie Austern, die Helden der Triften, und klemmten den Schwanz ein, und gaffen ihm nach.

Heinrich von Kleist, Kleine Schriften

03.08.2015 | 06:30

Balts Nill spielt mit Instrumenten und Worten. Für Journal B stellt er kleine Karaoke-Vorlagen her, zu denen man am besten kurze Extrakte aus Zeitungen, Büchern etc. liest (oder singt oder pfeift).

„In dem Hause, wo ich wohnte, hatte ich den Klang und die Stimmung jeder Stufe einer alten, hölzernen Treppe gelernt, und zugleich den Takt, in welchem sie jeder meiner Freunde, der zu mir wollte, schlug, und ich muss gestehen, ich bebte allemal, wenn sie von einem Paar Füssen in einem mir unbekannten Ton heraufgespielt wurden.“

G. J. Lichtenberg, Aphorismen, Reclam, S. 33

„Der Keller ist, in Zeiten wachsender Transparenz, gläserner Wände und Decken, bodentiefer Fenster und sogenannter Smart Homes, die über die Gewohnheiten der Hausbewohner Daten erheben, der letzte Ort des Heimlichen. Er ist gewissermassen das Dark -Net des Hauses.„

Ulrich Stock und David Hugendick in „Zeit- Magazin“ vom 30. Juli 2015, S.29

06.07.2015 | 10:17

Balts Nill spielt mit Instrumenten und Worten. Für Journal B stellt er kleine Karaoke-Vorlagen her, zu denen man am besten kurze Extrakte aus Zeitungen, Büchern etc. liest (oder singt oder pfeift).

z.B. folgende:

Steigende Temperaturen stellen viele Tiere vor grosse Herausforderungen. Australische Leguane stellen sich darauf auf radikale Weise ein: Je nach Temperatur verändert sich  das Geschlecht des Nachwuchses. Das haben australische Forscher erstmals in freier Wildbahn beobachtet. Steigt die Aussentemperatur auf mindestens 32 Grad Celsius, wandeln sich in den Eiern männliche zu weiblichen Leguanen. Diese hitzegesteuerten Weibchen sind sogar fruchtbarer als normale Geschlechtsgenossinnen; so schalten die Reptilien auf eine effizientere Fortpflanzung um.

Aus: „Die Zeit“ vom 2. Juli 2015, zitiert nach „Nature“.

Wir waren jetzt zwei Mann weniger... Es war extrem heiss, und das Spiel wogte hin und her... Und dann gleichen die St. Galler in der 89. Minute aus... Nuzzolo grätschte noch einen um und musste raus... Im Dribbling gegen Gonçalves hatte ich viel, viel Glück, dass er auf den Hintern fiel und der Ball gleichzeitig in meinen Füssen blieb. Nun war ich plötzlich allein vor Lopar und traf. Ein Sieg zu acht gegen elf, und das mitten im Abstiegskampf – einfach nur verrückt.

Geoffrey Tréand über das Abstiegsspiel Xamax- FC St. Gallen vom 1. Mai 2011, zitiert aus „zwölf“ Juli/August 2015.

22.06.2015 | 06:30

Adi Blum schreibt zwölf Hymnen zu zwölf Menschenrechten. Die sechste heisst „Hymne an das Recht auf Privatheit“.

Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.

(Artikel 12 der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“, 1948, UNO Generalversammlung)

08.06.2015 | 06:30

Balts Nill, Mitbegründer von Stiller Has, spielt mit Instrumenten und Worten. Für Journal B stellt er kleine Karaoke-Vorlagen her, zu denen man am besten kurze Extrakte aus Zeitungen, Büchern etc. liest (oder singt oder pfeift).

z.B. die folgenden:

Ölkatastrophen schädigen das Herz bei frisch geschlüpften Fischlarven, schreibt  ein US- Forscherteam in der Fachzeitschrift „PNAS“. Es hatte die Auswirkungen der 2010 explodierten Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko auf die Entwicklung von Fischembryonen untersucht. Gefährlich seien vor allem die im Öl enthaltenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, Substanzen, wie sie etwa auch in Abgasen enthalten sind oder beim Rauchen entstehen. Die Forscher untersuchten die Entwicklung  von Embryonen zweier Thunfischarten und einer Makrelenart. Alle wiesen nahezu identische Defekte auf: Mängel bei der Herzentwicklung, verlangsamter Herzschlag und Herzrhythmusstörungen, Herzfehler und Ödeme. (sda/dpa)

„Der Bund“, 25. März 2014

Wenn ich bedenke, dass mich dieser Pulssschlag wahrscheinlich schon Monate, bevor ich ans Tageslicht gezerrt wurde, in Bewegung gesetzt hat und seither dauernd tickend seit weit über 50 Jahren die Funktion dieses Minipumpwerkes, das mein Herz ist, nach aussen übermittelt und dessen Stillstand ich in jedem Augenblick zu erwarten habe, dann ist mir, als verschlage es meinem Körper genau jenen Atem, den er ihm jede geschlagene Stunde liefert, und zwar mit einer Regelmässigkeit, die einer grösseren Sache würdig wäre, als ich es bin.

Wolfgang Hildesheimer, Nachlese, Suhrkampp -Verlag 1987, S. 25

25.05.2015 | 06:30

Adi Blum schreibt im Verlaufe dieses Jahres zwölf Hymnen zu zwölf Menschenrechten. Die fünfte Folge in dieser Reihe heisst «Hymne auf die soziale Sicherheit».

Jeder hat als Mitglied der Gesellschaft das Recht auf soziale Sicherheit und Anspruch darauf, durch innerstaatliche Massnahmen und internationale Zusammenarbeit sowie unter Berücksichtigung der Organisation und der Mittel jedes Staates in den Genuss der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte zu gelangen, die für seine Würde und die freie Entwicklung seiner Persönlichkeit unentbehrlich sind. (Artikel 22 der «Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte», 1948, UNO Generalversammlung)

11.05.2015 | 16:17
 (photo: Picasa 2.7�)

Balts Nill, Mitbegründer von Stiller Has, spielt mit Instrumenten und Worten. Fürs Klangjournal von Journal B stellt er kleine Karaoke-Vorlagen her, zu denen man am besten kurze Extrakte aus Zeitungen, Büchern etc. liest (oder singt oder pfeift).

z.B. die folgenden:

 „Die Raumgrösse, die Raumhöhe und der Level über dem Boden bilden die Kriterien des Architektur- und Raumerlebnisses. Sie lösen im Menschen ein gutes Gefühl aus. In der Fläche, dem Volumen und dem gewachsenen Raum über dem Terrain: Je höher ein Objekt und je mehr Raumvolumen, desto freier fühlen sich die Gäste in luftiger Höhe.

(...)

Für eine exponierte Persönlichkeit, die mit ihrer Familie reist, ist Sicherheit ein zentrales Anliegen: Vals liegt in einem Hochtal mit nur einer Zufahrtstasse – ein Attentäter hat null Chancen zu entkommen, null! Dazu kommen die Kühe im Sommer und die Quellen, die heiligen Wasser: eine Kombination von Thermal- und Mineralwasser. Mit dem Helikopter ist man sehr schnell an verschiedenen Orten: den Seen im Tessin, dem Wallis, der Innerschweiz.“

Remo Stoffel, Investor und Besitzer der Valser- Therme. Interview im „Bund“, vom 27. April 2015.

„Jetzt überall die Zimmerarbeit. Die Sparren sind verlegt, es sieht herrlich aus: das Gitterwerk von rohem Holz, darüber der blaue Himmel, tagelang die hallenden Schläge, wenn sie die Schalungen nageln, Hobelspäne, Sägemehl, Lastwagen mit neuem Gebälk; es ist unwahrscheinlich, dass ich wieder einmal soviel Zimmerarbeit habe, und ich geniesse es richtig, gehe länger umher als nötig; es ist mir am ganzen Bauen eigentlich das liebste. Rohbau, bevor die Dächer gedeckt sind. Backstein und Holz, lauter Räume voll Himmel, den man durch alle Stockwerke sieht, der Kubus ist zum erstenmal da, aber durchsichtig, und der Raum, wo ich jetzt stehe, hat zum letztenmal die Sonne, zum letztenmal mindestens für Jahrzehnte. Über meinem Kopf arbeiten sie bereits an der Schalung, stossen Brett an Brett...“

Max Frisch, Tagebuch 1946-1949, S.285