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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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23.08.2017 | 17:14
 (photo: )

Im Schweizerischen Bundesbrief zeigt sich das Freiheitsstreben unserer Vorfahren. Was mag Robert Grass dazu bewogen haben, ausgerechnet dieses Dokument auszuwählen für sein Experiment, das er 2012 an der ETH durchführte? Folgte er einer Laune? Dachte er an die PR-Wirkung und den Widerhall in den Medien? Fand er es einfach lustig mit diesem in der Schweiz von einem Heiligenschein umgebenen Text zu hantieren? Wie auch immer, er und seine Kollegen schafften es, den Bundesbrief in DNA abzuspeichern.  
DNA, es spricht viel dafür, wird in wenigen Jahren Silizium als Speichermedium für digitale Daten abgelöst haben. Die Vorteile liegen auf der Hand. In DNA lassen sich auf dem gleichen Platz unendlich mehr Daten abspeichern. Ausserdem ist DNA viel langlebiger als die heutigen Speichermedien. Noch nach Tausenden und Hunderttausenden von Jahren ist DNA lesbar – wie es prähistorische Knochenfunde beweisen.

Wir werden also unsere Texte, Fotos und Filme in jener Substanz speichern, in der auch unsere eigenen Erbinformationen aufgezeichnet sind. Das ist unsere Zukunft. Hier die Sequenz, die bestimmt, wer ich bin, dort die andere, in der festgeschrieben ist, wie meine Ferienfotos aussehen. Beide Mal die gleichen Aminosäuren, der gleiche molekulare Aufbau, einmal enthalten in meinen Körperzellen, einmal in einem Gerät auf meinem Schreibtisch.

Das Team um Seth Shipman undn George Church von der Harvard Medical School in Boston hat nicht mit dem Bundesbrief gearbeitet. Sie nahmen das Schwarzweiss-Foto einer Hand und ein Pferd, festgehalten auf einer historischen Filmsequenz aus dem Jahr 1887. Wie der Spiegel vor einem Monat meldete, gelang es den Forschern, das Foto und den Film in der DNA von Bakterien abzuspeichern. Bakterien, die noch leben. Langfristiges Ziel sei es, „dass Zellen mit diesem Verfahren ihre eigenen Entwicklungsprozesse im Erbgut aufzeichnen“. Was immer das jetzt genau heisst. Jedenfalls soll das dann für medizinische Zwecke genutzt werden können.

Die Zukunft sieht also anders aus. Hier die Sequenz, die bestimmt, wer ich bin, dort mein Ferienfoto, aber beides am gleichen Ort, in mir dri,  in meiner DNA. Und dazu noch der Bericht davon, wie sich meine Zellen entwickeln und der Bericht, was ich esse und der Bericht, wie viel ich mich bewege. Nun, letzteres gibt es jetzt schon in Form eines Schrittzählers (zur Zeit noch ausserhalb des Körpers angebracht), den ich aber vielleicht schon bald auf mir tragen muss, damit mir meine Krankenkasse einen Rabatt auf meine Prämien gewährt. Den Schrittzähler kann ich meinem Hund um den Hals binden und ihn so einem professionellen Hundesausführer überlassen, aber wie soll ich die Aufzeichnungsapparaturen austricksen, die in mir drin stecken? Und dort vielleicht hineinkommen, ohne dass ich das will? Zum Beispiel über das gesunde Müesli, dass ich jeden Morgen zu mir nehme? (Obwohl ich Müesli hasse, aber die Krankenkasse zwingt mir dieses Müesli auf, mich diesem gesunden Müesli zu verweigern, würde meine Prämien in noch unerträglichere Höhen steigen lassen.) Die codierte DNA ist dort in die die besonders gesunden roten und blauen Beeren eingebaut, gelangt in Speichel und Magensäfte, passiert die Wände meiner Zellen, impft die Doppelhelix in ihrem Kern mit einer Sequenz, die dann Auskunft gibt über mich. Möglicherweise in Form eines miniaturisierten Senders  Auskunft darüber, wo ich mich gerade aufhalte. Ein Resultat, dass dann sofort abgeglichen wird mit dem, was die Überwachungskameras in den Städten flächendeckend über unsere Wege zu berichten wissen.

Die Digitalisierung auf dem heutigen Stand bietet Überwachungsmöglichkeiten, von denen Diktatoren früherer Zeiten nur träumen konnten. Wie es aussieht, werden bald auch ihre feuchtesten Träume von der Wirklichkeit überflügelt werden.
Der ETH-Professor Grass hat für sein Experiment den Schweizerischen Bundesbrief benutzt, ein Dokument menschlichen Freiheitsstrebens. Entweder ist der Mann so naiv, wie man das Naturwissenschaftlern oft unterstellt, oder er besitzt einen ausgesprochen schwarzen Humor.

18.08.2017 | 15:56
Miquel Barceló: Aus den afrikanischen Skizzenbüchern (photo: )

Kataloniens Bestrebungen, sich unabhängig zu machen, bleiben hier in Spanien das dominierende politische Thema. Findet das für den 1. Oktober vorgesehene Referendum nun statt oder nicht? Sicher ist es nicht. Darüber, wie legitim es wäre, wird weiter heftig und sehr emotional gestritten. In Anbetracht der Tragweite des Entscheides auf beachtlich tiefem Niveau, ist man als Aussenstehender hier geneigt beizufügen.

Insgesamt eine ziemlich verfahrene Sache! Verfassungskonform ist das Vorgehen der katalanischen Regierung sicher nicht, aber was bedeutet die spanische Verfassung denjenigen, die schon an einer eigenen rumwerkeln?

Wer sich aber über die bestehende Verfassung stellt, begibt sich in sehr gefährliche Wasser. Natürlich wird dieses unilaterale Vorgehen von Madrid bekämpft, ausserhalb von Katalonien stösst es aber auch sonst auf wenig Verständnis. Brüssel und die UNO warnen vor voreiligen Schritten. Mittlerweile hört man auch von Familien, in welchen Diskussionen zu diesem Thema vermieden werden, obschon eigentlich sehr viele, sehr wesentliche Fragen weiterhin ungeklärt bleiben und durchaus auf allen Ebenen diskutiert werden müssten.

Dazu kommt, dass die  Mehrheitsverhältnisse äusserst prekär sind und man würde meinen, derart einschneidende Veränderungen sollten nicht ohne eine Zweidrittelsmehrheit vollzogen werden. Die katalanische Regierung handelt jedoch auf der Basis von nicht einmal 50% der Stimmen und mit einer knappen Mehrheit der Sitze im katalanischen Parlament. Wenn das bloss gut kommt!

Das andere grosse Thema in der spanischen Politik ist der Tourismus. Wehmütig erinnert man sich hier an einen sehr populären Schlager, der vor nicht allzu langer Zeit die Ankunft des zweimillionsten Touristen feierte. Heute ist Spanien bei 80 Millionen pro Jahr!

Natürlich sind diese nicht alle gleichzeitig hier. Trotzdem: Während des Sommers macht dieser Ansturm Spanien zum bevölkerungsreichsten Land Europas. Die Belastung und die Abnützung ist vielerorts entsprechend dramatisch. Besonders Barcelona scheint zu ächzen unter dem anhaltenden Ansturm der Massen. Der Widerstand wächst aber auch auf Mallorca und in touristisch attraktiven Städten wie San Sebastian oder Valencia. Besonders wenn man selbst Tourist ist, ein heikles Thema.

Allerdings befinden wir uns hier in einer von der Abwanderung geplagten Zone, die mittlerweile immer öfter das Lappland Spaniens genannt wird. In dieser Region, die zehn meist küstenferne Provinzen und 1355 Gemeinden Zentralspaniens umfasst, leben gerade mal 7.3 Menschen pro Quadratkilometer. In Manhattan sind es mehr als 27 000. Mein schlechtes Gewissen hält sich entsprechend in Grenzen.

Als Hobby-Gärtner gilt meine Sorge ohnehin eher dem Wetter, welches sich leider vor allem dadurch auszeichnet, dass es entweder gar nicht regnet oder dann so, dass einem wie neulich angst und bange werden kann. Ein Gewitter kann auch hier mit einem Regenbogen enden, viel eher aber mit zerstörten Äckern, mit weggeschwemmter Erde und völlig k.o. geschlagenen Gurken und Bohnen, mit vom Hagel verwundeten Tomaten und mit völlig erhudeltem und zerfetztem Salat. Erst regnete es genau so, wie man es für den Garten gerne hat, dann begann es aber sintflutartig zu giessen und es donnerte, als explodierten Knallfrösche am Himmel, dann war da ein Schlag, als würde eine Eisenfaust eine Panzerscheibe, dann eine ganze Mauer durchschlagen. Wie sich später herausstellte, war das ein Blitz, der in den Kirchturm schlug, dort beträchtlichen Schaden anrichtete und auch noch für mehrere Tage die zu Tode erschrockenen Turmtauben obdachlos machte.

Und was hat Miquel Barceló damit zu tun?

Dieser in Mallorca geborene spanische Maler, Objekt- und Performancekünstler von Weltrang hat möglicherweise das ultimative Bild der Sintflut gemalt. Unvergesslich ist mir, wie ich beim ersten Betrachten dieser eigentlich abstrakten, aber doch greifbar plastischen Wassermassen glaubte, nasse Füsse zu bekommen. Als ich Barcelós Sintflut suchte, begegnete ich noch dem herrlich leichten Bild vier afrikanischer Frauen. Es gefiel mir so gut, dass ich es dem geneigten Leser und der geneigten Leserin auf keinen Fall hätte vorenthalten wollen.

09.08.2017 | 14:34
Gründungsmitglieder des Verbands «Medien mit Zukunft» am 7. August in Zürich (photo: )

Am Montag wurde in Zürich ein neuer Verlegerverband gegründet, der «Verband Medien mit Zukunft». Dass in der Schweiz ein neuer Verband gegründet wird, ist kaum eine Meldung Wert: «Klafft in der Schweiz irgendwo eine Wunde, wird ein neuer Verband gegründet», flapste eines der Gründungsmitglieder, der Journalist Constantin Seibt, selbstironisch auf Facebook. Und auch die Behauptung, es handle sich um einen Verlegerverband, ist anmassend. Mitglied werden kann jeder, der die Ziele von «Medien mit Zukunft» teilt. Oder um es mit Seibts künftiger Online-Zeitung zu sagen: Verleger sind alle, die die «Republik» abonnieren.

In Frage gestellt wird damit aber nicht nur das Selbstverständnis der bisherigen Zeitungsverleger, sondern auch deren Verband. Der «Verband Schweizer Medien», von Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino präsidiert und in dessen Vorstand auch Blocher-Stellvertreter Markus Somm sitzt, zerreibt sich im Nahkampf mit der SRG. Als ob die wenigen Millionen Online-Einnahmen, die der SRG streitig gemacht werden, die Existenz der Zeitungsunternehmen retten könnten. Und während sich Mischkonzerne wie Tamedia gleichzeitig Schritt für Schritt von der Publizistik verabschieden.

In Abstimmungen über die strategische Ausrichtung des bisherigen Verbands (und die Zusammensetzung des Vorstands) unterliegen Kleinverlage regelmässig den grossen Verlagshäusern, da letztere über ungleich mehr Stimmen verfügen. – Welcher andere Verein in der föderalistischen Schweiz funktioniert nach den Spielregeln einer Aktiengesellschaft? Und seit dem Austritt von Ringier aus dem «Verband Schweizer Medien» ist dessen Repräsentativität, zumindest in seiner Eigenlogik, kaum mehr gegeben.

Dass sich der neue Verband, der sich derzeit aus fünfzehn unabhängigen, mehrheitlich Online-Zeitungen zusammensetzt, «Medien mit Zukunft» nennt, ist eine Provokation. Eine allerdings, die in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Medien werden künftig anders vertrieben und finanziert als bisher. Öffentliche Mittel werden (nebst Stiftungen, Crowdfunding und Abo-Gebühren) zunehmen, wenn unabhängiger, öffentlichkeitsrelevanter Journalismus garantiert werden soll. Und der Kampf darum wird breiter geführt.

Wie sollen Gemeinden, Kantone und Bund relevante Informationen, Kulturberichterstattung, Einordnungen und politische Kommentare künftig unterstützen? Zumal dies ja bereits – vom Gemeindeanzeiger bis zur indirekten Presseförderung – in nicht unbeträchtlichem Mass geschieht.

Der neue Verband setzt sich beispielsweise für «den Aufbau einer offenen publizistischen Infrastruktur» ein. Könnte heissen: Die Öffentlichkeit stellt eine Open-Source-Plattform (oder mehrere) zur Verfügung, die als eine Art Label für Qualität von unabhängigem Journalismus (nach den Empfehlungen des Presserats) bürgt. In welchem Verhältnis der neue Verband zur entsprechenden Non-Profit-Idee ihres Vorstandsmitglieds Hansi Voigt («Wepublish») steht, ist derzeit offen.

Ein anderer Vorstoss könnte sein, die öffentlich unterstützte Schweizerische Depeschenagentur auszubauen und kleineren, finanzschwachen Medien zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Und schliesslich: Bei den Debatten um ein neues Mediengesetz will sich «Medien mit Zukunft» als Stimme für unabhängigen Journalismus einbringen, der nicht von kommerziellen und partei-politischen Interessen korrumpiert ist.

20.07.2017 | 11:18
Joan Miro: La masia/Der Bauernhof (photo: )

Ich muss zugeben, die Sehnsucht nach der überschaubaren Anarchie meines Gemüsegartens weit weg in den Spanischen Bergen war gigantisch. Sie verfolgte mich bis in meine Träume hinein. Seit zwei Wochen bin ich nun wieder hier, und dank der Fürsorge eines Nachbarn, der sich in meiner Abwesenheit darum kümmerte, bin ich auch schon wacker am Ernten: Salat, Zucchetti, Gurken, Peperoni, Zwiebeln, Mangold, und wenn es sein muss, auch Frühkartoffeln.

Natürlich ist es herrlich, selbst gezogenes Gemüse auf dem Tisch zu haben, aber ebenso herrlich ist es, man kann es nicht oft genug wiederholen, sich in dieser Welt voller Ungewissheiten einer Tätigkeit hingeben zu können, deren Sinn und Zweck nicht zu hinterfragen ist. Komme ich morgens hin, sind die Vögel, die auch gefressen haben müssen, kaum in den nahen Pappeln verschwunden, sehe ich schon, was ansteht und was ich zu tun habe. Dabei besteht kein Zweifel: Nach dem Säen und Pflanzen kommt das Jäten, das Hacken, das Bewässern. Für einmal ist etwas einfach so. Da gibt es keine Diskussion. Für ein paar Stunden liegt mir dann eine kleine Welt zu Füssen, in der ich König, aber auch Sklave bin. Wobei mir diese Welt sogar buchstäblich zu Füssen liegt, das heisst, ohne sich zu bücken und wieder zu bücken geht es nicht.

Wie nebenbei darf ich mich dazu aber dem offensichtlich archaischen Bedürfnis hingeben, in der Erde zu graben. Das Wühlen im Sandkasten oder eben auch im Dreck, aus welchem sie sogar gerne Kuchen formen, ist für Kinder ein unbestrittenes  Vergnügen, es holt aber auch Erwachsene wieder ein, sei es, indem wir selber wieder in der Erde zu graben beginnen oder eben früher oder später in ihr begraben werden. Die Tatsache, dass ich meinen Gemüsegarten mit einer uralten, arabischen Methode aus einem Kanal bewässere, beschert mir noch weitere Vergnügungen, die auch Kinder lieben. Weil es hier wieder mal zu wenig regnet und das Wasser langsam knapp wird, habe ich begonnen, undichte Stellen mit Lehm abzudichten. Das bedeutete, ich bin sozusagen am «Lättlen» und zwar mit den Händen im kühlen Wasser des Kanals, also auch am «Choslen». Für grosse oder kleine Buben an diesen heissen Tagen ein ganz besonderes Vergnügen.

Und was hat Joan Miro damit zu tun?

Dass Joan Miro hier sozusagen eine lokale Grösse ist und dass er in seiner Kunst immer wieder den Elementen huldigte und immer wieder versuchte, ihnen Form zu geben, habe ich in diesem Blog schon einmal erwähnt. Ich erwähnte auch sein berühmtes Bild «La Masia», das an Erdigkeit schwer zu übertreffen ist. Ich hatte auch erwähnt, dass Ernest Hemingway 1926 in Paris dessen glücklicher Besitzer wurde. Nun ist ein Buch erschienen, welchem zu entnehmen ist, dass Hemingway dafür 3500.- Francs bezahlte, die er zusammenkratzte und pumpte, um das Werk unter anderem davor zu schützen, dass es vom Galleristen in kleinere, leichter verkäufliche Einzelteile zerschnitten wurde. Ohne diese gute Tat würde das Meisterwerk heute kaum in der National Gallery in Washington hängen.

12.07.2017 | 13:47
ZEITUNGEN, GESTAPELT, Gebündelte Zeitungen, 2013 von Simon Egger (photo: )

Bund mit em Tagi.

Tagi mit dr Süddütsche.

Bärner Zytig mit em Zürcher Oberländer, em Zürcher Unterländer, dr Züriseezytig und em Landbot.

Tagi-Online mit em Bund, dr Bärner Zytig u dr Basler Zytig.

 

Gmeinsame Chefredakter bir Sunntigszytig u bim Tagi.

Gmeinsame Chefredakter bi Sunntigsblick, Blick am Aabe, Blick u Blick-Online.

Gmeinsame Chefredakter bir nöie Luzäner Zytig, Thurgouer Zytig u bim Sanggauer Tagblatt.

 

Gmeinsami Redaktione bi Sunntigszytig u Tagi.

Gmeinsami Bundeshuusredaktion bi Bund u Tagi.

Gmeinsami Bundeshuusredaktion bi aune Zytige vo den AZ Medie.

Gmeinsame Newsroom bi Blick, Sunntigsblick, Blick am Aaben u Blick-Online.

 

Im Berych Kultur cha d Aargouer Zytig sämtlechi Byträg übernäh vor Bärner Zytig, vor Nöie Luzärner Zytig u vor Südoschtschwyz.

Im Berych Kultur chöi d Bärner Zytig, di Nöii Luzärner Zytig u d Südoschtschwyz sämtlechi Byträg übernäh vor Aargouer Zytig.

 

I aune Beryche cha dr Tagi aui Byträg übernäh vor Süddütsche.

 

Tagi, Zwänzgminute, Bärner Zytig, ds Langethaler Tagblatt, Bund, Landbot, Finanz u Wirtschaft, Le Matin, Le Matin Dimanche, Sunntigszytig, Zürcher Unterländer, Zürcher Oberländer, Züriseezytig, Annabelle, Bilanz, Femina, Schwyzer Familie, Zwänzgminute-Online u Newsnetz ghöre Tamedia.

 

Blick, Sunntigsblick, Blick am Aabe, Blick-Online, Bolero, Cash, Glücksposcht, Landliebi, Schwyzer Familie, L’Illustré, Le Temps u Radio Energy ghöre Ringier.

 

NZZ, Luzärner Zytig, Sanggauer Tagblatt, Thurgouer Zytig, Tele Oschtschwyz, Tele 1, Radio Pilatus u Radio FM1 ghöre dr NZZ Gruppe.

 

Aargouer Zytig, Badener Tagblatt, bz Basu, di Basulandschaftlechi, Limmattaler Zytig, Solothurner Zytig, Gränchner Tagblatt, Outener Tagblatt, wir eltern, Fit for life, Natürlich, TeleZüri, Tele M1, TeleBärn, TV24, TV25, Radio 24, Radio Argovia u im Prinzip o Watson ghöre den AZ Medie.

 

Tamedia prüeft e gmeinsami Superredaktion für aui ihri Medienaagebot u dr Abbou vo rund 30%, auso 250 redaktionelle Schteue bis 2020. Ob’s de non e Bärner Zytig un e Bund parallel git, schteit i de Schtärne. Beziehigswys i de schtrategische Planschpili vo den Effiziänzmanager.

 

Truckt wird d NZZ bi Tamedia.

Truckt wird d Basler Zytig bis im Apriu no bi Tamedia.

Truckt wärde d AZ-Medie bir AZ.

Truckt wärde sämtlechi Tamedia-Title bi Tamedia.

 

Foto: Simon Egger, ZEITUNGEN, GESTAPELT, Gebündelte Zeitungen, 2013

12.07.2017 | 08:58
Foto: Antoine Jaccoud (photo: )

C’est aujourd’hui comme chaque année à la même période le concours de plongeon sur le pont de Visegrad, ce fameux Pont sur la Drina qui donne son titre au roman de Ivo Andric, Prix Nobel 1961. On jeta du haut de ce même ouvrage des hommes musulmans en 1992 avant de les tirer comme des canards au moment où ils touchaient la surface de l’eau. C’était l’épuration ethnique qui fit 6000 morts dans cette région aux collines si douces et si paisibles qu’on voudrait s’y installer pour toujours si le présent était éternel. Aujourd’hui ils sautent tout seuls dans l’eau ces jeunes gens à moitiés nus venus de Banja Luka, Sarajevo ou Podgorica, et des hommes-grenouilles les accueillent sous les arches depuis qu’un concurrent s’est tué parce que la rivière était basse. Un peu hercules de foire, un peu matamores saluant le jury d’une mussolinienne gestuelle, tous sont bien bâtis sauf un. Celui-ci, le slip de bain remonté haut sur les bourrelets, semble porter des Pampers. Est-ce à cause de lui que l’on ne se sent pas tout à fait dans un film de Pasolini, ou est-ce autre chose de plus trouble, de plus noir, qui affleure de dessous la Drina malgré sa tranquille indifférence ?

22.06.2017 | 15:00
Peter Iseli Avalokiteshvara (photo: )

Nichts wäre leichter, als in diesen herrlichen Tagen ein Loblied auf die Aare zu singen. Wer könnte nicht ausführlich schwärmen von unserem glasklaren Rio Grande! Ich möchte mich jedoch auf nur einen Vorzug der schönen Aare beschränken. Sowohl beim Raufgehen zum Eichholz wie beim Runterschwimmen zurück ins Marzili: Für einmal bin ich nicht der einzige, der nicht auf ein Smartphone starrt! Sogar Jugendliche gehen dem Ufer entlang und reden miteinander.

Aber sonst!

Im Sandkasten auf dem Spielplatz spielen die Kleinen, die Eltern stehen daneben und sind doch nicht da. Sie kommunizieren, nicht unter sich und nicht mit den Kindern, sie kommunizieren mit ihren I-Phones. Ein Vater geht vorbei, mit dem Kind auf dem linken Arm und dem Handy vor dem Kopf. Im Café sitzen drei Damen, drei beugen sich über ihre Bildschirme. Beim Schulhaus oben an der Postgasse drängen vier Modies zur Tür heraus ins Freie. Mit keinem Blick würdigen sie die Welt. Alle schauen auf ihre Geräte, eilen hinter diesen her zum Rathausplatz, niemand achtet auf den Verkehr. Im vorbeifahrenden Bus sehe ich nichts als vorneübergebeugte Köpfe.

Natürlich ist mir klar, dass ich ein anachronistischer Aussenseiter bin, ich weiss auch, dass es nicht darauf ankommt, ob ich das verstehen kann, aber immerhin tangiert es mich. Ich stehe neben völlig abwesenden Leuten im Lift, immer öfter muss ich auf der Strasse darauf achten, dass ich nicht mit ihnen zusammenputsche, bin ich im Auto unterwegs, muss ich aufpassen, dass ich sie nicht überfahre, auch nicht, wenn sie mitten auf dem Fussgängerstreifen plötzlich stehen bleiben. Und reise ich im Zug mit Kindern im gleichen Wagen, würden die vielleicht auch weniger schreien und kreischen, wären ihre Eltern nicht völlig von ihren Geräten absorbiert.

Die Fragen, dich mich beschäftigen sind aber: Was war vorher? Was haben diese Menschen vor dem Smartphone eigentlich getan? Womit war die Menschheit den vorher beschäftigt?

Natürlich ist es auch ein bisschen traurig, wenn man diese Paare jeden Alters überall stumm zusammen sitzen sieht, jeder für sich in sein Gerät vertieft und es kann nicht überraschen, das immer mehr darüber geschrieben und nach den Konsequenzen gefragt wird. Ist hinter diesen beflissenen Überanpassung an die immerhin von kommerziell interessierten Kreisen schnell vorangetriebenen totalen Digitalisierung der Welt nicht eine bodenlose Spiessigkeit versteckt? Ein Nichts! Ein Vakuum. Als würde jede noch so schöne, aber nicht lebensnotwendige Erfindung automatisch  auf fruchtbaren Boden fallen, weil da nichts ist, weil sich eigentlich alle langweilen und froh sind, wenn ihnen endlich jemand zeigt, was sie mit ihrer Zeit zu tun haben.

Gut, ich weiss, auch bei der Erfindung der Dampfmaschine hat man den Untergang der Welt befürchtet, sollte dieser aber jetzt tatsächlich eintreten, möchte ich einfach nicht der einzige sein, der es bemerkt.

Und was hat Peter Iseli damit zu tun?

Als ich ihn fragte, ob er mir vielleicht ein Bild für das Journal B geben würde, fragte er, was das sei. Das ist eine Netz-Zeitung, sagte ich.  Also bitte! sagte er darauf: Du redsch mit öpperem, wo no nie ä Computer het aglängt. Mit au däm Züg hanni nüt ds tüä! Und das sagt ein Berner Künstler, dessen Bilder von New York über Indien bis Australien auf der ganzen Welt zu sehen sind. Peter Iseli malt nämlich meistens im Auftrag buddhistischer Gemeinschaften Rollbilder, an welchen er oft mehrere Jahre arbeitet. Sie sind so gross, dass er sie während der Arbeit nie in ihrer Ganzheit sehen kann und sie sind nicht nur ganz grosse Kunst, diejenigen, die ich gesehen habe, sind auch wunderschön!

08.06.2017 | 10:16
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- Vous dites vous sentir de plus en plus essoufflé au Marathon de Lausanne, n’est-ce pas ?

- Oui, c’est cela. Mes performances baissent d’année en année. J’ai vérifié sur mon ordinateur. Depuis 2001, je note toutes mes performances : elles sont à la baisse.

- Vous me racontez aussi digérer un peu moins bien le fromage, n’est-ce pas ?

- Oui,  surtout les fromages gras, docteur. Je digère de plus en plus mal les fromages gras. Je ne peux plus manger une fondue après 20 h par exemple.

- Mmmh. Et les autres ?

- Les autres ?

- Les fromages plus légers. Les sérés, les choses comme ça ?

- Ca va, docteur, ça passe, mais disons que je ne peux plus en manger autant qu’avant.

- Vous me dites aussi être de plus en plus ennuyé par les séries TV, vous me confirmez cela ?

- Tout à fait. Avec ma femme, il fut un temps où nous les dévorions. Borgen, Breaking bad, Homeland, Game of Throne, nous avons tout vu. Maintenant, nous nous embêtons avant même la fin de la première saison…

- Mmmh. Est-ce que vous iriez jusqu’à dire que vous ressentez un sentiment de lassitude ?

- De lassitude, docteur ?

- Oui, un sentiment de lassitude. Une sorte de lassitude devant la vie.

- De la lassitude… ?  Oui, ma foi, oui, je crois bien que je pourrais parler d’une sorte de lassitude...

- Vous avez bien dit, lassitude, Monsieur ?

- Oui, « lassitude », c’est cela.

- Eh bien, écoutez, Monsieur Jaccoud, je crois que le temps est venu de vous adresser à Exit.

19.05.2017 | 06:30
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Dr Kanton Thurgou wott ds Früefranzösisch kippe. Vierezwänzg Jahr Erfahrig zeigi, dass Ching, wo ab dr füfte Klass Französisch heige, schpeeter nid besser Französisch chönni aus Ching, wo ersch ir sibete Klass Französisch heige.

Dass das so isch, gloub i sogar, u o dass me das mit Schtudien und Uswärtige ha nachewyse. D Frag isch höchschtens, werum’s di Schtudien und Uswärtige nume für ds Französisch git. U eim niemer cha säge, öb Ching, wo mit sibni lehri läse, schrybe, rächne, zeichne, turnen u singe schpeeter besser chönni läse, schrybe, rächne, zeichne, turnen u singen aus Ching, wo das ersch mit nüni glehrt hei. U öb das würklech dr Sinn vor Schueu syg, öpis früecher z lehre, für dass me’s schpeeter besser cha aus die, wo’s ersch schpeeter glehrt hei.

Schprachlabor

Mir hei o ab dr füfte Klass Französisch gha. U mir hei denn aber no nid gwüsst, dass das Früehfranzösisch isch, wo mir hei. Denn het’s eifach Französisch gheisse. U das wo mi am Französisch am meischte begeischteret het, isch ds Schprachlabor gsi. So dass i mr säuber usemne Tonbandgrät u chlyne Lutschprächer u viu Kabu es Schprachlabor für deheime bout ha. Aber Französisch han i nid würklech glehrt drby. Drfür löte.

Üsi eutere Ching syn es Schueujahr usenang u sy wägdäm i zwöi vrschidnige Schueusischtem. Dr euter Suhn het ersch ab dr füfte Klass Französisch gha u d Tochter, es Jahr drunger, ab dr dritte. U natürlech het dr Suhn das Jahr Ungerschid sofort wettgmacht u cha hütt mindischtens so guet, we nid besser Französisch aus d Tochter. Auerdings mues me säge, dass sech ds Früefranzösisch bir Tochter uf zwo Lektione pro Wuche beschränkt het. U das isch wahrschynlech ds Houptproblem. We scho Früefranzösisch, de richtig. Süsch cha me sech di zwo Lektione pro Wuche tatsächlech schänke.

Mehrschprachikeit aus moralischi Pflicht

Chürzlech bin i z Sauzburg gsi u ha ghört, wi öper emnen angere vorgschwärmt het vomne Land, won’r chürzlech syg gsi. Es chlyses Land, aber d Lüt dert redi aui mehreri Schprache, änglisch natürlech, aber o Dütsch u Französisch. I ha gmeint, dä red vor Schwyz, bis i vrschtande ha, dass’r vo Ferie z Portugal vrzeut.

Im erschte Momänt bin i enttüüscht gsi, dass’r nid d Mehrschprachikeit ir Schwyz lobt. O wen i weiss, dass di Mehrschprachikeit lengschtens nid so bedütend isch, wi mir mängisch tüe. U viu Dütschi byschpiuswys, won i kenne, besser Französisch chöi aus Dütschschwyzer. U änglisch sowiso.

U i ha tänkt, ei grosse Fähler, wo mir mache, isch, dass mir üs d Mehrschprachikeit hüüfig win e moralischi Pflicht vornä. Wüu mr sen aus bsungers wärtvou empfinde, aber wärtvou imnen idealistische Sinn. Nid wirtschaftlech wärtvou. Was si aber eigentlech wär.

U i ha plötzlech tänkt: Wi wär das eigentlech, we sech d Schwyz aus en Art Kompetänzzäntrum für Mehrschprachikeit würd begryfe. E Schtrategie würd usschaffe, wi me’s chönnt härebringe, dass aui Bürgerinnen und Bürger i zwänzg Jahr mindischtens füf Schprache chönnte. U natürlech würd me sech nid numen uf d Landesschprache beschränke, sondern würd o di angere Schprache mitdänke, wo ir Schwyz gredt wärden u zum Teil vo viu meh Lüt aus gwüssi sogenannti Landesschprache.

Nofrüecherfranzösisch im Chindergarte

U i ha tänkt, wen i Politiker wär im Kanton Thurgou, würd i usem Früefranzösisch es Nofrüecherfranzösisch im Chindergarte mache. U d Lehrpärsonen im Chindergarte drzue vrpflichte, mindischtens füfzg Prozänt vor Zyt mit de Ching Französisch z rede. U d Schtandardschprach, wo d Ching ja bereits vom Fernseh kenne, gäb’s de ab dr erschte Klass. U de chönnt me ja mit Schtudien und Untersuechige nach vierezwänzg Jahr uswärte. U i bi sicher, dass dr Kanton Thurgou punkto Französisch, aber vilech o punkto Schtandardschprache besser würd abschnyde aus hüt. Uf jede Fau nid schlechter.

20.04.2017 | 17:11
«Nachtschatten», Fotografie (photo: )

Bekanntlich liegt der Teufel im Detail. Deshalb müsste Jean Ziegler in dem Tagi-Gespräch mit Res Strehle genauer werden, wenn er behauptet, positive soziale Impulse würden heute nur aus Süd-Amerika kommen. Für Normalsterbliche ist das in Anbetracht der dort vorherrschenden Zustände irgendwie nicht nachvollziehbar. Aber sonst ist der junge Mann von 80 Jahren in dem über Ostern erschienenen Interview schwindelerregend präsent und in seiner Direktheit schlicht bewundernswert!

Unbestritten ist dagegen, dass Kalifornien jener Teil der Welt ist, der uns absolut gnadenlos mit Impulsen bombardiert. Von dort soll, gemäss einer anderen Zeitung, demnächst auch ein elektrischer Lastwagen von Tesla auf uns zurollen, was unter Umständen ein Geschenk an die Menschheit werden könnte.

Warum allerdings ausgerechnet in Berkeley, wie die gleiche Zeitung meldet, kalifornische Wissenschaftler meinen herausfinden zu müssen, warum sich unsere Schuhbändel immer wieder lösen, ist eine andere Frage. Man kann das mit den Details nämlich auch übertreiben. Ich würde einfach auf den Rat meiner Mutter an uns Kinder zurückgreifen: Besser binden!

Ich schreibe dies übrigens in einem Hotel in Banja Luka in Bosnien und fühle mich deshalb berechtigt, zu behaupten, dass man auch auf Reisen eigentlich ins Detail geht. Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Guy Krneta bin ich unterwegs in den Kosovo, wo wir für ein schweizerisch-kosovarisches Literaturprojekt ein bisschen vorsondieren wollen. Unter anderem haben wir gestern in Details mitbekommen, was man im sonstigen Europa ziemlich verlernt hat: Wie man im Auto über eine wirklich kontrollierte Grenzen kommt! Uniformierte Gestalten hinter kleinen Luken in eigenartigen, vermutlich schusssicheren Zöllnerhäuschen. Besonders in Regen und Schnee alles ein bisschen kompliziert, alles ein bisschen bedrohlich, eigentlich grotesk und kafkaesk. Und die DDR lässt grüssen.

Sogar diesen grünen Zettel mussten wir im Handschuhfach suchen. Dass es den überhaupt noch gibt, hatte ich schon fast vergessen.

Und was hat Alexander Egger damit zu tun?

Auch dieser versierte Berner Fotokünstler geht gerne ins Detail und produziert mit seinen neusten Bildern eine Schärfung des Hinschauens, die auch Blicke in neue, sogar sehr schöne Welten ermöglicht. Einzelne Motive verwandeln sich dabei sogar in etwas grundlegend Neues. Plötzlich wächst aus einer Erdnussschale ein kleiner Palmenwald wie hier im Bild.

To behold the world in a grain of salt! Um es mit William Blake zu sagen. Auch in einem Salzkorn ist die Welt zu sehen. Mehr davon gibt es vom 21. April bis zum 6. Mai in der galerie 9a am stauffacherplatz.