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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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20.09.2018 | 13:54
Wolfgang Mattheuer:  «Landschaft mit Fussball»  Lithografie,  1966,  Lindenau-Museum.

Ja, Katalonien ist noch da, nicht weit von hier, und noch beherrscht das Unabhängigkeitsthema Land und Leute, aber aus dem angekündigten heissen Herbst wird wohl nichts. Wegen der vielen Einsprachen hat das Höchste Gericht Spaniens den Prozess gegen die angeklagten und zum Teil in Untersuchungshaft weilenden Politiker und Politikerinnen ins neue Jahr hinein aufgeschoben. Der amtierende Katalanische Präsident hat schon vorgewarnt, dass man eine Verurteilung nicht akzeptieren würde. Wie genau sich dies äussern wird, hat er allerdings nicht verraten.

Was Restspanien betrifft, ist es dem Berichterstatter eher peinlich, sich hier auch noch über die mit gefälschten akademischen Lorbeeren geschmückten Lebensläufe so vieler Politiker und Politikerinnen auszulassen. Gab es nicht mal diese menschliche Erfindung der Scham? Und gäbe es in diesem Land nicht Probleme, die die volle Aufmerksamkeit der Politik verdienten? Als ich neulich hörte, wie ein Nachbar beim Kartenspiel vor der Taverne auf dem Dorfplatz sagte: «Jetzt stellen sie einander ihre Universitätsabschlüsse in Frage», kam es mir vor, als hätte sich im Ton seiner Stimme die weit verbreitete Verachtung für die Politiker und Politikerkerinnen abermals gesteigert.

Und weil der amtierende sozialistische Präsident in Madrid so sozialistisch gar nicht ist, trifft er sich auch noch mit diesem Monsieur aus dem Wallis der FIFA und bringt die WM 2030 ins Gespräch. Brot und Spiele könnte man sagen. Sicher ist, der Lack der neuen Regierung war schneller ab, als es die schlimmsten Pessimistinnen vorauszusagen gewagt hätten. In den ersten 100 Tagen gab es 100 Fettnäpfchen und keines wurde ausgelassen. Wie leicht ist es doch, den Waffenexport in kriegführende Länder zu geisseln, wenn man in der Opposition ist. Einmal an der Macht sind in diesem von Arbeitslosigkeit geplagten Land die Stimmen der Betroffenen plötzlich doch wichtiger als die hochgehaltenen Ideale. Etwas verblüfft stellt man deshalb fest, dass da eine Regierung angetreten ist, die zwar für Spanien eine spektakuläre Frauenmehrheit zu bieten hat, die sich sonst ethisch und moralisch aber bei weitem nicht so klar von ihrer gestürzten Vorgängerin abhebt, wie man erhofft hatte.

Und was hat Wolfgang Mattheuer damit zu tun?

Präsident Sanchez spricht von einer WM in Spanien und YB spielt in der Champions League und Wolfgang Mattheuer hat mit seiner Lithografie eines der wenigen beachtenswerten Kunstwerke geschaffen, die es meines Wissens zum Thema Fussball gibt. Gut, es hat nichts mit dem Massenphänomen Fussball zu tun, aber auch hier ist der Ball rund und er fliegt so hoch über die Welt, als wäre es der Mond. Eigentlich eine herrliche Szene, wenn auch nur mit drei Zuschauern. Leicht erkennbar ist aber auch, dass hier ein Meister am Zeichnen war. Wolfgang Mattheuer war denn auch nicht irgendwer. Als Mitbegründer der Leipziger Schule ist er mitverantwortlich für die wenigen künstlerischen Impulse, die von der DDR über ihr Ableben hinaus wirksam blieben.