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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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18.08.2017 | 15:56
Miquel Barceló: Aus den afrikanischen Skizzenbüchern

Kataloniens Bestrebungen, sich unabhängig zu machen, bleiben hier in Spanien das dominierende politische Thema. Findet das für den 1. Oktober vorgesehene Referendum nun statt oder nicht? Sicher ist es nicht. Darüber, wie legitim es wäre, wird weiter heftig und sehr emotional gestritten. In Anbetracht der Tragweite des Entscheides auf beachtlich tiefem Niveau, ist man als Aussenstehender hier geneigt beizufügen.

Insgesamt eine ziemlich verfahrene Sache! Verfassungskonform ist das Vorgehen der katalanischen Regierung sicher nicht, aber was bedeutet die spanische Verfassung denjenigen, die schon an einer eigenen rumwerkeln?

Wer sich aber über die bestehende Verfassung stellt, begibt sich in sehr gefährliche Wasser. Natürlich wird dieses unilaterale Vorgehen von Madrid bekämpft, ausserhalb von Katalonien stösst es aber auch sonst auf wenig Verständnis. Brüssel und die UNO warnen vor voreiligen Schritten. Mittlerweile hört man auch von Familien, in welchen Diskussionen zu diesem Thema vermieden werden, obschon eigentlich sehr viele, sehr wesentliche Fragen weiterhin ungeklärt bleiben und durchaus auf allen Ebenen diskutiert werden müssten.

Dazu kommt, dass die  Mehrheitsverhältnisse äusserst prekär sind und man würde meinen, derart einschneidende Veränderungen sollten nicht ohne eine Zweidrittelsmehrheit vollzogen werden. Die katalanische Regierung handelt jedoch auf der Basis von nicht einmal 50% der Stimmen und mit einer knappen Mehrheit der Sitze im katalanischen Parlament. Wenn das bloss gut kommt!

Das andere grosse Thema in der spanischen Politik ist der Tourismus. Wehmütig erinnert man sich hier an einen sehr populären Schlager, der vor nicht allzu langer Zeit die Ankunft des zweimillionsten Touristen feierte. Heute ist Spanien bei 80 Millionen pro Jahr!

Natürlich sind diese nicht alle gleichzeitig hier. Trotzdem: Während des Sommers macht dieser Ansturm Spanien zum bevölkerungsreichsten Land Europas. Die Belastung und die Abnützung ist vielerorts entsprechend dramatisch. Besonders Barcelona scheint zu ächzen unter dem anhaltenden Ansturm der Massen. Der Widerstand wächst aber auch auf Mallorca und in touristisch attraktiven Städten wie San Sebastian oder Valencia. Besonders wenn man selbst Tourist ist, ein heikles Thema.

Allerdings befinden wir uns hier in einer von der Abwanderung geplagten Zone, die mittlerweile immer öfter das Lappland Spaniens genannt wird. In dieser Region, die zehn meist küstenferne Provinzen und 1355 Gemeinden Zentralspaniens umfasst, leben gerade mal 7.3 Menschen pro Quadratkilometer. In Manhattan sind es mehr als 27 000. Mein schlechtes Gewissen hält sich entsprechend in Grenzen.

Als Hobby-Gärtner gilt meine Sorge ohnehin eher dem Wetter, welches sich leider vor allem dadurch auszeichnet, dass es entweder gar nicht regnet oder dann so, dass einem wie neulich angst und bange werden kann. Ein Gewitter kann auch hier mit einem Regenbogen enden, viel eher aber mit zerstörten Äckern, mit weggeschwemmter Erde und völlig k.o. geschlagenen Gurken und Bohnen, mit vom Hagel verwundeten Tomaten und mit völlig erhudeltem und zerfetztem Salat. Erst regnete es genau so, wie man es für den Garten gerne hat, dann begann es aber sintflutartig zu giessen und es donnerte, als explodierten Knallfrösche am Himmel, dann war da ein Schlag, als würde eine Eisenfaust eine Panzerscheibe, dann eine ganze Mauer durchschlagen. Wie sich später herausstellte, war das ein Blitz, der in den Kirchturm schlug, dort beträchtlichen Schaden anrichtete und auch noch für mehrere Tage die zu Tode erschrockenen Turmtauben obdachlos machte.

Und was hat Miquel Barceló damit zu tun?

Dieser in Mallorca geborene spanische Maler, Objekt- und Performancekünstler von Weltrang hat möglicherweise das ultimative Bild der Sintflut gemalt. Unvergesslich ist mir, wie ich beim ersten Betrachten dieser eigentlich abstrakten, aber doch greifbar plastischen Wassermassen glaubte, nasse Füsse zu bekommen. Als ich Barcelós Sintflut suchte, begegnete ich noch dem herrlich leichten Bild vier afrikanischer Frauen. Es gefiel mir so gut, dass ich es dem geneigten Leser und der geneigten Leserin auf keinen Fall hätte vorenthalten wollen.