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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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01.03.2017 | 19:09
Kasimir Malewitsch, Rote Kavallerie, 1928

Vorgestern erschien in der NZZ unter dem Titel Die letzte Reiterschlacht Europas ein Rückblick auf die Abschaffung der Kavallerie vor 35 Jahren. Offensichtlich gab es mehr Widerstand als man heute annehmen würde. Eines der eher abenteuerlichen Argumente der Gegner der Abschaffung  lautete, man kenne bei der Kavallerie weder Dienstverweigerung, noch Langhaarprobleme. Die stolzen Dragoner galten als Elitetruppe. Nach anhaltendem Ringen zwischen National- und Ständerat siegte dann doch die Vernunft und die Kavalleristen wurden zu Panzergrenadieren umgeschult.

Was in diesem Zusammenhang selten erwähnt wird, ist die Tatsache, dass die «Eidgenossen», wie man die vom Bund gestellten Kavalleriepferde nannte, im Grauholz akklimatisiert und dann in der EMPFA (Eidgenössische Militärpferdeanstalt) in Bern für ihre Aufgabe zugeritten wurden. Um sie an Verkehr und Lärm zu gewöhnen, wurden die Pferde auch durch die Strassen und Gassen der Stadt geritten und prägten den öffentlichen Raum, vor allem die Quartiere rund um die Allmend, in einem Ausmass, das man sich heute kaum mehr vorstellen kann.

Auf der Allmend sah man sie im Galopp, auf den Strassen in kleinen und grossen Gruppen und weil sie auch zu Zugpferden ausgebildet werden mussten, oft vor kleine Wagen gespannt, auf welchen oben ein Kutscher sass und hinten sicherheitshalber ein Bremser stand, der an einer Kurbel drehte und notfalls einem scheuenden Pferd an den Zaum greifen konnte.

Noch gibt es unter Berns traditionellen Musikgesellschaften als Überbleibsel die Bereiter Musik, wenn auch nur als Abglanz einer einst aufsehenerregenden berittenen Kapelle. Wenn, um ein bisschen in Nostalgie zu schwelgen, das Trommeln der Hufe und die Fanfaren der Bereitermusik zu hören waren, war grosser Zirkus angesagt. Ein vorausreitender Tambourmajor vollführte mit seinen Schlegeln wilde Kapriolen, während er seinen mächtigen Schimmel mit den an den Füssen befestigten Zügeln führte und auf zwei grossen, dem Pferd seitlich aufgeschnallten Pauken, wirbelte.

Nichtsdestotrotz, mit den Pferden verschwand auch der Berufstand des Bereiters. Ja, man sagte «Bereiter» und nicht «Beryter». Und es waren viele. In meiner Sekundarschul-Klasse nannten immerhin zwei Mitschüler «Bereiter» als Beruf ihres Vaters. In einer Parallelklasse sass auch der Sohn des vielleicht berühmtesten Bereiters aller Zeiten. Er hiess Henri Chammartin und hatte an den Olympischen Spielen in Rom 1960 ein Goldmedaille im Dressurreiten gewonnen. Und zwar in militärischer Uniform. Immerhin.

Und was hat Kasimir Malewitsch damit zu tun?

Dieser grosse Russe hat sich nicht nur durch sein berühmtes Schwarzes Quadrat verdient gemacht, er ist schlicht ein grosser Maler und hat das einzige schöne Kavalleriebild gemalt, das mir bekannt ist.