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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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24.11.2016 | 11:45
Miniatur in der indo-pakistanischen Tradition von Shahzia Sikander

Nein, ich habe mich anders entschieden: Kein Wort mehr zu den amerikanischen Wahlen! Auch kein Wort zu den Medien, die nachträglich nun wieder alles verstehen.

Stattdessen will ich mich der alten Welt zuwenden, genau genommen sogar dem Herz der alten Welt. Irgendwie bildete ich mir nämlich schon das ganze Jahr über ein, ich müsste unbedingt wieder mal nach Rom. Jawohl, nach Rom! So viel hatte ich wieder gelesen über die ewige Stadt und die mir in meinem Kopf verbleibenden Bilder kamen mir so vergilbt und unscharf vor, dass die Reise nicht länger aufgeschoben werden durfte. Mittlerweile geht das ja auch im Zug ruckzuck wie in einem Rausch. So ein italienischer Roter Pfeil katapultiert einen in knapp drei Stunden von Milano Centrale über den halben Stiefel hinunter nach Roma Termini.

Aber dann ist es passiert!

Die Katastrophe!

Darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet! Mit einer Reservation für drei Nächte in einem schönen Hotel mitten im Römertopf ist man plötzlich Extrem-Tourist! Und zwar einer unter Hunderttausenden! Geht man auf die Gasse, ist da gleich die Spanische Treppe, um die Ecke natürlich das Caffè Creco und bald kommt man schon zum zweiten Mal beim Pantheon und zum dritten Mal beim Trevi Brunnen vorbei! Nun sind das alles keine üblen Orte, im Gegenteil, alles Prunkstücke abendländischer Kunst und Kultur. Aber sogar jetzt, Ende November ist der Andrang so deftig und so heftig, dass er einen innerlich abschwören lässt, je wieder eine solche Reise zu unternehmen.

Geht man hin, wo alle hingehen? Nein!

Für Kunstliebhaber gibt es wohl wenige vergleichbare Orte, aber was habe ich in der der Sixtinischen Kapelle zu suchen, wenn ich mir doch vorkomme wie in der Welt schönstem bemalten Lavabo, durch welches meinesgleichen täglich zu Tausenden hindurchgespült wird?

Sorry Michelangelo!

Und was hat Shahzia Sikander damit zu tun?

Diese pakistanische Künstlerin bewegt sich verblüffend elegant zwischen verschiedenen Formen, Religionen und Kulturen. Sehr Grosses und sehr Kleines war im MAXXI, dem Nationalen Museum der Künste des 21. Jahrhunderts in Rom zu sehen. Alles war sehr schön und hatte dazu noch den Vorteil, dass es anders als die klassischen Werke Roms in Ruhe, also völlig ungestört und unbehindert betrachtet und bewundert werden konnte.