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07.05.2015 | 06:30
Thomas Feitknecht (2.9.1943 - 30.4.2015)

Der frühere «Bund»-Redaktor und Leiter des Schweizerischen Literaturarchivs von 1990 - 2005 Thomas Feitknecht ist im Alter von 71 Jahren gestorben.

Die Todesanzeige traf mich unvorbereitet: Thomas Feitknecht, Gründungsdirektor des Schweizerischen Literaturarchivs ist am 30. April im Alter von 71 Jahren gestorben. Thomas Feitknecht leitete das Literaturarchiv seit dessen Beginn 1990 bis 2005. Er erlag einer langen, schweren Krankheit, wie aus der Todesanzeige zu erfahren ist.

Feitknecht wurde 1943 in Bern geboren, er studierte Germanistik und Journalistik in Bern und Berlin. In seiner Dissertation widmete er sich neueren DDR-Romanen. Ab 1970 war Feitknecht Redaktor, Londoner Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor beim «Bund». Schon während seiner Zeit beim Literaturarchiv und noch vertiefter danach beschäftigte er sich mit dem Nachlass Hermann Hesses. Es erschien unter anderem 2006 der Band «Die dunkle und wilde Seite der Seele», Hesses Briefwechsel mit dem Psychiater Josef Berhard Lang. 2009 publizierte Feitknecht den Briefwechsel des Literaturkritikers Werner Weber, dessen umfangreichen Nachlass er fürs Literaturarchiv hatte sichern können.

Ich kannte Thomas Feitknecht als näheren Bekannten meiner Familie mütterlicherseits, war er doch in deren Nachbarshaus aufgewachsen. Mehr miteinander zu tun hatten wir, als ich vom Verband «Autorinnen und Autoren der Schweiz» in eine Subkommission der Nationalbibliothek delegiert wurde. Hier beeindruckte mich Thomas’ kluges und geduldiges Verhandeln um wertvolle Nachlässe, von dem er uns jeweils Rechenschaft ablegte.

Vor sieben Jahren zog Thomas mit seiner Partnerin Katharina Feitknecht-Hostettler vom Land ins elterliche Haus in der Stadt. Es ehrte mich, als mich die Beiden baten, bei der «Husröiki» zu lesen. In einem Mail beschrieben sie damals, was der Umzug für sie bedeutete: Der Abschied von Kühen, Graureihern und Mähdreschern. Das Entsorgen von drei Zentner Büchern. Und schliesslich das Gefühl «schon immer hier gewesen zu sein», im behutsam renovierten Haus von Thomas’ Vater.

Thomas Feitknecht kannte sich in unzähligen Werken und Nachlässen aus. Sein Tod bricht eine intensive Arbeit ab, die uns noch etliche wertvolle Publikationen beschert hätte.