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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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29.10.2014 | 06:30

Gestern war ein seltsamer Tag. Ein überraschender Tag. Ein bemerkenswerter Tag. Vielleicht sogar ein historischer.

Seit einiger Zeit habe ich mir angewöhnt, morgens am Computer bei einem Mediendienst bestimmte Suchwörter einzugeben. Dann sehe ich, welche Artikel zu einem Thema oder einer Person an einem Tag erschienen sind. Wenn mich die Beiträge interessieren, lade ich sie herunter oder besorge mir die nötigen Zeitungen.

Seit der Übernahme der «Basler Zeitung» durch Christoph Blocher vor viereinhalb Jahren, gebe ich den Begriff «Blocher» täglich in die Suchmaschine ein. So erfahre ich von den neusten Finten und Täuschungsmanövern des heimlichen und mittlerweile nicht mehr so heimlichen Besitzers. Und bin gewappnet, wenn ich oder wir – «Rettet Basel!» – zu den neusten Entwicklungen befragt werden.

Üblicherweise erscheinen zehn bis zwanzig Artikel täglich in Schweizer Medien, in denen der Name «Blocher» auftaucht. Wenn die SVP eine neue Initiative lanciert, findet sich der Name dreissig oder vierzig Mal im Archiv. Doch ich kann mich auch an Tage erinnern, wo es nur zwei Nennungen gab, inklusive Leserbriefe. Und jedesmal wenn der Name seltener auftauchte, gab es am nächsten oder übernächsten Tag ein längeres Interview mit Blocher in der «Basler Zeitung» oder in der «Weltwoche». So dass ich gelegentlich vermute, Blocher kaufe Medien nicht nur aus politischem Sendungsbewusstsein, sondern auch einfach aus unersättlicher Eitelkeit.

Gestern geschah nun das Unerwartete. Ich gab den Namen «Blocher» in die Suchmaschine ein und sie meldete null Übereinstimmungen. So etwas hat es so weit ich mich erinnere noch nie gegeben. Ich zweifelte an meinem Internet-Empfang, gab den Namen noch einmal ein, gab einen anderen Begriff ein, der immerhin fünf Mal auftauchte und ging zum Wort «Blocher» zurück.

Ich weiss nicht, was gestern los war in der Schweiz. Warum es keinen Grund gab, Blocher in irgend einem Schweizer Medium zu nennen. Zu sagen hätte er sicher was gehabt. Aber es hat niemand an ihn gedacht. Und vielleicht geht dieser Tag in die Schweizergeschichte ein, als jener Tag, der unbemerkt die Zukunft vorwegnahm.