Aare
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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
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07.12.2017 | 08:37
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Es ist nicht etwa so, dass mich Katalonien nicht weiter beschäftigen würde. Wie so oft in diesem Jahr in diesem Blog.

Aber liesse ich mich hier beispielsweise über die spanische Justiz aus, die ja doch ziemlich unbeholfen vorzugehen scheint, wer würde dann vermelden, dass an den Kastanienbäumen auf der Münsterplattform kein Blatt mehr übrig bleibt? Wer würde den hölzernen Reitpferden gedenken, die jetzt verlassen und frierend dort neben dem Sandkasten stehen, wo auch nur noch ein paar rote und gelbe Plastikspielsachen an vergnügte Kinder erinnern? Und wer erwähnte die verlorene Taube unter einem der leeren Bänke? Wer die eingenebelte Sonne, die sich wie ein weisser Leuchtknopf am Himmel versteckt?

Und wenn ich hier wiederum nur davon berichten würde, wie viele Politiker und Politikerinnen in Katalonien eigenartigerweise weiterhin nicht den Mund aufmachen können, ohne allem, was sie sagen, paradoxerweise auch noch drei oder viermal das Wort «demokratisch» beizumischen wie Essig und Öl an den Salat, wer würde dann unserer Aare die Beachtung schenken, die sie verdient? Wer würde den stolzen Schwan erwähnen, der aufrecht vor der Englischen Anlage dümpelt, als würde er die wieder aufgenommenen Aushubarbeiten vor den Schwellen überwachen? Immerhin geht es hier um die Ablagerungen des Jahres und die stammen nicht einfach so von irgendwo. Was hier ausgebaggert wird, das wurde von Eiger, Mönch und Jungfrau, von der Blüemlisalp, vom Niesen und der Grimsel herunter angeschwemmt! Immerhin!

Wiederum hat sich nämlich eine riesige Insel gebildet, auf welcher die gelben Maschinen rumsurren und dieses Geröll schon mal für den Abtransport ins neue Jahr aufhäufen.

Noch rauscht sie leicht, die abgemagerte Aare, und wenn man die Ohren spitzt, hört man auch noch das Gerassel der Ketten, mit welchem bis vor kurzem die rostigen alten Ungetüme von knatternden und ratternden Baggern ihre geleerten Schaufeln zurück ins Wasser haben sausen lassen.

Und wenn ich hier weiter nur gegen einen doch uneuropäischen und undemokratischen katalanischen Wohlstandsseparatismus anschreiben würde, wer nähme sich dann die Mühe, zu vermelden, dass unsere Bären jetzt schlafen? Wie es weiter oben beim alten Tramdepot dreisprachig auf einer Tafel steht. «L’ourse Ursina hiverne dans une tanière dans le parc».

Und wer würde berichten, dass schon kurz nach der Untertorbrücke die Biber einen weiteren stattlichen Baum zu Fall gebracht haben, der jetzt bis zu der Krone in der Aare liegt? Auch die dort mit den Bären im Winterschlaf träumenden Weidlinge der Wasserfahrer müssen doch erwähnt werden. Ebenso die Krähe, die im seichten Wasser rumstolzierend und aufbegehrend etwas sehr Undurchsichtiges treibt. Und unbedingt, dass zwei Entenpaare, der Kälte zum Trotz, den Altenbergsteg mindestens so vergnügt und mindestens so synchron unterqueren wie die ranken Aareschwimmerinnen im Sommer.

Und wenn ich mich immer weiter nur mit diesem so demokratischen Katalonien rumschlagen würde, wer würde dann die Schafe erwähnen, denen man beim Weitergehen unweigerlich begegnet? Und die schöne, graue Tirolerkuh, die sich zwischen der alten Brauerei Gasser und dem Lorrainebad durch die Jahre frisst, hat sie nicht mindestens das gleiche demokratische Recht wie das arme undemokratisch unterdrückte Katalonien, einmal in einem Blog im Journal B erwähnt zu werden?
Doch! muss man da sagen. Doch! Dieses Recht muss man dieser gediegenen Stadtkuh einfach einmal zugestehen.

Und was hat Henry Rousseau damit zu tun?

Ginge man noch weiter, der hier schon fast schlafenden Aare entlang, käme man zwar auch noch bei ein paar im Dreck grunzenden Schweinen vorbei, unweigerlich aber auch zu unserer im Sommer so herrlich tosenden, jetzt aber still auf die nächste Schneeschmelze wartenden Stauwehr. Und eine ebensolche hat der «Douanier» wie Henry Rousseau auch genannt wird, so wunderbar gemalt, es könnte wirklich grad die unsere sein.

Dazu kommt - das muss auch noch gesagt sein - dass es sich jederzeit lohnt, besonders aber in der zur Melancholie verleitenden vorweihnächtlichen Zeit, in aller Ruhe ein paar Bilder von diesem Rousseau zu betrachten.

Sie bergen allesamt ein Geheimnis, das sich am ehesten an den malerischen Details erahnen lässt. Diese unglaubliche Liebe zur Kunst! Dieser Fleiss! Diese grenzenlose Geduld! Sie sind Ausdruck des unverkennbaren Bedürfnisses, etwas Schönes, etwas Wahres, etwas Wertvolles zu schaffen. Rousseau meint es immer Ernst! Und um dieses Ziel zu erreichen, war diesem sehr edlen Monsieur kein Opfer zu klein.

In diesem Sinne schon jetzt die allerbesten Wünsche für die kommenden Festtage und für das neue Jahr.

23.11.2017 | 22:03
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J’ai chaud.
Ma chemise blanche me serre.
J’ai grossi depuis ce congé-maladie forcé.Quand j’étais garde-frontière, je bougeais davantage. Je mangeais certes pas mal de sandwiches mais je bougeais davantage.


Je me demande à quelle heure le Président va interrompre l’audience.
On ne va quand même pas demander cinquante fois à la Syrienne si elle avait mal, si elle saignait, à quelle heure exactement elle a perdu les eaux, et si son vagin avait commencé à se dilater.
Un peu de respect pour la pudeur de cette femme quand même.
Bien sûr qu’elle avait mal, bien sûr qu’elle saignait, bien sûr qu’elle avait perdu les eaux.
Et c’est à peu près certain que son vagin s’était dilaté.
Je connais la question. Ma femme aussi elle est passée par là.  A deux reprises même. Une fois pour Ryan, et une fois pour Melissa.
Sauf que ma femme, elle est du Toggenburg, elle n’est pas d’Alep.
Et puis ma femme je l’aime, tandis que la Syrienne je ne l’aime pas, ou en tout cas j’ai ordre de n’avoir aucune empathie à son égard.  C’est une migrante, pas une femme sur le point de donner la vie.
Alors une migrante qui a mal, qui saigne, qui a perdu les eaux et dont le vagin s’est dilaté, tu ne la regardes pas, ou si tu la regardes, c’est comme une bête, comme une chienne, comme une moins-que-rien que tu vas te dépêcher de fourguer aux collègues de Domodossola pour qu’ils  s’en occupent, et surtout pour que son petit naisse chez eux et pas chez nous.
Non pas qu’ont ait le droit du sol en Suisse, mais si une de ces migrantes fait son petit chez nous, elle va vouloir l’allaiter et le lécher et Dieu sait quoi encore, et ce sera encore une excuse pour traîner chez nous.

Ouf, le Président a suspendu l’audience jusqu’à demain.
Je vais pouvoir rentrer chez moi
J’ai hâte de retrouver ma femme et mes enfants.
Dans ces moments, avoir le soutien de sa famille, c’est important.


09.11.2017 | 08:53
Maruja Mallo: El racimo de uva (Die Traube) (photo: )

Ergibt sich in einer sehr vielschichtigen historischen Entwicklung ein Interessenkonflikt zwischen zwei oder mehreren Parteien, kann es vorkommen, dass sich eine Partei aus Mangel an überzeugenden Argumenten darauf versteift, den eigenen Interessen zuwiderlaufende Fakten aus der Diskussion zu verbannen. Da lese ich in einer Zeitung zum Beispiel, was einem gewissen Monsieur nachgesagt wird: Der Monsieur habe «die unheimliche Fähigkeit, offenkundige Tatsachen in Abrede zu stellen». Trotzdem schaffte es dieser Monsieur, in eines der bekanntesten Häuser in Washington einzuziehen. Ein Grund, warum er dies geschafft hat, liegt darin, dass dieser Monsieur zwar die Lüge zur Tugend erhob und allen das Blaue vom Himmel herab versprach, aber die Emotionen, die er damit weckte, waren für viele absolut echt und real und offensichtlich beliebter als trockene Tatsachen. Und wer meint, Träume und Hoffnungen seien ohne Bedeutung, bloss weil sie sich auf Unwahrheiten stützen und sich nicht erfüllen lassen, kann nicht nur in den USA, sondern auch in England und in Katalonien erkennen, dass dem nicht so ist. Vermutlich gilt es, sich von der Vorstellung eines öffentlichen Ringens um Vernunft und Wahrheit zu verabschieden. Die Emotion, genauer gesagt, das Gefühl, wie marginal auch immer, selbst irgendwie impliziert, betroffen und dadurch Partei zu sein, überstrahlt und negiert die pickelfestesten Fakten. Kommt noch die Aussicht dazu, möglicherweise das identitäre Selbstwertgefühl zu steigern, ist der Zug abgefahren und die Meinung gemacht.
Zu diesem Schluss komme ich unter anderem auf Grund meiner Gespräche mit katalanischen Nachbarn, die ich während meines  langen Sommers in Spanien geführt habe. So vermessen wie das auch klingen mag, wann immer ich versuchte, sie in ein Gespräch zu verwickeln, bemerkte ich, dass die meisten fast nichts wussten oder meinten, mir Neuigkeiten überbringen zu müssen, von welchen ich schon Tage zuvor gelesen hatte. Auf die Frage, warum sie eigentlich für die Unabhängigkeit sei, antwortete mir einmal eine Bekannte: Weil sie schon immer dafür gewesen sei! Die Antwort fiel nicht etwa so kurz und so knapp aus, weil sie meinte, für mich würde das reichen. Nein, ich hatte nachgehakt und weiss es genau: Da war nicht mehr! Sie strahlte und lachte, denn ihr reichte das vollkommen. Sie wusste auf welche Seite sie gehörte.
Bei einem andern katalanischen Nachbarn, mit welchem ich fast täglich ein paar Worte wechselte, fiel mir plötzlich auf, dass er eigentlich über die dramatischen Entwicklungen sprach, als wäre es ein Fussballspiel. Als grosser Fan des FC Barcelona hatte er schon manchen Triumph feiern können und war überzeugt, dass sich der Präsident seiner Regionalregierung plötzlich als Lionel Messi der Politik entpuppen und aus dem unmöglichsten Winkel das vermeintlich unmögliche Siegestor schiessen würde. Und sollte mein Nachbar aus nächster Nähe selbst gesehen haben, dass dieses Siegestor aus einer zweifelsfreien Abseitssituation geschossen wurde, würde er wütend werden und absolut parteiisch über seinem Kopf mit den Fäusten fuchteln und das Gegenteil behaupten. Wie das im Fussball ja gang und gäbe ist.
Was es aber bei diesem Spiel wirklich zu gewinnen oder zu verlieren gibt, darüber schien er nie nachgedacht zu haben. Musste er auch nicht. Denn man kann Argumente so verkürzen, dass am Schluss nur noch eine Fahne oder eben, Farben übrig bleiben. Farben, zu denen man sich bekennt, die auf Zugehörigkeit verweisen und die damit alles sagen, weil es mehr nicht zu sagen gibt. Wie beim Fussball. Hier ist die eigene Mannschaft und dort der Gegner!
Sicher ist deshalb, dass man das bunte Wehen der katalanischen Fahnen weder verharmlosen noch romantisieren sollte. Die Fahnen sind vielleicht ein Geschenk für Pressefotografen und Fernsehjournalistinnen, aber sie sind ganz bestimmt nicht Ausdruck eines «fröhlichen Patriotismus» wie im «Spiegel» jemand mit einem grossen Namen meinte schreiben zu müssen. Vielmehr ist die Fahne die geistige Verkürzung schlechthin und kommt besonders jenen entgegen, die eigentlich keine Ahnung haben, worum es geht. Schlimmer ist nur noch der Holzhammer. Wer sich seine Sympathien für solche populistischen Auswüchse nicht verkneifen kann, dem sei ans Herz gelegt, sich einen Bundesplatz in Bern mit Tausenden in Schweizerfahnen gehüllten Jugendlichen vorzustellen.
Wem da nicht graust!
Und was hat Maruja Mallo damit zu tun?
Ich begegnete dieser spanischen Malerin in einer grossen Bildreportage in «El Pais». Maruja Mallo hiess eigentlich Ana María Gómez González, wurde 1902 in Galicien geboren, führte ein ziemlich spektakuläres Leben und starb1995 in Madrid, nachdem sie auf verschiedenen Kontinenten so ziemlich alles getan hatte, was Frauen damals nicht hätten tun dürfen.
Das Bild der Traube stach mir sofort ins Auge. Aha, dachte ich, ein weiterer Beweis, dass entgegen der katalanischen Propaganda, aus Spanien auch Gutes und Schönes kommen kann.

13.10.2017 | 14:04
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D Martina u dr Ruedi hei nid viu Fründe. Werum o? Si hei sich. U si sy sich säuber gnue. Beidi schaffe viu. Ching hei si nid. Het sech so ergä. Hätt sech o angers chönnen ergä. – Si heig sech drmit abgfunge, seit d Martina. – U o dr Ruedi seit, ihm fääu eigentlech nüt. Ab und zue dänk’r scho, chly e grössere Fründeskreis wär no schön. Aber was söu’s?

Si heig prueflech viu mit Lüt z tüe, seit d Martina. U mit viune vo dene wett si itz privat nid o no müesse z tüe ha. – U dr Ruedi seit, i däm Nöibougebiet, wo si wohni, läbi d Lüt ender so wi si: zrüggzoge. En Usnahm syge vilech Ismailjs. Mit ihm, em Ismailj, tüeg’r gärn ab und zue es Wort wächsle. Wen ihm dä vrzeu, win’r itz grad syg zrüggcho usem Gosovo, nach sächs Wuche, grossi Familie, zwo Hochzyte vo zwene Neffe, hunderti vo Gescht.

Das müessi ruuschendi Fescht sy, wo die fyri i däm Gosovo, seit dr Ruedi. U de dänk’r aube, dass’r das eigentlech o no mau wett erläbe. Sone Hochzyt i däm Gosovo. – Aber me chönn sech ja nid säuber zure Hochzyt i Gosovo ylade, seit ihm de d Martina. – U är seit ihren aber: Wart itz mau. I kenne dr Ismailj.

Wüu es syg scho so: Nächschts Jahr fyri är u d Martina ihri Siubrigi. U da heig’r sech scho überleit, win’r das söu aagah. Im Vrglych zu däm, wo dr Ismailj aube vrzeu, syg syni Hochzyt mit dr Martina doch en ender troschtlosi Aaglägeheit gsi. U vilech, heig’r tänkt, chönnt me das mit ere Siubrigen im Gosovo korrigiere.

Drum heig’r dr Ismailj druf aagschproche, seit dr Ruedi, wi itz das wär. We men aus öper, wo nid usem Gosovo chömm, sone Hochzyt oder besser Siubrigi Hochzyt im Gosovo würd dürefüere. Dr Ismailj syg Füür u Flamme gsi. – Är ungerschtütz ne, är übernäm das, organisier ihm di Hochzyt. U de heig’r ihm grad vrzeut vo zwene Cousins, wo dr eint drvo würd ds Catering übernäh u dr anger ds Hotel zur Vrfüegig schteue, für d Gescht us dr Schwyz. – Auso mit Gescht us dr Schwyz rächni är eigentlech nid. Aber är hoff natürlech uf Gescht usem Gosovo. – Kes Problem, heig ihm dr Ismailj gseit, är organisier ihm o d Gescht. U de heig’r dr Ismaij gfragt, öb’r ihm vilech chönnt en Offerte mache. U dä heig gseit, ja klar.

Das syg es Fescht gsi, seit dr Ruedi. So öpis heig är i sym Läbe no nie erläbt. Hunderti vo Lüt. U kultivierti Lüt. Nid eifach es Besüfnis wi bi üs. U guets Ässe. – U d Martina seit: Das heig sech über Tage härezoge, di Hochzyt. Auso Siubrigi Hochzyt. So heig si dr Ruedi no gar nie erläbt wi i däm Gosovo. Da syg ufblüejt.

U dr Ruedi seit: En Offerte vom Ismailj heig’r zwar nie übercho. Am Schluss aber, wo aui Rächnige syge zaut gsi, heig är müesse säge. Sones ruuschends Fescht im Gosovo, mit Catering u Hotel u hunderte vo Gescht. Das choscht itz o nid meh aus we me bi üs vilech z zähte höch mitenang ir Peiz göng ga Znacht ässe. U z zähte höch mitenang Znacht ässen ir Peiz, syg ja no lang kes ruuschends Fescht. Das meini nume Schwyzer, wo no nie im Gosovo gfyret heige.

12.10.2017 | 10:15
Josep Bestit i Carcasona, Castellers (Burgenbauer) (photo: )

Jetzt ist es also passiert. Die katalanische Republik ist ausgerufen, der Präsident hat die Unabhängigkeit erklärt, und schon sehr nahe am Abgrund, hat er sie auch gleich aufgeschoben. Hier wollte man es wohl allen Recht machen, und wie so oft wird niemand damit glücklich sein. Die Unsicherheit ist gross, das Misstrauen wächst, es regiert das Chaos.

Ziemlich unerklärlich ist für einen Aussenstehenden, wie die katalanische Regierung dazu kommen kann, auf Grund einer illegalen und in jeder Beziehung fragwürdigen Abstimmung mit dem fast DDR-würdigen Resultat von 90% Ja-Stimmen solche drastischen Schritte einzuleiten.

Es ist kaum verfehlt zu behaupten, dass in Katalonien alles schief lief und weiter schief läuft, ausser dass man es für ein paar Tage auf die Weltbühne geschafft hat, wenn paradoxerweise auch nur dank dem Fehlverhalten der überreagierenden spanischen Polizisten.

Wegen der nicht bedingungslos ausgerufenen Republik wird sich diese Regierung auch kaum mehr lange halten können, neben der mangelnden Mehrheit im Volk wird auch die Mehrheit im Parlament zerbröckeln. Da wollte der radikale Teil ganz entschieden mehr als eine vorläufig aufgeschobene Unabhängigkeit! Nun ist alles offen, noch kann Schlimmes passieren, sicher ist jedoch, der Grat ist überschritten, die Luftschlösser stürzen ein, und es kann nur noch abwärts gehen, der unilaterale, illegale Weg entpuppt sich einmal mehr als eine Sackgasse!

Fragt man sich, wie es so weit kommen konnte, würde ich in abgekürzter Form anführen, dass die kulturelle und ökonomische Vorherrschaft innerhalb Spaniens von der Politik falsch bewirtschaftet wurde. Man hat mit diesem «Bessersein» erst ein Gefühl der Überheblichkeit geschürt und dann eine Aversion gegen das «imperiale» Spanien gezüchtet, die man schliesslich während den paar letzten Jahren mit Pauken und Trompeten, mit Flaggen und Fahnen, aber auch in den subventionierten Medien und vor allem in den Schulen in einen anachronistischen, oft an Hass grenzenden Nationalismus verwandelte. Alles Gute kommt von oben und alles Schlechte selbstverständlich aus dem Kabinett des Teufels in Madrid.

Anstatt auch die rationale Seite zu entwickeln, anstatt die absolut berechtigten Argumente gegen den Nationalstaat Spanien zu diskutieren und zu postulieren, schürte man in der eben doch noch sehr jungen, unerfahrenen Demokratie die Emotionen, schreckte dabei weder vor Lügen noch unhaltbaren Versprechen zurück. Das nennt man, glaube ich, Populismus.

Dass mit sehr fragwürdigen Interpretationen des Rechtes auf Selbstbestimmung der Völker, mit einer sehr fragwürdigen Interpretation des armen Wortes, des missbrauchten Wortes «Demokratie» eine Stimmung des Aufruhrs erzeugt wurde, scheint unbestritten.

Vor dem Tag des Referendums folgte dann noch der Aufruf zum Ungehorsam, was, wie man weiss, wenn er von Seiten einer politischen Instanz kommt, sehr gefährlich werden kann.

Ob mit dem Referendum gegen die Verfassung verstossen wird, ist demjenigen, der, wie es hier offenbar wird, eine neue, parallele oder alternative Legalität schaffen will, natürlich egal. Ebenso wenig stösst er sich daran, dass die Gesetze zum Vollzug der Unabhängigkeit nach dem Referendum unter geradezu grotesker Missachtung des juristischen Rahmens durchgeboxt wurden. Die Kräfte, die sich in eine neue, in ihre eigene Legalität begeben wollen, hindert das keinesfalls daran, dieses Vorgehen, dieses Mittel zum Zweck, als legitim zu betrachten. Für den Zuschauer ein kaum noch nachvollziehbares Vorgehen, aber wie ich bei einem Kommentator gelesen habe: So funktioniert ein postmoderner Staatsstreich. Dass er nicht gelingen kann, wird jetzt offensichtlich.

Natürlich beinhaltet dieses Vorgehen auch die Beschuldigung der Manipulation der Justiz von Seiten der Regierung in Madrid. Dabei wird vergessen, dass gerade diese, in den Augen der Katalanen «manipulierten» Richter und Richterinnen und diese «franquistische, faschistische» Guardia Civil in den letzten Jahren massiv gegen die Partei und die Mitglieder der amtierenden Regierung vorgegangen sind. Zu behaupten, es seien ihre Handlanger, geht irgendwie nicht auf, denn die Gewaltentrennung ist gewährleistet und Spanien ist nicht Venezuela, übrigens eines der wenigen Länder mit offenen Sympathien für das Vorgehen der katalanischen Regierung.

Und was hat Josep Bestit i Carcasona damit zu tun?

Dieser 1939 in Barcelona geborene Maler hat eine ganz besondere und aussergewöhnliche katalanische Tradition zu einem seiner Themen gemacht.

Das Bild Castellers stellt fünf Männer dar, die sich auf dem Rücken anderer Männer und Frauen zusammen bereit machen, dass auf ihrem Rücken das nächste Stockwerk einer Burg aus Menschen, einem sogenannten «Castel» gebaut werden kann, auf welches wiederum, jetzt schon leichtere «castellers» steigen werden und dies bis in schwindelerregende Höhen, um es mit einer bekannten Formulierung zu sagen, von sieben, acht und sogar neuen Stockwerken!

Ich habe dazu ein Bild im Netz gesucht, weil ich diese Tradition bewundere.

Wenn ich sehe, wie kleine Buben und Mädchen an den Hosenbeinen ihrer Väter hochkraxeln wie an einem Kletterbaum und sich mutig und in völliger Sicherheit, dass ihnen nichts passieren kann, dort oben auf die Spitze des Turmes stellen, als wären sie Wetterhähne, kriege ich regelmässig Gänsehaut. Ich kann nicht aufhören, die Fähigkeiten und den Gemeinsinn, der dies ermöglicht, zu bewundern. Ich glaube, man kann darin auch sehr positive, prägende Kräfte der katalanischen Kultur erkennen. Menschenschlösser sind keine Luftschlösser, trotzdem ist es vielleicht gar nicht so vermessen, in der Tatsache, dass diese Burgen zwar nicht auf Sand gebaut werden, trotzdem aber in sich selbst zusammenfallen und einstürzen müssen, sobald sie aufgerichtet sind, ein Sinnbild der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zu erkennen.

29.09.2017 | 06:30
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Lüt, wo sy wägg gsi, chöme zrügg u vrzeue, wi nätt Lüt amnen angeren Ort syge, wi gaschtfründlech. U wi woou me sech dert füeu, wo d Lüt so gaschtfründlech syge. Wi deheime.

Aber dert, wo d Lüt deheime sy, hei d Lüt nid ds Gfüeu, müesse gaschtfründlech z sy, für sech wi deheim chönne z füele. Deheim bruucht’s ke Gaschtfründschaft. Di bruucht’s nume dert, wo me nid deheimen isch. Deheimen isch me dert, wo’s ke Gaschtfründschaft bruucht, für sech chönne z füele wi deheime.

Für angeri isch deheime dert, wo si chöi rede wi si wei. Auso wi si glehrt hei z rede. Wo si Wörter chöi bruuche, wo si glehrt hei aus Ching. O we’s Wörter sy, wo angeri vilech vrletzen oder usschliessen oder diskriminiere. Wi ds Wort «Mohrechopf». Es git ke Grund, werum e runde Schoggiüberzug übermne wysse Schuum söu «Mohrechopf» heisse. «Schoggigupf» wär e rächte guete Begriff u ender fasch no chly schwyzerischer. Aber nei, es mues umbedingt «Mohrechopf» sy, we me sech deheim no wott chönne füele wi deheime.

Ender hör’r uuf Mohrechöpf z produziere, het dä Produzänt us Waltenswil ir Solothurner Zytig gseit, aus dass’r dä Name würd ändere. Wi we ds Ändere vo Produktnäme ir Wirtschaft nid gang und gäb wär. Was ig aus scho a Firmenäme ha müesse vrgässe, dr «Bankverein» und d «Swissair» sy nume d Schpitze vom Ysbärg. U was i umgekehrt a Produktnäme ha müesse lehre, wo’s mr würklech d Zungen umchehrt, wen i sones Marketingunwort am Kiosk mues säge: Wi «Kit Kat» oder «Twix» oder «Balisto».

Aber für üse Winkuried z Waltenswil lohnt sech dr Kampf für ds Wort «Mohrechopf». Gemäss em Blick vrdien’r uf ei Schlag zwänzgtuusig Franke meh im Monet. Söu no einisch öper säge, dass sech Ziviucourage ir Schwyz nid tüeg uszale.

Di angeri Produzäntin, wo sech weigeret ihrem Schoggigupf en angere Name z gä, schtammt us Loufe. U ir Basuländische Zytig het si behouptet, ds Wort «Mohrechopf» chömm gar nid vo «Mohre», auso Farbige, sondern vo «Moore», auso Wiudsöi. U bezeichni d Lüt im Loufetou, im Schwarzbuebeland. Wüu’s dert so viu Wiudsöi gäb. U dene Schwarzbuebe syg’s nämlech glych, we men ihri Chöpf symbolisch am Kiosk vrchouf. Di beschwäri sech nid.

Auso dass e Soumoore e Sousou isch, weiss i, u o dass e Moorerei nüt Rassistischs isch, sondern e Souerei oder Schweinerei. Aber we di Frou im Schwarzbuebeland rächt hätt, müesst dr Mohrechopf im Schwarzbuebeland erfunde worde sy. U öb’r das tatsächlech isch, so wi d Meringue z Meiringe auso z Ängubärg – das nachezwyse, dörft nid so eifach sy. U vrmuetlech isch’s eifach chrützfaudsch, was di Frou behouptet. Aber bringe mr das Wort haut mau i d Schnabuweid vo SRF 1, de wüsse mr’s.

Wi gseit, i chönnt guet mit eme «Schoggigupf» läbe. U i vrschta ehrlech gseit nid, werum sech di Produzäntinnen u Produzänte so aaschteuen u meine, si vrlüüri ihres Deheime, we si das unnötige Wort würde häregä, wo gar nüt vo däm bezeichnet, wo’s drfür scheit.

Aber die, wo hie deheime sy, wei säge, wi me hie zu wasem z säge het. U si wärde bissig, we nen angeri, wo o hie deheime sy, säge, si chönnte chly fründlecher sy oder eifach nid rassistisch. Wüu deheimen isch me dert, wo me cha sy, wi me wott. Win e Moore.

(Audio-Blog für RaBe-Info)

19.09.2017 | 20:48
 (photo: zvg)

Es klingt wie ein Grimmsches Märchen: Ein armer Bauernbub wird von seiner Mutter in die grosse weite Welt geschickt, um sein Glück zu machen, und am Schluss wird er König im eigenen Land. NZZ, 20.2.2011

Wie kleine Buben saßen diese Woche die ehemaligen Befehlshaber der kosovarischen Rebellenarmee UÇK im Salon einer Privatvilla in der Hauptstadt Pristina. Der Hausherr Behgjet Pacolli hatte sich endlich bereit erklärt, mit seiner Minipartei das Bündnis der Politiker mit Kriegsvergangenheit im Parlament zu unterstützen. Damit könnte Kosovo drei Monate nach den Wahlen eine Regierung mit dem UÇK-Haudegen Ramush Haradinaj an der Spitze bekommen. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

Der künftige Aussenminister verstehe die Politik als «die Kunst des Betrugs und der Manipulation», schreibt «Koha Ditore», die einzige unabhängige Zeitung des Landes. Tagesanzeiger, 11.9.2017

Pacolli ist stolz über die erweiterte «Swiss Connection»: «Die Schweiz ist das Synonym für Demokratie und Toleranz. Dies müssen wir kopieren. Ich bin glücklich, dass wir das, was wir in der Schweiz gelernt haben, hier umsetzen können.» SRF News, 17.9.2017

Pacolli ist mit einer Russin verheiratet. Die drei gemeinsamen Kinder besuchen Schulen im Tessin. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

2011 ließ Pacolli inmitten der Hauptstadt Pristina, am Mutter-Teresa-Boulevard unweit des zentralen Skanderbeg-Platzes, das luxuriöse Swiss Diamond Hotel errichten. Wikipedia

Auch im Tessin, wo er sich in den achtziger Jahren niederliess, sorgt er immer für das Gute: Über eine wohltätige Stiftung lässt er Ferienlager und Hilfsprogramme für Kinder aus Oststaaten organisieren. NZZ, 20.2.2011

Er gründet im Jahr 2006 eine eigene Partei, lässt sich als reichster Albaner des Planeten feiern, prunkt mit seinen Bauprojekten in Russland und Kasachstan oder seinen guten Verbindungen zu Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2016

Daneben entwickelt der Mann mit Privatjet auch Tourismusprojekte in Zentralamerika und Florida und daneben eine nach seinem Lieblingskomponisten Vivaldi benannte Kosmetiklinie. NZZ, 20.2.2011

Pacolli und Thaci haben eine gemeinsame Lieblingsfeindin: Carla Del Ponte. Sie verdächtigt Thaci seit Jahren, in den Organhandel im Rahmen der organisierten Kriminalität verwickelt zu sein – ein Vorwurf, der kürzlich von Dick Marty wieder aufgenommen wurde. Als einstige Chef-Anklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs verfolgte Del Ponte Pacolli wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäscherei. NZZ, 20.2.2011

Er sei schon immer den Mächtigen nahegestanden, behauptet der Oligarch. So habe er dem jugoslawischen Führer Tito als Adjutant gedient - und ihn "sogar nackt" gesehen. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

Von 1999 bis 2002 war er mit Anna Oxa, der berühmten italienischen Popikone mit albanischen Wurzeln verheiratet und geriet so ins Visier der italienischen Klatschpresse. Aargauer Zeitung, 22.11.2011

Er liebt die Camouflage ebenso wie den exaltierten Auftritt, er mag das Bild der offenbarten Bescheidenheit genauso wie den testosterongeschwängerten Jubel. Die Zeit, 23.12.2010

Holt er die Schweizer Geiseln aus Libyen zurück? Behgjet Pacolli trifft in Kürze den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi und will bei ihm ein gutes Wort für die beiden in Tripolis festgehaltenen Schweizer Geiseln einlegen. 20minuten, 22.1.2010

Neben Albanisch kann er auch die deutsche, englische, französische, italienische, serbokroatische, russische und spanische Sprache. Wikipedia

Im Januar 1999 liess Del Ponte bei einer Hausdurchsuchung jede Schublade seiner Luganeser Firma Mabetex leeren. Das war der Anfang der Mabetex-Affäre, die nicht nur in der Schweiz juristische, sondern auch in Moskau politische Wellen schlug. NZZ, 20.2.2011

Pacolli: «Manchmal, wenn ich sehe, was in Kosovo alles gebaut und entwickelt worden ist, vergesse ich, dass ich in Kosovo bin – und fühle mich wie in der Schweiz.» SRF News, 17.9.2017

Drei Jahre später musste auch die Genfer Staatsanwaltschaft, die Pacolli wegen Geldwäscherei im Visier hatte, die Untersuchung einstellen. NZZ, 20.2.2011

Seine Claqueure verherrlichten ihn damals als reichen Onkel aus Lugano, der den armen Landsleuten helfe. Heute wird er nur noch mit umstrittenen Privatisierungen und Korruption in Verbindung gebracht. Die Öffentlichkeit nimmt ihn oft als gefährliche Witzfigur wahr. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

Wer das Vergnügen hatte, einmal mit ihm zu reisen, wie der Schreibende, lernt einen schillernden Menschen kennen. Die Zeit, 23.12.2010









 























14.09.2017 | 09:05
Santiago Rusiñol: Garten in Mallorca (photo: )

Königstage kommen unangemeldet. Plötzlich sind sie da. Man unterbricht das Hacken im Gemüsegarten, schaut mit grossen Augen um sich, schaut in den blauen Himmel, spürt in der Frische des Morgens die Wärme der aufgehenden Sonne, hört die Vögel, das Summen einer Biene und fragt sich: Ist das möglich? Kann die Welt bei allem, was man liest und hört und am Fernsehen sieht, so schön sein?

Mal abgesehen vom mittlern Osten, von Florida, Mexiko und Korea, möchte ich ja nicht behaupten, ich würde wirklich verstehen, was hier in Spanien gerade abgeht, aber ich bin immerhin ziemlich nahe dran. Und wenn ich ein paar Schritte aus dem Dorf rausgehe und hochsteige, müsste ich eigentlich nach Katalonien hinüber sehen können. Auch gehören grösseren Teile dieser in Aufruhr geratenen Region definitiv zu meinem Leben hier. Allein, wenn ich an all den katalanischen Wein denke, den ich in diesem Sommer getrunken habe! Schon deshalb müsste mir eigentlich alles klar sein.

Stattdessen kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Es gehe steil bergab, und zwar ohne Bremsen, sagt ein landesweit bekannter Kommentator. Man verfolgt mit Hochspannung, wie sich eine Regierung auf Biegen und Brechen immer näher an einen Abgrund manövriert, den sie Unabhängigkeit nennt, und wie eine andere Regierung verzweifelt versucht, die Verfassung hochzuhalten, ohne die ganz dicken Knüppel aus dem Sack zu holen. Man hört auch, zwei Züge würden aufeinander zurasen, wobei der katalanische Präsident behauptet, das mache nichts, denn die beiden Züge würden sich auf zwei unterschiedlichen Geleisen befinden.

Das wird sich am mittlerweile schon ominösen 1. Oktober zeigen, an welchem die Abstimmung stattfinden soll, obschon wohl niemand ganz sicher weiss, ob dem wirklich so sein wird. Ein Sprung ins Nichts ist es in jedem Fall und die Tatsache, dass man das Datum des programmierten frontalen Zusammenpralls in Spanien wie ein Fussballresultat schreibt, könnte irreführend sein. Bei diesem 1:O wird es nur Verlierer geben.

Der Oktober ist natürlich gemacht für Revolutionen, aber der voraussehbare Schaden wird gigantisch sein. Als Schweizer kann man sich bei aller Sympathie für das Anliegen, das gewählte, illegale Vorgehen sowieso nicht erklären und gibt denen recht, die darauf verweisen, dass unilaterale Abspaltungen im heutigen Europa einfach nicht mehr gehen. Auch fragte man sich, wer soll das alles wieder aufräumen? Wie soll verhandelt werden, wenn sämtliches Geschirr zerschlagen ist? Und verhandeln wird man müssen!

Und was hat Santiago Ruiseñol damit zu tun?

Erstens ist er Katalane und zwar einer derjenigen, die den Spanischen Modernismus weltberühmt machten, und zweitens malte er wunderbare Gärten.

Der anfangs des letzten Jahrhunderts zweifellos auch an einem Königstag gemalte Garten in Mallorca ist farblich nicht nur ein modernistisches, sondern anders als die meisten seiner andern Werke, ein sehr modernes Bild. Auch gibt es darin diesen befreienden Blick auf das blaue Meer, und blau ist die Hoffnung.

01.09.2017 | 20:05
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Tu n’aimes pas voir tes enfants rentrer déçus de l’école parce que le prof n’avait rien à leur dire sur ce qui leur fait peur, comme les attentats, les menaces de guerre ou le réchauffement climatique.

Tu n’aimes pas voir tes enfants avoir mal au ventre parce que leur prof a annoncé qu’il ne tolérerait pas les ratures dans les cahiers.

Tu n’aimes pas apprendre qu’un prof leur a expliqué que les G (ceux qui ne sont pas en filière maturité) n’avaient pas droit aux correspondants allemands  parce que les appartements de leurs parents étaient trop petits.

Tu n’aimes pas entendre ces profs raconter, à la deuxième bière, l’hémorragie de burn out chez leurs collègues.

Tu n’aimes pas entendre ces mêmes profs confier, à la  troisième bière, qu’une période de travail se compose pour eux de 20 minutes de « police » et 20 minutes d’enseignement.

Tu n’aimes pas penser que les flics ont des espaces pour parler de leurs problèmes mais pas les profs.

Tu n’aimes pas constater que les profs semblent totalement vulnérables et démunis face aux parents dès lors que ceux-ci leur posent des questions, ou les embêtent (ce qui arrive de plus en plus souvent).

Tu n’aimes pas que ces mêmes profs semblent ignorer qu’ils passent une bonne partie de leur temps à naturaliser les inégalités sociales, c’est à dire, aussi, les inégalités devant les maths, ou le français, ou la vie en général.

Tu n’aimes pas te dire que l’appellation « Grande Muette » semble aujourd’hui mieux convenir à l’école qu’à l’armée.

Tu n’aimes pas que les destinations des voyages de classe ressemblent à s’y méprendre à l’offre d’easy jet.

Tu n’aimes pas, et ça, ça te rend vraiment vénère, que les banques et les importateurs d’automobiles deviennent aujourd’hui des partenaires pour la conception et le financement des manuels scolaires – d’ailleurs, tu trouves qu’on n’aurait pu t’en informer.

Et puis tu n’aimes pas vraiment dire du mal de l’école publique mais parfois c’est difficile.

24.08.2017 | 11:36

Zum Glück ist Kurt W. Zimmermann, «Weltwoche»-Kolumnist und Chefredaktor des österreichischen «Schweizer Journalist», masslos eitel.

Er hat zwar ein seltsames Journalismus-Verständnis. So schrieb er neulich in einem Werbenewsletter: «Nach langen Jahren der Unverbindlichkeit haben wir Journalisten wieder zu unserer Kernkompetenz zurückgefunden: Man mag uns nicht. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg!»

Als ob Zeitungen gekauft würden, weil «man» die Journis nicht mag. Aus Sicht von Blochers geschützten Werkstätten sieht die Welt allerdings anders aus.

Auch analytisch ist Zimmermann kein Hirsch.

So schreibt er in seiner heutigen «Weltwoche»-Kolumne: «Blochers neue Titel werden logischerweise einen eher konservativ-bürgerlichen Kurs steuern. Aber eine publizistische SVP-Kampfbrigade werden sie nicht. Unternehmer Blocher ist nicht so blöd, seine Kunden zu vertreiben. Man muss die Geschichte psychologisch sehen. Christoph Blocher, inzwischen 77-jährig, ist komplett zeitungsverrückt.»

Ein Blick nach Rapperswil zeigt, wozu lokale Gratiszeitungen politisch in der Lage sind: Dort stellen die «Obersee-Nachrichten» von Bruno Hug nach einer mehrjährigen Hetzkampagne gegen die lokale Kinder- und Jugendschutzbehörde (Kesb) mittlerweile den Stadtpräsidenten.

Aber Zimmermanns Eitelkeit ist unschätzbar.

So hat er einst bestätigt (wir hatten mitgerechnet), dass Markus Somm für seinen Anteil an der «Basler Zeitung» eine halbe Million Franken bezahlt hat.

In einer Beilage der «Basler Zeitung» Anfang Jahr gab Zimmermann bekannt, die Auflage der BaZ betrage noch 45'000. Womit er offiziell bestätigte, dass es Somm geschafft hat, seine LeserInnenzahl zu halbieren.

Und nun schreibt Zimmermann in seiner heutigen «Weltwoche»-Kolumne, Blocher habe für die 25 Gratiszeitungen des Wiler Zehnder-Verlags 35 Millionen Franken bezahlt.

Blocher wird später dementieren. Aber wir haben uns die Zahl gemerkt.