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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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09.08.2017 | 14:34
Gründungsmitglieder des Verbands «Medien mit Zukunft» am 7. August in Zürich (photo: )

Am Montag wurde in Zürich ein neuer Verlegerverband gegründet, der «Verband Medien mit Zukunft». Dass in der Schweiz ein neuer Verband gegründet wird, ist kaum eine Meldung Wert: «Klafft in der Schweiz irgendwo eine Wunde, wird ein neuer Verband gegründet», flapste eines der Gründungsmitglieder, der Journalist Constantin Seibt, selbstironisch auf Facebook. Und auch die Behauptung, es handle sich um einen Verlegerverband, ist anmassend. Mitglied werden kann jeder, der die Ziele von «Medien mit Zukunft» teilt. Oder um es mit Seibts künftiger Online-Zeitung zu sagen: Verleger sind alle, die die «Republik» abonnieren.

In Frage gestellt wird damit aber nicht nur das Selbstverständnis der bisherigen Zeitungsverleger, sondern auch deren Verband. Der «Verband Schweizer Medien», von Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino präsidiert und in dessen Vorstand auch Blocher-Stellvertreter Markus Somm sitzt, zerreibt sich im Nahkampf mit der SRG. Als ob die wenigen Millionen Online-Einnahmen, die der SRG streitig gemacht werden, die Existenz der Zeitungsunternehmen retten könnten. Und während sich Mischkonzerne wie Tamedia gleichzeitig Schritt für Schritt von der Publizistik verabschieden.

In Abstimmungen über die strategische Ausrichtung des bisherigen Verbands (und die Zusammensetzung des Vorstands) unterliegen Kleinverlage regelmässig den grossen Verlagshäusern, da letztere über ungleich mehr Stimmen verfügen. – Welcher andere Verein in der föderalistischen Schweiz funktioniert nach den Spielregeln einer Aktiengesellschaft? Und seit dem Austritt von Ringier aus dem «Verband Schweizer Medien» ist dessen Repräsentativität, zumindest in seiner Eigenlogik, kaum mehr gegeben.

Dass sich der neue Verband, der sich derzeit aus fünfzehn unabhängigen, mehrheitlich Online-Zeitungen zusammensetzt, «Medien mit Zukunft» nennt, ist eine Provokation. Eine allerdings, die in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Medien werden künftig anders vertrieben und finanziert als bisher. Öffentliche Mittel werden (nebst Stiftungen, Crowdfunding und Abo-Gebühren) zunehmen, wenn unabhängiger, öffentlichkeitsrelevanter Journalismus garantiert werden soll. Und der Kampf darum wird breiter geführt.

Wie sollen Gemeinden, Kantone und Bund relevante Informationen, Kulturberichterstattung, Einordnungen und politische Kommentare künftig unterstützen? Zumal dies ja bereits – vom Gemeindeanzeiger bis zur indirekten Presseförderung – in nicht unbeträchtlichem Mass geschieht.

Der neue Verband setzt sich beispielsweise für «den Aufbau einer offenen publizistischen Infrastruktur» ein. Könnte heissen: Die Öffentlichkeit stellt eine Open-Source-Plattform (oder mehrere) zur Verfügung, die als eine Art Label für Qualität von unabhängigem Journalismus (nach den Empfehlungen des Presserats) bürgt. In welchem Verhältnis der neue Verband zur entsprechenden Non-Profit-Idee ihres Vorstandsmitglieds Hansi Voigt («Wepublish») steht, ist derzeit offen.

Ein anderer Vorstoss könnte sein, die öffentlich unterstützte Schweizerische Depeschenagentur auszubauen und kleineren, finanzschwachen Medien zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Und schliesslich: Bei den Debatten um ein neues Mediengesetz will sich «Medien mit Zukunft» als Stimme für unabhängigen Journalismus einbringen, der nicht von kommerziellen und partei-politischen Interessen korrumpiert ist.

20.07.2017 | 11:18
Joan Miro: La masia/Der Bauernhof (photo: )

Ich muss zugeben, die Sehnsucht nach der überschaubaren Anarchie meines Gemüsegartens weit weg in den Spanischen Bergen war gigantisch. Sie verfolgte mich bis in meine Träume hinein. Seit zwei Wochen bin ich nun wieder hier, und dank der Fürsorge eines Nachbarn, der sich in meiner Abwesenheit darum kümmerte, bin ich auch schon wacker am Ernten: Salat, Zucchetti, Gurken, Peperoni, Zwiebeln, Mangold, und wenn es sein muss, auch Frühkartoffeln.

Natürlich ist es herrlich, selbst gezogenes Gemüse auf dem Tisch zu haben, aber ebenso herrlich ist es, man kann es nicht oft genug wiederholen, sich in dieser Welt voller Ungewissheiten einer Tätigkeit hingeben zu können, deren Sinn und Zweck nicht zu hinterfragen ist. Komme ich morgens hin, sind die Vögel, die auch gefressen haben müssen, kaum in den nahen Pappeln verschwunden, sehe ich schon, was ansteht und was ich zu tun habe. Dabei besteht kein Zweifel: Nach dem Säen und Pflanzen kommt das Jäten, das Hacken, das Bewässern. Für einmal ist etwas einfach so. Da gibt es keine Diskussion. Für ein paar Stunden liegt mir dann eine kleine Welt zu Füssen, in der ich König, aber auch Sklave bin. Wobei mir diese Welt sogar buchstäblich zu Füssen liegt, das heisst, ohne sich zu bücken und wieder zu bücken geht es nicht.

Wie nebenbei darf ich mich dazu aber dem offensichtlich archaischen Bedürfnis hingeben, in der Erde zu graben. Das Wühlen im Sandkasten oder eben auch im Dreck, aus welchem sie sogar gerne Kuchen formen, ist für Kinder ein unbestrittenes  Vergnügen, es holt aber auch Erwachsene wieder ein, sei es, indem wir selber wieder in der Erde zu graben beginnen oder eben früher oder später in ihr begraben werden. Die Tatsache, dass ich meinen Gemüsegarten mit einer uralten, arabischen Methode aus einem Kanal bewässere, beschert mir noch weitere Vergnügungen, die auch Kinder lieben. Weil es hier wieder mal zu wenig regnet und das Wasser langsam knapp wird, habe ich begonnen, undichte Stellen mit Lehm abzudichten. Das bedeutete, ich bin sozusagen am «Lättlen» und zwar mit den Händen im kühlen Wasser des Kanals, also auch am «Choslen». Für grosse oder kleine Buben an diesen heissen Tagen ein ganz besonderes Vergnügen.

Und was hat Joan Miro damit zu tun?

Dass Joan Miro hier sozusagen eine lokale Grösse ist und dass er in seiner Kunst immer wieder den Elementen huldigte und immer wieder versuchte, ihnen Form zu geben, habe ich in diesem Blog schon einmal erwähnt. Ich erwähnte auch sein berühmtes Bild «La Masia», das an Erdigkeit schwer zu übertreffen ist. Ich hatte auch erwähnt, dass Ernest Hemingway 1926 in Paris dessen glücklicher Besitzer wurde. Nun ist ein Buch erschienen, welchem zu entnehmen ist, dass Hemingway dafür 3500.- Francs bezahlte, die er zusammenkratzte und pumpte, um das Werk unter anderem davor zu schützen, dass es vom Galleristen in kleinere, leichter verkäufliche Einzelteile zerschnitten wurde. Ohne diese gute Tat würde das Meisterwerk heute kaum in der National Gallery in Washington hängen.

12.07.2017 | 13:47
ZEITUNGEN, GESTAPELT, Gebündelte Zeitungen, 2013 von Simon Egger (photo: )

Bund mit em Tagi.

Tagi mit dr Süddütsche.

Bärner Zytig mit em Zürcher Oberländer, em Zürcher Unterländer, dr Züriseezytig und em Landbot.

Tagi-Online mit em Bund, dr Bärner Zytig u dr Basler Zytig.

 

Gmeinsame Chefredakter bir Sunntigszytig u bim Tagi.

Gmeinsame Chefredakter bi Sunntigsblick, Blick am Aabe, Blick u Blick-Online.

Gmeinsame Chefredakter bir nöie Luzäner Zytig, Thurgouer Zytig u bim Sanggauer Tagblatt.

 

Gmeinsami Redaktione bi Sunntigszytig u Tagi.

Gmeinsami Bundeshuusredaktion bi Bund u Tagi.

Gmeinsami Bundeshuusredaktion bi aune Zytige vo den AZ Medie.

Gmeinsame Newsroom bi Blick, Sunntigsblick, Blick am Aaben u Blick-Online.

 

Im Berych Kultur cha d Aargouer Zytig sämtlechi Byträg übernäh vor Bärner Zytig, vor Nöie Luzärner Zytig u vor Südoschtschwyz.

Im Berych Kultur chöi d Bärner Zytig, di Nöii Luzärner Zytig u d Südoschtschwyz sämtlechi Byträg übernäh vor Aargouer Zytig.

 

I aune Beryche cha dr Tagi aui Byträg übernäh vor Süddütsche.

 

Tagi, Zwänzgminute, Bärner Zytig, ds Langethaler Tagblatt, Bund, Landbot, Finanz u Wirtschaft, Le Matin, Le Matin Dimanche, Sunntigszytig, Zürcher Unterländer, Zürcher Oberländer, Züriseezytig, Annabelle, Bilanz, Femina, Schwyzer Familie, Zwänzgminute-Online u Newsnetz ghöre Tamedia.

 

Blick, Sunntigsblick, Blick am Aabe, Blick-Online, Bolero, Cash, Glücksposcht, Landliebi, Schwyzer Familie, L’Illustré, Le Temps u Radio Energy ghöre Ringier.

 

NZZ, Luzärner Zytig, Sanggauer Tagblatt, Thurgouer Zytig, Tele Oschtschwyz, Tele 1, Radio Pilatus u Radio FM1 ghöre dr NZZ Gruppe.

 

Aargouer Zytig, Badener Tagblatt, bz Basu, di Basulandschaftlechi, Limmattaler Zytig, Solothurner Zytig, Gränchner Tagblatt, Outener Tagblatt, wir eltern, Fit for life, Natürlich, TeleZüri, Tele M1, TeleBärn, TV24, TV25, Radio 24, Radio Argovia u im Prinzip o Watson ghöre den AZ Medie.

 

Tamedia prüeft e gmeinsami Superredaktion für aui ihri Medienaagebot u dr Abbou vo rund 30%, auso 250 redaktionelle Schteue bis 2020. Ob’s de non e Bärner Zytig un e Bund parallel git, schteit i de Schtärne. Beziehigswys i de schtrategische Planschpili vo den Effiziänzmanager.

 

Truckt wird d NZZ bi Tamedia.

Truckt wird d Basler Zytig bis im Apriu no bi Tamedia.

Truckt wärde d AZ-Medie bir AZ.

Truckt wärde sämtlechi Tamedia-Title bi Tamedia.

 

Foto: Simon Egger, ZEITUNGEN, GESTAPELT, Gebündelte Zeitungen, 2013

12.07.2017 | 08:58
Foto: Antoine Jaccoud (photo: )

C’est aujourd’hui comme chaque année à la même période le concours de plongeon sur le pont de Visegrad, ce fameux Pont sur la Drina qui donne son titre au roman de Ivo Andric, Prix Nobel 1961. On jeta du haut de ce même ouvrage des hommes musulmans en 1992 avant de les tirer comme des canards au moment où ils touchaient la surface de l’eau. C’était l’épuration ethnique qui fit 6000 morts dans cette région aux collines si douces et si paisibles qu’on voudrait s’y installer pour toujours si le présent était éternel. Aujourd’hui ils sautent tout seuls dans l’eau ces jeunes gens à moitiés nus venus de Banja Luka, Sarajevo ou Podgorica, et des hommes-grenouilles les accueillent sous les arches depuis qu’un concurrent s’est tué parce que la rivière était basse. Un peu hercules de foire, un peu matamores saluant le jury d’une mussolinienne gestuelle, tous sont bien bâtis sauf un. Celui-ci, le slip de bain remonté haut sur les bourrelets, semble porter des Pampers. Est-ce à cause de lui que l’on ne se sent pas tout à fait dans un film de Pasolini, ou est-ce autre chose de plus trouble, de plus noir, qui affleure de dessous la Drina malgré sa tranquille indifférence ?

22.06.2017 | 15:00
Peter Iseli Avalokiteshvara (photo: )

Nichts wäre leichter, als in diesen herrlichen Tagen ein Loblied auf die Aare zu singen. Wer könnte nicht ausführlich schwärmen von unserem glasklaren Rio Grande! Ich möchte mich jedoch auf nur einen Vorzug der schönen Aare beschränken. Sowohl beim Raufgehen zum Eichholz wie beim Runterschwimmen zurück ins Marzili: Für einmal bin ich nicht der einzige, der nicht auf ein Smartphone starrt! Sogar Jugendliche gehen dem Ufer entlang und reden miteinander.

Aber sonst!

Im Sandkasten auf dem Spielplatz spielen die Kleinen, die Eltern stehen daneben und sind doch nicht da. Sie kommunizieren, nicht unter sich und nicht mit den Kindern, sie kommunizieren mit ihren I-Phones. Ein Vater geht vorbei, mit dem Kind auf dem linken Arm und dem Handy vor dem Kopf. Im Café sitzen drei Damen, drei beugen sich über ihre Bildschirme. Beim Schulhaus oben an der Postgasse drängen vier Modies zur Tür heraus ins Freie. Mit keinem Blick würdigen sie die Welt. Alle schauen auf ihre Geräte, eilen hinter diesen her zum Rathausplatz, niemand achtet auf den Verkehr. Im vorbeifahrenden Bus sehe ich nichts als vorneübergebeugte Köpfe.

Natürlich ist mir klar, dass ich ein anachronistischer Aussenseiter bin, ich weiss auch, dass es nicht darauf ankommt, ob ich das verstehen kann, aber immerhin tangiert es mich. Ich stehe neben völlig abwesenden Leuten im Lift, immer öfter muss ich auf der Strasse darauf achten, dass ich nicht mit ihnen zusammenputsche, bin ich im Auto unterwegs, muss ich aufpassen, dass ich sie nicht überfahre, auch nicht, wenn sie mitten auf dem Fussgängerstreifen plötzlich stehen bleiben. Und reise ich im Zug mit Kindern im gleichen Wagen, würden die vielleicht auch weniger schreien und kreischen, wären ihre Eltern nicht völlig von ihren Geräten absorbiert.

Die Fragen, dich mich beschäftigen sind aber: Was war vorher? Was haben diese Menschen vor dem Smartphone eigentlich getan? Womit war die Menschheit den vorher beschäftigt?

Natürlich ist es auch ein bisschen traurig, wenn man diese Paare jeden Alters überall stumm zusammen sitzen sieht, jeder für sich in sein Gerät vertieft und es kann nicht überraschen, das immer mehr darüber geschrieben und nach den Konsequenzen gefragt wird. Ist hinter diesen beflissenen Überanpassung an die immerhin von kommerziell interessierten Kreisen schnell vorangetriebenen totalen Digitalisierung der Welt nicht eine bodenlose Spiessigkeit versteckt? Ein Nichts! Ein Vakuum. Als würde jede noch so schöne, aber nicht lebensnotwendige Erfindung automatisch  auf fruchtbaren Boden fallen, weil da nichts ist, weil sich eigentlich alle langweilen und froh sind, wenn ihnen endlich jemand zeigt, was sie mit ihrer Zeit zu tun haben.

Gut, ich weiss, auch bei der Erfindung der Dampfmaschine hat man den Untergang der Welt befürchtet, sollte dieser aber jetzt tatsächlich eintreten, möchte ich einfach nicht der einzige sein, der es bemerkt.

Und was hat Peter Iseli damit zu tun?

Als ich ihn fragte, ob er mir vielleicht ein Bild für das Journal B geben würde, fragte er, was das sei. Das ist eine Netz-Zeitung, sagte ich.  Also bitte! sagte er darauf: Du redsch mit öpperem, wo no nie ä Computer het aglängt. Mit au däm Züg hanni nüt ds tüä! Und das sagt ein Berner Künstler, dessen Bilder von New York über Indien bis Australien auf der ganzen Welt zu sehen sind. Peter Iseli malt nämlich meistens im Auftrag buddhistischer Gemeinschaften Rollbilder, an welchen er oft mehrere Jahre arbeitet. Sie sind so gross, dass er sie während der Arbeit nie in ihrer Ganzheit sehen kann und sie sind nicht nur ganz grosse Kunst, diejenigen, die ich gesehen habe, sind auch wunderschön!

08.06.2017 | 10:16
 (photo: )

- Vous dites vous sentir de plus en plus essoufflé au Marathon de Lausanne, n’est-ce pas ?

- Oui, c’est cela. Mes performances baissent d’année en année. J’ai vérifié sur mon ordinateur. Depuis 2001, je note toutes mes performances : elles sont à la baisse.

- Vous me racontez aussi digérer un peu moins bien le fromage, n’est-ce pas ?

- Oui,  surtout les fromages gras, docteur. Je digère de plus en plus mal les fromages gras. Je ne peux plus manger une fondue après 20 h par exemple.

- Mmmh. Et les autres ?

- Les autres ?

- Les fromages plus légers. Les sérés, les choses comme ça ?

- Ca va, docteur, ça passe, mais disons que je ne peux plus en manger autant qu’avant.

- Vous me dites aussi être de plus en plus ennuyé par les séries TV, vous me confirmez cela ?

- Tout à fait. Avec ma femme, il fut un temps où nous les dévorions. Borgen, Breaking bad, Homeland, Game of Throne, nous avons tout vu. Maintenant, nous nous embêtons avant même la fin de la première saison…

- Mmmh. Est-ce que vous iriez jusqu’à dire que vous ressentez un sentiment de lassitude ?

- De lassitude, docteur ?

- Oui, un sentiment de lassitude. Une sorte de lassitude devant la vie.

- De la lassitude… ?  Oui, ma foi, oui, je crois bien que je pourrais parler d’une sorte de lassitude...

- Vous avez bien dit, lassitude, Monsieur ?

- Oui, « lassitude », c’est cela.

- Eh bien, écoutez, Monsieur Jaccoud, je crois que le temps est venu de vous adresser à Exit.

19.05.2017 | 06:30
 (photo: )

Dr Kanton Thurgou wott ds Früefranzösisch kippe. Vierezwänzg Jahr Erfahrig zeigi, dass Ching, wo ab dr füfte Klass Französisch heige, schpeeter nid besser Französisch chönni aus Ching, wo ersch ir sibete Klass Französisch heige.

Dass das so isch, gloub i sogar, u o dass me das mit Schtudien und Uswärtige ha nachewyse. D Frag isch höchschtens, werum’s di Schtudien und Uswärtige nume für ds Französisch git. U eim niemer cha säge, öb Ching, wo mit sibni lehri läse, schrybe, rächne, zeichne, turnen u singe schpeeter besser chönni läse, schrybe, rächne, zeichne, turnen u singen aus Ching, wo das ersch mit nüni glehrt hei. U öb das würklech dr Sinn vor Schueu syg, öpis früecher z lehre, für dass me’s schpeeter besser cha aus die, wo’s ersch schpeeter glehrt hei.

Schprachlabor

Mir hei o ab dr füfte Klass Französisch gha. U mir hei denn aber no nid gwüsst, dass das Früehfranzösisch isch, wo mir hei. Denn het’s eifach Französisch gheisse. U das wo mi am Französisch am meischte begeischteret het, isch ds Schprachlabor gsi. So dass i mr säuber usemne Tonbandgrät u chlyne Lutschprächer u viu Kabu es Schprachlabor für deheime bout ha. Aber Französisch han i nid würklech glehrt drby. Drfür löte.

Üsi eutere Ching syn es Schueujahr usenang u sy wägdäm i zwöi vrschidnige Schueusischtem. Dr euter Suhn het ersch ab dr füfte Klass Französisch gha u d Tochter, es Jahr drunger, ab dr dritte. U natürlech het dr Suhn das Jahr Ungerschid sofort wettgmacht u cha hütt mindischtens so guet, we nid besser Französisch aus d Tochter. Auerdings mues me säge, dass sech ds Früefranzösisch bir Tochter uf zwo Lektione pro Wuche beschränkt het. U das isch wahrschynlech ds Houptproblem. We scho Früefranzösisch, de richtig. Süsch cha me sech di zwo Lektione pro Wuche tatsächlech schänke.

Mehrschprachikeit aus moralischi Pflicht

Chürzlech bin i z Sauzburg gsi u ha ghört, wi öper emnen angere vorgschwärmt het vomne Land, won’r chürzlech syg gsi. Es chlyses Land, aber d Lüt dert redi aui mehreri Schprache, änglisch natürlech, aber o Dütsch u Französisch. I ha gmeint, dä red vor Schwyz, bis i vrschtande ha, dass’r vo Ferie z Portugal vrzeut.

Im erschte Momänt bin i enttüüscht gsi, dass’r nid d Mehrschprachikeit ir Schwyz lobt. O wen i weiss, dass di Mehrschprachikeit lengschtens nid so bedütend isch, wi mir mängisch tüe. U viu Dütschi byschpiuswys, won i kenne, besser Französisch chöi aus Dütschschwyzer. U änglisch sowiso.

U i ha tänkt, ei grosse Fähler, wo mir mache, isch, dass mir üs d Mehrschprachikeit hüüfig win e moralischi Pflicht vornä. Wüu mr sen aus bsungers wärtvou empfinde, aber wärtvou imnen idealistische Sinn. Nid wirtschaftlech wärtvou. Was si aber eigentlech wär.

U i ha plötzlech tänkt: Wi wär das eigentlech, we sech d Schwyz aus en Art Kompetänzzäntrum für Mehrschprachikeit würd begryfe. E Schtrategie würd usschaffe, wi me’s chönnt härebringe, dass aui Bürgerinnen und Bürger i zwänzg Jahr mindischtens füf Schprache chönnte. U natürlech würd me sech nid numen uf d Landesschprache beschränke, sondern würd o di angere Schprache mitdänke, wo ir Schwyz gredt wärden u zum Teil vo viu meh Lüt aus gwüssi sogenannti Landesschprache.

Nofrüecherfranzösisch im Chindergarte

U i ha tänkt, wen i Politiker wär im Kanton Thurgou, würd i usem Früefranzösisch es Nofrüecherfranzösisch im Chindergarte mache. U d Lehrpärsonen im Chindergarte drzue vrpflichte, mindischtens füfzg Prozänt vor Zyt mit de Ching Französisch z rede. U d Schtandardschprach, wo d Ching ja bereits vom Fernseh kenne, gäb’s de ab dr erschte Klass. U de chönnt me ja mit Schtudien und Untersuechige nach vierezwänzg Jahr uswärte. U i bi sicher, dass dr Kanton Thurgou punkto Französisch, aber vilech o punkto Schtandardschprache besser würd abschnyde aus hüt. Uf jede Fau nid schlechter.

20.04.2017 | 17:11
«Nachtschatten», Fotografie (photo: )

Bekanntlich liegt der Teufel im Detail. Deshalb müsste Jean Ziegler in dem Tagi-Gespräch mit Res Strehle genauer werden, wenn er behauptet, positive soziale Impulse würden heute nur aus Süd-Amerika kommen. Für Normalsterbliche ist das in Anbetracht der dort vorherrschenden Zustände irgendwie nicht nachvollziehbar. Aber sonst ist der junge Mann von 80 Jahren in dem über Ostern erschienenen Interview schwindelerregend präsent und in seiner Direktheit schlicht bewundernswert!

Unbestritten ist dagegen, dass Kalifornien jener Teil der Welt ist, der uns absolut gnadenlos mit Impulsen bombardiert. Von dort soll, gemäss einer anderen Zeitung, demnächst auch ein elektrischer Lastwagen von Tesla auf uns zurollen, was unter Umständen ein Geschenk an die Menschheit werden könnte.

Warum allerdings ausgerechnet in Berkeley, wie die gleiche Zeitung meldet, kalifornische Wissenschaftler meinen herausfinden zu müssen, warum sich unsere Schuhbändel immer wieder lösen, ist eine andere Frage. Man kann das mit den Details nämlich auch übertreiben. Ich würde einfach auf den Rat meiner Mutter an uns Kinder zurückgreifen: Besser binden!

Ich schreibe dies übrigens in einem Hotel in Banja Luka in Bosnien und fühle mich deshalb berechtigt, zu behaupten, dass man auch auf Reisen eigentlich ins Detail geht. Zusammen mit meinem Freund und Kollegen Guy Krneta bin ich unterwegs in den Kosovo, wo wir für ein schweizerisch-kosovarisches Literaturprojekt ein bisschen vorsondieren wollen. Unter anderem haben wir gestern in Details mitbekommen, was man im sonstigen Europa ziemlich verlernt hat: Wie man im Auto über eine wirklich kontrollierte Grenzen kommt! Uniformierte Gestalten hinter kleinen Luken in eigenartigen, vermutlich schusssicheren Zöllnerhäuschen. Besonders in Regen und Schnee alles ein bisschen kompliziert, alles ein bisschen bedrohlich, eigentlich grotesk und kafkaesk. Und die DDR lässt grüssen.

Sogar diesen grünen Zettel mussten wir im Handschuhfach suchen. Dass es den überhaupt noch gibt, hatte ich schon fast vergessen.

Und was hat Alexander Egger damit zu tun?

Auch dieser versierte Berner Fotokünstler geht gerne ins Detail und produziert mit seinen neusten Bildern eine Schärfung des Hinschauens, die auch Blicke in neue, sogar sehr schöne Welten ermöglicht. Einzelne Motive verwandeln sich dabei sogar in etwas grundlegend Neues. Plötzlich wächst aus einer Erdnussschale ein kleiner Palmenwald wie hier im Bild.

To behold the world in a grain of salt! Um es mit William Blake zu sagen. Auch in einem Salzkorn ist die Welt zu sehen. Mehr davon gibt es vom 21. April bis zum 6. Mai in der galerie 9a am stauffacherplatz.

05.04.2017 | 11:40

Ab dem ersten Mai sind in der Schweiz drei Insektenarten offiziell zum menschlichen Verzehr freigegeben: Die Wanderheuschrecke, der Mehlwurm und das Heimchen (eine Grillenart).

Die Wanderheuschrecke schmeckt nach Poulet, der Mehlwurm nach Nuss, das Heimchen wiederum erinnert mit seinem Geschmack an Popkorn und wird deshalb gerne im Zuckermantel serviert. Insekten sind reich an Proteinen, der Chitinpanzer fördert als Ballaststoff die Verdauung.

Soweit die fakefreien Fakts (sofern es sowas heute überhaupt noch gibt). Aber natürlich tun sich auch Fragen auf. Wollen die Schweizerinnen und Schweizer überhaupt Insekten essen? Werden sie sich nicht ekeln beim Biss in den Hamburger, der mit Mehlwürmern gespickt ist, von denen dann das eine oder andere Beinchen an der Zunge hängen bleibt? Was sind die Gründe dafür, dass sich Frauen vor dem Verzehr von Insekten mehr ekeln als Männer? Ist das biologisch bedingt oder werden Mädchen, wie unbewusst auch immer, eher zu diesem Ekel hin erzogen? Ist es ethisch geboten, Insekten zu essen, weil deren Produktion ja weniger Ressourcen verbraucht als die Produktion von Fleisch? Aber sind nicht auch Insekten Fleisch? Und kann man die Trennlinie zwischen zu Leid fähigen Säugetieren und den sechsbeinigen Biorobotern wirklich sauber ziehen? Ist das Essen von Insekten also noch vegetarisch? Und wie geht der Veganer damit um, dass er zwar Bedenken hat, Bienen auszubeuten und deshalb auf Honig verzichtet, die Spinne, die über die Bettdecke kriecht, dann aber trotzdem totschlägt? Und wie steht es mit den anderthalb Kilo Fliegen und Mücken und den rund zwanzig Spinnen, die jeder Mensch, ob Veganer oder nicht, im Lauf seines Lebens im Schlaf oder auf eine andere Weise unfreiwillig verschluckt? Wäre es vielleicht nicht doch angebracht, die Insekten, was ihre Stellung als Nahrungsmittel angeht, eher zu den Pflanzen zu schlagen? Aber woher, um Gottes Willen, sind wir so sicher, dass Pflanzen keine Gefühle haben? Wo sie doch besser wachsen, wenn man beim Giessen lieb mit ihnen spricht? Ist nicht jedes Lebewesen heilig? Aber wie heraus aus der Zwickmühle, dass wir uns nun einmal nicht wie die Pflanzen von Sonnenlicht ernähren können? Und die Sonne hat jetzt sicher wirklich nichts dagegen, dass die Pflanzen ihr Licht in ihre Blätter saugen, oder? Müsste der Bundesrat eigentlich nicht schon längst - statt die armen Insekten, nachdem wir sie schon totschlagen und vergiften, auch noch zum Zermalmen zwischen unseren Zähnen freizugeben -  Forschungsprojekte fördern mit dem Ziel, in unsere Schädeldecke Sonnenzellen einzubauen? Und so ein Zeitalter einläuten, in dem unser Stoffwechsel mit der Umwelt endlich in die Phase seiner ethischen Unbedenklichkeit tritt?

31.03.2017 | 10:37
Iwan Puni, Armed workers in a motorcar, 1918 (photo: )

Natürlich fehlt es nie an guten Gründen, sich in einen klassischen russischen Roman zu verkriechen, aber heuer jähren sich auch noch jene Revolutionen zum hundersten Mal, die bekanntlich die Welt erschütterten. Auch deshalb verbringe ich schon seit einem Monat einen beträchtlichen Teil meiner Zeit staunend und tief beeindruckt an einem sehr schönen Fluss im revolutionären Russland. Ich lese «Der Stille Don» von Michail Scholochow. Das sind weit über tausend klein bedruckte Seiten in zwei dicken Bänden.

Dass man da auch mal Grund hat, an Karl Marx zu denken, versteht sich von selbst. Ganz nebenbei vernimmt man beim Lesen nämlich zum Beispiel auch, dass ausgerechnet «Das Kapital» von der zaristischen Zensur unbehelligt in das aufgewühlte Land gelangen konnte. Man nahm schlicht und einfach an, für diesen dicken, theoretischen Schinken aus England würde sich sowieso kein Mensch interessieren. Weit gefehlt!

Aber dann sitzt man im Zug und hört wie ein Tourist aus Süd-Afrika mit dem Namen Marx ein Hotel reservieren will und nicht verstanden wird: Sogar zweimal muss er ihn in sein Telefon buchstabieren: M – A – R – X! Nein: M wie Müller! A wie Achtung! R wie Roger und X wie Xylophon! Marx!

Wie tief der Bekanntheitsgrad und wohl auch der Marktwert dieses Namens aber tatsächlich gesunken ist, erfuhr ich ein paar Tage später.

Natürlich gab ich bei einem Bier mit Kollegen im Falken die kleine Anekdote aus dem Zug zum Besten und natürlich schmunzelte man. Und ein Kollege machte mich darauf aufmerksam, dass gerade an diesem Tag in der «Zeit» wieder mal ein Artikel erschienen sei mit dem Titel: «Hatte Marx doch recht?» Auch sei sein Abbild gross, aber rot und blond vorne drauf auf der Zeitung!

Als ich kurz darauf bei dem Kiosk an der Kramgasse vorbeikam, sah ich «Die Zeit» mit dem blonden Marx schon von weitem, nahm sie aus dem Regal und legte sie vor der Kioskverkäuferin auf die Ablage. Sieben zwanzig, sagte sie, und während ich die Münzen eine nach der andern hervor suchte und auf das bärtige Gesicht des alten Marx legte, das fast die ganze Titelseite beanspruchte, fragte ich die junge, schon mit geöffneter Hand wartende Frau, ob sie den kenne? Sie sagte, nein, schaute ihn aber länger genau an, dann schaute sie mich an und fragte: Das syt aber nid dir? Nein, sagte ich, das ist Karl Marx! Sie schüttelte den Kopf! Ich sagte noch, das müssen Sie sich unbedingt anschauen! Sie habe leider wenig Zeit zum Lesen, aber sie werde daran denken. Tun Sie das! sagte ich, wünschte einen schönen Abend und nahm meinen Marx unter den Arm!

Und was hat Iwan Albertowitsch Puni damit zu tun?

Dieser avantgardistische russische Maler mit italienischen Wurzeln malte mit «Armed workers in a Motorcar» wohl eines der wenigen humorvollen Bilder zu der russischen Revolution, die zu der angeblich marxistischen Sowjetunion führte. Es ist ein herrliches Bild, weiss man doch nicht, ob diese bewaffneten Revolutionäre fahren, fliegen oder schwimmen. Sicher ist, dass sie dem Betrachter etwas verloren vorkommen. Verloren war wohl auch Puni selbst, denn er emigrierte schon bald nach Berlin und dann nach Paris.

Weil er aber auch sonst grosse Verdienste hat, auch andere, sehr sehenswerte Bilder malte, ist zu hoffen, dass er an der Ausstellung vertreten sein wird, die demnächst  im Zentrum Paul Klee und im Kunstmuseum Bern aufgeht. Die Ausstellung trägt den schönen Titel: «Die Revolution ist tot. Lang lebe die Revolution!»