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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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25.06.2018 | 15:26
Antoni Tàpies: Akt, 1995 (photo: )

An diesen sommerlichen Tagen kommen sie wieder massenweise, und man hat allen Grund, sich zu fragen, was das eigentlich alles für komische Fotografen und Fotografinnen sind, fotografieren sie doch meistens nur genau jene Motive, die sie vermutlich schon in dem Werbeprospekt abgebildet gesehen haben, der sie überhaupt dazu veranlasste, an dem populären Kongress der Digitalfotografie in unserer Altstadt teilzunehmen.

Sicher ist, dass sie aus allen Ecken der Welt kommen und sich mehrheitlich in geführten Gruppen zu ihren bevorzugten Motiven bewegen. Viele sind auf das Fotografieren von Brunnen spezialisiert, aber fast noch zahlreicher sind die Spezialisten und die Spezialistinnen der Kirchenfotografie. Sogar der kunsthistorisch eher unspektakulären Kirche Peter und Paul kommt definitiv mehr Aufmerksamkeit zu als den am Rathausplatz auch vorhandenen Zeugen ortstypischer Architektur. Und wenn sich die Kirchenfotografen und die Kirchenfotografinnen, natürlich immer aufgehoben in ihren Arbeitsgruppen, vom Rathaus her durch die Kreuzgasse schieben und plötzlich vor dem in diesen Tagen oft herrlich blauen Himmel den Turm des Münsters vor ihren Augen aufragen sehen, dann schnellen wie auf Kommando restlos alle Arme in die Höhe und an den hochgereckten Kameras bleibt kein einziger Klickfinger ungekrümmt.

Sitzt man aber auf der Plattform und lässt sich dort von der gerade ziemlich fett  über die Schwellen tretenden Aare berauschen, kann man beobachten, dass sich auch viele Fotografen und Fotografinnen weiterhin der Kunst des Selbstporträts verschrieben haben. Dort stellen sie sich vor den Ausblick auf den Gurten, fahren ihre Stangen aus und lächeln sehr unterschiedlich fotogen in ihre Objektive. Für das hell herausragende Blatt an dem Kastanienbaum über mir, das mich schön die längste Zeit fasziniert, scheint sich dagegen niemand zu interessieren. Auch das herrliche Muster oben auf der Sandsteinmauer aus Flechten und Vogeldreck, in welchem auch einzelne Sandkörner funkeln wie Edelsteine, fotografiert kein Mensch.

Und was hat Antoni Tàpies damit zu tun?

Es ist verflixt! Denn gerade an Katalonien wollte man ja einmal nicht erinnert werden, aber oben auf der so wunderbar gemusterten Balustrade sieht ein Vogelschiss auch in seiner Oberflächenbeschaffenheit nun in Gottes Namen halt einfach so aus wie von dem grossen katalanischen Künstler hingemalt: Direkt aus der ockerbraunen Tube auf die weisse Grundierung gedrückt. Und wie selbstverständlich ist auch etwas Kohlenschwarz dabei. Eine Farbkombination 100% typisch Tàpies!

Und übrigens, falls Sie nach dem Spiel gegen Serbien auch stolz sind auf unsere überragenden Spieler mit kosovarischem Hintergrund noch dieser Hinweis:

Letzten Frühling sind Guy Krneta und ich im Rahmen des Projektes Kosovo is everywhere über den ganzen Balkan hinunter in unseren «Kanton Kosovo» gefahren. Sollte es Sie interessieren, wie es uns auf diesem wilden Balkan ergangen ist, gibt es in einer neuen Reihe online sehr günstig einen Bericht dazu.

12.06.2018 | 11:26

Mit einem Tweet brachte der Basler «Tageswoche»-Journalist Renato Beck das Dilemma auf den Punkt: «Wurde mir schon lange nicht mehr so bewusst, dass ich als Stimmbürger Spielball der Lobbys bin, wie bei der Casino-Abstimmung».

Auf der einen Seite standen die heutigen Spielcasinos mit Steuersitz in der Schweiz. Auf der anderen die internationalen Online-Geldspielanbieter, die bisher unreguliert in der Schweiz agierten und ihr Geschäft ausbauen wollten.

Die Ausgangslage für Stimmbürgerinnen und Stimmbürger war wenig attraktiv. Und viele, die sich sonst zu Wort melden, hielten sich diesmal zurück. Man konnte sich eigentlich nur die Finger verbrennen. Entsprechend gering war auch die Stimmbeteiligung.

Doch in den Nischen wurde gestritten. Mit einer Verbissenheit, die kaum noch Bezug nahm auf die Argumentation des Gegenübers. Dabei handelte es sich bei den GegnerInnen eigentlich um politische FreundInnen. Für einmal hielten sich die Frontlinien nicht an die üblichen Blöcke und Gräben. Das Geldspielgesetz wurde zur Glaubensfrage: Wie hältst Du’s mit der Freiheit im Internet?

Wer stand wem gegenüber?

Die Ausgangslage konnte auch anders begriffen werden: Auf der einen Seite stand ein in einem bürgerlich dominierten Parlament ausgeschacherter Kompromiss, hinter den sich die Spielsuchtprävention (Fachverband Sucht), die Kulturschaffenden (Dachverband Suisseculture) und die SP stellten.

Auf der anderen Seite gab es eine unheilige Allianz aus Wirtschaftsliberalen und Netzliberalen, die sich auf einmal bedenklich nahe kamen. So versteckten sich die Jungliberalen hinter den Argumenten der Grünen und kämpften gegen Netzsperren – als ob sie deswegen mit Unterstützung der internationalen Geldspiellobby das Referendum ergriffen hätten. Während sich umgekehrt ExponentInnen der Grünen für einen globalisierten Geldspielmarkt einsetzten und behaupteten, die staatlichen Abgaben würden sogar höher, wenn internationale Anbieter zugelassen würden. Die Grünen als Globalisierer?

Doch die Antwort auf die Frage, wie nicht-lizenzierte Anbieter im Netz ausgeschlossen werden können, blieben sie schuldig. Dabei war dies einer der Hauptpunkte, die mit dem neuen Gesetz geklärt werden mussten. Warum nämlich sollte sich jemand um eine Lizenz bemühen und hohe Abgaben zahlen, wenn die illegale Konkurrenz kaum Nachteile hätte?

Sie könnten sich ein Online-Werbeverbot für Illegale vorstellen, schlugen die Grünen vor – was übrigens so auch im Gesetzesentwurf stand. Oder sie schlugen den Eingriff in Suchmaschinen vor – als ob sich google von den Grünen den Algorithmus manipulieren liesse.

Kulturförderung und Lotteriefonds

Kulturverbände, vorne weg der Dachverband Suisseculture, sprachen sich für den Gesetzesentwurf aus, da es – je nach Kanton – um beträchtliche Kulturfördermittel ging. Die grosse Euphorie unter Kulturschaffenden brach allerdings nicht aus. Zum einen bremste die Aussicht, mit der einschlägigen SVP-Werbeagentur in einen Topf geworfen zu werden. Diese war von den bürgerlich dominierten Kantonen an Land gezogen worden und buchstabierte brav ihre Trivialsymbolik und farbliche Einfalt durch – nur dass diesmal keine Schafe ausgeschafft, sondern Spielplätze geschlossen wurden. Zum anderen stellten sich auch unter Kulturschaffenden etliche die Frage nach der Verhältnismässigkeit staatlicher Eingriffe im Netz.

Vollends verdreht wurde die Sache seitens der GegnerInnen, als den Kulturschaffenden auf einmal «Eigennutz » vorgeworfen und gar suggeriert wurde, die Kunst lebe auf Kosten der Spielsüchtigen.

Hoffentlich, ist dazu zu sagen, setzen sich Kulturverbände für die Interessen ihrer Mitglieder ein – wie es auch Gewerkschaften tun, denen kaum «Eigennutz» vorgeworfen wird, wenn sie gegen Stellenabbau und Lohnkürzungen kämpfen.

Und das neue Gesetz schreibt so deutlich wie das alte fest: «Die Verwendung der Reingewinne zur Erfüllung öffentlich-rechtlicher gesetzlicher Verpflichtungen ist ausgeschlossen». Dass dennoch einige Kantone einen beträchtlichen Teil ihrer regulären Kulturförderung über den Lotteriefonds finanzieren, ist hingegen Realität.

Mögen sich die KritikerInnen von gestern nun mit aller Vehemenz in den einzelnen Kantonen dafür einsetzen, dass Kulturbudgets erhöht und Lotteriefondsgelder nicht mehr gesetzeswidrig für Staatsaufgaben verwendet werden. Der Zeitpunkt wäre jetzt gekommen.

Die Internet-Religiösen

Wirklich interessant am Abstimmungskampf war nur die Auseinandersetzung um die Zugangs- oder Netzsperren, wie sie von den GegnerInnen polemisch genannt wurden. Ja, es gab viele technische Details zu lernen und es traten zum anderen völlig unterschiedliche Geisteshaltungen zutage. Auf der einen Seite jene, die das Netz, mit fast schon religiösem Eifer, zum sozial-utopischen Raum erklären, auf der anderen jene, die es schlicht als technische Infrastruktur begreifen, bei deren Gebrauch Regeln gelten.

Die Frage jedenfalls, wie sich der Nationalstaat im Internet verhält, während riesige private globale Monopole den Platz beherrschen, wird uns nicht zum letzten Mal beschäftigt haben. Und es wäre den Grünen vieleicht geraten, in dieser Sache näher an der Parteibasis zu operieren und sich nicht Sätze ins Programm schreiben zu lassen, die besser zu den verschwundenen Piraten passen.

23.05.2018 | 17:52
Victor Vasarely, EINSTEIN, 1978 (Serigraphie auf Bütten, Format c.a 104 x 104 cm) (photo: )

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass sich Manager und Managerinnen gerne auf ihren Schreibtischen sitzend fotografieren lassen?

Wie kommen die dazu?

Als wäre ein Schreibtisch nichts Besonderes und als gäbe es keine Stühle!

Aber dies nur nebenbei.

Und übrigens: Wussten Sie, dass es jetzt Bioplastik gibt?

Und können Sie sich darunter etwas vorstellen?

Vielleicht Wohlfühlplastik?

Auch dies nur nebenbei, denn obschon einen ja so vieles wundert, wenn nicht stört oder gar belästigt, gilt es von einem herrlichen Ausflug nach Genf zu berichten. Dort leben offensichtlich nicht nur halbseidene Figuren des internationalen Kapitals, nicht nur spanische Ex-Prinzessinnen und katalanische Politikerinnen, die Reissaus nehmen vor der Justiz, dort leben auch ganz normale Leute. Für ein paar Stunden war ich unter ihnen, ging mit ihnen an den See, begleitete sie beim Einkaufen, besuchte eine Schule, lernte von ihnen, was der Wind in ihrer Stadt für eine Rolle spielt und dass ihnen der Montblanc etwa das bedeutet, was uns in Bern Eiger, Mönch und Jungfrau. Beides sind herrlich weisse Fixpunkte, wenn nicht Orientierungshilfen  in ihrer und unserer sonst so urbanen Welt. Wiederholt war ich auch in dem kleinen, herrlich schrulligen «Musée de la porcelaine et de l’argenterie».

Dass es in Genf eigentlich auf keiner Liste und in keinem Tourismusprospekt ein solches Museum gibt, ändert nichts an der Tatsache, dass es für mich verdammt viel Wirklichkeit besitzt, denn immerhin habe ich dort nicht nur die Dame an der Kasse, die gleichzeitig auch als Sekretärin des Direktors amtet, kennengelernt, ich könnte auch über den Direktor selbst einige bis weit ins Private hinein reichende Geschichten erzählen. Und nicht zuletzt habe ich dort die Bekanntschaft von Élise gemacht! Sie ist nicht nur fachkundige Sachbearbeiterin im «Musée de la porcelaine et de l’argenterie», sondern auch zweifache Mutter. Dass sie auch noch das ziemlich spurlose Verschwinden ihres segelnden Ehemannes auf hoher See verarbeiten muss, ist der eigentliche Hintergrund der wunderbar alltäglichen Geschichte, die ich gelesen habe und die Laurence Boissier in dem Roman «Rentrée des classes» erzählt.

Bei der Lektüre auf Französisch hat mir die Tatsache geholfen, dass Laurence Boissier eine Kollegin von «Bern ist überall» ist, neben der ich schon in Lausanne und in Zürich, sogar schon in Chur auf der Bühne gestanden bin und deshalb ihre Stimme und ihre ganz besondere, eindringliche verlangsamte Art ihre Texte vorzulesen im Ohr hatte. Aber auch ohne diese Erfahrung sei das wunderbare Buch allen ans Herz gelegt, die zwischendurch das Bedürfnis empfinden, ein bisschen i ds Wäutsche abzuschweifen.

Und was hat Victor Vasarely damit zu tun?

Mathilde, die kleine Tochter von Élise zieht sich unter der Last des Verlustes des geliebten Vaters gerne in ihren Kleiderschrank zurück. Da sie, wie schon ihr Name sagt, die Mathematik, aber auch die Geometrie liebt, ist Vasarely ihr Lieblingsmaler und sie behängt die Wände ihres Rückzugsortes im Innern des Schrankes mit dessen Bildern. Dort hat sie sich auch einen Arbeitsplatz für die Schulaufgaben eingerichtet, und für eventuelle Besuche des Bruders gibt es als Sitzgelegenheit einen Stapel Telefonbücher.

Und noch etwas zu Vasarely: Wussten Sie, dass mindestens eines seiner Werke jeder kennt? Vasarely ist nämlich der Schöpfer des Logos der Marke Renault.

Aber auch dies nur nebenbei.

Laurence Boissier: Rentrée des Classes, erschienen 2017 im Verlag art&fiction, Lausanne

06.05.2018 | 17:45

Von Alex Tschäppät gibt es vermutlich viele Anekdoten in dieser Stadt. Und ich wünschte mir, ein Verlag käme auf die Idee, die Anekdoten zu sammeln und herauszugeben.

Es gibt sicher auch hämische und böse Anekdoten über ihn oder wenig schmeichelhafte. Die würde ich, glaube ich, nicht ins Buch aufnehmen, selbst wenn sie ihn menschlich zeichneten. Doch die Fülle an Anekdoten würde zumindest eines zeigen: Alex Tschäppät war einer, über den gesprochen wurde – nein, über den erzählt werden musste.

Alex Tschäppät war mehr als ein Stadtpräsident. Er war eine volkstümliche Figur. Er selber sagte von sich, er sei einer, den man anfassen könne. Pedro Lenz ist auch einer, den man anfassen kann. Oder Peter Bichsel. Beiden ist das Angefasst-Werden eher unangenehm. Aber sie müssen auch nicht wiedergewählt werden.

Alex Tschäppät mochte seine Rolle, er war gross in seiner Rolle, sie passte ihm ausgezeichnet. Und ja, er fasste auch selber an. Er hielt sich nicht immer an die Gepflogenheiten und forderte damit andere auf, sich ihrerseits nicht immer an die Gepflogenheiten zu halten. Das ist für einen Stadtpräsidenten ausserordentlich.

Wenn ich besagtem Buch eine Anekdote beisteuern sollte, wäre es folgende: «Bern ist überall» erhielt von der «Stiftung zur Förderung der Bernischen Mundartdramatik» einen grossen Preis. Genauer: Die Stiftung löste sich auf und vermachte uns das gesamte Stiftungskapital von Fr. 50'000.-

Die Stiftung war der Stadt Bern beigesellt und der Kultursekretär war von Amtes wegen Stiftungsratsmitglied. Für eine Preisverleihung reichte das Stiftungskapital nicht mehr aus, also wurde entschieden, uns den Preis bei einem sowieso geplanten Auftritt in der Stadt Bern zu überreichen. Ein solcher fand im Rahmen eines Jubiläums der Hochschule der Künste (HKB) statt. Leider waren bis auf Christoph Reichenau alle Stiftungsratsmitglieder an dem Abend verhindert. Dieser sollte nun als Kultursekretär den festlichen Akt vollziehen.

Vor dem Auftritt gab es, wegen des HKB-Jubiläums, ein Nachtessen, bei dem auch Alex Tschäppät zugegen war. Während des Essens erfuhr ich, dass Christoph Reichenau krankheitshalber ausfiel. Also ging ich zu Alex Tschäppät und fragte ihn, ob er es übernehmen könnte, uns diesen Preis zu überreichen. – Was er denn mache müsse, fragte er. – Er solle eine kleine Rede halten, sagte ich, wie er es ja gewohnt sei. – Aber er müsse uns doch auch was überreichen können, wendete er ein. Das überzeugte mich. Ich fragte einen HKB-Mitarbeiter, ob er mir einen Briefumschlag besorgen könnte, mit einem Stück Karton drinn, für den Stadtpräsidenten.

Nach unserem Auftritt stieg der Stadtpräsident auf die Bühne und stoppte den Schlussapplaus. Er freue sich, hier in diesem Rahmen eine freudige Botschaft überbringen zu können.

Alex Tschäppät war in Form. Er hielt eine Rede, zu der er sich im Moment auf der Bühne inspirieren liess. «Bern ist überall» kannte er, von der «Stiftung zur Förderung der Bernischen Mundartdramatik» hatte er bisher noch nicht allzu viel gehört. Am Schluss überreichte er uns diesen dicken Umschlag. Wir bedankten uns förmlich. Und schenkten ihm eine Zugabe.

Mit welcher Lockerheit und welchem Understatement die Stadt Bern Kulturpreise in der Höhe von Fr. 50'000.- verleihe, sei einzigartig, zeigten sich anschliessend einige HKB-Studierende beeindruckt. Das habe Stil.

26.04.2018 | 17:17

Und wieder denke ich an Katalonien. Weil ich aber auf der schon sommerlichen Münsterplattform sitze und mich während des Notierens dieser Zeilen in mein Notizbuch von der heftig angeschwollenen Aare berauschen lasse, ist immerhin ein Bernbezug gegeben.

Ich denke an Katalonien, weil es auf der Plattform gerade wimmelt von Polizei. Auf dem Münsterplatz steht wieder hoher Besuch an. Eben erst war auch der spanische Aussenminister da. Er soll mit Ignazio Cassis über die beiden Damen gesprochen haben, die vor der spanischen Justiz nach Genf geflohen sind.

Wie man mit ihnen umgehen sollte, weiss ich wirklich nicht, aber beide hatten mich am entscheidenden Tag bei der TV-Übertragung aus dem katalanischen Parlament in Staunen versetzt. Mir ist unvergesslich, wie sie scheinbar absolut unberührt von der Tatsache, dass die gesamte Opposition, das heisst, die Abgeordneten mehrerer Parteien geschlossen das Parlament verlassen hatten, in völlig unaufgeregtem Ton, ruhig und sachlich erörterten, wie das provisorische Grundgesetz einer neuen Republik zu verstehen und umzusetzen sei.

Die juristischen Beistände, also die Juristen und Juristinnen, die der Präsidentin des Rates beizustehen haben, hatten sich schon aus dem Staub gemacht, nachdem ihr Hinweis, dass man den gesetzlichen Rahmen verlassen habe, auf taube Ohren gestossen war.

Ich wusste nicht, ob ich diese Frauen, die hier seelenruhig, als würden sie an einem Elternabend die Organisation eines Sommerlagers für ihre Kinder und nicht einen Staatstreich besprechen, bewundern oder bedauern sollte. Ich weiss auch noch genau, dass ich unfähig war, den Gesichtsausdruck von Frau Rovira zu deuten. In Anbetracht der möglichen Folgen ihres Diskurses als Sprecherin der separatistischen linken Partei ECR kam mir das Gesicht dieser Frau so reglos vor, dass ich sie für todesmutig hielt. Oder aber für naiv, denn mir war völlig klar, dass man, sollte der Coup nicht gelingen, für so etwas «i d’Chischte chunnt».

Und ich muss zugeben, als ich Marta Rovira ein paar Wochen später am Fernsehen weinen sah, tat sie mir einerseits zwar leid, aber andererseits fand ich es nicht mehr nur naiv, sondern hanebüchen, wenn nicht frech, dass sie behauptete, sie würde für ihre Ideen verfolgt.  Ich meine «frech», wie verwöhnte Kinder frech sein können, die immer noch eins drauf geben und nachher beleidigt sind, wenn Vater oder Mutter die angedrohte Strafe tatsächlich vollziehen.

Und was hat Pole Lehmann damit zu tun?

Auch Pole Lehmann wird gerne als «naiv» bezeichnet. Aber anders als in der Politik ist Naivität in der Kunst, in welcher es bekanntlich weder Vorschriften noch Gesetze gibt, völlig unerheblich und ganz sicher kein Qualitätskriterium. Auch sicher ist, dass es in der Werkschau im Tramdepot Burgernziel, die noch bis am Sonntag, den 29. April dauert, sehr viel zu sehen und einen sehr verspielten, äusserst produktiven und amüsanten Berner Künstler (wieder-) zu entdecken gibt.

11.04.2018 | 17:27
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Wie oft habe ich schon von flexiblen Arbeitszeiten reden gehört, das Wörtlein „Flexibilität“, wie oft drang es schon an mein Ohr. Und natürlich weiss ich, was „flexibel“ bedeutet: biegsam, anpassungsfähig. Und warum muss etwas biegsam sein oder anpassungsfähig? Offensichtlich deshalb, weil es nötig ist. Ein Ast biegt sich im Wind und bricht nicht. Schön. Aber die Frage stellt sich doch: wie steht es um die Flexibilität des Windes? Könnte nicht auch der Wind sich anpassen an den Ast und ein bisschen weniger heftig wehen oder seinen Luftstrom um den Ast herumbiegen, so dass der selber sich nicht biegen muss? Warum kann der Wind eigentlich nicht Rücksicht nehmen auf das Bedürfnis des Astes, nicht ständig flexibel zu sein? Warum bläst der einfach stur weiter, obwohl diese Flexibilität und ständige Anpassungsbereitschaft eine ziemlich anstrengende Angelegenheit sind?

Und wie steht es in der Arbeitswelt? Wer biegt sich dort und wer bleibt stur? Ist es etwa das arme Ästlein der globalisierten Wirtschaft, das sich dem scharfen Wind beugen muss, der ihm von der Sturheit der Arbeitnehmenden entgegenschlägt?  Wie ist es denn, wenn die Angestellten auf ihrem Feierabend oder freien Sonntag beharren und in ihrer Sturheit die Flexibilität partout nicht aufbringen wollen, sich jederzeit über ihr Handy zu biegen, um abzuchecken, ob der Vorgesetzte ihnen vielleicht jetzt gerade eine Mail geschrieben hat? Ist der Vorgesetzte dann etwa bereit, sich an die Sturheit seiner Angestellten anzupassen? Bringt er die nötige Flexibilität auf und wartet geduldig auf seine Antwort?

Solange es als naturgegeben erscheint, wer im globalisierten Kapitalismus die Ästlein sind, und woher der Wind bläst, dem sie sich zu biegen haben, solange also die Rollen zwischen Sturen und Flexiblen so einseitig verteilt bleiben, erlaube ich mir meinerseits die Sturheit, das Wörtlein „Flexibilität“ in die Ecke der ideologischen Kampfbegriffe zu stellen, mit denen eben dieser Kapitalismus seine Herrschaft behauptet.

29.03.2018 | 14:00
Konrad Klapheck: Die Schreibmaschine. (1955) (photo: )

Wiederum sei an dieser Stelle auch dem katalanischen Drama gedacht. Sollte hier schon behauptet worden sein, diese Tragödie sei längst zur Farce verkommen, möchte man jetzt rufen: «Höret uf!» Mich beschäftigt nämlich, was ich neulich gehört habe: Sie machen alle weiter bis es «chlepft u tätscht» und danach greifen sie sich an den Kopf und tun so, als wüssten sie nicht, wie es so weit kommen konnte!
Natürlich ist es weiterhin spannend, zu beobachten, wie beide Seiten sich in der jeweiligen Realität einigeln und sich selbst betrügen, gleichzeitig befürchtet man aber Schlimmes: Die Flaggen stehen auf Sturm, und  Land ist keines in Sicht!
Vielleicht sollten alle Beteiligten mal von der Münsterplattform runterschauen können!
Dort ist nämlich zu sehen, dass der Kies, den die Aare letztes Jahr angeschwemmt hat und den die fleissigen Bagger dort unten im «Schweller» zu einem gewaltigen Berg angehäuft hatten, dass dieser Kies mittlerweile abtransportiert worden ist! Wer weiss wohin, aber es ist einmal mehr bewiesen: Berge können sehr wohl versetzt werden, aber nur mit Fleiss und Geduld!
Und jetzt, da die No-Bilag-Initiative glücklicherweise vom Tisch ist, noch ein Wort zu den so oft gelobten und als staatstragend bezeichneten Informationssendungen unserer sogenannten Qualitätsmedien.
Ja, sie leisten zweifellos sehr viel gute Arbeit, es würde mir überhaupt nicht schwer fallen, zum Beispiel von einem halben Dutzend Radio-Reportagen aus aller Welt zu berichten, die ich alle mit grossem Gewinn angehört habe, aber leider ist da auch noch das alte Problem: Die Satzfrage! Es kann nicht oft genug wiederholt werde! Satzfragen zeugen selten von Neugier und Sachkenntnis. Satzfragen sind Verlegenheitslösungen. Die Satzfrage wird gestellt, weil aus Mangel an einer echten Frage, auf Gesichertes zurückgegriffen werden muss.
Dazu kommen auch noch jede Menge absolut künstliche und gekünstelte Fragen. Gerade neulich wollte ich mein Radio wieder mal auf die Gasse hinaus schleudern. Und zwar mit allergrösster Wucht und ohne erst das Fenster zu öffnen! Gerade noch rechtzeitig erinnerte ich mich daran, dass diese Dinger ja einen Knopf haben, mit welchem man sie zum Schweigen bringen kann. Aber mein Ärger war gigantisch! Der Tod, Mord! Sogar Massenmord, Kriegsgräuel, Totschlag, Staatsbetrug werden vermeldet und was wird gefragt?
Es wird gefragt: Hat das Konsequenzen? Und zwar nur, weil ein Vorgesetzter oder jedenfalls irgend ein Schlaumeier der Firma, vorschreibt, den Bericht des Korrespondenten oder der Korrespondentin mit Fragen zu unterbrechen. Gefragt wird also stellvertretend für mich, den Zuhörer, aber ich werde für einen Volltrottel gehalten! Sonst würde hier doch nicht gefragt werden, hat das Konsequenzen? Immer fragen sie, weil ihnen aus Mangel an Sachkenntnis keine bessere Frage einfällt, hat das Konsequenzen?
Natürlich hat das Konsequenzen! Alles hat Konsequenzen und weil mich dort, wo Weltbewegendes passiert, die Konsequenzen interessieren, höre ich doch Radio! Hat das Konsequenzen? Dem sagt man Tappen im Dunkeln oder Stochern im Nichts! Und was immer behauptet wird: Ein Gespräch entsteht so sicher nicht! Das ist ein Abfragen ohne Sachkenntnis! Und das ist einem sogenannten Qualitätsmedium unwürdig!
So!

Und was hat Konrad Klapheck damit zu tun?

Gerade gestern las ich ein Interview mit Helmut Hubacher, einem der ganz Grossen der Schweizer Politik. Er sagte nicht nur, dass er weiter schreibe und publiziere, er sagte auch, dass er dies mit der Schreibmaschine tue, weil er mit dieser am besten denke. Da fiel mir die berühmte «Schreibmaschine» von Konrad Klapheck ein. Diese Ikone der modernen deutschen Klassik haben schon viele geliebt und bewundert, möge sie uns allen beim Denken weiterhelfen.   


04.03.2018 | 16:53

Die Annahme von Minarett-Verbotsinitiative, Ausschaffungsinitiative und Masseneinwanderungsinitiative waren Schocks für die aufgeklärte, urbane Schweiz. Zurecht warf sich die unterlegene Seite vor, die Kraft der Symbolpolitik unterschätzt und zu wenig mobilisiert zu haben.

In der Zwischenzeit hat sich einiges getan. Die Zivilgesellschaft hat sich auf die Hinterbeine gestellt und zum Teil neu organisiert. Bündnisse und Organisationen sind entstanden wie Operation Libero oder Schutzfaktor M, die sich ausserhalb eines von Rechts definierten Links-Rechts-Schemas verorten und für eine offene, vielfältige, demokratische Schweiz auf Grundlage der Menschenrechte kämpfen.

Die Kulturschaffenden sind aufgewacht

Auch die Kulturschaffenden sind aufgewacht. Viele, die noch vor wenigen Jahren eine politische Positionierung vermieden, melden sich dezidiert und kreativ zu Wort: Künstlerinnen und Künstler jeden Alters, aus allen Sparten der U- und E-Bereiche.

Den Turnaround bildete die fremdenfeindliche, pseudo-ökologische Ecopop-Initiative. Das absurde Ansinnen, nationale Ökobilanz durch Zuwanderungsquoten zu verbessern, wurde an der Urne deutlich versenkt. Die künstlerischen Aktionen im Vorfeld waren vielfältig und kamen von den Künstlerinnen und Künstlern selber, mehr als von ihren (nach wie vor etwas zögerlichen) Institutionen. So waren es beispielsweise die Ensemble-Mitglieder des Zürcher Schauspielhauses, die Abend für Abend vor den Vorhang traten, um vor den verheerenden Auswirkungen der Initiative für das Schweizer Kunstschaffen zu warnen.

Es folgte die Durchsetzungsinitiative, mit der die SVP ihre schlampig formulierte, grundrechtswidrige Ausschaffungsinitiative nach neuem Gusto totalisieren wollte. Das Engagement der Zivilgesellschaft und der Kulturschaffenden war noch um ein Vielfaches stärker als bei Ecopop. Bemerkenswert ist vor allem, dass die grundsätzlichen Aspekte – die Verhältnismässigkeit und die rechtliche Ungleichheit von BürgerInnen mit unterscheidlichen Pässen in der Schweiz – breit diskutiert wurden. Bei der Ausschaffungsinitiative hatte die Argumentation noch nicht gegriffen. Von künstlerischer Seite waren es vor allem Songs und Spoken-Word-Beiträge, die im Netz breit geteilt wurden.

Und nun No-Billag

Bei der No-Billag-Initiative nun meldeten sich KünstlerInnen aller Couleurs zu Wort. Etliche, die bisher gehadert hatten, argumentierten auf einmal mutig und persönlich. Auch hier ging es nicht einfach um partielle Interessen (welche Künstlerin und welcher Künstler in diesem Land lebt schon wesentlich oder hauptsächlich von SRF-Einnahmen?). Es ging vielmehr wiederum um Grundsätzliches, um bedrohte Vielfalt, den demokratischen Diskurs, die kaputtgesparte und von politischen Milliardären aufgekaufte Vierte Gewalt, den Service Public und nicht zuletzt das Dogma der flächendeckenden Privatisierungen.

Die No-Billag-Initiative wird als jene Initiative in die Geschichte eingehen, für die bisher die meisten frei produzierten Filme (mit  Null- oder Kleinstbudgets) hergestellt wurden. Die Kreativität war unglaublich, fast schon überbordend und verdiente eigentlich eine eigene mediale Würdigung.

Wie weiter?

Wesentlich ist jetzt, das Wort nicht gleich wieder den Verlierern der Abstimmung zu überlassen. Die SRG, die freien lokalen Radio- und Fernsehstationen, der Service-Public insgesamt sind gestärkt worden. Zu den Verlierern gehören beispielsweise der Verband Schweizer Medien, namentlich Pietro Supino, Peter Wanner und Markus Somm, aber auch NZZ-Chefredaktor Eric Gujer. Dies gilt es bei weiteren Verhandlungen rund um die Online-Aktivitäten von SRG zu bedenken. Die SRG muss jetzt jene politische Rückendeckung erhalten, die ihr ermöglicht, eine taugliche zukunftsgerichtete Online-Strategie zu entwickeln. Und: Öffentliche Medienförderung über Radio und Fernsehen hinaus gehört ins neue Gesetz.

Schliesslich: Auf Siegerseite stehen unter anderem die Kulturschaffenden, die sich mit enormem kreativem Einsatz in den Abstimmungskampf geschmissen haben. Wenn nun die Verlierer mit ihren Abspeck-Phantasien Gehör finden sollten, ist Kulturabbau jedenfalls ein No-Go. Es gilt SRF 2 Kultur und das Radio generell zu stärken. Die SRG soll angehalten werden, ihren leistungsvertraglich vereinbarten  Kulturproduktionsauftrag weiter auszubauen.

28.02.2018 | 21:11

So vieles gäbe es zu berichten. Zum Bespiel aus Wien. Dort habe ich seit langem wieder einmal ein paar Tage verbracht. Sollte eine kleine, winterliche Bestandesaufnahme aus der Hauptstadt unserer östlichen Nachbarn und Nachbarinnen von Interesse sein: Ein Klick genügt.
Aber first things first: Um Gottes Willen nicht etwa die Abstimmung verschwitzen!
Bis Freitag kann man den Gang an die Urne mit einem kleinen Spaziergang durch den Garten des Erlacherhofes verbinden.

Und jetzt haben wir also Besuch aus Katalonien. Anstatt sich vor Gericht, wo sie vorgeladen war, zu verantworten, zieht es eine der prominentesten Exponentinnen der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung vor, sich vorerst mal ein bisschen in Genf abzusetzen. Angeblich mit dem hohen Ziel, den gegenwärtig ziemlich traurig vor sich hinmottenden Konflikt zu internationalisieren. So wie das von anderen schon in Belgien versucht wird. Rein gefühlsmässig geht das aber irgendwie nicht ganz auf. Sollten sich internationalisierte Regionalkonflikte nicht von selbst aufheben oder wenigstens ihrer Widersprüchlichkeit bewusst werden?
Die besagte Politikerin ist aber auch bekannt für die Forderung, aus Katalonien eine feministische Republik ohne Grenzen zu machen. Ob man gegen Grenzen ankommt, indem man neue errichtet, ist auch so eine Frage. Nicht ganz überraschend ist allerdings, mit welcher Vehemenz sich die spanische Öffentlichkeit auf den Widerspruch stürzt, dass die selbstdeklarierte antikapitalistische Systemgegnerin, deren Partei auch das Geld abschaffen möchte, ausgerechnet in der erzkapitalistischen Schweiz und nicht in Venezuela, wohin sie angeblich auch Kontakte pflegte, Schutz sucht.
Es wird sogar behauptet, es sei gar kein Land denkbar, welches das System stärker verkörpere als die Schweiz, und es gebe keine grössere Heuchelei, als am Genfersee bei Sonnenuntergang Marx zu zitieren. Schliesslich sei die Schweiz das System schlechthin. Um diesen Widerspruch noch weiter auszuleuchten, zeichnet beispielsweise in El Pais ein Kommentator wieder mal ein Bild unseres Landes,  das mit unserer Eigenwahrnehmung nicht weiter auseinanderklaffen könnte.
Wir seien nichts als ein einzig Volk von fragwürdigen Grössen des Sportes, von Mafiosos, von afrikanischen Diktatoren, von korrupten Bänkern, die hier auf ihre Begnadigung warteten, von Waffenhändlern und Schiebern, von allgemeinen Zuhältern, von Erdölsatrapen, von Kriegsherren jeder Art, von Drogenkartellisten, von falschen Gotteskardinälen und jetzt auch noch von Justizflüchtlingen wie Frau Anna Gabriel!
Und kein Wort von Heidi!
Kein Wort von Schellenursli!
Kein Wort von Vreni Schneider!
Nichts von den verantwortungsbewussten Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen, die verglichen zu den Spaniern und Spanierinnen relativ früh aufstehen, ziemlich fleissig zur Arbeit gehen, sich vielleicht sogar über das Zeitgeschehen informieren und sich zu einem Gespräch über Politik hinreissen lassen, es in der Regel auch ziemlich normal finden, nicht nur ihren Müll selbst zu entsorgen, sondern auch, dass den eher weniger Privilegierten ein halbwegs anständiges Leben zusteht. Nichts davon, dass man im allgemeinen nicht dem Irrtum erliegt, der Weg zum Glück führe über die Lotterie oder über den Erfolg des lokalen Fussballclubs!
Gut, man darf uns sehen wie man will, aber ein bisschen was muss man da ja schon dagegenhalten.

Und was hat Fernand Léger damit zu tun?

Ein Lob der Arbeit kann nie schaden!
Dazu kommt, dass ich dies in dem schönen Eckkaffee auf der Münsterplattform schreibe, wo vor dem Kälteeinbruch die Baumpfleger und Baumpflegerinnen der Stadtgärtnerei in ihren roten Sichtwesten mich an das Bild «Les constructeurs» erinnerten. Wie jedes Jahr stellten sie ihre Warnschilder auf und stiegen mit Scheren und Sägen über lange Leitern in die kahlen Kastanienbäume hinauf, um sich tagelang um deren Beschneidung zu kümmern. Wie die Bauarbeiter auf dem Bild schienen sie dabei ihre Arbeit so ernst zu nehmen und so gerne zu verrichten, dass man am liebsten selbst mitgeholfen hätte.





19.02.2018 | 19:30
Ilja Jefimowitsch Repin: Die Wolgatreidler (Öl auf Leinwand, 131,5 x 281 cm) (photo: )

Auch hier geht es um eine gewisse Initiative. Mir scheint, man redet diesbezüglich sehr viel vom Fernsehen und eher wenig vom Radio.

Darum die Frage: Lesen Sie in der Zeitung immer auch den Wirtschaftsteil? Ich persönlich, das muss ich zugeben, lese diesen eher selten, obwohl ich eigentlich weiss, dass das fahrlässig ist. Wo fängt denn fast alles an, wenn nicht mit dem Stutz?

Höre ich aber das Wirtschaftsmagazin Trend auf SFR 4 News?

Ja, sehr oft, beispielswese beim Kochen! Und immer mit Gewinn! Was ich dort gerade gestern wieder alles erfahren und gelernt habe! Da sind offensichtlich sehr motivierte Leute am Werk, die auch gute Köpfe zu Wort kommen lassen. Soweit ich das beurteilen kann, alles auf hohem Niveau!

Und was hat das mit Ilja Jefimowitsch Repin zu tun?

Soll jemand behaupten, dieses auch in seinen Ausmassen grosse Bild der Wolgaschlepper habe nichts mit Wirtschaft zu tun! Das war für Hunderttausende einmal ein Beruf, sogar noch für den Grossvater von Maxim Gorki. Und dieses Bild zwingt einen, sich zu fragen, wer denn heute in unserer Gesellschaft die Wolgaschlepper seien und wer sich um sie kümmere? Sicher ist, gäbe es sie so noch heute, wären sie vermutlich schwarzer Hautfarbe und würden einen Teil ihres spärlichen Verdienstes nach Nigeria schicken. Und zwar unter Entrichtung sehr hoher Gebühren. Warum dem so ist, und was man dagegen tun könnte, gerade darum kümmerte man sich im Wirtschaftsmagazin Trend. Wenn das nichts ist?