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22.02.2017 | 06:26
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«L’autobiographie d’une courgette» von Gilles Paris soll bereits nach Erscheinen 2002 ein Bestseller geworden sein. 2004 erschien das Buch in deutscher Übersetzung: «Autobiografie einer Pflaume». Das Buch ist, wie ich lese, in kindlich naiver Sprache verfasst, die von den Einen als berührend und überzeugend, von Anderen als konstruiert und unglaubwürdig beschrieben wird.

Hätte ich das Buch damals in die Hände bekommen, hätte mich der Titel vermutlich abgeschreckt. Und wenn ich dann noch erfahren hätte, dass es sich beim Autor um den Pressechef eines grossen Pariser Verlagshauses handelt, hätte ich das Ganze als kalkuliertes Machwerk abgetan: Sozialkitsch in Kindersprache.

Nun aber begegnet mir der Stoff in verblüffend verfremdeter Form im Animationsfilm «Ma vie de Courgette» – «Mein Leben als Zucchini» von Claude Barras. Der Film sei mittels Slow-Motion-Technik Bild für Bild geschaffen worden, lese ich. Die Wirkung, die dabei entsteht, Kinder im Jugendheim mit grauenhaften Biografien als phantastisch verzerrte Playmobilfiguren auftreten zu lassen, ist erschütternd.

Barras scheint Erzählton und Stoff gleichzeitig verlassen und verschärft zu haben. Schon die neue Titelung gibt Hinweise auf die Eingriffe: «Mein Leben als Zucchini» führt auf assoziative Fehlspuren, ist verquer poetisch und schwächt das Selbstdemütigende des ursprünglichen Titels. Wenn die Hauptfigur «Icare» im Jugendheim darauf besteht, als «Courgette» angesprochen zu werden, schwingt darin auch eine Form von Stolz und Trotz mit. Warum die Mutter ihr Kind lebenslang als «Zucchini» bezeichnet hatte, bleibt gewissermassen offen.

Während im Original die Mutter versehentlich vom Kind mit einem Gewehr erschossen wurde, ist es bei Barras die Tür zum Dachstock, die das Kind zuschlägt – was zum Tod der Mutter führt. Und während das Kind bei Gilles Paris einsam mit Äpfeln spielt, spielt es bei Barras mit den leeren Bierdosen der Mutter.

Barras sei es, lese ich, ein Anliegen gewesen, den Stoff auch für Kinder zu öffnen. Durch die künstlichen Figuren sind die im Roman neun- oder zehnjährigen Kinder alterslos geworden, sie schicken sich Zeichnungen statt Briefe und erklären sich gegenseitig die Sexualität. Das ist für Kinder ab Schulalter eben so nachvollziehbar wie für Teenager und Erwachsene.

Dabei wird das Jugendheim gegen unsere Erwartung als freundlicher, heimischer Ort erzählt. Und wenn am Ende zwei der Kinder vom sympathischen Polizisten adoptiert werden, ist die Zwiespältigkeit des Happy Ends offensichtlich: Warum werden die Kinder gerade jetzt getrennt, wo sie eine solche Vertrautheit und Solidarität entwickelt haben?

«Ma vie de Courgette» ist ein ausserordentlicher, bemerkenswerter Film. Wäre ich Lehrperson, ginge ich mit allen meinen Klassen sofort ins Kino.

Der Film «Ma vie de Courgette» läuft aktuell im Kino Movie sowie in den Kitag Cinemas Gotthard und dem Pathé Westside.

15.02.2017 | 11:49

On voit des fêtes et des rituels disparaître tandis que d'autres semblent prospérer sur l'humus de la sécularisation et du marché  généralisé.

Noël part en sucettes sous des décoration de plus en plus sinistres, les lapins de Pâques en chocolat sortent éprouvés des tests menés par les associations de consommateurs, et personne ne m'a plus invité depuis des lustres à manger une tarte aux pruneaux le jour du Jeûne Fédéral (dont tout le monde ou presque ignore le sens et l'origine). Pentecôte, les Rameaux et l'Ascension sont devenus des jours fériés plus propices à la visite des châteaux de la Loire ou à une sortie à vélo dans les Franches-Montagnes qu'à la fréquentation de la paroisse de son quartier (me voici adoptant soudain un ton pastoral, que se passe-t-il?).

La Saint-Valentin en revanche se porte bien. On aime célébrer ici, et de plus en plus dirait-on, l'amour, ou le spectacle de celui-ci, sous toutes ses formes. Chacun semble en effet vouloir tirer parti de cette belle et saine opportunité d' aimer, ou à tout le moins déclarer son amour, encouragé en cela par des medias décidés à se parer de rose pour la journée, et à livrer leurs colonnes aux experts du commerce amoureux. La maîtresse encore allongée à côté de son mari en proie à de pénibles apnées du sommeil envoie une nuée d'émoticônes à son amant, le sachant déjà dans sa voiture. Le mari en costume Hugo Boss qui travaille à Berne revient avec des roses dans sa villa de Romont.

Beate Uhse fait, on parle ici de la caisse des boutiques, sa plus belle journée de l'année. Boulangers, confiseurs et même mon boucher travaillent à donner une forme de coeur à leur marchandise, du carac au hamburger. Cependant que les bus de la ville où je réside alternent sur leurs divers écrans messages d'information pure et slogans du type "vive les amoureux". Voilà la vie transformée: l'amour est partout, le coeur est l'organe principal au service de nos comportements, Eros triomphe.

Derrière la porte, je vois, moi qui suis pessimiste, Thanatos attendre au volant de son camion-balai, décidé à ramasser confettis et condoms avant même le lever du soleil. 

14.02.2017 | 06:30

Wir werben mit einem Nomen

das nur einen Namen hat

und viele gingen verloren.

 

Das Verb hingegen

vervielfältigte sich:

 

Schöpfen schustern

lispeln lavatern.

 

Auf dem Berg standen wir

die Grenze war Luft

war Wort (egal welcher Herkunft)

war Himmel und Aussicht.

 

Der Himmel hob seinen Rock

um uns zu verführen

zu bezirzen und bewirten und

 

ja um die Frage ganz oben zu

beantworten: ein Verb im Infinitiv

 

Zum Tod von Kurt Marti, Februar 2017

07.02.2017 | 06:36
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Globale Bewegungsfreiheit für alle. Das fordert in seinem soeben erschienen Buch der Philosoph Andreas Cassee. Letzte Woche war er bei einem Atelier über freie Migration dabei, das im Rahmen des Reclaim-Democracy-Kongresses in Basel abgehalten wurde. Und das Interesse war gross, der Saal bis auf den letzten Platz besetzt, die Stimmung gut. Die aus christlichen Kreisen lancierte Migrations-Charta, die biblisch-theologisch unterfuttert ist, erhält Sukkurs aus der Philosophie und das erst noch von einem so sympathischen und wunderbar klar argumentierenden Menschen wie Cassee.

Sogar in der grossen Besprechung, die die NZZ dem Buch widmet, bleibt seine Argumentation  unbestritten, wonach es keine moralische Rechtfertigung gebe, Menschen daran zu hindern, sich dort niederzulassen, wo sie wollen. Ja, die NZZ macht aus der globalen Niederlassungsfreiheit sogar ein Postulat des Liberalismus. Warum dann aber Cassees Plädoyer für die globale Bewegungsfreiheit dennoch nur „ein schönes, aber letztlich vergebliches Gedankenspiel“ bleibe, wie die NZZ schreibt, das hat seine Gründe nicht in der Philosophie, sondern in der harten Wirklichkeit des menschlichen Egoismus. Unsere modernen Staaten bieten ihren Bürgern sehr viel: Sicherheit, Infrastruktur, Sozialwerke, und sie privilegieren mit diesen Leistungen ihre Bürgerinnen und Bürger gegenüber Menschen, die das Pech hatten, am falschen Ort auf die Welt zu kommen in einem Staat, der nichts für sie tut, und mit dessen Pass sie nur in Staaten reisen können, die ebenfalls nichts zu bieten haben. Die Bürgerinnen und Bürger der reichen Staaten wollen ihre Privilegien nicht teilen, und nirgends ist eine politische Kraft in Sicht, die sie dazu zwingen könnte, es doch zu tun.

Am Schluss des Ateliers wies Verena Mühlethaler, Pfarrerin an der City Kirche St. Jakob, auf die Sans-Papiers in Zürich hin, die mit neuen behördlichen Verfügungen noch mehr schikaniert werden. Und das ist der Schatten, der über dieses Atelier fiel: realpolitisch eröffnen sich mit dem Plädoyer für offene Grenzen im Moment kaum neue Möglichkeiten, es bleiben Solidaritätsbekundungen im harten Gegenwind der herrschenden politischen Kräfte.

Wie düster es werden kann, wenn man sich auf Realpolitik einlässt, das zeigte dann die Nachmittagsveranstaltung von Reclaim Democracy. Es stand eine Plenarveranstaltung mit Srécko Horvat auf dem Programm. Horvat ist ein brillanter Kopf,  gehört in seinem Heimatland Kroatien zu den führenden linken Intellektuellen und ist gesamteuropäisch sehr gut vernetzt, kennt also die Diskurse und Probleme des Kontinentes und hatte und hat Gelegenheit mit vielen Leuten zu reden und zusammenzuarbeiten. Und so einer kommt dann also zum Schluss, dass in Europa alle Zeichen auf Krieg stünden. Warum die Situation heute so sehr derjenigen Europas vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs gleicht, dafür blieb er zwar die schlagenden Argumente schuldig, und man darf also hoffen, dass sich Horvat in diesem Punkt schlicht in seine Untergangsstimmung verrannt hat. Aber sein Statement bleibt trotzdem symptomatisch für die Gegenwart, in der die Vision einer besseren Welt je länger je mehr zur Flaschenpost wird für eine Zeit in unbestimmter Zukunft, von der uns Rückschläge und Katastrophen trennen, an deren Möglichkeit wir bis vor kurzem nicht geglaubt haben.

 

Buch: Andreas Cassee: Globale Bewegungsfreiheit. Ein philosophisches Plädoyer für offene Grenzen, Suhrkamp 2016

02.02.2017 | 12:13
Ausschnitt aus einem Aquarell auf Japanpapier von Dieter Seibt (photo: )

Da meint man doch tatsächlich, mich darauf aufmerksam machen zu müssen, dass es Menschen gibt, die demnächst an sieben Tagen auf sieben Kontinenten sieben Marathons laufen wollen, worauf ich mir sofort die Frage stelle: Warum eigentlich nicht acht Marathons an acht Tagen auf acht Kontinenten? Oder noch besser: Neun Marathons an neun Tagen auf neun Kontinenten? Und warum eigentlich nicht 20 Marathons an 20 Tagen auf 20 Kontinenten und dazu möglichst noch je drei Doppelmarathons auf dem Mond?

Ähnlich ergeht es mir mit Berichten aus der Welt des Bergsteigens. Das heisst, aus einer Welt, die mich einst tatsächlich zu interessieren und zu faszinieren vermochte. Wenn ich aber mittlerweile höre, wie jemand innert kürzester Zeit sieben Viertausender besteigen will, frage ich mich sofort, warum nur sieben? Wenn es doch ums Zählen geht, dann kann man sich auch 20 oder 50 Viertausender vorstellen. Warum also nur sieben?

Und wenn es aus irgend einem Grund besser ist, in zwei bis drei Stunden die Eigernordwand hinaufzuseckeln, anstatt in einem ganzen Tag oder gar in jenen vier Tagen, welche die Schlafmützen von Erstbesteigern benötigt haben sollen, dann soll mir jemand erklären, warum es nicht noch viel besser wäre, die Eigernordwand in weniger als einer Stunde hinter sich zu bringen? Oder noch besser: So schnell, dass man die Bergsteiger gar nicht mehr sehen kann, damit die Welt nicht mehr zuschauen muss, wie sich die armen Extremisten abrackern, als wären sie Sklaven in einer Tretmühle oder Hamster in einem Hamsterrad und nicht freie, vernunftbegabte Menschen.

Was hat das mit Dieter Seibt zu tun?

Der zwar in Lausanne wohnhafte, der Stadt Bern aber seit Jahren verbundene Maler, Zeichner und Musiker ist ein Statthalter jener Form von Empfindsamkeit, die sich im Leerlauf einer hirnrissigen Eventkultur in der Kunst eine Insel der Menschlichkeit und der Ruhe zu bewahren sucht. Widerständig, aber auch der Schönheit, dem Glück des gelungenen kleinen Moments verpflichtet. Bescheiden, aber gewissenhaft ehrlich auf der Suche nach Auswegen, auch wenn dieser Ausweg nur eine kleine Lichtvision in Form eines kleinen Fensters ist, wie hier in diesem Aquarell auf Japanpapier im stolzen Eigenbesitz.

Wo der Zeitgeist mit dem Vorschlaghammer des so fantasielosen Noch eins drauf und noch eins drauf daherkommt, kann man sich an Dieter Seibts feinen Strichen und seinem Gefühl für die Anmut und für das Gleichgewicht der Farben laben.

25.01.2017 | 06:30
Symbolbild des RaBe-Radioblogs mit Fidel Hässig (photo: )

Noch selten haben sich bei einem Urnengang die beiden Gesichter der SVP so ungeschminkt übereinandergeschoben wie im Vorfeld der Abstimmungen vom 12. Februar.

Einerseits macht die Partei mit Burka-Plakaten Stimmung gegen ein Anliegen, das ihr schnurzpiepegal ist. Anderseits geben sich die «konservativen Revolutionäre», wenn es um Steigerung ihrer eigenen Aktionärsgewinne geht, als angeblich besonnene Systemerhalter.

Bei der erleichterten Einbürgerung von Eingewanderten dritter Generation geht es um Menschen wie beispielsweise mich (in jüngeren Jahren), die als SchweizerInnen hier geboren sind, deren Eltern bereits als SchweizerInnen hier geboren wurden... was mich zufälligerweise zum Nichtbetroffenen macht, ist die Tatsache, dass meine Grossmutter als ausgebürgerte Schweizerin bereits 1953 mit ihren Söhnen erleichtert eingebürgert wurde, während nur der Grossvater staatenlos blieb.

Unter diesen paar tausend Nicht-Papierlischweizern also werden sich ähnlich viele SVP-AnhängerInnen finden wie in der übrigen Stimmbevölkerung. Und eine Annahme des Anliegens führt höchstens dazu, dass die statistische Zahl von NichtschweizerInnen im Land leicht sinkt.

Mit ihrem absurden Abstimmungskampf treibt die SVP ihre Symbolpolitik auf die Spitze, bereitet die nächste Burka-Abstimmung vor, erinnert ein bisschen an ihre nicht umsetzbare Masseneinwanderungsinitiative, empfiehlt sich weiterhin als zuverlässig fremdenfeindliche Kraft und verschleiert mit viel Geld, worum es ihr tatsächlich geht.

«Was tipp topp läuft an der aktuellen Gehässigkeit im Zusammenhang mit der ‚Erleichterten Einbürgerung` – es redet kaum noch jemand von der UStR3...», postete denn auch der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid bei Facebook. Während Magdalena Martullo Blocher in der «Südostschweiz» betont unaufgeregt an die soziale Verantwortung der Bevölkerung appellierte: «Mit der Unternehmenssteuerreform sichern wir unsere Zukunft und attraktive Arbeitsplätze für unsere Jugend. Machen Sie mit!»

Eine Ahnung, wieviel Geld Unternehmen und Aktionäre künftig auf Kosten von Gemeinden und Kantonen nicht versteuern müssten, ergibt ein kleines Rechenbeispiel, dessen Zahlen von Frau Martullo stammen: «Neben den (...) Hochschulen wenden die Unternehmen selber rund 13 Milliarden Franken jährlich für Forschung und Entwicklung auf», schreibt sie. Diese Aufwendungen sollen künftig bis zu 150% steuerlich abgezogen werden können, das wären neu also gegen 20 Milliarden Franken. Bisher wurden – gemäss Martullo Blocher – «rund die Hälfte der privaten Schweizer Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen (rund 6 Milliarden Franken)» steuerlich privilegiert.

Bezogen auf ihren eigenen Betrieb schreibt Martullo Blocher: «Mit der Steuerreform III wird die Ems-Chemie zwar zunächst mehr Steuern, mit der Spezialbesteuerung jedoch etwa gleich viel Steuern bezahlen wie heute. Die Ems-Chemie wird mit der Reform aber mehr am Standort Domat/Ems investieren können.» Wie diese wundersame Geldvermehrung im Detail zustande kommt, verrät uns Martullo Blocher indes nicht.

In der Zwischenzeit haben sich andere bürgerliche Stimmen zu Wort gemeldet, wie die ehemalige Finanzministerin Eveline Widmer Schlumpf oder der frühere Präsident der Konferenz der kantonalen Finanzdirektoren FDP-Mann Christian Wanner. Sie warnen vor Millionenlöchern bei Gemeinden und Kantonen, insbesondere wegen unabsehbarer fiktiver Zinsen am eigenen Vermögen, die künftig in Abzug gebracht werden sollen.

Vielleicht – hoffen wir es – wurde diesmal ein bisschen zu viel unter die Burka gepackt.

17.01.2017 | 11:54
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Je regarde la nouvelle affiche lancée par l’UDC, ou plutôt par « un comité proche » de ce grand parti suisse. Celle qui nous montre une femme supposément diabolique qu’il faut à tout prix tenir éloignée des procédures de naturalisation facilitée. Dans l’espace du visage laissé visible par la burka, je vois toutefois un visage harmonieux, aux traits fins, des yeux en amandes et des sourcils admirablement dessinés ; et je devine sous l’étoffe un nez bien proportionné, et une bouche d’égale beauté. Je me demande dès lors pourquoi cette personne, que je devrais assimiler à une terroriste ou à tout le moins à une islamiste fanatique totalement inadéquate aux mœurs qui dominent dans mon pays, est représentée sous une si désirable apparence; et si le propagandiste qui a mis son agence et sa plume au service de la communication des « proches » de l’UDC s’en est rendu compte. Je me demande alors si cet homme - car je ne peux pas imaginer ces "proches" confier leur propagande à une femme - n’est pas sujet à des fantasmes orientalistes, ou coloniaux. Comme le furent avant lui les légionnaires, les préfets français des wilaya de l’Algérie française ou Michel Sardou chantant « Musulmanes ». Je me demande aussi si cet homme rêve de soulever délicatement cette burka et d’embrasser cette femme sur des lèvres à la saveur de dattes. Je me demande encore si cet homme a des photos de femmes arabes dans le casier qu’il loue à l’année au fitness, et s’il tape « arabian woman» sur son clavier à chaque fois qu’il va sur you porn. Je me demande enfin s’il goûte aux danses du ventre des palaces de Casablanca, ou aime aller aux poules lorsqu’il séjourne à Istanbul avec ses collègues proches de l’UDC. Et voilà que je finis par le trouver presque sympathique. Il a voulu me faire peur avec sa veuve noire. Il m’a plutôt dit à son insu qu’il kiffait les femmes orientales. Qu’elles le fascinaient peut-être. Et m’a convaincu que l'UDC pourrait être un tigre de papier - si on se payait sa tête un peu plus souvent.

11.01.2017 | 06:29

Gerade habe ich Urs Mannharts Roman Bergsteiger im Flachland zu Ende gelesen, die letzten 70 Seiten an einem Stück, atemlos, wie es heisst. Was macht das Buch so grossartig und aussergewöhnlich?

Nun, es lässt mich als Bewohner der Komfortzone Welten erleben, mit denen ich nichts zu tun habe, ja von deren Existenz ich nicht einmal weiss. Damit tut das Buch das gleiche wie sein Held Thomas Steinhövel, der zwar in Langenthal wohnt, der durchschnittlichsten und langweiligsten Schweizer Stadt, der aber auch Journalist ist und herumreist, um aus seinen Eindrücken und Erlebnissen Reportagen zu machen. Aber der Roman ist keine Reportagensammlung, auch wenn man auf seinen über 600 Seiten weit herumkommt, von Rumänien bis zu den Erdbeerfeldern in Südspanien, von Finnland bis Rom, von Moskau bis Langenthal und von Den Haag nach Serbien und in den Kosovo.

Schon eher könnte man sagen, der Roman sei eine Sammlung von Geschichten, die dadurch verbunden sind, dass sie alle ins Leben von Thomas Steinhövel und seiner Schwester Marlene hinein spielen. Die beiden sind zwar Schweizer, allerdings, wenn nicht unzeitgemässe, so doch wenig repräsentative Schweizer. Sie ziehen sich nicht zurück in ihre Wohlstands- und Sicherheitsblase und haben Angst vor allem, was sich ausserhalb dieser Blase abspielt und sie bedroht. Nein, sie halten sich durchlässig für das, was da draussen passiert, durchlässig für das Schicksal von Menschen, deren Leben von Krieg, Armut oder schlicht von fehlenden Papieren verwüstet wird. Er tut das als Reporter, sie als Juristin, zuerst bei Amnesty International in Bern, dann am internationalen Gerichtshof in Den Haag. Für beide ist der Beruf auch Berufung. Sie sind betroffen vom Leiden der anderen, und sie engagieren sich im Versuch, auf dieses Leiden aufmerksam zu machen oder es zu lindern.

Ich weiss nicht, wie sehr Wörter wie „betroffen sein“ oder „sich engagieren“ heute noch antiquiert wirken, wie sehr man noch verpflichtet ist, Entwarnung zu geben mit der Versicherung, das Buch sei aber nicht moralisch oder moralinsauer – die fröhlichen Jahre des Anythings goes sinken immer weiter in die Vergangenheit zurück, Moral ist wieder Thema und ganz bestimmt ist es das Gewicht der Wirklichkeit.

Trotzdem: Bergsteiger im Flachland ist kein moralisches Buch. Es ist immer wieder auch witzig, und es ist auch Liebes- und Abenteuerroman. Aber es ist ein Buch über die Wirklichkeit und über das wirkliche Leben. Und das ist das beste am Buch. Wie es der Autor schafft, der politischen und sozialen Wirklichkeit Europas mit seinen Geschichten Leben einzuhauchen.

In keiner Szene fehlt das Detail, das einem das Gefühl gibt, wirklich dabei zu sein, und jede der Figuren, denen man im Roman begegnet, ist wie aus dem Leben gegriffen, und das heisst, ein ganz normaler Mensch und in seinem Handeln verständlich ohne ein Gran Exotismus. Auch dann, wenn es sich bei diesem Menschen um einen Berufskiller handelt. Aber gerade das ist das Anliegen des Buches, und das macht es so packend und anrührend, dass es ganz normale Menschen zeigt, die nichts anderes wollen, als ein normales Leben führen. Und dies nicht können, weil Krieg herrscht, weil sie arm sind, weil ihr Pass sie nicht schützt.

22.12.2016 | 06:30
Heinz Egger, Müdigkeit, Gouache auf Karton,  11 x 15 cm (photo: )

Es ist ein grauer Morgen vor Weihnachten. Der Nebel hat sich eben erst gelichtet. Ich stehe an der Brüstung der Münsterplattform, atme tief, spüre die kalte Luft und schaue hinunter auf die Aare. Verhalten und mager kommt sie daher, ihr Rauschen ist verstummt, die Schleusen sind geschlossen. Die Kiesbänke zeigen ihre im Fluss des Jahres gewonnenen Konturen. Fischreiher ist keiner zu sehen, aber kurz zuvor hatte ich eine Krähe aufgescheucht, die mich ziemlich respektlos in hochmütigem Flug umkreiste und dazu, wie es sich für eine Krähe gehört, dreimal krähte.

Gegenüber in der Englischen Anlage kläfft jetzt ein Hund und vom Münster her rückt eine kleine Gruppe von Asiaten an. Sie fuchteln mit ihren Selfie-Sticks ein bisschen herum und verschwinden ebenso schnell wie sie gekommen sind. Im Sandkasten liegen ein paar bunte Spielzeuge, ein Obdachloser, der seine Sachen auf einer Bank geparkt hat, geht auf und ab, um sich warm zu halten. Auf dem Weg zum Café an der Ecke höre ich einen Wortwechsel auf Französisch zwischen einem Mann und einer Frau, die sich streiten, sich dann umarmen und lachen.

Ich trinke einen Kaffee, esse dazu ein Gipfeli, die Zeitungen an der Wand stören mich nicht. Der Kellner bedankt sich höflich, als ich zahle und gehe. Auf dem Vorplatz der Plattform kommt U. aus seinem Hauseingang. Er setzt sich einen Helm auf den Kopf und steckt einen Schlüssel in das Schloss seines dort stehenden Velos. Ich wünsche einen schönen Tag. «Merci, glychfaus», sagt er. «Dir o no ä schöne Tag!» Und im Weitergehen nehme ich mir vor, mich genau daran festzuhalten.

Mehr Welt brauche ich im Augenblick gerade wirklich nicht.

  

Und was hat Heinz Egger damit zu tun?

 

Durch die Umschlagbilder und Zeichnungen für die Bücher von Klaus Merz ist der Burgdorfer Heinz Egger vielen vertraut. Dieses Burgdorfer Urgestein ist ein hochsensibler Zeitgenosse, der immer wieder verblüfft durch die Leichtigkeit, mit der er der Brüchigkeit unserer Zeit Form zu geben versteht. In dem kleinen Bild «Müdigkeit» sehe ich meine eigene Überforderung in diesen wieder mal besonders finstern Zeiten und sehe darin auch die Notwendigkeit, den eignen Kern zu schützen, sich selbst möglichst rein- und rauszuhalten. Eine andere Möglichkeit scheint es auch kurz vor Weihnachten leider nicht zu geben. Trotzdem: Kopf hoch, frohes Fest und alles Gute für das neue Jahr!

14.12.2016 | 06:30

Fakte sy Fakte. U Fake isch Fake. U Fake sy keni Fakte. U Fakte sy ke Fake. U gfakti Fakte sy Fake. U Fake blybt Fake. O we d Fakte-Faker dr Fake zu Fakten erkläre. U d Fakte zum Fake.

We d Fakte-Faker erkläre, Fakte syge scho geng numen e Fake gsi. U ds Fake vo Fakte deck dr Fake vo Fakte numen uuf. Es gäb keni Fakte, nume Fake. U gfakti Fakte syge nid weniger faktisch aus Fakte, wo sech für Fakte hauti.

We sech dr Fake vrbreit wi Fakte, schaff’r Fakte. U de müessi d Fakte gäge d Fakten aaträte. Die Zyte syge vrby, wo me gmeint heig, es gäb Fakten u Fake. Hüt git’s Fakten u Fakte. U de chönn me luege, wär sech meh vrbreit. D Fakten oder Fakte. Öb me meh de Fakte gloub, wo sech für Fakte haute. Oder de Fakte, wo d Fakte für Fake hauti.

Fuck Fake-Fakte. Fakte sy Fakte. U Fake isch Fake. U blybt Fake. U Fakte blybe Fakte.

 

(Die Aufführung IN FORMATION hat am 17. Dezember in der Schiffbau Box in Zürich Premiere)