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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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13.10.2017 | 14:04
 (photo: )

D Martina u dr Ruedi hei nid viu Fründe. Werum o? Si hei sich. U si sy sich säuber gnue. Beidi schaffe viu. Ching hei si nid. Het sech so ergä. Hätt sech o angers chönnen ergä. – Si heig sech drmit abgfunge, seit d Martina. – U o dr Ruedi seit, ihm fääu eigentlech nüt. Ab und zue dänk’r scho, chly e grössere Fründeskreis wär no schön. Aber was söu’s?

Si heig prueflech viu mit Lüt z tüe, seit d Martina. U mit viune vo dene wett si itz privat nid o no müesse z tüe ha. – U dr Ruedi seit, i däm Nöibougebiet, wo si wohni, läbi d Lüt ender so wi si: zrüggzoge. En Usnahm syge vilech Ismailjs. Mit ihm, em Ismailj, tüeg’r gärn ab und zue es Wort wächsle. Wen ihm dä vrzeu, win’r itz grad syg zrüggcho usem Gosovo, nach sächs Wuche, grossi Familie, zwo Hochzyte vo zwene Neffe, hunderti vo Gescht.

Das müessi ruuschendi Fescht sy, wo die fyri i däm Gosovo, seit dr Ruedi. U de dänk’r aube, dass’r das eigentlech o no mau wett erläbe. Sone Hochzyt i däm Gosovo. – Aber me chönn sech ja nid säuber zure Hochzyt i Gosovo ylade, seit ihm de d Martina. – U är seit ihren aber: Wart itz mau. I kenne dr Ismailj.

Wüu es syg scho so: Nächschts Jahr fyri är u d Martina ihri Siubrigi. U da heig’r sech scho überleit, win’r das söu aagah. Im Vrglych zu däm, wo dr Ismailj aube vrzeu, syg syni Hochzyt mit dr Martina doch en ender troschtlosi Aaglägeheit gsi. U vilech, heig’r tänkt, chönnt me das mit ere Siubrigen im Gosovo korrigiere.

Drum heig’r dr Ismailj druf aagschproche, seit dr Ruedi, wi itz das wär. We men aus öper, wo nid usem Gosovo chömm, sone Hochzyt oder besser Siubrigi Hochzyt im Gosovo würd dürefüere. Dr Ismailj syg Füür u Flamme gsi. – Är ungerschtütz ne, är übernäm das, organisier ihm di Hochzyt. U de heig’r ihm grad vrzeut vo zwene Cousins, wo dr eint drvo würd ds Catering übernäh u dr anger ds Hotel zur Vrfüegig schteue, für d Gescht us dr Schwyz. – Auso mit Gescht us dr Schwyz rächni är eigentlech nid. Aber är hoff natürlech uf Gescht usem Gosovo. – Kes Problem, heig ihm dr Ismailj gseit, är organisier ihm o d Gescht. U de heig’r dr Ismaij gfragt, öb’r ihm vilech chönnt en Offerte mache. U dä heig gseit, ja klar.

Das syg es Fescht gsi, seit dr Ruedi. So öpis heig är i sym Läbe no nie erläbt. Hunderti vo Lüt. U kultivierti Lüt. Nid eifach es Besüfnis wi bi üs. U guets Ässe. – U d Martina seit: Das heig sech über Tage härezoge, di Hochzyt. Auso Siubrigi Hochzyt. So heig si dr Ruedi no gar nie erläbt wi i däm Gosovo. Da syg ufblüejt.

U dr Ruedi seit: En Offerte vom Ismailj heig’r zwar nie übercho. Am Schluss aber, wo aui Rächnige syge zaut gsi, heig är müesse säge. Sones ruuschends Fescht im Gosovo, mit Catering u Hotel u hunderte vo Gescht. Das choscht itz o nid meh aus we me bi üs vilech z zähte höch mitenang ir Peiz göng ga Znacht ässe. U z zähte höch mitenang Znacht ässen ir Peiz, syg ja no lang kes ruuschends Fescht. Das meini nume Schwyzer, wo no nie im Gosovo gfyret heige.

12.10.2017 | 10:15
Josep Bestit i Carcasona, Castellers (Burgenbauer) (photo: )

Jetzt ist es also passiert. Die katalanische Republik ist ausgerufen, der Präsident hat die Unabhängigkeit erklärt, und schon sehr nahe am Abgrund, hat er sie auch gleich aufgeschoben. Hier wollte man es wohl allen Recht machen, und wie so oft wird niemand damit glücklich sein. Die Unsicherheit ist gross, das Misstrauen wächst, es regiert das Chaos.

Ziemlich unerklärlich ist für einen Aussenstehenden, wie die katalanische Regierung dazu kommen kann, auf Grund einer illegalen und in jeder Beziehung fragwürdigen Abstimmung mit dem fast DDR-würdigen Resultat von 90% Ja-Stimmen solche drastischen Schritte einzuleiten.

Es ist kaum verfehlt zu behaupten, dass in Katalonien alles schief lief und weiter schief läuft, ausser dass man es für ein paar Tage auf die Weltbühne geschafft hat, wenn paradoxerweise auch nur dank dem Fehlverhalten der überreagierenden spanischen Polizisten.

Wegen der nicht bedingungslos ausgerufenen Republik wird sich diese Regierung auch kaum mehr lange halten können, neben der mangelnden Mehrheit im Volk wird auch die Mehrheit im Parlament zerbröckeln. Da wollte der radikale Teil ganz entschieden mehr als eine vorläufig aufgeschobene Unabhängigkeit! Nun ist alles offen, noch kann Schlimmes passieren, sicher ist jedoch, der Grat ist überschritten, die Luftschlösser stürzen ein, und es kann nur noch abwärts gehen, der unilaterale, illegale Weg entpuppt sich einmal mehr als eine Sackgasse!

Fragt man sich, wie es so weit kommen konnte, würde ich in abgekürzter Form anführen, dass die kulturelle und ökonomische Vorherrschaft innerhalb Spaniens von der Politik falsch bewirtschaftet wurde. Man hat mit diesem «Bessersein» erst ein Gefühl der Überheblichkeit geschürt und dann eine Aversion gegen das «imperiale» Spanien gezüchtet, die man schliesslich während den paar letzten Jahren mit Pauken und Trompeten, mit Flaggen und Fahnen, aber auch in den subventionierten Medien und vor allem in den Schulen in einen anachronistischen, oft an Hass grenzenden Nationalismus verwandelte. Alles Gute kommt von oben und alles Schlechte selbstverständlich aus dem Kabinett des Teufels in Madrid.

Anstatt auch die rationale Seite zu entwickeln, anstatt die absolut berechtigten Argumente gegen den Nationalstaat Spanien zu diskutieren und zu postulieren, schürte man in der eben doch noch sehr jungen, unerfahrenen Demokratie die Emotionen, schreckte dabei weder vor Lügen noch unhaltbaren Versprechen zurück. Das nennt man, glaube ich, Populismus.

Dass mit sehr fragwürdigen Interpretationen des Rechtes auf Selbstbestimmung der Völker, mit einer sehr fragwürdigen Interpretation des armen Wortes, des missbrauchten Wortes «Demokratie» eine Stimmung des Aufruhrs erzeugt wurde, scheint unbestritten.

Vor dem Tag des Referendums folgte dann noch der Aufruf zum Ungehorsam, was, wie man weiss, wenn er von Seiten einer politischen Instanz kommt, sehr gefährlich werden kann.

Ob mit dem Referendum gegen die Verfassung verstossen wird, ist demjenigen, der, wie es hier offenbar wird, eine neue, parallele oder alternative Legalität schaffen will, natürlich egal. Ebenso wenig stösst er sich daran, dass die Gesetze zum Vollzug der Unabhängigkeit nach dem Referendum unter geradezu grotesker Missachtung des juristischen Rahmens durchgeboxt wurden. Die Kräfte, die sich in eine neue, in ihre eigene Legalität begeben wollen, hindert das keinesfalls daran, dieses Vorgehen, dieses Mittel zum Zweck, als legitim zu betrachten. Für den Zuschauer ein kaum noch nachvollziehbares Vorgehen, aber wie ich bei einem Kommentator gelesen habe: So funktioniert ein postmoderner Staatsstreich. Dass er nicht gelingen kann, wird jetzt offensichtlich.

Natürlich beinhaltet dieses Vorgehen auch die Beschuldigung der Manipulation der Justiz von Seiten der Regierung in Madrid. Dabei wird vergessen, dass gerade diese, in den Augen der Katalanen «manipulierten» Richter und Richterinnen und diese «franquistische, faschistische» Guardia Civil in den letzten Jahren massiv gegen die Partei und die Mitglieder der amtierenden Regierung vorgegangen sind. Zu behaupten, es seien ihre Handlanger, geht irgendwie nicht auf, denn die Gewaltentrennung ist gewährleistet und Spanien ist nicht Venezuela, übrigens eines der wenigen Länder mit offenen Sympathien für das Vorgehen der katalanischen Regierung.

Und was hat Josep Bestit i Carcasona damit zu tun?

Dieser 1939 in Barcelona geborene Maler hat eine ganz besondere und aussergewöhnliche katalanische Tradition zu einem seiner Themen gemacht.

Das Bild Castellers stellt fünf Männer dar, die sich auf dem Rücken anderer Männer und Frauen zusammen bereit machen, dass auf ihrem Rücken das nächste Stockwerk einer Burg aus Menschen, einem sogenannten «Castel» gebaut werden kann, auf welches wiederum, jetzt schon leichtere «castellers» steigen werden und dies bis in schwindelerregende Höhen, um es mit einer bekannten Formulierung zu sagen, von sieben, acht und sogar neuen Stockwerken!

Ich habe dazu ein Bild im Netz gesucht, weil ich diese Tradition bewundere.

Wenn ich sehe, wie kleine Buben und Mädchen an den Hosenbeinen ihrer Väter hochkraxeln wie an einem Kletterbaum und sich mutig und in völliger Sicherheit, dass ihnen nichts passieren kann, dort oben auf die Spitze des Turmes stellen, als wären sie Wetterhähne, kriege ich regelmässig Gänsehaut. Ich kann nicht aufhören, die Fähigkeiten und den Gemeinsinn, der dies ermöglicht, zu bewundern. Ich glaube, man kann darin auch sehr positive, prägende Kräfte der katalanischen Kultur erkennen. Menschenschlösser sind keine Luftschlösser, trotzdem ist es vielleicht gar nicht so vermessen, in der Tatsache, dass diese Burgen zwar nicht auf Sand gebaut werden, trotzdem aber in sich selbst zusammenfallen und einstürzen müssen, sobald sie aufgerichtet sind, ein Sinnbild der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung zu erkennen.

29.09.2017 | 06:30
 (photo: )

Lüt, wo sy wägg gsi, chöme zrügg u vrzeue, wi nätt Lüt amnen angeren Ort syge, wi gaschtfründlech. U wi woou me sech dert füeu, wo d Lüt so gaschtfründlech syge. Wi deheime.

Aber dert, wo d Lüt deheime sy, hei d Lüt nid ds Gfüeu, müesse gaschtfründlech z sy, für sech wi deheim chönne z füele. Deheim bruucht’s ke Gaschtfründschaft. Di bruucht’s nume dert, wo me nid deheimen isch. Deheimen isch me dert, wo’s ke Gaschtfründschaft bruucht, für sech chönne z füele wi deheime.

Für angeri isch deheime dert, wo si chöi rede wi si wei. Auso wi si glehrt hei z rede. Wo si Wörter chöi bruuche, wo si glehrt hei aus Ching. O we’s Wörter sy, wo angeri vilech vrletzen oder usschliessen oder diskriminiere. Wi ds Wort «Mohrechopf». Es git ke Grund, werum e runde Schoggiüberzug übermne wysse Schuum söu «Mohrechopf» heisse. «Schoggigupf» wär e rächte guete Begriff u ender fasch no chly schwyzerischer. Aber nei, es mues umbedingt «Mohrechopf» sy, we me sech deheim no wott chönne füele wi deheime.

Ender hör’r uuf Mohrechöpf z produziere, het dä Produzänt us Waltenswil ir Solothurner Zytig gseit, aus dass’r dä Name würd ändere. Wi we ds Ändere vo Produktnäme ir Wirtschaft nid gang und gäb wär. Was ig aus scho a Firmenäme ha müesse vrgässe, dr «Bankverein» und d «Swissair» sy nume d Schpitze vom Ysbärg. U was i umgekehrt a Produktnäme ha müesse lehre, wo’s mr würklech d Zungen umchehrt, wen i sones Marketingunwort am Kiosk mues säge: Wi «Kit Kat» oder «Twix» oder «Balisto».

Aber für üse Winkuried z Waltenswil lohnt sech dr Kampf für ds Wort «Mohrechopf». Gemäss em Blick vrdien’r uf ei Schlag zwänzgtuusig Franke meh im Monet. Söu no einisch öper säge, dass sech Ziviucourage ir Schwyz nid tüeg uszale.

Di angeri Produzäntin, wo sech weigeret ihrem Schoggigupf en angere Name z gä, schtammt us Loufe. U ir Basuländische Zytig het si behouptet, ds Wort «Mohrechopf» chömm gar nid vo «Mohre», auso Farbige, sondern vo «Moore», auso Wiudsöi. U bezeichni d Lüt im Loufetou, im Schwarzbuebeland. Wüu’s dert so viu Wiudsöi gäb. U dene Schwarzbuebe syg’s nämlech glych, we men ihri Chöpf symbolisch am Kiosk vrchouf. Di beschwäri sech nid.

Auso dass e Soumoore e Sousou isch, weiss i, u o dass e Moorerei nüt Rassistischs isch, sondern e Souerei oder Schweinerei. Aber we di Frou im Schwarzbuebeland rächt hätt, müesst dr Mohrechopf im Schwarzbuebeland erfunde worde sy. U öb’r das tatsächlech isch, so wi d Meringue z Meiringe auso z Ängubärg – das nachezwyse, dörft nid so eifach sy. U vrmuetlech isch’s eifach chrützfaudsch, was di Frou behouptet. Aber bringe mr das Wort haut mau i d Schnabuweid vo SRF 1, de wüsse mr’s.

Wi gseit, i chönnt guet mit eme «Schoggigupf» läbe. U i vrschta ehrlech gseit nid, werum sech di Produzäntinnen u Produzänte so aaschteuen u meine, si vrlüüri ihres Deheime, we si das unnötige Wort würde häregä, wo gar nüt vo däm bezeichnet, wo’s drfür scheit.

Aber die, wo hie deheime sy, wei säge, wi me hie zu wasem z säge het. U si wärde bissig, we nen angeri, wo o hie deheime sy, säge, si chönnte chly fründlecher sy oder eifach nid rassistisch. Wüu deheimen isch me dert, wo me cha sy, wi me wott. Win e Moore.

(Audio-Blog für RaBe-Info)

19.09.2017 | 20:48
 (photo: zvg)

Es klingt wie ein Grimmsches Märchen: Ein armer Bauernbub wird von seiner Mutter in die grosse weite Welt geschickt, um sein Glück zu machen, und am Schluss wird er König im eigenen Land. NZZ, 20.2.2011

Wie kleine Buben saßen diese Woche die ehemaligen Befehlshaber der kosovarischen Rebellenarmee UÇK im Salon einer Privatvilla in der Hauptstadt Pristina. Der Hausherr Behgjet Pacolli hatte sich endlich bereit erklärt, mit seiner Minipartei das Bündnis der Politiker mit Kriegsvergangenheit im Parlament zu unterstützen. Damit könnte Kosovo drei Monate nach den Wahlen eine Regierung mit dem UÇK-Haudegen Ramush Haradinaj an der Spitze bekommen. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

Der künftige Aussenminister verstehe die Politik als «die Kunst des Betrugs und der Manipulation», schreibt «Koha Ditore», die einzige unabhängige Zeitung des Landes. Tagesanzeiger, 11.9.2017

Pacolli ist stolz über die erweiterte «Swiss Connection»: «Die Schweiz ist das Synonym für Demokratie und Toleranz. Dies müssen wir kopieren. Ich bin glücklich, dass wir das, was wir in der Schweiz gelernt haben, hier umsetzen können.» SRF News, 17.9.2017

Pacolli ist mit einer Russin verheiratet. Die drei gemeinsamen Kinder besuchen Schulen im Tessin. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

2011 ließ Pacolli inmitten der Hauptstadt Pristina, am Mutter-Teresa-Boulevard unweit des zentralen Skanderbeg-Platzes, das luxuriöse Swiss Diamond Hotel errichten. Wikipedia

Auch im Tessin, wo er sich in den achtziger Jahren niederliess, sorgt er immer für das Gute: Über eine wohltätige Stiftung lässt er Ferienlager und Hilfsprogramme für Kinder aus Oststaaten organisieren. NZZ, 20.2.2011

Er gründet im Jahr 2006 eine eigene Partei, lässt sich als reichster Albaner des Planeten feiern, prunkt mit seinen Bauprojekten in Russland und Kasachstan oder seinen guten Verbindungen zu Libyens Staatschef Muammar al Gaddafi. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2016

Daneben entwickelt der Mann mit Privatjet auch Tourismusprojekte in Zentralamerika und Florida und daneben eine nach seinem Lieblingskomponisten Vivaldi benannte Kosmetiklinie. NZZ, 20.2.2011

Pacolli und Thaci haben eine gemeinsame Lieblingsfeindin: Carla Del Ponte. Sie verdächtigt Thaci seit Jahren, in den Organhandel im Rahmen der organisierten Kriminalität verwickelt zu sein – ein Vorwurf, der kürzlich von Dick Marty wieder aufgenommen wurde. Als einstige Chef-Anklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs verfolgte Del Ponte Pacolli wegen Verdachts auf Korruption und Geldwäscherei. NZZ, 20.2.2011

Er sei schon immer den Mächtigen nahegestanden, behauptet der Oligarch. So habe er dem jugoslawischen Führer Tito als Adjutant gedient - und ihn "sogar nackt" gesehen. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

Von 1999 bis 2002 war er mit Anna Oxa, der berühmten italienischen Popikone mit albanischen Wurzeln verheiratet und geriet so ins Visier der italienischen Klatschpresse. Aargauer Zeitung, 22.11.2011

Er liebt die Camouflage ebenso wie den exaltierten Auftritt, er mag das Bild der offenbarten Bescheidenheit genauso wie den testosterongeschwängerten Jubel. Die Zeit, 23.12.2010

Holt er die Schweizer Geiseln aus Libyen zurück? Behgjet Pacolli trifft in Kürze den libyschen Machthaber Muammar Gaddafi und will bei ihm ein gutes Wort für die beiden in Tripolis festgehaltenen Schweizer Geiseln einlegen. 20minuten, 22.1.2010

Neben Albanisch kann er auch die deutsche, englische, französische, italienische, serbokroatische, russische und spanische Sprache. Wikipedia

Im Januar 1999 liess Del Ponte bei einer Hausdurchsuchung jede Schublade seiner Luganeser Firma Mabetex leeren. Das war der Anfang der Mabetex-Affäre, die nicht nur in der Schweiz juristische, sondern auch in Moskau politische Wellen schlug. NZZ, 20.2.2011

Pacolli: «Manchmal, wenn ich sehe, was in Kosovo alles gebaut und entwickelt worden ist, vergesse ich, dass ich in Kosovo bin – und fühle mich wie in der Schweiz.» SRF News, 17.9.2017

Drei Jahre später musste auch die Genfer Staatsanwaltschaft, die Pacolli wegen Geldwäscherei im Visier hatte, die Untersuchung einstellen. NZZ, 20.2.2011

Seine Claqueure verherrlichten ihn damals als reichen Onkel aus Lugano, der den armen Landsleuten helfe. Heute wird er nur noch mit umstrittenen Privatisierungen und Korruption in Verbindung gebracht. Die Öffentlichkeit nimmt ihn oft als gefährliche Witzfigur wahr. Süddeutsche Zeitung, 7.9.2017

Wer das Vergnügen hatte, einmal mit ihm zu reisen, wie der Schreibende, lernt einen schillernden Menschen kennen. Die Zeit, 23.12.2010









 























14.09.2017 | 09:05
Santiago Rusiñol: Garten in Mallorca (photo: )

Königstage kommen unangemeldet. Plötzlich sind sie da. Man unterbricht das Hacken im Gemüsegarten, schaut mit grossen Augen um sich, schaut in den blauen Himmel, spürt in der Frische des Morgens die Wärme der aufgehenden Sonne, hört die Vögel, das Summen einer Biene und fragt sich: Ist das möglich? Kann die Welt bei allem, was man liest und hört und am Fernsehen sieht, so schön sein?

Mal abgesehen vom mittlern Osten, von Florida, Mexiko und Korea, möchte ich ja nicht behaupten, ich würde wirklich verstehen, was hier in Spanien gerade abgeht, aber ich bin immerhin ziemlich nahe dran. Und wenn ich ein paar Schritte aus dem Dorf rausgehe und hochsteige, müsste ich eigentlich nach Katalonien hinüber sehen können. Auch gehören grösseren Teile dieser in Aufruhr geratenen Region definitiv zu meinem Leben hier. Allein, wenn ich an all den katalanischen Wein denke, den ich in diesem Sommer getrunken habe! Schon deshalb müsste mir eigentlich alles klar sein.

Stattdessen kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Es gehe steil bergab, und zwar ohne Bremsen, sagt ein landesweit bekannter Kommentator. Man verfolgt mit Hochspannung, wie sich eine Regierung auf Biegen und Brechen immer näher an einen Abgrund manövriert, den sie Unabhängigkeit nennt, und wie eine andere Regierung verzweifelt versucht, die Verfassung hochzuhalten, ohne die ganz dicken Knüppel aus dem Sack zu holen. Man hört auch, zwei Züge würden aufeinander zurasen, wobei der katalanische Präsident behauptet, das mache nichts, denn die beiden Züge würden sich auf zwei unterschiedlichen Geleisen befinden.

Das wird sich am mittlerweile schon ominösen 1. Oktober zeigen, an welchem die Abstimmung stattfinden soll, obschon wohl niemand ganz sicher weiss, ob dem wirklich so sein wird. Ein Sprung ins Nichts ist es in jedem Fall und die Tatsache, dass man das Datum des programmierten frontalen Zusammenpralls in Spanien wie ein Fussballresultat schreibt, könnte irreführend sein. Bei diesem 1:O wird es nur Verlierer geben.

Der Oktober ist natürlich gemacht für Revolutionen, aber der voraussehbare Schaden wird gigantisch sein. Als Schweizer kann man sich bei aller Sympathie für das Anliegen, das gewählte, illegale Vorgehen sowieso nicht erklären und gibt denen recht, die darauf verweisen, dass unilaterale Abspaltungen im heutigen Europa einfach nicht mehr gehen. Auch fragte man sich, wer soll das alles wieder aufräumen? Wie soll verhandelt werden, wenn sämtliches Geschirr zerschlagen ist? Und verhandeln wird man müssen!

Und was hat Santiago Ruiseñol damit zu tun?

Erstens ist er Katalane und zwar einer derjenigen, die den Spanischen Modernismus weltberühmt machten, und zweitens malte er wunderbare Gärten.

Der anfangs des letzten Jahrhunderts zweifellos auch an einem Königstag gemalte Garten in Mallorca ist farblich nicht nur ein modernistisches, sondern anders als die meisten seiner andern Werke, ein sehr modernes Bild. Auch gibt es darin diesen befreienden Blick auf das blaue Meer, und blau ist die Hoffnung.

01.09.2017 | 20:05
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Tu n’aimes pas voir tes enfants rentrer déçus de l’école parce que le prof n’avait rien à leur dire sur ce qui leur fait peur, comme les attentats, les menaces de guerre ou le réchauffement climatique.

Tu n’aimes pas voir tes enfants avoir mal au ventre parce que leur prof a annoncé qu’il ne tolérerait pas les ratures dans les cahiers.

Tu n’aimes pas apprendre qu’un prof leur a expliqué que les G (ceux qui ne sont pas en filière maturité) n’avaient pas droit aux correspondants allemands  parce que les appartements de leurs parents étaient trop petits.

Tu n’aimes pas entendre ces profs raconter, à la deuxième bière, l’hémorragie de burn out chez leurs collègues.

Tu n’aimes pas entendre ces mêmes profs confier, à la  troisième bière, qu’une période de travail se compose pour eux de 20 minutes de « police » et 20 minutes d’enseignement.

Tu n’aimes pas penser que les flics ont des espaces pour parler de leurs problèmes mais pas les profs.

Tu n’aimes pas constater que les profs semblent totalement vulnérables et démunis face aux parents dès lors que ceux-ci leur posent des questions, ou les embêtent (ce qui arrive de plus en plus souvent).

Tu n’aimes pas que ces mêmes profs semblent ignorer qu’ils passent une bonne partie de leur temps à naturaliser les inégalités sociales, c’est à dire, aussi, les inégalités devant les maths, ou le français, ou la vie en général.

Tu n’aimes pas te dire que l’appellation « Grande Muette » semble aujourd’hui mieux convenir à l’école qu’à l’armée.

Tu n’aimes pas que les destinations des voyages de classe ressemblent à s’y méprendre à l’offre d’easy jet.

Tu n’aimes pas, et ça, ça te rend vraiment vénère, que les banques et les importateurs d’automobiles deviennent aujourd’hui des partenaires pour la conception et le financement des manuels scolaires – d’ailleurs, tu trouves qu’on n’aurait pu t’en informer.

Et puis tu n’aimes pas vraiment dire du mal de l’école publique mais parfois c’est difficile.

24.08.2017 | 11:36

Zum Glück ist Kurt W. Zimmermann, «Weltwoche»-Kolumnist und Chefredaktor des österreichischen «Schweizer Journalist», masslos eitel.

Er hat zwar ein seltsames Journalismus-Verständnis. So schrieb er neulich in einem Werbenewsletter: «Nach langen Jahren der Unverbindlichkeit haben wir Journalisten wieder zu unserer Kernkompetenz zurückgefunden: Man mag uns nicht. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg!»

Als ob Zeitungen gekauft würden, weil «man» die Journis nicht mag. Aus Sicht von Blochers geschützten Werkstätten sieht die Welt allerdings anders aus.

Auch analytisch ist Zimmermann kein Hirsch.

So schreibt er in seiner heutigen «Weltwoche»-Kolumne: «Blochers neue Titel werden logischerweise einen eher konservativ-bürgerlichen Kurs steuern. Aber eine publizistische SVP-Kampfbrigade werden sie nicht. Unternehmer Blocher ist nicht so blöd, seine Kunden zu vertreiben. Man muss die Geschichte psychologisch sehen. Christoph Blocher, inzwischen 77-jährig, ist komplett zeitungsverrückt.»

Ein Blick nach Rapperswil zeigt, wozu lokale Gratiszeitungen politisch in der Lage sind: Dort stellen die «Obersee-Nachrichten» von Bruno Hug nach einer mehrjährigen Hetzkampagne gegen die lokale Kinder- und Jugendschutzbehörde (Kesb) mittlerweile den Stadtpräsidenten.

Aber Zimmermanns Eitelkeit ist unschätzbar.

So hat er einst bestätigt (wir hatten mitgerechnet), dass Markus Somm für seinen Anteil an der «Basler Zeitung» eine halbe Million Franken bezahlt hat.

In einer Beilage der «Basler Zeitung» Anfang Jahr gab Zimmermann bekannt, die Auflage der BaZ betrage noch 45'000. Womit er offiziell bestätigte, dass es Somm geschafft hat, seine LeserInnenzahl zu halbieren.

Und nun schreibt Zimmermann in seiner heutigen «Weltwoche»-Kolumne, Blocher habe für die 25 Gratiszeitungen des Wiler Zehnder-Verlags 35 Millionen Franken bezahlt.

Blocher wird später dementieren. Aber wir haben uns die Zahl gemerkt.

23.08.2017 | 17:14
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Im Schweizerischen Bundesbrief zeigt sich das Freiheitsstreben unserer Vorfahren. Was mag Robert Grass dazu bewogen haben, ausgerechnet dieses Dokument auszuwählen für sein Experiment, das er 2012 an der ETH durchführte? Folgte er einer Laune? Dachte er an die PR-Wirkung und den Widerhall in den Medien? Fand er es einfach lustig mit diesem in der Schweiz von einem Heiligenschein umgebenen Text zu hantieren? Wie auch immer, er und seine Kollegen schafften es, den Bundesbrief in DNA abzuspeichern.  
DNA, es spricht viel dafür, wird in wenigen Jahren Silizium als Speichermedium für digitale Daten abgelöst haben. Die Vorteile liegen auf der Hand. In DNA lassen sich auf dem gleichen Platz unendlich mehr Daten abspeichern. Ausserdem ist DNA viel langlebiger als die heutigen Speichermedien. Noch nach Tausenden und Hunderttausenden von Jahren ist DNA lesbar – wie es prähistorische Knochenfunde beweisen.

Wir werden also unsere Texte, Fotos und Filme in jener Substanz speichern, in der auch unsere eigenen Erbinformationen aufgezeichnet sind. Das ist unsere Zukunft. Hier die Sequenz, die bestimmt, wer ich bin, dort die andere, in der festgeschrieben ist, wie meine Ferienfotos aussehen. Beide Mal die gleichen Aminosäuren, der gleiche molekulare Aufbau, einmal enthalten in meinen Körperzellen, einmal in einem Gerät auf meinem Schreibtisch.

Das Team um Seth Shipman undn George Church von der Harvard Medical School in Boston hat nicht mit dem Bundesbrief gearbeitet. Sie nahmen das Schwarzweiss-Foto einer Hand und ein Pferd, festgehalten auf einer historischen Filmsequenz aus dem Jahr 1887. Wie der Spiegel vor einem Monat meldete, gelang es den Forschern, das Foto und den Film in der DNA von Bakterien abzuspeichern. Bakterien, die noch leben. Langfristiges Ziel sei es, „dass Zellen mit diesem Verfahren ihre eigenen Entwicklungsprozesse im Erbgut aufzeichnen“. Was immer das jetzt genau heisst. Jedenfalls soll das dann für medizinische Zwecke genutzt werden können.

Die Zukunft sieht also anders aus. Hier die Sequenz, die bestimmt, wer ich bin, dort mein Ferienfoto, aber beides am gleichen Ort, in mir dri,  in meiner DNA. Und dazu noch der Bericht davon, wie sich meine Zellen entwickeln und der Bericht, was ich esse und der Bericht, wie viel ich mich bewege. Nun, letzteres gibt es jetzt schon in Form eines Schrittzählers (zur Zeit noch ausserhalb des Körpers angebracht), den ich aber vielleicht schon bald auf mir tragen muss, damit mir meine Krankenkasse einen Rabatt auf meine Prämien gewährt. Den Schrittzähler kann ich meinem Hund um den Hals binden und ihn so einem professionellen Hundesausführer überlassen, aber wie soll ich die Aufzeichnungsapparaturen austricksen, die in mir drin stecken? Und dort vielleicht hineinkommen, ohne dass ich das will? Zum Beispiel über das gesunde Müesli, dass ich jeden Morgen zu mir nehme? (Obwohl ich Müesli hasse, aber die Krankenkasse zwingt mir dieses Müesli auf, mich diesem gesunden Müesli zu verweigern, würde meine Prämien in noch unerträglichere Höhen steigen lassen.) Die codierte DNA ist dort in die die besonders gesunden roten und blauen Beeren eingebaut, gelangt in Speichel und Magensäfte, passiert die Wände meiner Zellen, impft die Doppelhelix in ihrem Kern mit einer Sequenz, die dann Auskunft gibt über mich. Möglicherweise in Form eines miniaturisierten Senders  Auskunft darüber, wo ich mich gerade aufhalte. Ein Resultat, dass dann sofort abgeglichen wird mit dem, was die Überwachungskameras in den Städten flächendeckend über unsere Wege zu berichten wissen.

Die Digitalisierung auf dem heutigen Stand bietet Überwachungsmöglichkeiten, von denen Diktatoren früherer Zeiten nur träumen konnten. Wie es aussieht, werden bald auch ihre feuchtesten Träume von der Wirklichkeit überflügelt werden.
Der ETH-Professor Grass hat für sein Experiment den Schweizerischen Bundesbrief benutzt, ein Dokument menschlichen Freiheitsstrebens. Entweder ist der Mann so naiv, wie man das Naturwissenschaftlern oft unterstellt, oder er besitzt einen ausgesprochen schwarzen Humor.

18.08.2017 | 15:56
Miquel Barceló: Aus den afrikanischen Skizzenbüchern (photo: )

Kataloniens Bestrebungen, sich unabhängig zu machen, bleiben hier in Spanien das dominierende politische Thema. Findet das für den 1. Oktober vorgesehene Referendum nun statt oder nicht? Sicher ist es nicht. Darüber, wie legitim es wäre, wird weiter heftig und sehr emotional gestritten. In Anbetracht der Tragweite des Entscheides auf beachtlich tiefem Niveau, ist man als Aussenstehender hier geneigt beizufügen.

Insgesamt eine ziemlich verfahrene Sache! Verfassungskonform ist das Vorgehen der katalanischen Regierung sicher nicht, aber was bedeutet die spanische Verfassung denjenigen, die schon an einer eigenen rumwerkeln?

Wer sich aber über die bestehende Verfassung stellt, begibt sich in sehr gefährliche Wasser. Natürlich wird dieses unilaterale Vorgehen von Madrid bekämpft, ausserhalb von Katalonien stösst es aber auch sonst auf wenig Verständnis. Brüssel und die UNO warnen vor voreiligen Schritten. Mittlerweile hört man auch von Familien, in welchen Diskussionen zu diesem Thema vermieden werden, obschon eigentlich sehr viele, sehr wesentliche Fragen weiterhin ungeklärt bleiben und durchaus auf allen Ebenen diskutiert werden müssten.

Dazu kommt, dass die  Mehrheitsverhältnisse äusserst prekär sind und man würde meinen, derart einschneidende Veränderungen sollten nicht ohne eine Zweidrittelsmehrheit vollzogen werden. Die katalanische Regierung handelt jedoch auf der Basis von nicht einmal 50% der Stimmen und mit einer knappen Mehrheit der Sitze im katalanischen Parlament. Wenn das bloss gut kommt!

Das andere grosse Thema in der spanischen Politik ist der Tourismus. Wehmütig erinnert man sich hier an einen sehr populären Schlager, der vor nicht allzu langer Zeit die Ankunft des zweimillionsten Touristen feierte. Heute ist Spanien bei 80 Millionen pro Jahr!

Natürlich sind diese nicht alle gleichzeitig hier. Trotzdem: Während des Sommers macht dieser Ansturm Spanien zum bevölkerungsreichsten Land Europas. Die Belastung und die Abnützung ist vielerorts entsprechend dramatisch. Besonders Barcelona scheint zu ächzen unter dem anhaltenden Ansturm der Massen. Der Widerstand wächst aber auch auf Mallorca und in touristisch attraktiven Städten wie San Sebastian oder Valencia. Besonders wenn man selbst Tourist ist, ein heikles Thema.

Allerdings befinden wir uns hier in einer von der Abwanderung geplagten Zone, die mittlerweile immer öfter das Lappland Spaniens genannt wird. In dieser Region, die zehn meist küstenferne Provinzen und 1355 Gemeinden Zentralspaniens umfasst, leben gerade mal 7.3 Menschen pro Quadratkilometer. In Manhattan sind es mehr als 27 000. Mein schlechtes Gewissen hält sich entsprechend in Grenzen.

Als Hobby-Gärtner gilt meine Sorge ohnehin eher dem Wetter, welches sich leider vor allem dadurch auszeichnet, dass es entweder gar nicht regnet oder dann so, dass einem wie neulich angst und bange werden kann. Ein Gewitter kann auch hier mit einem Regenbogen enden, viel eher aber mit zerstörten Äckern, mit weggeschwemmter Erde und völlig k.o. geschlagenen Gurken und Bohnen, mit vom Hagel verwundeten Tomaten und mit völlig erhudeltem und zerfetztem Salat. Erst regnete es genau so, wie man es für den Garten gerne hat, dann begann es aber sintflutartig zu giessen und es donnerte, als explodierten Knallfrösche am Himmel, dann war da ein Schlag, als würde eine Eisenfaust eine Panzerscheibe, dann eine ganze Mauer durchschlagen. Wie sich später herausstellte, war das ein Blitz, der in den Kirchturm schlug, dort beträchtlichen Schaden anrichtete und auch noch für mehrere Tage die zu Tode erschrockenen Turmtauben obdachlos machte.

Und was hat Miquel Barceló damit zu tun?

Dieser in Mallorca geborene spanische Maler, Objekt- und Performancekünstler von Weltrang hat möglicherweise das ultimative Bild der Sintflut gemalt. Unvergesslich ist mir, wie ich beim ersten Betrachten dieser eigentlich abstrakten, aber doch greifbar plastischen Wassermassen glaubte, nasse Füsse zu bekommen. Als ich Barcelós Sintflut suchte, begegnete ich noch dem herrlich leichten Bild vier afrikanischer Frauen. Es gefiel mir so gut, dass ich es dem geneigten Leser und der geneigten Leserin auf keinen Fall hätte vorenthalten wollen.

09.08.2017 | 14:34
Gründungsmitglieder des Verbands «Medien mit Zukunft» am 7. August in Zürich (photo: )

Am Montag wurde in Zürich ein neuer Verlegerverband gegründet, der «Verband Medien mit Zukunft». Dass in der Schweiz ein neuer Verband gegründet wird, ist kaum eine Meldung Wert: «Klafft in der Schweiz irgendwo eine Wunde, wird ein neuer Verband gegründet», flapste eines der Gründungsmitglieder, der Journalist Constantin Seibt, selbstironisch auf Facebook. Und auch die Behauptung, es handle sich um einen Verlegerverband, ist anmassend. Mitglied werden kann jeder, der die Ziele von «Medien mit Zukunft» teilt. Oder um es mit Seibts künftiger Online-Zeitung zu sagen: Verleger sind alle, die die «Republik» abonnieren.

In Frage gestellt wird damit aber nicht nur das Selbstverständnis der bisherigen Zeitungsverleger, sondern auch deren Verband. Der «Verband Schweizer Medien», von Tamedia-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino präsidiert und in dessen Vorstand auch Blocher-Stellvertreter Markus Somm sitzt, zerreibt sich im Nahkampf mit der SRG. Als ob die wenigen Millionen Online-Einnahmen, die der SRG streitig gemacht werden, die Existenz der Zeitungsunternehmen retten könnten. Und während sich Mischkonzerne wie Tamedia gleichzeitig Schritt für Schritt von der Publizistik verabschieden.

In Abstimmungen über die strategische Ausrichtung des bisherigen Verbands (und die Zusammensetzung des Vorstands) unterliegen Kleinverlage regelmässig den grossen Verlagshäusern, da letztere über ungleich mehr Stimmen verfügen. – Welcher andere Verein in der föderalistischen Schweiz funktioniert nach den Spielregeln einer Aktiengesellschaft? Und seit dem Austritt von Ringier aus dem «Verband Schweizer Medien» ist dessen Repräsentativität, zumindest in seiner Eigenlogik, kaum mehr gegeben.

Dass sich der neue Verband, der sich derzeit aus fünfzehn unabhängigen, mehrheitlich Online-Zeitungen zusammensetzt, «Medien mit Zukunft» nennt, ist eine Provokation. Eine allerdings, die in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Medien werden künftig anders vertrieben und finanziert als bisher. Öffentliche Mittel werden (nebst Stiftungen, Crowdfunding und Abo-Gebühren) zunehmen, wenn unabhängiger, öffentlichkeitsrelevanter Journalismus garantiert werden soll. Und der Kampf darum wird breiter geführt.

Wie sollen Gemeinden, Kantone und Bund relevante Informationen, Kulturberichterstattung, Einordnungen und politische Kommentare künftig unterstützen? Zumal dies ja bereits – vom Gemeindeanzeiger bis zur indirekten Presseförderung – in nicht unbeträchtlichem Mass geschieht.

Der neue Verband setzt sich beispielsweise für «den Aufbau einer offenen publizistischen Infrastruktur» ein. Könnte heissen: Die Öffentlichkeit stellt eine Open-Source-Plattform (oder mehrere) zur Verfügung, die als eine Art Label für Qualität von unabhängigem Journalismus (nach den Empfehlungen des Presserats) bürgt. In welchem Verhältnis der neue Verband zur entsprechenden Non-Profit-Idee ihres Vorstandsmitglieds Hansi Voigt («Wepublish») steht, ist derzeit offen.

Ein anderer Vorstoss könnte sein, die öffentlich unterstützte Schweizerische Depeschenagentur auszubauen und kleineren, finanzschwachen Medien zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Und schliesslich: Bei den Debatten um ein neues Mediengesetz will sich «Medien mit Zukunft» als Stimme für unabhängigen Journalismus einbringen, der nicht von kommerziellen und partei-politischen Interessen korrumpiert ist.