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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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01.02.2015 | 11:26
Irgendwie subversiv: Greift die Privatverkehrslobby die rotgrüne Stadtregierung an? (Foto: Fredi Lerch) (photo: )

Was geht vor in der Stadt? Seit Tagen irritieren anonyme Plakate unsere städtisch-bodenständige Phantasielosigkeit. Steckt Blocher dahinter? Oder doch eher die Rotgrünen?

Wer könnte ein Interesse haben, die Stadt mit Plakatständern voller schwarzweisser Weltformatplakate vollzustellen? Die politischen Radikalinskis (schwarzweiss)? Oder die aussenpolitisch Grössenwahnsinnigen (Weltformat)?

Ist es denkbar, dass die SVP den nationalen Wahlkampf vom Oktober bereits jetzt lanciert (Bundeshauptstadt!)? Die kecke Aufforderung, nicht in den Bus einzusteigen: Ist das eine antietatistische Stichelei gegen den städtischen Service Public? Und die unverfrorene Bitte, gleich zur Polizeihauptwache durchzugehen: Ist das nicht ein perfider fremdenfeindlicher Irreführungsversuch gegenüber abgewiesenen AsylbewerberInnen?

Oder haben sich – andersherum – die Rotgrünen zur Legislaturhalbzeit etwas Originelles auszudenken versucht? Darf man in der Aktion gar ein bisschen verschupfte Subversivität wittern? Zeugen die konsequent eingesetzten, verwirrlichen Doppelparolen – die die hochwohllöbliche Amtssprache als konfuses Gebrabbel konterkarieren – von einem geradezu anarchischen Augenzwinkern?

Blocher oder die Rotgrünen? Journal B bleibt dran!

31.01.2015 | 06:30
Der «Berner Bär» enthüllt: Ehre, wem Ehre gebührt. (Foto: Fredi Lerch) (photo: )

Der «Berner Bär» hatte in seiner Ausgabe vom 27. Januar einen Primeur: Nicht nur Shakira, Johan Vonlanthen und Phil Collins haben in diesen Tagen Geburtstag, sondern auch Kurt Marti.

Im letzten März haben wir ein Gespräch geführt zur Frage, warum er nie ein Existenzialist, sondern als Schüler von Karl Barth stets ein «Barthisan» gewesen sei. Auf die Frage, ob er in den sechziger Jahren eher als Staatsbürger, Schriftsteller oder Pfarrer gegen die Atomaufrüstung der Schweiz demonstriert oder mit dem Kommunisten Konrad Farner diskutiert habe, hat er geantwortet: «Als Staatsbürger. Ich glaube, als Staatsbürger, der sich an der Bibel, an der christlichen Botschaft orientiert. Aber klar. So genau habe ich das damals nicht unterschieden… Einfach als Kurt Marti, fertig.»

Journal B gratuliert Kurt Marti zu seinem 94. Geburtstag.

14.01.2015 | 11:00
Gesetzestafel zwischen Gondiswil und Huttwil verschwindet im Baum. (Foto: Fredi Lerch) (photo: )

Polit-Geografie ist eine relativ junge Disziplin. Wer sie beherrscht, kann einen tiefen Blick tun in den Stadt-Land-Graben.

Die Staatsverdrossenheit auf dem Land nimmt zu. Dazu könnte der aus Huttwil stammende Vorzeige-Polit-Geograf und Politikwissenschaftler Michael Hermann zweifellos ausführlich referieren. Journal B hat nun herausgefunden, wo Hermann in jungen Jahren seine empirischen Studien betrieben hat: In seiner engeren Heimat – genau genommen bei Ettishüsere, keine zwei Kilometer von Huttwil entfernt – gehen unterdessen sogar die Bäume dazu über, Gesetzestafeln zu fressen.

13.01.2015 | 06:25

Jahrelang habe ich mir Schweizer Zeitungen am Quartierkiosk im Egghölzli besorgt: Le Temps, Le Matin, La Liberté, Walliser Bote, Die Südostschweiz und so weiter. Ein Stück vielfältige Schweiz am Samstagmorgen. Das war einmal.

Seit kurzem erhalte ich dort nur noch Blick, Bund, BZ, NZZ und Tages-Anzeiger. Ebenso am Freudenbergerplatz und im Wankdorf. Auf dem Breitenrainplatz gibts noch ein paar weitere Zeitungen.

Man wisse halt nie, wann die ausländischen Zeitungen eintreffen, sagte mir der Verkäufer, als ich ihn auf diesen Verlust angesprochen habe. Ausländisch? Bei französischsprachigen und anderen Schweizer Zeitungen sei es eben das gleiche Problem.

So klein ist die Schweiz geworden.

16.12.2014 | 11:45

Täglich fahre ich mit dem Velo über den Helvetiaplatz. Und sehe nirgends einen Elefanten. Dabei habe ich gelesen, dass am Helvetiaplatz ein Skulpturenpark namens «Der Elefant ist da» als Kunst im öffentlichen Raum zu sehen sei.

Jedes Mal schaue ich kurz Richtung Kunsthalle, ob er sich dort im Eingang herumdrückt, der Elefant, oder ob er sich hinter dem Telegrafendenkmal versteckt. Fehlanzeige. Oder doch nicht? Schliesslich habe ich ihn gefunden, den Elefanten, er exisitert unter derelefantistda.ch.

13.10.2014 | 11:55

Wie riecht der Herbst für Sie? Nach nassen Blättern auf dem Waldboden und nach Pilzen vielleicht. Nach gerösteten Maronis beim Zytglogge. Oder nach Hirschpfeffer im Restaurant Alpenblick Ferenberg. Das war einmal!

Denn mich dünkt, das hat sich dieses Jahr radikal geändert: Allüberall riecht es nach selbstgezogenen Hanfpflanzen, die zum Trocknen ausgelegt wurden. Aufgefallen ist mir das an mehreren Hausecken in der Lorraine und im Breitsch, wo einen das aufgrund der typischen QuartierbewohnerInnen nicht sonderlich erstaunt. Überraschender ist es dagegen im Melchenbühl, aber auch dort konnte man in den vergangenen Wochen dem süsslich-herben Duft nicht entweichen.

Aber eben, inzwischen wissen es eh alle: «Kiffer sind keine Kriminellen». Und darum kämpft Alt-Bundesrätin Ruth Dreifuss in der Schweiz dafür, diese Droge (und andere) zu entkriminalisieren.

10.10.2014 | 11:55

«Liberal sein und handeln hiess für ihn akzeptieren, dass es verschiedene Meinungen gibt, die es zu respektieren gilt, dass Selbstkritik keine Schwäche ist, dass Zuhören zu Erkenntnis führen kann, dass der kritische Gesprächspartner vielleicht sogar recht haben könnte und dass der politisch Gegner kein Feind ist, sondern ebenfalls aus seiner Sicht ein Ziel erreichen will, das der öffentlichen Sache dient. In diesem Sinne habe ich Arthur Hänsenberger als Fixstern des Berner Freisinns erlebt.»

Der Berner Alt-Ständerat Ulrich Zimmerli im Nachruf auf den verstorbenen ehemaligen Ständeratspräsidenten Arthur Hänsenberger (Der Bund, 24. September 2014, Seite 16)

09.10.2014 | 13:51
Schablonensprayerei auf dem Fussweg beim Berner Lorrainebad. (Foto: Manuel Gnos) (photo: )

Es wäre vermessen, jede Spraydosen-Kritzelei gleich als Kunst bezeichnen zu wollen. Und insbesondere die Tags auf Restauranttoiletten, Haustüren oder Zugfenstern sind mehr Ärgernis als Freudenspender – insbesondere für jene, die sie wieder wegkriegen müssen.

Die Wortspielerei in diesem Graffito an der Aare beim Lorrainebad scheint uns aber in ihrer Reduziertheit den höchsten künstlerischen Ansprüchen zu genügen. Sie bringt in wenigen Lettern und in einfacher Typografie ein gesellschaftliches Unbehagen zum Ausdruck – das nicht zuletzt im nahen Lorrainequartier laufend an Dringlichkeit zulegt.

Gut gemacht!

Hier gehts zur Berliner Variante.

07.04.2014 | 11:13
Schlange stehen vor der «Gelateria di Berna» in der Länggasse. (Foto: Jonas Ryser) (photo: )

Was gibt's an einem der ersten warmen Sonntage des Jahres besseres als ein Eis der «Gelateria di Berna»? Genau: Nichts. Oder jedenfalls nicht viel.

Und weil das viele gedacht haben, wartet man eine gute halbe Stunde, bis man an die Reihe kommt. Ist auch nicht so schlimm: «Deutschland sucht den Superstar» vom Vorabend gibt genügend Gesprächsstoff.

01.04.2014 | 17:04
Dieses Gesicht will gefüttert werden. (Foto: Mychyjay via Instagram) (photo: )

Es gibt auf Twitter einen Kanal, der ausschliesslich Fotos von Dingen veröffentlicht, die aussehen wie Gesichter, «faces in things» heisst das dann auf Englisch. Solche Dinge gibts auch in Bern.

Auf Instagram hat Mychyjay gestern das Foto eines solchen Gesichts aufgeschaltet. Auf Anfrage teilte er uns mit: «Ich habe das Foto am 30. März 2014 im Bahnhof Bern auf dem Perron zwischen Gleis 7 und 8 geschossen.»