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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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09.06.2020 | 10:48

In den Briefkasten des «Wulchechratzer» flatterte neulich folgende Frage:

Lieber Housi, vor einigen Tagen habe ich in einem sonst selten benützten Schrank eine Schachtel gefunden, die meine Neugier entfachte. Zu meiner Überraschung war sie angeschrieben mit «Hygienemasken Typ IIR, 50 Stück». Ich kann mich nicht entsinnen, solche Masken je erworben zu haben. Ein Aufkleber enthielt den Text: «Masken für die Bevölkerung im Pandemiefall gemäss Empfehlungen des BAG». Im Beipackzettel steht unter anderem Folgendes: «Das BAG wird zu gegebener Zeit über die Situationen während einer Pandemie informieren, in welchen das Tragen von Hygienemasken angezeigt ist». Ich frage mich nun, wer noch alles eine solche Schachtel erhalten hat.  Gottfried

Der «Wulchechratzer» antwortete:

Lieber Gottfried. Leider konnte ich bisher auch noch nicht in Erfahrung bringen, wie, warum und woher die Masken zu dir kamen. Aus meinem Bekanntenkreis gab es ebenfalls eine Person die diese Masken bekommen hat, jedoch wusste auch sie nicht mehr, was es damit auf sich hatte. (...)

Habt auch ihr, liebe Leserinnen und Lesern, solche Masken zu Hause? Wir mutmassen, dass diese noch von der SARS-Pandemie 2002/2003 stammen.

20.02.2020 | 12:17

Bärndütsch isch e mordstonner präzisi Sprach. Gloubet dir nid?
I cha nechs bewiise ahand vomne Bischpiu usem Arbeitsalltag.
Nähme mr mal a, öpper würd üs frage:
Hesch viel z tüe?
D Antwort wott überleit si.

Me cha sage: Ja, i ha viu z tüe.
Aber das seit ja niemer.
Mindestens «chli viu» mues es scho si.
Das isch nämlech en Underschied.
Und isch nid öppe weniger als viel, sondern ender meh.
Aber me schaffts.

We mes chli dramatischer möcht, seit me viellech:
i ha mega viu z tüe.
Oder soumässig oder huere viu.
Oder irgend en anderi trendegi Steigerigsform.

Oder me dräihts anders ume:
I ha «nid weni» z tüe
oder «gar nid weni» (Betonig uf «gar»!).
Für Afänger: das isch de nid öppe ds gliiche wie «weni»
«nid weni» isch nämlech eignetlech «ziemli viu».

«Fasch nüt z tüe» wär logischerwiis eifach «weni»
Aber das seit o niemer.
Mindestens «mega weni» muess es si.
Oder «huere weni»
Oder «u-huere weni»
(Steigerige wie obe!)

U bevor me seit «i ha gar nüt z tüe»
Seit me gschider no: «mau luege, morn gits sicher wieder öppis...»

Auso, Zämefassig für Uswärtigi: zwüsche «öppis» u «gar nüt» z tüe ha liege Wälte.
Aber die Finesse am ne Uswärtige z erkläre, das bruucht fei e chly Zyt.
U wie viel isch itz «fei e chly»?
Ömu nid weni....

04.02.2020 | 15:05

Heit dr das o scho gseh: Underem Zytglogge, dert, wo me meischtens eifach dürejuflet, hets so Metallstange. Bärner Urmeter sige das, seit me. I frage mi, warum mir die bruuche, Bärner mässe doch sowieso mit eigete Einheite.

Zum Bischpiu bim Ässe: Bi üs nimmt me es Muuvou Schoggi (nid zwöi Hüseli oder es Reieli). Oder ufem Märit: Chirschi u Äppeeri chouft me nid per Gramm oder Kilo. Mir nähme «es Chörbli». Nüssler u Schnittsalat chouft me per Hampfele. O we d Händ vom Puur u die vo sire Chundin (oder am Chund) ungerschiedlech gross si, me weiss uf beidne Site erstuunelch genau wieviel das isch.

Wenn eine id Schwümm geit u nid grad dr Huufe heibringt, seit är o nid «es het öppe füfhundert Gramm gä». Är seit: «i ha ne Chochete» oder (wes noch chli weniger isch) es Chochetli. U we me se de chochet, die Schwümm, de tuet me o nid ei oder zwe Dezi Nidle dra sondern «e Gutsch». Fertig isch das Gricht de herrlech mit emne «Schluck Wy». Fraget mi nid, wie viel das ist. Das cha zwüsche zwe Milliliter u siebe Dezi si. Eifach, was im Momänt grad drinneliegt.

Bärndütsch isch ke exakti Wüsseschaft. U gliich wüsse mr meistens zimli gnau, was gmeint isch. Zum Bischpiu, wenns nach em letschte Summertag «e Chutte chelter» worde isch. Oder wenn d Aare nume no zwöi Stägli warm isch. De geits aube es Momäntli, bis me wieder erwarmet isch. «Es Momäntli» isch äbe o so nes Bärner Mass. Irgend öppis zwüsche re Minute u nere Halbstund. Wes lenger gäng, wärs de es Wiili. Es Wiili cha lang ga. Es Wiili geits zum Bischpiu bis e Seeleschmätter nümme gruusig wehtuet.

Früecher isch das aube no «schuderhaft lang» gange, itz geits äuä «megalang» oder vielech o «huere mega lang». Aber son ne Seeleschmätter tuet ömu geng no gliich schampar weh. Aber das tuets ja, öb me Bärndütsch oder Chinesisch redt. Aber nume uf Bärndütsch gits öppis, wo eim i strübschte Zyte dr Wältschmärz es bitzeli cha näh: es Ärfeli Bruschttee. Das Rezäpt het me haut o z Bärn erfunde.

08.03.2018 | 10:01
Nur 17% der Gemeinden im Kanton Bern werden von einer Frau geführt. (Bild: Mo Hager) (photo: )

Wie gut sind Frauen in den Gemeindepräsidien des Kantons Bern vertreten oder wie viele Stapine u Presine gibt es? Ernüchternd: Nur gerade ein Drittel der Gemeinden hatte schon mal eine Präsidentin. Gleichzeitig schliessen sich blinde Flecken auf der Kantonskarte fortlaufend. So das Fazit von Mo Hager.

25.12.2017 | 11:34
Der goldige Hundehaufen in seiner ganzen Pracht. (Foto: zvg) (photo: )

Das Schicksal des Fundstücks als Fundstück: Eines Tages war da im Herbst ein goldiger Hundehaufen auf dem Kornhausplatz zu finden – als unabhängiger Kommentar der Künstlerin Serage Zeinab zu den allgegenwärtigen Bernhardinern des Tourismusvereins. Der aber mangels Bewilligung nach 24 Stunden von der Stadt weggeräumt wurde. Schon drohte ihm im Entsorgungshof das Schicksal unzähliger Fundstücke, da gelang es Carola Ertle und Günther Ketterer, den Hundehaufen in einer «abenteuerlichen» Rettungsaktion zu «befreien».

Die 'Rettungsaktion'. (Foto: zvg)

Die 'Rettungsaktion'. (Foto: zvg)

Was eine Randnotiz ihrer Weihnachtskarte 2017 bildete, die wiederum in meiner Mailbox landete, wodurch der goldige Hundehaufen nun sein Leben als Fundstück zurück erhält.

11.12.2017 | 15:52
Kurioses am Bahnhof Bern. (Foto: Fredi Lerch) (photo: )

Am Bahnhof Bern hat der Fahrplanwechsel ungeahnte Folgen. Wir hoffen, dass die Züge ihren Weg auch ohne elektronische Anzeigen finden.

11.03.2017 | 14:13
Impressionen aus den neuen Sitzungszimmern im AfU. (Fotos: zvg) (photo: )

Das städtische Amt für Umweltschutz (AfU) ist vor ein paar Monaten aus der Innenstadt ins Nordquartier gezogen, an die Morgartenstrasse 2a. Bei der Benamsung der Sitzungszimmer haben sich die AfU-Leute etwas einfallen lassen: Namensgeber sind Robert Prytz und Thomas Häberli, zwei ehemalige YB-Spieler aus dem benachbarten Wankdorfstadion. Die beiden Säle wurden nicht einfach nur hurtig angeschrieben, sondern mit Bildern und Angaben zu den beiden YB-Altstars versehen.

Wie man es auch machen kann, sieht man 200m weiter südöstlich: Die neuen Verwaltungsgebäude am Guisanplatz 1, derzeit noch im Bau, bekommen folgende drei Namen: Morgarten, Laupen, Sempach.

Danke, liebes Bundesamt für Bauten und Logistik, das ist wirklich sehr originell, diese Schlachtnamen, und das erst noch in einem Quartier, das traditionsgemäss unter militärischen und vaterländischen Strassennamen von Tell bis Winkelried leidet.

04.01.2017 | 14:00
Kryptogramm II (Foto: Liliane Rihs). (photo: )

Schwarzeis auf dem Oeschinensee: Die Medien haben pünktlich aufs neue Jahr vermeldet, die Eisschicht sei dick genug. An Neujahr tummelten sich auf der tatsächlich rabenschwarzen Eisfläche bis zuhinderst an die Felswände der Blüemlisalp bereits Hunderte auf Schlittschuhen.

Nicht vermeldet worden ist bisher die Kunstausstellung, die hier im Moment besuchen kann, wer sich die Mühe macht, ein bisschen durch das Ufergeröll zu turnen. Der einheimische Kunstschaffende N. Atur zeigt hier seine neuen Ice Art-Werke, die in oft düsteren Grautönen, aber auf überraschend lebendige Weise die Dialektik zwischen Struktur und Vergänglichkeit thematisieren. Wie die Eat Art der 1960er Jahre provoziert N. Aturs Kunst die konformistische Kommerzkunst mit ihrem Subtext: Zu kaufen gibt’s nix, Trottel! Wenn du nix siehst, bist du selber schuld.

Obschon N. Aturs Werk von den Kunstgremien und -expertInnen aller Grade bis heute übersehen worden ist (wo die wohl hinschauen?), ist die Ausstellung dank der grosszügigen Spende eines anonymen Mäzenatenpaars doch möglich geworden. Ihren Namen verrät Journal B an dieser Stelle exklusiv (Herr und Frau L. Gott). 

12.05.2016 | 16:18
Zum Gottesdienst tragen Frauen und Männer das traditionelle Tuch aus weisser, dünner Baumwolle, wobei aber nur die Frauen sich damit auch das Haupt verhüllen. (Bild: Zahai Bürgi) (photo: )

Mit einem Foto vom Dreifaltigkeitsfest der orthodoxen Eritreer in einer Kirche in Buchs gewann der Fotograf Daniel Rihs kürzlich den Swiss Press Foto Award in der Kategorie Schweizer Reportagen.

Ein solches Foto habe ich doch eben gerade gesehen, ging es mir durch den Kopf, als die die Zeitungsmeldung las. Tatsächlich hat Journal B praktisch zeitgleich eine eindrückliche Reportage über die eritreische koptisch-orthodoxe Gemeinde in Bern mit Fotos aus der Berner Kirche St. Peter und Paul am Rathausplatz veröffentlicht – übernommen von der «BrunneZytig» – was zeigt, welches Potential auch in Quartier-Zeitungen vorhanden ist.

Ein Engel beschützt die Gruppe der Mütter und Kinder; Kinder dürfen den Gottesdienst in völlig ungezwungener Weise beleben, jedoch gibt es einen streng getrennten (rechten) Frauen- und (linken) Männerbereich. (Bild: Zahai Bürgi)

Ein Engel beschützt die Gruppe der Mütter und Kinder; Kinder dürfen den Gottesdienst in völlig ungezwungener Weise beleben, jedoch gibt es einen streng getrennten (rechten) Frauen- und (linken) Männerbereich. (Bild: Zahai Bürgi)

Gottesdienst in der Krypta: Die Gruppe der Trommler tanzt vor dem Priester. (Bild: Zahai Bürgi)

Gottesdienst in der Krypta: Die Gruppe der Trommler tanzt vor dem Priester. (Bild: Zahai Bürgi)

Der Tabot, das Allerheiligste der Eritreergemeinde, steht im linken Kirchenschiff vor dem Leopolds-Altar. Die rechteckige Platte aus Stein und Holz muss immer vor den Blicken der Gläubigen verborgen sein. (Bild: Zahai Bürgi)

Der Tabot, das Allerheiligste der Eritreergemeinde, steht im linken Kirchenschiff vor dem Leopolds-Altar. Die rechteckige Platte aus Stein und Holz muss immer vor den Blicken der Gläubigen verborgen sein. (Bild: Zahai Bürgi)

24.03.2016 | 14:06
Dieses Schild im Tierpark Dählhölzli zwingt zum Nachdenken. (Foto: zvg) (photo: )

Sorry, ich konnte nicht anders. Als ich im Tierpark Dählhölzli das Schild mit der Steigerung «Bär > Wolf > WC» sah, musste ich unweigerlich an Direktor Bernd Schildger denken.

Da ruiniert einer seinen Ruf, indem er sich mit zwielichtigen Figuren auf die SVP-Gemeinderatsliste setzen lässt. Und zelebriert gleichsam seinen Absturz: Wer für ein Vollamt kandidiert, gibt öffentlich ein Zeichen, dass der aktuelle Job nicht mehr das Gelbe vom (Straussen-)Ei ist, der Bär nicht mehr so tanzt wie früher und man auch nicht mehr an den Storch oder den Elchtest glaubt (man mache an dieser Stelle weitere lustige Tier-Beispiele).

Wer nicht gewählt wird, bleibt danach im angestammten Betrieb auf ewig «lame duck», eine lahme Ente. Diese beliebte Metapher müsste der belesene Tierpark-Direktor eigentlich kennen. Und auch, dass dieser Mischmasch (pardon: MischaMascha) von sympathischer Berufskarriere und übertriebenen Politambitionen nicht überall ankommt. Schon gar nicht beim Chef. Denn der kandidiert ja auch!

Noch etwas: Der zweite Satz auf Schildgers Schild («Mehr Platz für weniger Tiere») hätte ihn eigentlich auf eine andere Gemeinderatsliste führen müssen. Aber Achtung: Dort ist das Gerangel schon zu gross.