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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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11.12.2017 | 15:52
Kurioses am Bahnhof Bern. (Foto: Fredi Lerch) (photo: )

Am Bahnhof Bern hat der Fahrplanwechsel ungeahnte Folgen. Wir hoffen, dass die Züge ihren Weg auch ohne elektronische Anzeigen finden.

11.03.2017 | 14:13
Impressionen aus den neuen Sitzungszimmern im AfU. (Fotos: zvg) (photo: )

Das städtische Amt für Umweltschutz (AfU) ist vor ein paar Monaten aus der Innenstadt ins Nordquartier gezogen, an die Morgartenstrasse 2a. Bei der Benamsung der Sitzungszimmer haben sich die AfU-Leute etwas einfallen lassen: Namensgeber sind Robert Prytz und Thomas Häberli, zwei ehemalige YB-Spieler aus dem benachbarten Wankdorfstadion. Die beiden Säle wurden nicht einfach nur hurtig angeschrieben, sondern mit Bildern und Angaben zu den beiden YB-Altstars versehen.

Wie man es auch machen kann, sieht man 200m weiter südöstlich: Die neuen Verwaltungsgebäude am Guisanplatz 1, derzeit noch im Bau, bekommen folgende drei Namen: Morgarten, Laupen, Sempach.

Danke, liebes Bundesamt für Bauten und Logistik, das ist wirklich sehr originell, diese Schlachtnamen, und das erst noch in einem Quartier, das traditionsgemäss unter militärischen und vaterländischen Strassennamen von Tell bis Winkelried leidet.

04.01.2017 | 14:00
Kryptogramm II (Foto: Liliane Rihs). (photo: )

Schwarzeis auf dem Oeschinensee: Die Medien haben pünktlich aufs neue Jahr vermeldet, die Eisschicht sei dick genug. An Neujahr tummelten sich auf der tatsächlich rabenschwarzen Eisfläche bis zuhinderst an die Felswände der Blüemlisalp bereits Hunderte auf Schlittschuhen.

Nicht vermeldet worden ist bisher die Kunstausstellung, die hier im Moment besuchen kann, wer sich die Mühe macht, ein bisschen durch das Ufergeröll zu turnen. Der einheimische Kunstschaffende N. Atur zeigt hier seine neuen Ice Art-Werke, die in oft düsteren Grautönen, aber auf überraschend lebendige Weise die Dialektik zwischen Struktur und Vergänglichkeit thematisieren. Wie die Eat Art der 1960er Jahre provoziert N. Aturs Kunst die konformistische Kommerzkunst mit ihrem Subtext: Zu kaufen gibt’s nix, Trottel! Wenn du nix siehst, bist du selber schuld.

Obschon N. Aturs Werk von den Kunstgremien und -expertInnen aller Grade bis heute übersehen worden ist (wo die wohl hinschauen?), ist die Ausstellung dank der grosszügigen Spende eines anonymen Mäzenatenpaars doch möglich geworden. Ihren Namen verrät Journal B an dieser Stelle exklusiv (Herr und Frau L. Gott). 

12.05.2016 | 16:18
Zum Gottesdienst tragen Frauen und Männer das traditionelle Tuch aus weisser, dünner Baumwolle, wobei aber nur die Frauen sich damit auch das Haupt verhüllen. (Bild: Zahai Bürgi) (photo: )

Mit einem Foto vom Dreifaltigkeitsfest der orthodoxen Eritreer in einer Kirche in Buchs gewann der Fotograf Daniel Rihs kürzlich den Swiss Press Foto Award in der Kategorie Schweizer Reportagen.

Ein solches Foto habe ich doch eben gerade gesehen, ging es mir durch den Kopf, als die die Zeitungsmeldung las. Tatsächlich hat Journal B praktisch zeitgleich eine eindrückliche Reportage über die eritreische koptisch-orthodoxe Gemeinde in Bern mit Fotos aus der Berner Kirche St. Peter und Paul am Rathausplatz veröffentlicht – übernommen von der «BrunneZytig» – was zeigt, welches Potential auch in Quartier-Zeitungen vorhanden ist.

Ein Engel beschützt die Gruppe der Mütter und Kinder; Kinder dürfen den Gottesdienst in völlig ungezwungener Weise beleben, jedoch gibt es einen streng getrennten (rechten) Frauen- und (linken) Männerbereich. (Bild: Zahai Bürgi)

Ein Engel beschützt die Gruppe der Mütter und Kinder; Kinder dürfen den Gottesdienst in völlig ungezwungener Weise beleben, jedoch gibt es einen streng getrennten (rechten) Frauen- und (linken) Männerbereich. (Bild: Zahai Bürgi)

Gottesdienst in der Krypta: Die Gruppe der Trommler tanzt vor dem Priester. (Bild: Zahai Bürgi)

Gottesdienst in der Krypta: Die Gruppe der Trommler tanzt vor dem Priester. (Bild: Zahai Bürgi)

Der Tabot, das Allerheiligste der Eritreergemeinde, steht im linken Kirchenschiff vor dem Leopolds-Altar. Die rechteckige Platte aus Stein und Holz muss immer vor den Blicken der Gläubigen verborgen sein. (Bild: Zahai Bürgi)

Der Tabot, das Allerheiligste der Eritreergemeinde, steht im linken Kirchenschiff vor dem Leopolds-Altar. Die rechteckige Platte aus Stein und Holz muss immer vor den Blicken der Gläubigen verborgen sein. (Bild: Zahai Bürgi)

24.03.2016 | 14:06
Dieses Schild im Tierpark Dählhölzli zwingt zum Nachdenken. (Foto: zvg) (photo: )

Sorry, ich konnte nicht anders. Als ich im Tierpark Dählhölzli das Schild mit der Steigerung «Bär > Wolf > WC» sah, musste ich unweigerlich an Direktor Bernd Schildger denken.

Da ruiniert einer seinen Ruf, indem er sich mit zwielichtigen Figuren auf die SVP-Gemeinderatsliste setzen lässt. Und zelebriert gleichsam seinen Absturz: Wer für ein Vollamt kandidiert, gibt öffentlich ein Zeichen, dass der aktuelle Job nicht mehr das Gelbe vom (Straussen-)Ei ist, der Bär nicht mehr so tanzt wie früher und man auch nicht mehr an den Storch oder den Elchtest glaubt (man mache an dieser Stelle weitere lustige Tier-Beispiele).

Wer nicht gewählt wird, bleibt danach im angestammten Betrieb auf ewig «lame duck», eine lahme Ente. Diese beliebte Metapher müsste der belesene Tierpark-Direktor eigentlich kennen. Und auch, dass dieser Mischmasch (pardon: MischaMascha) von sympathischer Berufskarriere und übertriebenen Politambitionen nicht überall ankommt. Schon gar nicht beim Chef. Denn der kandidiert ja auch!

Noch etwas: Der zweite Satz auf Schildgers Schild («Mehr Platz für weniger Tiere») hätte ihn eigentlich auf eine andere Gemeinderatsliste führen müssen. Aber Achtung: Dort ist das Gerangel schon zu gross.

24.02.2016 | 14:15

«Shim Sham statt schäm schäm» hat sich eine Gruppe Tanzfreudiger gesagt. An diversen Orten in Bern haben die Männer und Frauen die Swing-Choreographie «Shim Sham» getanzt und für ein Nein zur Durchsetzungsinitiative geworben.

«Wir haben das Glück, hier geboren zu sein und vor Freude tanzen zu können», sagt eine der Organisatorinnen. «Toleranz, Offenheit, Rechtsstaat und Demokratie gehören zur Schweiz. Wir sollten uns an diesen Werten freuen, statt sie zu zerstören. Deshalb haben wir uns spontan zum Tanzen für ein Nein gegen die Durchsetzungsinitiative getroffen.»

22.02.2016 | 10:50
Aus voller Kehle gegen die Durchsetzungsinitiative. (Foto: zvg) (photo: )

Schon zum zweiten Mal trat in der Berner Innenstadt eine Gruppe von Leuten mit Volksliedern lauthals gegen die sogenannte Durchsetzungsinitiative an, um für den Rechtsstaat einzustehen.

«S'isch äben e Mönsch uf Ärde, Simelibärg.» Der Ausklang in Moll traf das Thema: Trennung tötet. Von Sandra Künzi initiiert, trafen sich am Samstag auf dem Kornhausplatz Frauen und Männer und Kinder, um gegen die Durchsetzungsinitiative hinzustehen und zu singen.

Einige in Tracht und Bauernhemden, andere in ihrer üblichen Kleidung, sangen wir aus dem Repertoire der Volkslieder. «Lueget vo Bärg u Tal», «Wenn eine tannigi Hose het», «Es Buurebüebli», «Gang rüef de Bruune», «Zoge am Boge», «S isch mir alles eis Ding», «L'inverno e passato».

Wir sangen laut, nicht immer richtig, zuweilen neben dem Takt. Wichtig war, diese schönen, lustigen, traurigen, oft fremden Lieder nicht jenen zu überlassen, die sie für sich pachten wollen, weil nur sie zu wissen meinen, was richtige Schweizerinnen und Schweizer sind. Gegen eine politische Verirrung zu singen, tut gut. Es ist der erste Schritt, für etwas einzustehen.

30.07.2015 | 06:30
Blick vom Stand ob Kandersteg auf Blüemlisalp (links), Fründenhorn (Mitte) und die Doldenhörner (rechts). (Foto: Fredi Lerch) (photo: )

Kommt man auf den Golitschenpass, steht westlich ein schroffer Felsknubel. Umgeht man ihn, kann man ihn besteigen. Auf dem «Stand» ist  die Aussicht so gut, dass man fast alles sieht. Wenn man Glück hat sogar einen bisher unbekannten Hodler.

Was? Isch das än Hodler?
Sicher isch das ä Hodler.
Daisch doch kän Hodler!
Mo mou, das isch ä Hodler!
Moll, du hesch recht, daisch doch än Hodler.
Gäu?
Itz gsehnis. Da sind doch die Wülchli.
Da isch er no ganz jung gsi.
Jo jo, die Wülchli. Die Wülchli.
Äbe, ä Hodler.
Jo me siehets scho. Wege de Wülchli.
Dert obe hann i doch mau ds Bei broche.
Wo obe?
Dert uf em Niese.
Isch da de Niese?
Ja, das isch dr Niese.
Du da isch dänn schön.
Klar, dr Niese isch dänk schön.
Ich han doch nöd gwüsst, da da de Niese isch.
Das isch o nid dr Niese. Das isch es Biud vom Niese.
Jo gell, vom Hodler.
Genau.
Jo, vom Hodler.
Scho schöööö!

Der Text «Vor einem Hodlerbild» findet sich in: Beat Sterchi: Ging gang gäng. Luzern (Der gesunde Menschenversand, Edition spoken word 3) 2010, S. 26.

22.07.2015 | 17:00

Die Ukraine sei ein «gescheiterter Staat». Da könne man nichts machen – schon gar nicht in Bern. Sicher?

Dies gelesen:

«Die Europäer sollten in die Ukraine reingehen, anstatt die Rede vom failing state vor sich herzutragen. Reingehen, das heisst: mit Buslinien, mit Billigflügen, mit Reisebüros, Städtepartnerschaften, Studenten, Schüleraustauschen, Konferenzen, Reportern, Architektenbegegnungen, beruflichen Dialogen, was auch immer es an zivilen Wegen gibt. Tausendfach.»

So Karl Schlägel, Professor für Osteuropäische Geschichte, im Gespräch mit seinem Kollegen Jörg Baberowski, Professor für Geschichte Osteuropas, publiziert in der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 16. Juli 2015, Seiten 44/45.

Das gedacht:

Warum also keine Städtepartnerschaft Bern – Kiew?

07.07.2015 | 14:12

Geht das noch, unschuldig ins Meer zu steigen? Können wir dort den Flüchtlingen entrinnen, die auf der Überfahrt nach Europa ertrunken sind? Der Sommer am Meer ist anders geworden, real und in unserer Vorstellung. Ein Fast-Sonett.

 

Sommer am Meer
fast ein Sonett

Der Sommer ist da und wir fahren ans Meer
mit Streit, Gepäck und Proviant
mit dümmlichen Gameboys in jeder Hand
auch der Stau ist da, und heiss ist der Teer

Endlich am Ziel, ein Hotel direkt am Meer
Gerangel beim Frühstück, Gerangel am Strand
ein Keifen und Weinen im Familienverband
wir sind uns in den Ferien einfach zu schwer

Als wir endlich den Fuss Richtung Wasser erheben
bemerken wir blass und von Übel gepackt
da schwimmen uns zahlreiche Leichen entgegen

Wir flüchten, doch sie sind schneller und nackt
wir hören das düstere Meeresbeben
Noch vor der Grenze haben sie uns gepackt

***

Der Sommer war da und wir warn an Meer
dort fanden uns Tote und hielten uns fest
sie brachten uns stumm in ihr Todesnest
da weinen wir nun, für immer im Meer

aus: Das politische Sonett / Juni 2015 Sandra Künzi