Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

«Wir haben keine Berührungsängste»

Zwischen Drogenanlaufstelle und Reitschule, auf dem Kleeplatz aka «Problemzone Berns», entsteht für zwei Tage das «Winterwunderland», ein integrativer, unabhängiger Markt für Design, Kunst und Mode.

  • In Bern mangelt es an Plattformen für junge Designerinnen und Künstler. Im «Winterwunderland» präsentieren sie Ihre Produkte. (Fotos: Jessica Allemann)
  • «Indem wir in der Region Bollwerk-Schützenmatt ein 'Winterwunderland' aufstellen, beleben wir den Raum», sagt Projektkoordinatorin Felicia Kreiselmaier.
  • An rund 15 Ständen stellen zahlreiche Künstlerinnen und Künstler ihre Produkte aus.
  • Kreative Dekorationskunst dominiert die kleine Zeltstadt.
  • Ein Samichlaus steht anfangs des Fests noch etwas verloren im «Winterwunderland».
  • Für Glühweinnachschub ist gesorgt.
  • «Wir möchten, dass die Menschen mit den Designern und Künstlern in Kontakt treten», sagt Kreiselmaier.
  • Die «festliche und lukrative vorweihnachtliche Zeit» ist der richtige Moment für Berns Kunstnachwuchs, seine Werke anzupreisen, finden die Veranstaltenden.
  • Hier kommt junge Designer-Mode an die Frau und den Mann.
  • Da staunt selbst das Kind: Verregnetem Schnee wird mit Teppichen und Gummistiefeln getrotzt.
  • Noch werden die Artikel schön drapiert, bald sollen sie Absatz finden.
  • Feierlaune in der «Problemzone Berns».
  • Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken?

Quietschbunte Stände, mit Glittergirlanden und leuchtenden Sternen geschmückt. Dazwischen Graffitikunst, ein verlorener Weihnachtsmann neben einem Holzpinguin. Hier wird geklebt, da getuckert, Teppiche auf dem Schneeboden ausgerollt und Lampions aufgehängt. Glühwein wird angerührt, Marroni werden verbrannt... Hier, zwischen der Drogenanlaufstelle und Reitschule, auf dem Kleeplatz aka «Problemzone» entsteht das «Winterwunderland», ein «integrativer, unabhängiger Markt für Design, Kunst & Mode».

«Wir haben den Ort bewusst so gewählt», sagt Felicia Kreiselmaier, die Projektkoordinatorin des Kollektivs Frei Raum. «Wir wollen an Orte gehen, wo man normalerweise nicht hingeht. Dadurch, dass wir in der Region Bollwerk-Schützenmatt ein ,Winterwunderland' aufstellen, beleben wir den Raum.»

Plattform für junge Kunst

Jessica Allemann

«Winterwunderland», ein integrativer, unabhängiger Markt für Design, Kunst und Mode

«Das ,Winterwunderland' soll Künstlerinnen und Künstlern ohne eigenes Verkaufslokal die Möglichkeit bieten, ihre Werke anzubieten», sagt Kreiselmaier. Damit werde eine Lücke geschlossen. Denn es mangle in Bern an «Plattformen für integratives, junges und unabhängiges Design», wie die Veranstaltenden von Artacks, dem Restaurant Kapitel und dem Kollektiv Frei_Raum im Konzept des Winterfestivals schreiben. Und weiter: «Dem möchten wir entgegenwirken – und wählen dazu die festliche und lukrative vorweihnachtliche Zeit.» Der Markt ist eingebettet in ein Unterhaltungsprogramm mit Konzerten, Tanzaufführungen und Modeperformances, Kunstausstellungen und wird mit einer Party im Kapitel gefeiert.

Festival mit integrativem Charakter

Jessica Allemann

Der rote Teppch wird für alle Menschen ausgerollt.

Ein wesentlicher Bestandteil des zweitätigen Winterfestivals ist der integrative Gedanke. «Wir haben Menschen aus Behindertenwohnheimen eingeladen, und Jugendliche helfen an den Essständen mit», sagt Kreiselmaier, «auf das Konzert des Surprise Strassenchors freuen wir uns ganz besonders.» Die Nähe zur Drogenanlaufstelle sei ausserdem kein Problem. «Wir haben keine Berührungsängste und schmeissen sicherlich niemanden vom Platz», sagt die Projektkoordinatorin. Man kenne aber natürlich auch die Grenzen und werde gut aneinander vorbeikommen. «Letztlich ist für uns der Mensch wichtig. Egal ob Mann, Frau oder Kind, ob man behindert ist oder am Rande der Gesellschaft lebt: Wir wollen gemeinsam etwas erleben.»