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Jungparteien scheitern an wahlmüder Jugend

Die Jungparteien haben bei der Wahl verloren. Das bekommen Rahel Ruch (JA!) und Thomas Berger (JF) zu spüren. Nicht einmal das Thema Nachtleben konnte junge Wähler mobilisieren. Auch die Kleinparteien müssen Federn lassen.

Die grossen Gewinnerinnen der Wahl heissen SP und GLP. Beide haben drei Sitze gewonnen. Die SVP kann zwei Sitzgewinne verbuchen. Für den Gemeinderat hat es Rudolf Friedli (SVP) zwar nicht gereicht, aber mit einem Glanzresultat bleibt er im Stadtrat. Die kleinen bürgerlichen Parteien EDU und Schweizer Demokraten (SD) mussten hingegen Federn lassen. Beat Gubser (EDU) und Robert Meyer (SD) sind nicht mehr im Rat vertreten. «Es ist immer schade, wenn eine bürgerliche Partei aus dem Parlament verschwindet», sagt Friedli. «Aber jede Stimme für die SVP ist ein Gewinn und mir ist es eigentlich egal, woher sie kommt.» Seine Partei habe Stimmen gewonnen, weil der neue Fraktionspräsident Roland Jakob konstruktiver sei als sein Vorgänger Erich Hess. Zu diesem hat Friedli auch noch etwas zu sagen: «Ich politisiere anders als er.» Dies hätten auch die Wählerinnen und Wähler bemerkt, vermutet er.

«Ich politisiere anders als Erich Hess.»

Rudolf Friedli, SVP

«Die bürgerliche Seite ist weniger zersplittert, das zeigt sich auch auf nationaler Ebene», sagt Regula Tschanz (GB). Sie hat es zwar nicht in den Stadtrat geschafft, erreichte aber eine gute Nachrutsch-Position. Ähnlich geht es Michael Daphinoff, Präsident der CVP, der einen Sitz knapp verfehlte. Auf Twitter grämt er sich jedoch nicht: «Der 1. Ersatzplatz ist ein schönes Ergebnis.» Ganz ohne Enttäuschung geht es bei ihm nicht - immerhin hat die CVP einen ihrer bisher drei Sitze verloren: «Es macht mich nachdenklich, dass wir trotz unserem politischen Leistungsausweis und guten Kandidierenden in Bern auf Granit beissen», sagt er der «Berner Zeitung». 

«Die bürgerliche Seite ist weniger zersplittert.»

Regula Tschanz, GB

Auch die Grüne Freie Liste und die GPB-DA büssten jeweils einen Sitz ein. Hingegen machten die Grünliberalen GLP ein Plus von drei Sitzen. 

Jungparteien fehlen Jungwähler

Neben den kleinen Parteien hatten auch jungen Parteien schlechte Karten. Tom Berger vom Jungfreisinn schaffte es nicht in den Stadtrat. «Diese Wahlen waren für die kleinen Parteien sehr schwierig», sagt Berger. Die mediale Aufmerksamkeit habe sich fast ausschliesslich auf den Gemeinderat gerichtet und nicht auf den Stadtrat. Angesichts der tiefen Wahlbeteiligung geht er davon aus, dass in erster Linie Stammwähler an die Urnen gingen. Zu diesen gehören die jungen Wähler nicht. «Alle Jungparteien haben verloren und selbst der Juso gelang es nicht, einen Sitz zu erobern», stellt Berger fest.

«Alle Jungparteien haben verloren und selbst der Juso gelang es nicht, einen Sitz zu erobern.»

Thomas Berger, Jungfreisinn

Auch das Thema Nachtleben hat für die Wahlen nicht mobilisiert. Berger stellt bei den Jungen eine gewisse Politikverdrossenheit fest und die Haltung, dass man zur Not mit Protestaktionen etwas bewegen kann: «Vielen ist nicht klar, dass der Aufwand kleiner wäre, wenn man von Beginn weg an der Urne den richtigen Leuten die Stimme geben würde», sagt der Präsident des Vereins Nachtleben Bern.

Überraschend verpasste Rahel Ruch, Junge Alternative, die Wiederwahl in den Stadtrat. Sie politisierte seit 2009 im Stadtrat. Entsprechend enttäuscht ist sie über das Resultat. Sie geht davon aus, dass die Liste der Juso und diejenige der Alternativen Linken der JA! Stimmen gekostet hat. «Bei den Wählern der grossen Parteien bestand wohl die Angst vor Verlusten, sodass mehr unveränderte Listen eingeworfen wurden», mutmasst Rahel Ruch. Sie will aber auch auch ausserhalb des Stadtrates ihre politische Arbeit weiterführen. 

Die Wählerstimmen der JA gingen womöglich an die Alternative Linke, die neu von Christa Ammann vertreten wird.