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Schicksal des «Mubeeri» ist besiegelt

Zwei Tage nach den Wahlen lässt der Gemeinderat die Katze aus dem Sack: Das «Mubeeri» wird nicht saniert. Dafür wird am Gaswerk für 60 Millionen Franken eine Schwimmhalle gebaut. Im Marzili regt sich bereits Widerstand. 

Die Stadt will das «Mubeeri»-Bad ersetzen. (Foto: Nino Ruef)

«Wir brauchen mehr Wasser in Bern, wir haben einen Wassernotstand», sagt Gemeinderätin Edith Olibet (SP). Damit meint sie Hallenbadwasser für Schulen und den Breitensport – nicht für den Leistungssport. Das Problem lösen will der Gemeinderat mit einer neuen Schwimmhalle mit Multifunktionsbecken und 50-Meter-Bahn am Standort Gaswerk. Die Kosten belaufen sich auf rund 60 Millionen Franken. Gleichzeitig besiegelt dieser Entscheid das Aus für das «Mubeeri», welches für 36 Millionen Franken saniert werden müsste. «Wenn wir Geld wie Heu hätten, würden wir beides machen», betont Olibet.

«Wenn wir Geld wie Heu hätten, würden wir beides machen, neu bauen und sanieren.»

Edith Olibet, Sozialdirektorin

Der Gemeinderat habe aufgrund der finanziellen Lage eine Güterabwägung machen müssen, sagt Olibet. Den Entscheid fällte die Stadtregierung aufgrund einer von ihr in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie zu vier Standorten – je zwei im Marzili und auf dem Gaswerk-Areal. «So kann auf dem Gaswerk-Areal zusätzlich zum 50-Meter-Becken auch ein Multifunktionsbecken gebaut werden, was die Wasserfläche der Berner Hallenbäder trotz der vorgesehenen Aufgabe des Hallenbads Hirschengraben fast verdoppeln würde», begründet der Gemeinderat in einer Medienmitteilung.

Tausende Unterschriften für «Mubeeri»

«Wir werden uns mit allen Mitteln gegen diesen Entscheid wehren», erklärt Gisela Vollmer (SP), Co-Präsidentin des Quartiervereins Marzili. Ein Komitee von Quartierorganisationen und Fachleuten habe in den letzten Wochen mehrere Tausend Unterschriften für den Erhalt des «Mubeeri»-Schwimmbades im Hirschengraben gesammelt. Der gesamte Vorstand des Quartiervereins hat sich vor Wochenfrist dafür ausgesprochen, mit allen Mitteln gegen einen Neubau auf dem Gaswerkareal zu kämpfen. «Wir hatten befürchtet, dass ein solcher Entscheid direkt nach den Wahlen gefällt wird», so Vollmer.

 «Einen solchen Entscheid kann der Gemeinderat nicht zwei Tage nach den Wahlen und vierzehn Tage vor seinem Rücktritt fällen!»

Gisela Vollmer, Quartierverein Marzili

Bisher hat der Quartierverein die Resultate der Machbarkeitsstudie zu vier möglichen Standorten für eine 50-Meter-Schwimmhalle noch nicht gesehen. Zudem lägen bisher nicht einmal verlässliche Kostenschätzungen zur Sanierung des «Mubeeri» vor, moniert Vollmer. Kernpunkt ihrer Kritik ist die verkehrstechnische Erschliessung einer neuen Anlage am nun vorgesehenen Standort. Der Quartierverein fürchtet einen deutlichen Mehrverkehr, da das Gaswerkareal nicht adäquat mit öffentlichem Verkehr erschlossen werden kann. «Insbesondere bei schlechtem Wetter werden die Besucherinnen und Besucher – darunter auch Leistungssportler aus der ganzen Schweiz – mit Car und Auto anreisen», ist Vollmer überzeugt. Die Planung des Langsamverkehrs im Sandrain werde seit Jahren verschleppt und nun drohe mit diesem Projekt noch eine deutliche Zunahme des Verkehrs, so Vollmer. «Einen solchen Entscheid kann der Gemeinderat nicht zwei Tage nach den Wahlen und vierzehn vor seinem Rücktritt fällen!», meint die Co-Präsidentin des Quartiervereins Marzili enttäuscht.

Mobilitätskonzept fehlt noch

«Natürlich gibt es bei solchen Projekten immer auch eine Kontraseite», sagt Olibet und bestätigt, dass der Aspekt Verkehr bisher nicht in der Studie enthalten ist. «Aber es wird klar ein Mobilitätskonzept geben, in dem auch die Anbindung an den öffentlichen Verkehr berücksichtigt wird», versichert Olibet, in der Art wie es bei den Turnhallen Weissenstein gemacht worden sei. Olibet befürchtet indes kein Verkehrsproblem. Schon heute werde etwa das Marzilibad in den Sommermonaten rege besucht, ohne dass es grosse Beeinträchtigungen gebe.