Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Billiger Autofahren dank Bildungsabbau

Nachdem das Berner Stimmvolk entschieden hat, die Fahrzeugsteuern zu senken, ist der Kanton gezwungen zu sparen – auch bei der Universität Bern. Das führt zu einem Qualitätsverlust.

Die Autosteuer für Benzinschlucker werden tiefer. Dafür muss die Uni auf Beiträge verzichten. (Foto: Beat Kohler)

Die Mehrheit des Stimmvolkes im Kanton Bern will günstiger Autofahren. Das hat die Abstimmung am 23. September ergeben. Damit geht der Staatskasse Geld verloren. Insgesamt 110 Millionen Franken. Sehr direkt betroffen sind Universität, Fachhochschule und Pädagogische Hochschule. Sie müssen gut 3 Millionen Franken einsparen.

Sparen ist bei der Universität an der Tagesordnung. Bereits im ordentlichen Budget musste sie 4,8 Millionen Franken einsparen. «Die Universität Bern soll den Löwenanteil dieser heute vorgeschlagenen 3 Millionen tragen, obwohl sie bereits heute massiv unterfinanziert ist», beklagt deshalb die Studentinnenschaft der Universität Bern (SUB) dieses Vorgehen. Wie die Leitung der Universität bereits an der Jahresmedienkonferenz aufgezeigt hatte, sind in den letzten zehn Jahren die Beiträge an die Uni längst nicht im selben Mass gestiegen, wie die Beiträge des Kantons. 50 Prozent mehr Studierenden stehen – oder besser gesagt standen – 12 Prozent höhere Kantonsbeiträge gegenüber. Diese sinken nun noch. Für die SUB ist es «inakzeptabel, wenn erneut die Beiträge an die Hochschulen gekürzt werden.» Die Summe aller Einsparungen sei ganz klar ein Problem für die Universität, ihre Angehörigen und vor allem die Studierenden. «Es wird Zeit, dass sich der Kanton Bern bewusst wird, dass er sich mit immer neuen Einsparungen in der Hochschulbildung selber schadet», erklärt die SUB.

«Wir haben den Entscheid des Regierungsrates zur Kenntnis genommen»

Martin Täuber, Rektor Universität Bern

Auch die Leitung der Universität ist über den neuerlichen Aderlass nicht erfreut. «Wir haben den Entscheid des Regierungsrates zur Kenntnis genommen», erklärt Rektor Martin Täuber. Er spricht von einem «schleichenden Substanzverlust». Dieser führe zu einer Abwärtsspirale. Hat die Uni weniger Mittel, kann sie weniger Dozenten bezahlen. Die verbleibenden Dozenten können sich nicht mehr im gewünschten Masse mit der Forschung befassen. Dadurch gehen Drittmittel verloren, was zu einem weiteren Substanzverlust führt. Was dies im Konkreten bedeutet und wann für die Uni die kritische Grenze überschritten ist, kann Täuber im Moment nicht sagen. Es könne aber der Zeitpunkt kommen, an dem man über den Leistungsauftrag der Universität sprechen müsse, erklärt er.

Nach der Vorstellung des Regierungsrates muss die Hälfte der 110 Millionen Franken dadurch gespart werden, dass alle Direktionen ein wenig geben müssen. Betrachtet man die einzelnen Massnahmen, so ist wenig aber wohl der falsche Ausdruck. Viele Massnahmen treffen auch die Stadt und Region Bern ganz direkt. Hier einige Beispiele, auf was alles verzichtet wird: Ausbau der familienergänzenden Betreuungsangebote, 1'000'000 Franken; Beiträge an Gemeinschafts- und Quartierzentren, 1'500'000 Franken; Schaffung von neuen Nischenarbeitsplätzen für Langzeitarbeitslose, 500'000 Franken; Beschäftigungsmassnahmen, 1'000'000 Franken; Mensen der Gewerblich-Industriellen Berufsschule, der Berufs-, Fach- und Fortbildungsschule und der Schule für Gestaltung, 250'000 Franken; Begleitung von Jugendlichen mit Schwierigkeiten in Berufsfachschulen, 5'500'000 Franken; Fahrtenangebote im Busbereich, 300'000 Franken; Fahrten im Tramnetz Bern ausserhalb der Hauptverkehrszeiten ab Sommer 2013, 410'000 Franken. Natürlich ist die Bevölkerung von allen weiteren Massnahmen direkt oder indirekt auch betroffen.