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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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B-sprochen, B-sungen, B-gutachtet, B-klatscht

Die erste Ausgabe von «Die Redaktion. Der analoge Auftritt» von Journal B im Progr war ein grosser Erfolg. In lockerem Ambiente blickten die Protagonisten auf der Bühne musikalisch, humoristisch und im Gespräch auf die Berner Wahlen zurück.

  • Die Gäste genossen den stimmungsvollen Abend (Fotos: Remo Schmidt).
  • Im Karton wurde Moderatorin Sandra Künzi auf die Bühne gebracht.
  • Thomas Göttin, Vorstandsmitglied Verein Berner Onlinemedien, stellte sich den Fragen von Moderatorin Sandra Künzi.
  • In der «Bärerundi» diskutierten Rahel Ruch, Georg Lutz, Beat Kohler, Franziska Teuscher und Thomas Berger den Ausgang der Wahlen.
  • Oli Kehrli umrahmte mit seinen Liedern den Anlass.
  • Brian Ruchti und Simon Klopfenstein analysierten den Wahlabend in fussballerischer Manier.
  • Das Publikum hatte die Möglichkeit, der Redaktion Themen vorzuschlagen.
  • Das Publikum hatte die Möglichkeit, der Redaktion Themen vorzuschlagen.
  • Das Publikum hatte die Möglichkeit, der Redaktion Themen vorzuschlagen.

Es war ein Stimmungsvoller Abend, und das Journal-B-Team kann sich über viele positive Rückmeldungen freuen. Der Umzug in den Progr für «Die Redaktion» hat sich gelohnt. Sowohl das Programm, als auch der abschliessende gemütliche Teil fanden Anklang. Politik, Kultur, Alltag – die drei Ressorts, in denen Journal B aktiv ist – gaben dem Abend die Struktur.

Foto: Remo Schmidt

Simon Klopfenstein ging ganz in seiner Rolle als Moderator des Wahlsonntagsmatches auf.

Oli Kehrli umrahmte mit seiner Gitarre und seinen doppelbödigen Texten zusammen mit Bassist Max Grossenbacher den Polittalk «Bärerundi» und den Auftritt von Radio Gelb-Schwarz. Simon Klopfenstein und Brian Ruchti analysierten den Wahlsonntag in ihrem Fussballjargon, schreckten dabei auch nicht vor sprachlichen Blutgrätschen zurück und punkteten beim Publikum mit schnell vorgetragenen Kontern.

In der «Bärerundi» beklagte Thomas Berger, Jungfreisinnige Stadt Bern, dass sich die mediale Berichterstattung auf die Gemeinderatswahlen konzentriert hätte. Der Fokus habe zu stark auf den grossen Parteien gelegen. Bei der Stadtratswahl hätten weniger die Jungparteien verloren, sondern vielmehr die kleinen Parteien. Und diese nehmen sich gegenseitig Stimmen weg. «Es gibt mehr kleine Parteien links aussen, zudem hatten die Juso erstmals eine eigene Liste», stellte Rahel Ruch, Junge Alternative, fest. Da werde es eng.

«Den Jungen fehlt das Basiswissen zur Demokratie»

Thomas Berger, Jungfreisinn

Eine Untervertretung der Kleinparteien im Berner Parlament kann Politologe Georg Lutz nach diesen Wahlen nicht feststellen: «Im Berner Stadtrat gibt es heute 13 Parteien.» Franziska Teuscher, designierte Gemeinderätin Grünes Bündnis, schätzt die Vielfalt der Parteien – auch wenn inzwischen viele Parteien sich einen grünen Stempel geben. Die Grünliberalen GLP hätten zwar auf kommunaler Ebene zugelegt, dies aber nicht auf Kosten der anderen Grünen. «Ich freue mich, dass es in Bern so viele Grüne - auch auf der bürgerlichen Seite gibt», sagte Teuscher.

Foto: Remo Schmidt

Sie diskutierten den Wahlausgang: Rahel Ruch, Georg Lutz, Beat Kohler, Franziska Teuscher und Thomas Berger.

Vertieft diskutierte die Runde darüber, warum junge Wählerinnen und Wähler nicht an die Urne gehen und wenn sie gehen. Wählen sei heute viel zu kompliziert, sagte Berger: «Den Jungen fehlt das Basiswissen zur Demokratie». Man müsse mehr in politische Bildung investieren, damit Junge besser verstehen, wie Wählen geht. Dem wiedersprach Lutz. Politische Prozesse seien einfacher zu durchschauen. Allerdings würden sich junge Menschen erst für ein Thema interessieren, wenn es sie persönlich betreffe. Das sei oft erst, wenn sie Kinder bekämen und Steuern zahlten. «Die Jungen werden in den Parlamenten immer unterrepräsentiert sein, genauso wie die über 65-Jährigen auch», so Lutz.

Twitter ist, «wo sich Journalisten und Politiker gegenseitig liken»

Georg Lutz, Politologe

Der Politologe glaubt auch nicht, dass junge Wähler zwingend auf sozialen Medien angesprochen können. Twitter ist, «wo sich Journalisten und Politiker gegenseitig liken», stellte Lutz mit einem kleinen Seitenhieb auf den Berner Medienbetrieb fest. Schützenhilfe erhielt er von Jungpolitikerin Rahel Ruch: «Ich glaube nicht, dass man beim Wahlkampf heute zu sehr auf Twitter & Co. setzen sollte.» Für Thomas Berger ist aber klar, dass Politiker heute in 140 Zeichen ihre Anliegen auf den Punkt bringen müssen, weil Lösungen auf zwölf A4-Seiten einfach nicht gelesen würden.

Mit welchen Themen sich Politiker und Medienschaffende in Zukunft beschäftigen sollten, das konnten die Besucherinnen und Besucher klar machen, indem sie sagten – oder schrieben – was sie bewegt. Die Wohnungsnot in der Stadt, die Schwierigkeiten bei der Kinderbetreuung oder auch die Höhe der Studiengebüren waren nur drei von etwa 40 verschiedenen Themen, die vom Publikum vorgeschlagen wurden. Journal B sieht darin eine Verpflichtung, sich diesen Themen anzunehmen.