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Brabeck-Referat abgesagt

Ein geplantes Referat des Nestlé-Verwaltungsratspräsidenten Peter Brabeck an der Pädagogischen Hochschule Bern hatte für Kritik gesorgt. Jetzt wird es abgesagt.

Nächsten Montag hätte Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck am Institut für Weiterbildung der Pädagogischen Hochschule Bern (PH) ein Referat halten sollen. Dagegen war auf Facebook zu einer Demonstration aufgerufen worden und auch PH-intern formierte sich Widerstand. Journal B berichtete.

Nun wird das Referat abgesagt, wie Cla Martin Caflisch, Mediensprecher der PH, mitteilt. Die Organisierenden hätten Anfang Woche überprüft, ob das sogenannte Montagsforum noch im gewohnten Rahmen durchgeführt werden könne. «Dabei hat sich gezeigt, dass dies kaum mehr möglich ist, und dass die notwendigen Begleitmassnahmen unverhältnismässig gross wären», so Caflisch. Den Absage-Entscheid getroffen habe Professor Gottfried Hodel, Leiter des Instituts. Hodel bedaure, dass es zum ersten Mal in der fünfjährigen Geschichte des Montagsforums soweit komme, lässt Caflisch ausrichten.

«Wir hätten uns eine Reaktion auf die inhaltliche Kritik gewünscht.»

Alwin Egger, Attac-Aktivist

Alwin Egger von der globalisierungskritischen Organisation Attac ist nicht traurig über die Absage. «Wir hätten uns aber eine Reaktion auf unsere inhaltliche Kritik gewünscht.» Dass der Anlass nun aus organisatorischen Gründen abgesagt werde, versteht er nicht: «Vor einer kleinen Demo hätte man doch keine Angst haben müssen», sagt Egger. Attac hatte noch heute Dienstagnachmittag zu einer Protestaktion für nächsten Montag aufgerufen.

Philippe Blanc, Assistent am PH-Institut für Heilpädagogik, hatte zusammen mit anderen Dozierenden einen offenen Brief ans Rekorat verfasst. In den letzten Tagen hätten rund 50 PH-Mitarbeitende und rund 50 Studierende die Forderung nach einer Absage des Referats unterschrieben, sagt Blanc. Die Unterschriften seien am Dienstagnachmittag dem Rektorat übergeben worden. Im offenen Brief waren verschiedene Geschäftspraktiken des Konzerns und dessen «Machtballung» kritisiert worden.

Auf die Frage, ob mit dem Protest nicht Herrn Brabecks Recht auf freie Meinungsäusserung beschnitten worden sei, antwortet Blanc: «Es ging uns nicht um Brabeck als Person, sondern darum, dass der Konzern, für den Brabeck steht, keine Selbstdarstellungsplattform erhält.» Eine kontroverse Diskussion zwischen Nestlé und den Betroffenen des Nestlé-Geschäftsgebahrens sei in diesem Rahmen ohnehin nicht möglich gewesen, meint Blanc.