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SVP: Wahlkampf auf Sparflamme

Wollen die Kandidierenden der SVP für den Gemeinderat überhaupt gewählt werden? Webauftritte und eingesetzte Wahlkampfmittel lassen Zweifel aufkommen.

«Frische Ideen in den Gemeinderat»: So wirbt ein Banner auf der Website der SVP der Stadt Bern. Darunter die verpixelten Köpfe der Kandidatin Karin Hess-Meyer und der Kandidaten Beat Schori und Rudolf Friedli. Wer nun deren frische Ideen kennenlernen will, der wird schnell aufgeben: Sie sind nicht zu finden. Kein Wahlprogramm, keine Agenda mit Wahlkampfanlässen, keine Links zu den Seiten der Kandidierenden.

«Ich will mir nicht wie andere SVPler ein Burnout holen.»

Rudolf Friedli, Gemeinderatskandidat SVP

Wobei zumindest Letzteres logisch ist: Beat Schori hat keine Website. Rudolf Friedli auch nicht. Karin Hess-Meyer gibt auf ihrer bescheidenen Website immerhin auf wenigen Zeilen ein paar Allgemeinplätze zu Bildung, Arbeitsplätzen und Sicherheit zum Besten – und verschweigt völlig, dass sie für die SVP ins Rennen steigt. Auch hier: keine Veranstaltungseinladungen, keine konkreten «frischen Ideen» – dafür ein paar Fotos aus Beruf und Familie.

Fragt sich, ob Karin Hess-Meyer überhaupt einen Wahlkampf führt. Als Quereinsteigerin hätte sie einiges aufzuholen, was ihre inhaltliche Positionierung angeht. Letztmals in einer Zeitung zitiert wurde sie Ende August. Als einzige Kandidierende für den Gemeinderat wollte sie gegenüber Journal B keine Utopie für die Stadt entwerfen. Ihre etwas seltsame Begründung damals: «Das hat mit meiner persönlichen Wahlkampfstrategie zu tun.»

Wahlkampf aus den USA?

Stellt sich die Frage, wie diese Strategie denn genau aussieht. Das Problem: Frau Hess-Meyer weilt derzeit in den Ferien in den USA. Nach drei Wochen Ferien zurückgekehrt ist Gemeinderatskandidat Rudolf Friedli. Er glaubt, Frau Hess-Meyer setze eher auf einen persönlichen Wahlkampf: «In Bümpliz ist sie sehr bekannt.» Hess-Meyer vertritt den Gewerbeverein KMU Bern-West in der Quartierkommission und ist Bernburgerin. «Ich glaube, sie setzt vor allem auf diese Kanäle», sagt Friedli.

Auch Friedlis eigene Wahlkampfmassnahmen sind eher bescheiden: «Ich gebe etwa 5000 Franken aus», sagt der heutige Stadtrat. Mit diesem Budget seien Plakate nicht zu machen. Er schaltet stattdessen Inserate und verteilt Postkarten an Kollegen, in der Hoffnung, dass diese damit ihre Bekannten mobilisieren. Friedli, der von «PC-Zeugs keine Ahnung» hat, sagt zur fehlenden Präsenz im Web: «Klar müsste man als ehrgeiziger Kandidat eine Homepage haben.» Mit einem strengen Beruf und einem Stadtratssitz könne man aber nicht alles machen – «Ich will mir nicht wie andere SVPler ein Burnout holen», so Friedli scherzhaft. Wichtig sei ihm der Strassenwahlkampf: Er werde ab Mitte Oktober jeden Samstag an einem SVP-Stand in den Quartieren stehen.

«Wir haben nicht Forfait gegeben»

Peter Bernasconi, Präsident SVP Stadt Bern

Im Strassenwahlkampf zu sehen wird auch Beat Schori sein. Der bekannteste SVP-Kandidat wendet deutlich mehr Mittel als Friedli auf. Gut 30‘000 Franken für Inserate, Flugblätter und Plakate. Eine Website habe er früher mal betrieben, nach seinem zwischenzeitlichen Rücktritt aus der Politik aber aufgegeben. «Eine gute Homepage kostet 5000 bis 6000 Franken, das Geld investiere ich lieber in Inserate.» Und so muss, wer etwas über Schoris Inhalte erfahren will, ihn auf der Strasse an einem SVP-Stand treffen – ohne dass online herauszufinden wäre, wann und wo diese stehen.

Präsentere FDP-Kandidaten

Zum Vergleich: Die beiden auf derselben Liste antretenden Gemeinderatskandidaten der FDP, verfügen nicht nur über deutlich mehr Mittel für den persönlichen Wahlkampf (Alexandre Schmidt: Etwa 50‘000 Franken; Bernhard Eicher: Etwa 45‘000 Franken), sie betreiben auch informative Websites und sind in den sozialen Medien aktiv. Darüber hinaus sind sie in der lokalen Medienberichterstattung präsenter als die Kandidierenden der SVP.

Es ist davon auszugehen, dass das Bürgerliche Bündnis in den Wahlen einen Sitz holen wird. Frage an Peter Bernasconi, Präsident der städtischen SVP: Hat die SVP angesichts der listeninternen FDP-Konkurrenz bereits Forfait gegeben? Bernasconi: «Das ist nicht der Fall.» Es sei eine persönliche Angelegenheit der Kandidierenden, ob sie eine Homepage wollen oder nicht. Die SVP werde ein Wahl-Manifest in jeden Haushalt verteilen, die Bevölkerung also auch inhaltlich erreichen. «Wir haben es bewusst noch nicht online gestellt, weil die Leute erfahrungsgemäss erst in der Zeit kurz vor den Wahlen nachschauen gehen.» Bernasconi glaubt auch, dass die eingesetzten finanziellen Mittel für den Wahlkampf nicht entscheidend seien. «Gemeinderatswahlen sind Persönlichkeitswahlen», sagt Bernasconi und verweist auf 4500 «rein persönliche Kontakte», welche die Partei anschreiben werde und auf den Strassenwahlkampf. «Dann gibt es noch die Kampagne des Bürgerlichen Bündnisses»: SVP und FDP würden dafür gemeinsam 100‘000 Franken investieren, so Bernasconi.

Auf der von der Werbeagentur Komet erstellten Website des Bürgerlichen Bündnisses sind übrigens bei genauerem Hinsehen bereits heute Positionen der Kandidierenden der SVP zu finden: Referate in Form von PDF-Dateien.