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50 Prozent mehr Studierende als 2001

Die Uni wächst. Das zeigen die neusten Zahlen zu den Studierenden an der Universität Bern. Nie zuvor waren es so viele. Das wirkt sich strukturell und finanziell aus.

Die Standorte der Uni Bern prägen die Länggasse. (Foto: Beat Kohler)

15 450 Studierende prägen ab dem 14. September das Bild der Stadt Bern mit. 4300 Studierende bewegen sich erstmals auf dem Gelände der Uni. Das hat die Universität Bern an ihrer Jahresmedienkonferenz bekanntgegeben. Die Anzahl junger Menschen, die in Bern ihre Hochschulausbildung absolvieren, hat in den vergangenen zehn Jahren um rund 50 Prozent zugenommen. Dagegen war sie in den 1990er-Jahren bei rund 10 000 Studierenden stabil. Kam 1991 ein Student auf 13 Stadtbewohner, so ist heute auf 9 Stadtbewohner ein Student in Bern unterwegs.

Wachstum wirkt sich aus

Dieses grosse Wachstum hat Auswirkungen auf die Infrastruktur. Im umgenutzten Von-Roll-Areal finden die Philosophisch-humanwissenschaftliche Fakultät, das Departement Sozialwissenschaften und die Pädagogische Hochschule eine neue Heimat. Die Hörsäle werden bereits genutzt. Ende 2013 sollen auch die Institutsräume in Betrieb genommen werden. Angesichts der deutlich gestiegenen Studierendenzahlen wird auch das Zentrum Sport und Sportwissenschaft ausgebaut. In den kommenden Jahren wird die Uni weitere Gebäude übernehmen. Direkt neben dem Hauptgebäude, an der Hochschulstrasse 6, übernimmt die Uni ein Gebäude der SBB, welches sie ab 2015 für ihre Verwaltung nutzen will. Ein weiteres Gebäude der SBB an der Mittelstrasse 43 wird von der Uni ab 2018 genutzt werden. So kommuniziert es die Hochschule auf ihrer Webseite. Die Uni wird in den kommenden zehn Jahren das Erscheinungsbild der Länggasse prägen wie nie zuvor.

Keine Wertschöpfung vernichten

Mit der bestehenden Infrastruktur kann die grosse Zahl an Studierenden verkraftet werden. Ob sich die Uni den Zustrom auch finanziell leisten kann, ist weniger klar. Der grösste Geldgeber der Uni – der Kanton Bern – steckt zum wiederholten Male in Finanznöten. Die Beiträge sind nicht im gleichen Masse gewachsen wie die Zahl der Studierenden. Der Verwaltungsdirektor der Uni Bern, Daniel Odermatt, rechnet an der Jahresmedienkonferenz vor, dass die Uni teuerungsbereinigt seit Jahren mit denselben Beiträgen auskommen muss. Schon in den vergangenen Jahren hat die Uni sparen müssen. Wie Odermatt vorrechnete, sind bei einem Gesamtbudget von 740 Millionen Franken 12 Millionen Verlust vorgesehen. Diesen Verlust habe man dank verschiedenen Massnahmen halbieren können. Angesichts der Finanznot rechnet er damit, dass die Uni weiterhin einem grossen Spardruck unterworfen sein wird. Von konkreten Massnahmen, die ergriffen werden könnten, war zumindest an der Jahresmedienkonferenz noch nicht die Rede. Der Appell an die Politik war aber unüberhörbar. Die Uni verlässt sich offensichtlich nicht mehr alleine darauf, dass man ihre Notwendigkeit für die Ausbildung des akademischen Nachwuchses anerkennt. Odermatt rechnete vor, dass jeder vom Kanton bei der Uni ausgegebene Franken das Fünffache an Wertschöpfung mit sich bringt. Zu jedem Franken, den der Kanton ausgibt, kommen zwei Franken an Bundesbeiträgen und Drittmitteln. Über die Löhne fliesst dieses Geld zu einem grossen Teil im Kanton Bern in den privaten Konsum und über Steuern zurück an den Kanton. Jeder falsch eingesparte Franken habe das Potenzial, fünf Franken Wertschöpfung zu vernichten, erklärte Odermatt.

Bern ist beliebt

Trotz knapper finanzieller Mittel ist Bern aber offenbar bei den Studentinnen und Studenten beliebt. Davon ist die Unileitung nicht nur aufgrund der steigenden Studierendenzahlen überzeugt. Zwei Drittel der Studierenden, welche in Bern ihren Bachelor abschliessen, bleiben auch für den Master in Bern. Nur 10 Prozent wechseln an eine andere Uni. Das wird durch den Zustrom von anderen Unis mehr als aufgewogen. Ein Drittel aller Master-Studierenden kommt von anderen Unis nach Bern. Für die Unileitung ist das ein deutliches Indiz dafür, dass die Master-Lehrgänge von guter Qualität sind. Möglicherweise ist der Zustrom auch ein Indiz dafür, wie gut die Lebensqualität in Bern ist.