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Kirchenfeld mehrheitlich rotgrün. Rotgrün wächst auch in Bümpliz. (Teil II)

Die rotgrünen Parteien haben die Gemeindewahlen gewonnen und erneut zugelegt. Die Analyse der Stadtratsergebnisse in den Zählkreisen zeigt, dass die Entwicklung in den einzelnen Quartieren der Stadt nicht einheitlich ist.

Welche Parteien überzeugten in welchen Quartieren? Auf dem Bild diskutieren Vertreter*innen der Jungparteien im Polit-Forum Käfigturm. (Foto vom 12.11.2020: Susanne Goldschmid)

Rotgrün hat auch im Kirchenfeld die Mehrheit inne

Das Kirchenfeld war lange Zeit die Hochburg der FDP (mit gut 30% Stimmenanteilen). Nach den jüngsten Wahlen verfügt die FDP noch über knapp 15 Prozent. Gegenüber den letzten Wahlen hatte sie fast drei Prozentpunkte eingebüsst. Die SVP verlor ihrerseits zwei Prozentpunkte und hat jetzt noch eine Parteistärke von acht Prozent.

Um 3,5 Prozentpunkte zugelegt haben dagegen im Kirchenfeld die bürgerlichen Mitteparteien (auf fast 24%). Mit fast 15 Prozent (+4.8 Punkte) ist die GLP die stärkste von ihnen.

Auch Rotgrün steigerte sich gegenüber den letzten Wahlen und baute seine Mehrheit leicht auf 53 Prozent aus. Die drei grünen Parteien, die zu den Grünen Schweiz gehören, kommen auf 25 Prozent, die SP auf 24 Prozent. Etwas weniger ausgeprägt als in den meisten Stadtteilen ist im Kirchenfeld der Vorsprung des GB/JA! (14%) auf die GFL (10%).

Kirchenfeld: Historischer Vergleich

Beeindruckend sind die Veränderungen im Kirchenfeld im zeitlichen Vergleich: Seit 1980 hat die FDP 18 Prozentpunkte eingebüsst (auf 15%), sie wurde also mehr als halbiert. Die SVP wiederum ist um vier Prozentpunkte schwächer geworden (auf 8%).

Profitiert von diesen immensen Verlusten hat einerseits die bürgerliche Mitte (+10 Prozentpunkte), vor allem die GLP. Noch ausgeprägter als bei der bürgerlichen Mitte ist andrerseits der Zuwachs bei den rotgrünen Parteien: Die Grünen legten um acht Punkte zu, die SP um vier und die kleinen Linksparteien um drei Punkte.

In Bümpliz sind SVP und SP am stärksten

Bümpliz ist der einzige Stadtteil, in dem die SVP seit zwanzig Jahren sehr stark ist. 2016 war ihr Stimmenanteil etwas grösser als derjenige der SP. Bei den jüngsten Wahlen aber verlor die SVP fast drei Prozentpunkte und ihre Parteistärke liegt nun bei 24 Prozent. Die SP wurde zwar auch leicht schwächer (-1 Punkt), mit 25 Prozent liegt sie nun aber wieder etwas vor der SVP.

Für die Grünen ist der Westen Berns seit je ein hartes Pflaster. Gegenüber den letzten Wahlen haben sie sich aber um drei Prozentpunkte gesteigert (auf 16%), was das bisher beste Ergebnis darstellt. Die rotgrünen Parteien kommen so mit den kleinen Linksparteien auf 45 Prozent Stimmenanteil (+3 Prozentpunkte).

Die bürgerlichen Mitteparteien konnten ihren bisherigen Stand von 21 Prozent halten. Die GLP ist mit neun Prozent die stärkste Partei, vor EVP (5%), CVP und BDP (je rund 4%).

Die FDP konnte sich bei knapp acht Prozent halten. Zusammen mit der SVP (24%) und der EDU (1%) kommen die Rechtsbürgerlichen auf einen Drittel aller abgegebenen Stimmen.

Bümpliz: Historischer Vergleich

Jahrzehntelang war Bümpliz die SP-Hochburg der Stadt Bern. 1980 betrug die Parteistärke der SP 44 Prozent. Bis 2020 verlor sie jedoch 19 Prozentpunkte. Von diesen Verlusten profitierten die Grünen und die kleinen Linksparteien nur knapp zur Hälfte (+9 Prozentpunkte).

Es waren vorerst vor allem die kleinen Rechtsparteien, die Schweizer Demokraten und die Autopartei, welche auf Kosten der SP zulegten: Bis 1996 holten sie zusammen zwischen 19 bis 24 Prozent aller Stimmen. Ab 2000 übernahm die SVP den Lead im rechten Segment. Sie beerbte die kleinen Rechtsparteien und steigerte ihre eigene Parteistärke von rund zwölf Prozentpunkte auf 27 Prozent (2016). Das Wahlsegment der kleinen Rechtsparteien und der SVP ist in diesem Zeitraum aber nicht gewachsen; von 1992 bis 2004 bewegte es sich um rund einen Drittel, nachher wurde es kleiner (2020: 25%).

Innerhalb der bürgerlichen Mitte hat die GLP die BDP als Leader abgelöst: 2008 hatte die BDP zwölf Prozent Stimmenanteil, 2020 betrug er noch vier Prozent. Dagegen steigerte die GLP ihre Parteistärke von zwei Prozent (2008) auf neun Prozent.

Die Verankerungsmuster der grösseren Parteien in den Stadtteilen

Die SP ist in allen Zählkreisen sehr stark vertreten. Etwas grösser ist ihre Parteistärke in der Länggasse, im Mattenhof und im Breitenrain (29%–30%), etwas niedriger in Bümpliz (25%) und im Kirchenfeld (24%). Die drei Grünen (GFL, GB/JA!, GP), welche zur Grünen Partei der Schweiz gehören, haben ein ähnliches Verankerungsmuster wie die SP: Ihre Hochburgen liegen in der Länggasse, im Breitenrain und im Mattenhof (30%–31%). Etwas schwächer sind sie im Kirchenfeld (25%), noch schwächer in Bümpliz (16%).

Die Grünliberalen erreichen eine Parteistärke von rund 14 Prozent im Mattenhof, im Kirchenfeld und in der Länggasse. Im Breitenrain beträgt ihr Stimmenanteil 12.5 Prozent, in Bümpliz neun Prozent.

Werden hinsichtlich des gemeinsamen Labels «grün» die Stimmen der Grünen und der Grünliberalen zusammengezählt, so sind Länggasse, Mattenhof und Breitenrain mit 43 bis 45 Prozent Stimmenanteilen die «grünsten» Stadtteile, gefolgt vom Kirchenfeld (40%). In Bümpliz sind es dagegen nur 25 Prozent.

FDP und vor allem die SVP haben sehr einseitige Verankerungsmuster. Die einzige Hochburg der FDP ist das Kirchenfeld (14.5%). In allen anderen Zählkreisen ist sie mit rund acht Prozent deutlich weniger stark vertreten. Die SVP wiederum hat ihre Hochburg in Bümpliz (24%); in den anderen Zählkreisen bewegt sich ihre Parteistärke zwischen fünf und acht Prozent.