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Journal B

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Mysteriöser Kasernen-Deal

Aus den Quartieren

Was passiert mit dem Kasernenareal im Norden Berns? Sicher nicht das, was Quartier und Stadtplanung wollen.

Gemeinderätin Franziska Teuscher, 2016 noch hoffnungsfroh vor der Kaserne Bern. (Foto: zvg)

Spätestens seit der ersten Armeeabschaffungsinitiative 1989 und der Verhinderung des Armeemuseums auf dem Kasernen-Areal ist klar: Das Berner Nordquartier ist ausgeprägt anti-militaristisch. Trotzdem gab es nie Fundamentalopposition gegen den Standort des Fremdkörpers Kaserne – wie etwa in Basel oder Zürich, wo die Umnutzungen längstens Tatsache sind. Die Bemühungen gingen eher in Richtung Öffnung: Unter anderem wird auf der Wiese Seite Papiermühle fleissig Fussball gespielt. Und auch Finnenbahn oder die Kasernenwiese Seite Militärstrasse ist für das Publikum geöffnet, mit dem Höhepunkt Flohmarkt der Kinder jeweils am Herzogstrassen-Fest.

Trotzdem: Neugestaltung und Umnutzung waren immer ein Thema. Zwar fanden kantonale Pläne unter dem Namen «Quanterra» im Jahr 2007 keinen Rückhalt, da zu pompös. Und: Im Berner Stadtentwicklungskonzept 2016 (Stek) liegt auf dem Kasernenareal eine violette Wolke, was laut Erläuterungen «chantier» resp. «Gebiet mit hohem Entwicklungspotenzial» bedeutet.

 Als Gemeinderätin Franziska Teuscher (Grünes Bündnis) 2016 mit dem Quartier ein Podium veranstaltete, gingen die Ideen Richtung Kulturraum und Wohnungen, unter Beibehalt möglichst vieler Grünflächen zwecks Naherholung. Es war sogar die Rede davon, dass der Vertrag zwischen Vermieter Kanton und Mieter Bund (VBS) schon vor 2028 aufgelöst werden könnte. Dass die Armee auf diesem Gelände mitten im Wohnquartier Zukunft haben könnte, war zu diesem Zeitpunkt undenkbar. Auch wenn dort schon lange nicht mehr Füsiliere im Schützengraben herumkriechen,  sondern die Armeemusik schmissige Märsche intoniert und zukünftige Feldweibel Kurse besuchen.

Information mit Verzögerung und via Medien

Erst als auf dem Kasernenareal auch ein Asylzentrum zur Diskussion stand, kommunizierte das VBS im Februar 2019 mit mehrmonatiger Verzögerung, dass der Mietvertrag um 20 Jahre, also bis 2048, vom Kanton verlängert worden sei. Recherchen von Journal B ergaben, dass der Berner Gemeinderat nie über diese Vertragsverlängerung informiert wurde.

Die Stadtteil-Kommission DIALOG Nordquartier lud am 19. Juni 2019 Vertreter von Kanton und Bund ein, um dazu Stellung zu nehmen.  Die drei Vertreter gaben zu, weder die Bevölkerung noch den Gemeinderat über die Verlängerung (Wahrnehmung einer Option) informiert zu haben. Auf nationaler Ebene sei jedoch der Standort Bern im Stationierungskonzept 2013 und im Sachplan Militär explizit genannt worden, und das seien doch immerhin öffentliche Dokumente…

DIALOG-Präsident Urs Frieden bevorzugt andere Lektüre, deshalb wurde auch er von der neuen Entwicklung überrascht. «Es war gut, dass sich die Vertreter von Kanton und Bund der Versammlung gestellt haben», sagt Frieden. «Aber die Vertragsverlängerung und die Nicht-Kommunikation darüber bleiben höchst problematisch. Nicht nur aus Sicht der Partizipation, sondern auch mit Blick auf eine gemischtere Nutzung und auf die Stadtentwicklung.»

Zwei Vorstösse

Stefan Jordi, Grossrat SP und Quartierbewohner, fragt nun in einer Interpellation nach, wieso sich der Kanton nicht zusammen mit der Stadt Bern beim VBS für eine zivile (Teil-)Nutzung eingesetzt hat und ein entsprechendes Postulat vom März 2017 noch nicht beantwortet sei. Zudem macht Jordi darauf aufmerksam, dass das Areal «stark unternutzt» sei – gerade in Zeiten innerer Verdichtung von Zentrumslagen eine unschöne Situation. Auch Rahel Ruch, Stadträtin Grünes Bündnis, wird in diesen Tagen vorstössig, um ihrerseits mit einer Kleinen Anfrage dem Gemeinderat etwas Beine zu machen.