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Kommentar /

Christoph Reichenau

Ein klares Ja für die Kulturförderung

Mit Ja-Mehrheiten von 80 bis fast 90% haben die Berner Stimmberechtigten den städtischen Betriebsbeiträgen an 4 Kultureinrichtungen für die Jahre 2020-2023 zugestimmt. Die Stimmbeteiligung betrug 47,8%. Ein Vertrauensbeweis und eine Verpflichtung.

Genoss bei der Abstimmung grossen Rückhalt: das bernische historische Museum. (Bild: Nikolai Karaneschev)

Zur Abstimmung standen die Anteile der Stadt an die Subventionen des Historischen Museums, von Konzert Theater Bern, der Kornhausbibliotheken und der Dampfzentrale. Die Stadtanteile betragen grundsätzlich 48%; hinzukommen 40 % des Kantons und 12% der 80 in der Regionalkonferenz Bern-Mittelland vereinten Gemeinden. Beim Historischen Museum finanzieren der Kanton und die Burgergemeinde Bern je ein Drittel; die Stadt (22,33%) und die Regionsgemeinden (11%) berappen das dritte Drittel.
Bei 47,8% Stimmbeteiligung erzielte das Historische Museum 89,2% Ja, Konzert Theater Bern 81,8%, die Kornhausbibliotheken 88,4% und die Dampfzentrale 79%. Bei etwa gleicher Beteiligung liegen damit die Zustimmungsraten gut 3 Prozentpunkte höher als im Juni 2015.

Zustimmung in allen Stadtteilen

Interessant, dass es klare Ja-Mehrheiten in allen 6 Stadtteilen gab, wobei jene in Bümpliz/Bethlehem durchwegs um 10 bis 15 Prozentpunkte tiefer lag als in den 5 anderen Bezirken; am schlechtesten schnitt dort die Dampfzentrale mit minus 17,6% im Vergleich mit dem Gesamt-Ja ab. Man darf daraus den Schluss ziehen, dass auch jene Bernerinnen und Berner Kultur und Bildung fördern wollen, die vielleicht selber davon nicht direkt Nutzen ziehen. Bern ist demnach wirklich eine Stadt, zu deren Identität Kultur und Bildung gehören.

Allerdings: Abgestimmt wurde ausschliesslich über die Beiträge an vier Institutionen. Deren Subventionen belaufen sich auf insgesamt 26,26 Millionen Franken pro Jahr. Dies sind zwei Drittel des Globalbudgets für Kultur, das von 2019 auf 2020 um 2,3 Millionen auf neu 39 Millionen steigt.

Gefördert wird noch mehr Kultur

Wohin fliesst das restliche Drittel?

- Es fliesst einerseits in den Betrieb weiterer Einrichtungen und Organisationen: zum Berner Kammerorchester, zur  Camerata Bern, zum Festivals Buskers Bern, zum Theater an der Effingerstrasse, zum Kornhausforum, zum Kleinkunstort La Cappella, zum Swiss Jazz Orchestra, zum Theaterfestival Auawirleben, zum Konzertveranstalter bee-flat im PROGR, zum Schlachthaus Theater, zum Einsteinhaus, zur Grossen Halle der Reitschule sowie zur Interessengemeinschaft Reitschule (dieser Vertrag ist noch nicht fertig ausgehandelt), zum Kino Rex, zur Kinemathek Lichtspiel, zur Kunsthalle, zum Robert Walser-Zentrum, zum Tojo Theater und zum Haus der Religionen.

- Und es fliesst andererseits in die Förderung künstlerischer Projekte in allen Kunstsparten durch Fachkommissionen und Jurys.

Darüber wurde nicht abgestimmt, weil die Bewilligung der entsprechenden Gelder in die Zuständigkeit des Gemeinderats oder des Stadtrats fällt.

Und auch andere fördern

Wichtig zu wissen: Mit keinem Franken aus dem städtischen Globalkredit Kultur mitfinanziert werden das Naturhistorische Museum, das Museum für Kommunikation, das Kunstmuseum sowie das Zentrum Paul Klee. Kunstmuseum und ZPK subventioniert ausschliesslich der Kanton als «Kulturinstitutionen von mindestens nationaler Bedeutung» gemäss Kulturförderungsgesetz. Das Naturhistorische ist eine Abteilung der Burgergemeinde Bern. Und für das Kommunikationsmuseum kommt eine Stiftung von Swisscom und der POST auf. 

Die geförderte Kultur in Bern ist vielfältig und reichhaltig. Sie baut auf einer weitgehend nicht geförderten Kultur aus Chören, Musikensembles, Buchhandlungen, Kunstgalerien, Kinos usw., die oft im Milizsystem aufrechterhalten wird. Ohne diesen Teil fehlt der Humus, ohne den Kulturförderung nicht gedeiht.