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KOLUMNE /

Renato Kaiser

01.04.2019 | 10:34

Der Ständerat will TerroristInnen in Folterstaaten ausschaffen. Macht sich die Schweiz damit zur Mittäterin? Eine erfrischende Perspektive auf die Schweizerische Neutralität von Renato Kaiser.

Michael Elsener: Ide letschte paar Wuche isch vell drüber diskutiert worde, wie mer sell mit Dschihadischte ide Schwiz umgoh. - De Ständerot hed am Zischtig beschlosse, dass mer Terrorischte döf i Folter-Staate uslifere. – D'Frog a oisen Usse-Korreschpondänt, Renato Kaiser: Was bedütet das genau für d'Schwiz?

Renato Kaiser: Ä witers Kapitel idä glorrichä Gschicht vodä Schwizer Neutralität dankerä Mehrhait idä SVP, FDP und CVP, also do mueni sägä: Bravo.

M: Renato, das macht für mich kä Sinn. - Was sell das mit Neutralität z'tue ha?

R: Jo aber sicher! D'CVP sait chrischtlich neutral: «Halte nicht die andere Wange hin, sondern die Wange eines anderen.» D'SVP findet: «Was? Jetz hemmer joorelang Menschä wiä Terrorischtä behandlet und ufzmol sölemer Terrorischtä wiä Menschä behandlä, was isch denn do los?» Und d'FDP bliibt liberal und sait: «Hey super, outsourcing! Söll jedä folterä wiener will, isch schliesslich än fraiä Markt.»

M: Aber ide Schwizer Bundesverfassig stoht doch, dass mer Mensche ned döfed i Staate uslifere, wo sie chönnted gfoltered wärde.

R: Jo scho, aber das isch kai Problem, sait dä FDP-Ständerot Martin Schmid. Er wöli aifach, dass dä Bundesrot do däbi dä maximali Schpiilruum uusschöpfi. Er hät gsait «Ich bin überzeugt, da gibt es noch Luft».

M: «Es git no Luft.» - Was sell das genau heisse?

R: Jo das hät er nöd gsait. Aber worschinli: Mee Schpiilruum im Folterruum, kai Aanig. Vilicht faart er höchschtpersönlich mit somenä Terrorischt in Folterstaat und sait denn bim Waterboarding: «Ich bin überzeugt, da gibt es noch Luft.»

M: Renato, das isch gäge d'Bundesverfassig. Und gad au no gäge s'zwingende Völkerrächt.

R: Na ja. Nöd zwingend. Nur so äs bizli. Vilicht. Äs isch jo nöd so, dass mir denä Länder sägäd, sie söläd diä Lüt folterä, wo mir ihnä usschaffed, mir blibed do neutral.

M: Naja, das tönt jetz echli nachere fuulen Usred.

R: Nai Michi, das haisst nöd Usred. Das haisst: Neutralibi.

M: Aso das chasch eme andere aagäh. – Das tönt so chli wie bide Waffen-Export. D'Schwiz liefered Waffe und isch denn überrascht, dass die Waffe au würkli igsetzt wärded.

R: Nai Michi, das isch nöd genau s'Gliche: Dass Terrorischtä chönted gfoltered werdä, nememer in Chauf. Dass Waffä chönted igsetzt werdä, nememer in Verchauf. Wamer aber cha sägä: Für d'Schwiz isches mit Folter ächli gliich wiä mit Chrieg: Guet - wenn's än anderä macht.

M: Macht sich d'Schwiz so denn ned zum Mittäter?

R: Nai, mir sind kai Mittäter. Mir mached jo nünt! Mir sind höchschtens Neutralitäter. Neutral, neutraler, Neutralitäter. Und schlussendlich isches aifach nur konsequent: D'Schwiz schickt Waffe i Bürgerchriegsländer, idä Hoffnig, dasses kai Chrieg gitt. Und sie schickt Terrorischtä i Folterschtaatä idä Hoffnig, dass sie nöd gfoltered werded. Minerä Mainig no isch das DIE TOTALE NEUTRALITÄT. Die Neutralität ist gross! Oder wiä me uf Arabisch sait: Neutrallahu Akhbar!

M: Oisen Usse-Korreschpondänt, de Renato Kaiser.

 


Dieser Beitrag erschien in der SRF Sendung «Late Update». Auf Journal B gibt es die Auftritte von Renato Kaiser regelmässig zum Nachlesen in Schriftform.