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Der Nationalrat und – gestern – der Ständerat haben für das Alpine Museum das Budget 2019 und den Finanzplan der Eidgenossenschaft korrigiert und den Bundesbeitrag gegenüber dem Antrag des Bundesrats verdreifacht. Eine Rettung aus existentieller Not.

Dank einem Kategorienwechsel fällt die Budgetkürzung für das Alpine Museum jetzt doch kleiner aus als befürchtet. (Foto: alpinesmuseum.ch)

Das Zauberwort heisst «Kategorienwechsel». Ab 2019 ist das Alpine Museum der Schweiz (alps) in Bern nicht länger ein Museum, sondern neu ein «Netzwerk» – das nationale Kompetenzzentrum für das alpine Kulturerbe der Schweiz. Es ist damit gleichgestellt der Schweizerischen Stiftung für Photographie, dem Verein «Memoriav» zur Erhaltung des audiovisuellen Kulturgutes, der Stiftung Schweizer Tanzarchiv, dem Verband der Museen der Schweiz sowie der Stiftung Schweizer Museumspass. Den Mitgliedern des exklusiven Klubs eigen ist, dass sie je auf ihre Weise das kulturelle Erbe des Landes Schweiz bewahren, erschliessen oder vermitteln.

Die Tätigkeit des alps als Museum wäre dem Bund jährlich Fr. 250'000.- wert gewesen. Die Tätigkeit als «Netzwerk» wird mit Fr. 780'000.- pro Jahr honoriert. Da die beiden Tätigkeiten sich nicht decken, bleibt der Museumsteil des alps stark unterfinanziert. Das ist bedauerlich, aber doch deutlich besser als die Schliessung, die das Bundesamt für Kultur anteillos in Kauf nahm. Es brauchte eine enorme Kampagne des Stiftungsrats und der Mitarbeitenden von alps, von Stadt und Kanton Bern, vielen Organisationen und 16'000 Einzelpersonen, um den nun von National- und Ständerat auf dem Weg der Budgetgenehmigung bestätigten Ausweg zu finden.

In die Freude über den verdienten Erfolg des alps mischen sich zwei Wermutstropfen: Welch unverhältnismässiger Aufwand, um – auf Zeit – ein Museum oder Netzwerk zu retten, dessen Arbeit über jeden Zweifel erhaben ist! Und dies mit einem Jahresbeitrag (Fr. 780'000.-), der um rund Fr. 200'000.- unter jenem liegt, der bisher galt. Schön, dass der Effort von und für alps Früchte brachte. Dass es ihn brauchte, wirft Fragen an die Bundesförderung der Kultur auf, die damit nicht vom Tisch sind.