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SDA-Redaktion bleibt kämpferisch

Heute von 14:00 bis 17:00 streikte die 180-köpfige Redaktion der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA). Bei einem Anlass im «Mappamondo» in der Länggasse wurde eine Resolution verabschiedet, die morgen der Geschäftsleitung vorgelegt werden soll.

Die versammelte Redaktion der SDA. Es waren schätzungsweise 200 Personen anwesend, inklusive Externe und Medienschaffende. (Foto: ys)

Der Trend zur Ökonomisierung des Journalismus’ bläst derzeit wie ein eiskalter Wind durch die hiesigen Redaktionen. Kürzlich wurde bekannt, dass auch die SDA nicht verschont bleibt: 40 Stellen will die Geschäftsleitung streichen. Betroffen ist insbesondere das Ressort Wirtschaft, das vollständig gestrichen und an die Agentur AWP ausgelagert werden soll. Wobei «Auslagerung» eigentlich der falsche Begriff sei, bemerkt ein Wirtschaftsredaktor der SDA beim heutigen Treffen anlässlich des Streiks im «Mappamondo». Die Wirtschaftsjournalisten und -journalistinnen müssten sich ordentlich bei der AWP bewerben, ihre Stelle sei also alles andere als gesichert.

Auch verabschiedeten die anwesenden JournalistInnen einstimmig eine Resolution, welche morgen der Geschäftsleitung vorgelegt werden soll und die zentralen Forderungen der Redaktion enthält (siehe unten). Die Resolution wurde im Zuge einiger Wortmeldungen ergänzt und abgeändert. Insbesondere wurde verlangt, dass sich die SDA auch um die psychologische Betreuung der gekündigten MitarbeiterInnen kümmerte. Nachts könne man nicht schlafen und tagsüber drehe sich einem der Kopf, weil man ständig an die Zukunft denken müsse, erklärt ein weiterer Journalist der Wirtschaftsredaktion.

Besonders grotesk: Während der Veranstaltung verlassen immer wieder einige MitarbeiterInnen den Saal, um in der Agentur für Personalgespräche zu erscheinen. Die anwesende Gewerkschaft «Syndicom» bietet Begleitung an, dieses Angebot wird jedoch offenbar nicht wahrgenommen. Ein Rückkehrer erzählt, ihm sei eine Reduktion seines Pensums von 90% auf 80% angeboten worden, Bedenkzeit habe er bis Ende Monat, also gut eine Woche.

Eine kürzere Frist wird der Geschäftsleitung zur Stellungnahme gesetzt: Bis am Mittwoch um 17:00 soll sie zur verabschiedeten Resolution Stellung beziehen. Die vollständige Resolution findet sich unten.

Resolution der SDA-Redaktion

Bern 23. Januar 2018

- Wir, die Redaktorinnen und Redaktoren der Schweizerische Depeschenagentur SDA, führen heute einen dreistündigen Warnstreik durch. Angesichts der sturen Haltung unserer Direktion bleibt uns keine andere Wahl.

- Die Redaktion der SDA weist den angekündigten Stellenabbau in dieser Form nach wie vor grundsätzlich zurück. Wir lehnen es ab, vorzeitige Massnahmen mit Blick auf die Fusion zu beschliessen, bevor diese von der WEKO genehmigt wurde. Auch wenn der Abbau laut Aussagen der Direktion mit oder ohne Fusion nötig gewesen wäre-die Neuorganisation wurde explizit mit Blick auf die Fusion beschlossen. Wir verlangen, dass die Einzelgespräche unterbrochen werden und zuvor ernsthaft über die Abbaupläne und die Anliegen der Redaktion verhandelt wird.

- Wir nehmen zur Kenntnis, dass die Rentabilitätsstrategien für die SDA beziehungsweise Keystone_SDA bereits verabschiedet wurden. Wir verlangen aber, dass vor dem Abbau eine journalistische Strategie festgelegt wird, die über die bisherigen Eckpunkte hinausgeht. Insbesondere soll vorher geklärt werden, wo die SDA künftig auf Meldungen verzichtet. Die Bedürfnisse der Kunden divergieren stark: Während kleinere Medien auf die Abdeckung der Topthemen angewiesen sind, greifen grosse Kunden vor allem auf die kleineren Meldungen der SDA zurück.

- Wir fordern, dass die SDA ihre unabhängigen Wirtschafts-. Ausland- und Kulturredaktionen beibehält. Indem wir Kernkompetenzen abgeben, riskieren wir uns überflüssig zu machen. Zudem wird die Planung- die in einer multimedialen Redaktion an Bedeutung gewinnt- zusätzlich erschwert.

- Wir verlangen weiterhin auch Einsparungen auf Seiten der Unternehmensführung. Um beurteilen zu können, inwiefern die Führung ihren Beitrag bereits geleistet hat und um zu eruieren, welche weiteren Einsparungen auf der obersten Kaderebene angezeigt sind, braucht unsere ReKo Einsicht in die entsprechenden Unterlagen.

- Wir verlangen, dass die Entscheidungsgewalt zum Abbau und der Reorganisation nicht alleine bei Markus Schwab liegt. Nach dem Weggang von Benard Maissen liegt die Zukunft der SDA in dieser kritischen Phase alleine in den Händen eines Managers ohne journalistischen Hintergrund. Wir fordern, dass mindestens zwei Personen mit journalistischer Erfahrung gemeinsam mit ihm gleichberechtigt entscheiden können.

- Wir nehmen zur Kenntnis, dass es bei den Sozialplanverhandlungen, die gestern unter Beizug der Gewerkschaften angefangen haben, erstmals kleine Fortschritte gegeben hat. Klar ist jedoch, dass insbesondere für die Frühpensionierungen mehr Geld zur Verfügung gestellt werden muss, dies aber nicht zu Lasten der KollegInnen, die jünger sind. Für faire und angemessene Lösungen ist der von der Direktion einseitig definierte Plafond ungenügend. Hier fordern wir die Direktion zu Nachbesserungen auf. Dazu müssen die Verhandlungen zum Sozialplan unter Beizug der Gewerkschaften ernsthaft weitergeführt werden.

Mit dem heutigen Streik hat die Redaktion gezeigt, wie ernst es ihr mit diesen Forderungen ist. Einerseits bedeuten die beschlossenen Massnahmen für viele Mitarbeitende empfindliche Einschnitte, die ihre berufliche Existenz betreffen. Andererseits identifizieren sich die Mitarbeitenden stark mit der SDA und wollen ihr künftiges Fortbestehen sicherstellen. Die Mitarbeitenden sind bereit, mitzuziehen, um die SDA auf gesunde finanzielle Beine zu stellen. Doch dafür braucht es Transparenz in Bezug auf das Budget, gemeinsame Diskussionen über die künftige Strategie und ernsthafte Verhandlungen mit dem Personal beziehungsweise seinen Vertretungen.

Wir erwarten eine Stellungnahme der Direktion zu diesen Punkten bis zum Donnerstag 25. Januar um 17 Uhr.