Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

KOLUMNE /

Willi Egloff

21.12.2017 | 11:01

Radio RaBe, Radio BeO, Canal 3, TeleBärn, TeleBielingue wie auch das Regionaljournal Bern Freiburg Wallis werden teilweise oder ganz aus Empfangsgebühren finanziert. Das macht sie laut NZZ-Chefredaktor Eric Gujer zu «Staatsmedien». Welch ein Missverständnis!

Verheerende Niederlage: Keine 30% der Stimmenden legten ein «Ja» zur No-BIllag in die Urne. (Foto: Radio RaBe)

Laut NZZ-Chefredaktor Gujer sind öffentlich-rechtliche Medien Teil der geistigen Landesverteidigung und längst überflüssig. Nur Medien, die sich aus dem Markt heraus finanzieren können, haben eine Existenzberechtigung. Alles andere sind «Staatsmedien», die abgeschafft gehören. Das ist die Kernaussage seines Leitartikels vom vergangenen Samstag.

Für alles, was im Bereich Sport, Unterhaltung und Information von Interesse sein könnte, gibt es laut Gujer «spezialisierte Angebote». Wer sich mit diesem Mainstream nicht begnügen will, der ist ein Dinosaurier. Wer glaubt, in einem ländlichen Gebiet wohnen und über regionale Ereignisse informiert werden zu müssen, ist selber schuld. Wer sich erfrecht, Musik und Literatur in veralteten Minderheitensprachen wie Rätoromanisch oder Schweizerdeutsch konsumieren zu müssen, hat einfach die Zeichen der Zeit nicht verstanden. Wer meint, es müsse neben US-amerikanischen Filmen auch noch Filme aus Europa oder sogar aus der Schweiz geben, der trauert einer längst überholten Vergangenheit nach.

Über den Einzug von Empfangsgebühren wird der SRG und zahlreichen privaten Radio- und Fernsehstationen eine Infrastruktur finanziert, welche ihnen die Herstellung und Verbreitung von Programmen überhaupt erst ermöglicht. Der Einfluss auf die Programme beschränkt sich auf die Verpflichtung auf journalistische Grundsätze und die Regelung von Werbesendungen. Deswegen von «Staatsmedien» zu sprechen, ist einfach nur albern. Mit der gleichen Begründung könnte man die Arbeit von Ärztinnen und Ärzten in staatlich finanzierten Spitälern als «Staatsmedizin» verhöhnen. Schulen und Universitäten vermitteln nach der gleichen Logik einfach nur eine «Staatsbildung». Auf die Lerninhalte und die pädagogischen Qualitäten der Lehrerinnen und Lehrer kommt da nichts an.

Tatsache ist, dass in den kleinräumigen schweizerischen Teilmärkten eine leistungsfähige Informationsinfrastruktur nicht aus dem Markt heraus finanziert werden kann. Die Verdrängung der Regionalpresse bietet dafür ausreichend Anschauungsmaterial. Kein regionales Fernsehen, kein lokales Radio kann ausserhalb der Agglomeration Zürich ohne Gebührenfinanzierung überleben. Und Schweizer Spielfilme wird es nicht mehr geben, wenn die SRG als Auftraggeberin und Koproduzentin solcher einheimischer Produkte wegfällt.

Zugang zu Information und flächendeckende Versorgung mit relevanten Radio- und Fernsehprogrammen gehören genauso zur Infrastruktur einer modernen Gesellschaft wie eine flächendeckende Versorgung mit Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Aber offenbar interessiert das den NZZ-Chefredaktor nicht. Was sich nicht aus dem Markt heraus finanzieren lässt, hat nach seiner Meinung seine Existenzberechtigung verloren. Was für ein erbärmliches Weltbild! Und welch paternalistische Arroganz!