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Frauen planen und bauen – auch hier

In Bern sind Frauen in Planungs- und Bauämtern und -projekten immer noch rar. Die Arbeitsgruppe Berner Architektinnen und Planerinnen (ABAP) setzt sich dafür ein, dass dies ändert. Sie feiert heuer ihr 25-jähriges Jubiläum.

Im Land der Massai planen und bauen auch heute die Frauen. Von ihrem Körper nehmen sie die Masse für wichtige Elemente: Türbreite und -höhe, Deckenhöhe. Wenn Männer ihnen helfen, tun sie es insgeheim, denn das gehört sich nicht.

Anderswo ist es anders

In Berlin ist eine Schweizerin Staatssekretärin für Stadtentwicklung und Wohnen (Regula Lüscher). In Zürich ist eine Bernerin Direktorin für Stadtentwicklung (Anna Schindler, sie folgte auf Brigit Wehrli), eine andere Bernerin Direktorin des Amts für Hochbauten (Wiebke Rösler Häfliger) und eine weitere Frau Direktorin des Amts für Städtebau (Katrin Gügler). Im Kanton Bern steht der Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion BVE eine Frau vor (Regierungsrätin Barbara Egger, zuvor Dori Schaer). Auch in der Stadt Bern waren mit Ruth Geiser Im Obersteg und Theres Giger Frauen politische Hochbauchefinnen.

Heute sitzen in der Bundesstadt an all diesen Stellen Männer, im Gemeinderat und in den Fachämtern. Sie sind Stadtbaumeister, Chef Immobilien Stadt Bern, Präsident der Wohnbaugenossenschaften oder Vizepräsident der Verwaltungskommission der städtischen Pensionskasse, einer wichtigen Investorin (Präsident ist von Amtes wegen der Finanzdirektor).

Es braucht Vorbilder

Ist das schlecht? Das kommt im Ergebnis auf die Männer, ihre Sensibilität und ihr Verhalten an. Problematisch ist aber – und da können die Männer in den Ämtern nichts dafür – für die Gesellschaft auf jeden Fall, dass in einem Bereich, der für alle Menschen so wichtig ist, kaum Frauen an entscheidender Stelle mitgestalten und mitbestimmen.

Wie lässt sich dies ändern? Dies fragten sich im September 1996 die drei Frauen, die damals auf Bundesebene (Bundesrätin Ruth Dreifuss), im Kanton (Regierungsrätin Dori Schaer) und in der Stadt Bern (Gemeinderätin Theres Giger) die Führungsverantwortung für die drei Bauämter trugen. Zusammen mit deren männlichen Chefs und einigen Mitarbeiterinnen diskutierten sie, wie die Attraktivität der Verwaltung für Bau- und Planungsfachfrauen erhöht werden könnte. Sie fragten sich, ob sich eine bedeutendere Präsenz von Frauen auf das Planen und Bauen auswirken würde. Und sie nahmen sich vor, selber als Vorbilder und gute Arbeitgeberinnen Frauen zu ermutigen, sich beruflich und politisch für Planungs- und Baufragen einzusetzen.

Die ABAP fördert und feiert

Das war vor 21 Jahren. Vier Jahre zuvor war die ABAP gegründet worden, die Arbeitsgruppe Berner Architektinnen und Planerinnen, der einzige selbständige Frauenfachverband der Schweiz. Heute zählt die ABAP hundert Mitglieder. Ihr Schwerpunkt ist die Stadt Bern. Alle zwei Jahre verleiht der Verband den ABAPplaus, ihren Preis für Architektur und Planung. Die Auszeichnung erhielt etwa 2003 die Berner Architektin Magdalena Rausser. 2009 erstellte der Verband einen Stadtplan mit einer Auswahl von Frauen-Projekten.

Heuer feiert die ABAP ihr 25-jähriges Bestehen mit einer Veranstaltungsreihe im Kornhausforum.

Podium am 5. September

Erster Anlass ist am kommenden Dienstag, 5. September, eine Podiumsdiskussion zur Förderung von Frauen in den Bauverwaltungen. Der Titel: «Je grösser der Massstab, desto kleiner der Frauenanteil – Warum liegen grossmassstäbliche Planungen grösstmehrheitlich in Männerhänden?» Auf dem von Ursula Hürzeler moderierten Podium: Vier Männer und eine Frau. Gemeinsam wollen sie herausfinden, was sich seit September 1996 getan hat, was möglich ist, was unternommen werden muss mit dem Ziel, mehr Frauen in entscheidende(n) Positionen zu (be-)fördern.