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Die Eheprämie in der AHV-Revision

In der Diskussion um die AHV-Revision geht es vor allem um die Erhöhung des Rentenalters für die Frauen und um die Herabsetzung des Umwandlungssatzes in der 2. Säule. Kaum gesprochen wird über die Prämie für bessergestellte Ehepaare.

Die frühere Berner Gemeinderätin und SP-Nationalrätin Gret Haller hat gar keine Freude an der vorgeschlagenen AHV-Revision. Sie spricht von einer «Schubumkehr». Auf dem Weg zur zivilstandsunabhängigen Rente, wie er mit der 10. AHV-Revision eingeschlagen worden war, wird zurückbuchstabiert.

Vorher und nachher

Heute gilt: Normale AHV-Renten belaufen sich auf mindestens Fr. 1‘175 und höchstens auf Fr. 2‘350 im Monat. Die Maximalrente ist also doppelt so hoch wie die Minimalrente. Ein Ehepaar kann zusammen maximal 150 Prozent der Maximalrente erhalten, also Fr. 3‘525.

Der Revisionsvorschlag ändert diese Eckwerte in zweifacher Hinsicht: Zum einen werden alle Renten um Fr. 70 erhöht. Und zum andern kann ein Ehepaar in Zukunft 155 Prozent der Maximalrente erhalten. Diese Änderungen haben eine doppelte Auswirkung:

• Erstens wird der seit Einführung der AHV bestehende Grundsatz aufgegeben, dass die Maximalrente dem Doppelten der Minimalrente entspricht. In Zukunft würde die Minimalrente Fr. 1‘245 pro Monat betragen, die Maximalrente Fr. 2‘420. Das ergibt ein Verhältnis von 1:1,94.

• Zweitens würden Verheiratete mit Maximalrente einen sehr viel höheren Zuschlag als alle andern erhalten. Ihr Rentenplafond würde von heute Fr. 3‘525 (150 Prozent von Fr. 2‘350) auf morgen  Fr. 3‘751 pro Monat (155 Prozent von Fr. 2‘420) ansteigen. Der Zuschlag betrüge also nicht weniger als Fr. 226 pro Monat.

Eheprämie für Gutverdienende

Zusammengefasst: Unverheiratete erhalten Fr. 70 mehr; Ehepaare, welche die Maximalrente nicht erreichen, erhalten Fr. 140 mehr. Ehepaare, die im aktiven Leben gut verdient haben und daher eine Maximalrente beziehen, erhalten Fr. 226 mehr. Fazit: Nicht nur bezahlen die Frauen die ganze Revision durch die Erhöhung ihres Rentenalters, es wird auch noch Geld von den Unverheirateten und von den schlechter gestellten Verheirateten zu den besser gestellten Verheirateten umverteilt. Ist das gerecht? Und ist es sozialpolitisch sinnvoll?

Gret Haller hat für diese Umverteilung kein Verständnis. Sie hat daher beschlossen, das linke Referendum gegen die AHV-Revision zu unterstützen.