Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

Kirchenfeld ist rotgrün, Bümpliz: SVP wächst

Die rotgrünen Parteien haben die Gemeindewahlen gewonnen. Die Analyse der Stadtratsergebnisse in den Zählkreisen zeigt, dass die Entwicklung in den Quartieren der Stadt nicht einheitlich ist (Teil 2).

Rotgrün hat auch im Kirchenfeld die Mehrheit

Das Kirchenfeld war lange die Hochburg der FDP. Nach den jüngsten Wahlen verfügt die FDP – trotz dem Zuwachs um zwei Prozentpunkte – noch über eine Parteistärke von 17 Prozent. Die wählerstärkste Partei im Kirchenfeld ist seit einiger Zeit die SP (26%), sie hatte 2008 nach einer Zeit des ungefähren Gleichstandes die FDP als stärkste Partei abgelöst. Von den Grünen erreicht die GFL eine Parteistärke von elf Prozent und das GB von acht Prozent. Zusammen mit den kleinen Linksparteien hat Rotgrün auch im traditionell bürgerlichen Kirchenfeld die Mehrheit inne (52%). Die GLP kommt auf eine Parteistärke von zehn Prozent, während die BDP nach den jüngsten Wahlen mit fünf Prozent deutlich schwächer ist. Dagegen kann sich die SVP im Kirchenfeld auf einen einigermassen stabilen Sockel von zehn Prozent abstützen.

Beeindruckend sind die Veränderungen im Kirchenfeld im zeitlichen Vergleich: Seit 1980 hat die FDP 16 Prozentpunkte eingebüsst. Die kleinen Rechtsparteien sind um vier Prozentpunkte schwächer geworden, und die SVP um zwei. Profitiert hat von diesen Verlusten einerseits die bürgerliche Mitte dank der neuen GLP und BDP (+7 Prozentpunkte auf 20%). Weitere Profiteure waren andrerseits per Saldo auch die SP (+6 Punkte), die Grünen (+ 4 Punkte) sowie die kleinen Linksparteien (+5 Punkte).

Im Westen Berns wird die SVP stärkste Partei

Bümpliz ist der einzige Zählkreis, in dem nach den jüngsten Wahlen die SVP stärkste Partei ist. Ihr Wähleranteil beträgt 27 Prozent (+4 Punkte im Vergleich zu 2012). Erstmals liegt die SVP damit vor der SP, welche eine Parteistärke von 26 Prozent hat (-2 Punkte). Per Saldo dürfte die SVP unter anderem die kleinen Rechtsparteien weiter beerbt haben, die nochmals schwächer geworden sind (-3 Punkte auf 2%). Regelrecht eingebrochen ist die BDP (-7 Punkte auf 5%). Zugelegt haben dagegen neben der SVP die GLP (+3 Punkte auf 8%), die GFL (+2 Punkte auf 6%) sowie die FDP (+1 Punkt auf 8%). Die rotgrünen Parteien kommen so im Westen Berns auf 41 Prozent, nur wenig mehr als FDP, SVP und die Rechtsparteien zusammen (37%). Die bürgerlichen Mitte-Parteien sind zwar in Bümpliz relativ stark; wegen des Absturzes der BDP sind sie bei den jüngsten Wahlen aber insgesamt um drei Punkte schwächer geworden ( 21%).

Bümpliz war einst die SP-Hochburg der Stadt Bern. 1980 betrug die Parteistärke der SP noch 44 Prozent. Bis 2016 verlor sie 19 Prozentpunkte. Von diesen Verlusten profitierten die Grünen und die kleinen Linksparteien nur wenig (zusammen +5 Punkte). Stärker profitierten die kleinen Rechtsparteien und die SVP. In den Achtzigerjahren punkteten die kleinen Rechtsparteien (Schweizer Demokraten und Autopartei): Sie erhielten zusammen bis 1996 zwischen 19 und 24 Prozent aller Stimmen. Ab 2000 übernahm dann die SVP den Lead. Sie beerbte die kleinen Rechtsparteien und steigerte ihre eigene Parteistärke von rund zwölf auf 27 Prozent. Das rechte Wahlsegment (kleine Rechtsparteien und SVP) ist aber in diesem Zeitraum nicht grösser geworden; es bewegt sich seit den Wahlen von 2000 um die dreissig Prozent.

Verankerungsmuster der Parteien in den Quartieren

Die SP ist in allen Zählkreisen relativ gleich stark vertreten. Überdurchschnittlich gross ist ihre Parteistärke in der Länggasse, im Mattenhof und im Breitenrain, unterdurchschnittlich im Kirchenfeld und in Bümpliz. Die Grünen (GFL, GB, GP) haben ein ähnliches Verankerungsmuster wie die SP: Sie haben ihre relativen Hochburgen in der Länggasse, im Breitenrain und im Mattenhof. Etwas schwächer sind sie im Kirchenfeld, ganz schwach sind sie dagegen in Bümpliz.

Die Grünliberalen haben ein relativ ausgeglichenes Verankerungsmuster: Die GLP ist leicht überdurchschnittlich stark im Mattenhof, im Kirchenfeld, in der Länggasse und im Breitenrain. Unterdurchschnittlich stark ist sie in Bümpliz.

Werden hinsichtlich des gemeinsamen Labels «grün» die Stimmen der Grünen und der Grünliberalen zusammengezählt, so sind die Länggasse und der Breitenrain mit 36 bzw. 34 Prozent Wählerstimmen die «grünsten» Zählkreise, gefolgt vom Mattenhof (33%) und dem Kirchenfeld (31%). In Bümpliz sind es dagegen nur 19 Prozent.

FDP und vor allem die SVP haben einseitigere Verankerungsmuster. Die FDP hat im Kirchenfeld ihre einzige Hochburg (17%). In allen anderen Zählkreisen ist sie deutlich weniger stark vertreten (mit 8% bis 10%). Die SVP dagegen hat ihre Hochburg in Bümpliz (27%); in den anderen Zählkreisen bewegt sich ihre Parteistärke zwischen sechs und zehn Prozent. 

Hier geht’s zum Teil 1 der Wahlanalyse.