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Journal B

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Mutlos, teuer, rückwärtsgewandt

Im Kunstmuseum Bern sollen für viel Geld 600 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche geschaffen werden. Eine mögliche Alternative im Zentrum Paul Klee findet keine Gnade. Ein teurer Murks.

Im Februar 2016 berichtete Journal B über die Pläne der Dachstiftung Kunstmuseum Bern / Zentrum Paul Klee (KMB/ZPK), an der Hodlerstrasse zusätzlichen Ausstellungsraum zu schaffen. 2018 wird das im Kunstmuseum (KMB) untergebrachte Institut für Kunstgeschichte der Universität Bern (IKG) an die Mittelstrasse umziehen und die weiterhin gemeinsam mit dem KMB genutzte Bibliothek mitnehmen. Dann steht im Atelier 5-Bau des KMB Raum zur Verfügung, in dem «inhouse» rund 600 Quadratmeter zusätzliche Ausstellungsfläche mit einer Höhe unter vier Metern für Gegenwartskunst geschaffen werden sollen. Es geht um das, was vom seit den 1990er Jahren in unterschiedlicher Gestalt voran getriebene Projekt «Museum für Gegenwartskunst» übrig geblieben ist. Wie sieht die Lösung genau aus?

Prüfung versprochen

Auf Anfrage erklärte der damalige KMB-Direktor Matthias Frehner, eine definitive Entscheidung sei nicht gefallen. Der Stiftungsrat prüfe ergebnisoffen bis im Herbst alle Möglichkeiten, auch Alternativen zum Ausbau an der Hodlerstrasse.

Mitte September fragte Journal B beim Stiftungsrat und der Direktion KMB/ZPK nach. Die Kommunikationsverantwortliche antwortete: «Wir sind im Moment dabei, Abklärungen zu machen. Sobald der Stiftungsrat der Dachstiftung einen Entscheid in der Sache gefällt hat, werden wir die Medien informieren, wir kommen wieder auf Sie zu.» Dann Schweigen.

Festhalten am alten Vorhaben

Nun soll dem Vernehmen nach der Stiftungsrat in diesen Tagen zusammen kommen und beschliessen. Wie man hört, wird an dem seit Jahren bekannten Projekt festgehalten. Konkret heisst das:

• Etwas mehr als 600 Quadratmeter Ausstellungfläche mit einer Raumhöhe von knapp vier Metern im Atelier 5-Bau.

• Gesamtkosten einschliesslich Sanierung weiterer Teile des Gebäudes von rund 30 Millionen Franken, davon etwa ein Drittel für die Ausstellungsfläche. Allerdings bedingt diese zum Teil Sanierungen, so die kostspielige Verlegung der grossen Klimaanlage. Finanziert werden soll die Sanierung durch öffentliche, die neue Ausstellungsfläche weitgehend durch private Mittel. Woher genau wieviel Geld kommen soll, scheint nicht abschliessend geklärt.

Es gibt eine bessere Lösung

Bei der Prüfung von Alternativen durchgefallen zu sein scheint die Umnutzung des Südhügels im Zentrum Paul Klee. Die dort verfügbare Fläche ist etwas grösser als jene an der Hodlerstrasse. Für die Arbeitsplätze im Südhügel böte der Atelier 5-Bau des KMB bereits eingerichtete Büros, die das IKG bald verlässt.

Abgesehen von den deutlich geringeren Kosten hätte diese Lösung zwei Vorteile: der Südhügel des ZPK wäre als Ausstellungsraum für Gegenwartskunst geeigneter; und der Zusammenzug der Verwaltungen von KMB und ZPK an einem Ort würde die möglichst enge Zusammenarbeit der beiden Museen wesentlich fördern – was im Grund der Zweck der Dachstiftung ist.

Bitte intervenieren

Vom Kunstmuseum Bern versprochen wurde im Frühjahr die ergebnisoffene Prüfung des «inhouse»-Projekts und möglicher Alternativen. Die Zeichen für eine unvoreingenommene Neubeurteilung standen gut: Der Stiftungsrat war neu bestellt, die neue Direktorin wurde von aussen geholt. Dass der Stiftungsrat sowohl für das KMB als auch für das ZPK verantwortlich ist, liess eine vorurteilsfreie Einschätzung der Gegebenheiten und der Möglichkeiten erwarten.

Umso mehr enttäuscht der Entscheid, der nun offenbar getroffen werden soll. Hinter vorgehaltener Hand reden sogar Mitglieder des Stiftungsrats von einem Murks. Warum rückt man davon nicht ab? Weil schon zuviel Vorarbeit und Prestige investiert sei. Weil die Hodlerstrasse die Hodlerstrasse und Schöngrün halt Schöngrün ist, muss man daraus lesen. Zwei Häuser, so getrennt wie eh und je, darüber ein frei fliegendes Dach. War dies die Idee der Dachstiftung? Ist dies die Struktur, die von innen entwickelte Lösungen «aus einer Hand» fördert? Sieht so das Modell aus, das mit gleichbleibenden Mitteln mehr Geld freispielen soll für die Kunst?

Man glaubt, sich verhört zu haben. Aber das stimmt nicht. Die Versprechen waren gross. Die Beschlüsse sind kleinmütig und geprägt von der Vergangenheit, die weiter am KMB klebt. Der Stiftungsrat mag vom Wirklichkeitssinn reden, vom Boden der Tatsachen. In Wahrheit geht es um die Wahrung des Besitzstands und einen Mangel an Mut. Mut vor etwas mehr Möglichkeitssinn. Jetzt hilft nur die Intervention der politischen Aufsicht.

Christoph Reichenau