Aare
°

Journal B

Sagt, was Bern bewegt
Aare
°

7500 Ausreden

FDP-Stadtrat Bernhard Eicher verlangt, die Stadt habe bis Ende 2016 die Voraussetzungen für den Bau von 7500 Wohnungen zu schaffen. Zu bewerkstelligen sei dies durch Verdichtungen im bestehenden Bestand. Und durch die Ein- und Umzonung.

Eicher hat seinen Vorstoss 2013 eingereicht mit einem nicht einzulösenden Anspruch auf Umfang und Tempo der Umsetzung. Umso erstaunlicher ist es, dass Eicher und seine FDP gegen die geplante Überbauung des Viererfeldes antreten. Eicher spricht von einer Erziehungsvorlage, weil sie Vorgaben macht bezüglich Parkplätzen und Anteil gemeinnütziger Wohnungsbau.

Keine ernsthaften Gründe

Mein erster Gedanke: Das hat man davon, wenn man von Klein auf mit der Droge «Mehr Freiheit – weniger Staat» berauscht wird. Da wird auch etwas so Selbstverständliches wie politische Vorgaben in Planungsprozessen zu einen Problem. Köniz und Muri berechnen für ihre Bauprojekte auch nur 0,5 Parkplätze pro Wohnung – und sind stockbürgerliche Gemeinden «ohne ideologische Scheuklappen». Und die hohe Zustimmungsrate von 70 Prozent zur Wohninitiative rechtfertigt locker, dass auf dem Viererfeld ein 50-Prozent-Anteil für die gemeinnützigen Wohnbauträger reserviert wird.

Das können keine ernsthafte Gründe sein, um gegen das Viererfeld anzutreten. Er kann auch nicht ernsthaft behaupten, dass sich hier rot-grün selbstherrlich durchgesetzt habe. Es lagen zum Beispiel noch viel radikalere Anträge punkto Parkplätze auf dem Tisch.

So entsteht kein neuer Wohnraum

Eicher geht es ums Grundsätzliche: Er will den Markt entscheiden lassen. Der schafft aber vor allem teure Eigentumswohnungen, was kein ernsthafter Beitrag zur Umsetzung der breiten Forderung nach bezahlbarem Wohnraum ist. Die Marktgesetze geraten bisweilen mit dem Bedürfnissen der Menschen in Konflikt. Der Wohnungsbau ist ein gutes Beispiel dafür. Nur für die FDP ist klar, dass sich hier die Marktgesetze durchsetzen müssen.

Fakt ist: Eicher torpediert das Viererfeld, weil nicht nach seinem Geschmack gebaut werden soll. Zusätzlicher Wohnraum entsteht mit dieser Trotzhaltung natürlich nicht. Wenn er und seine Truppe so weitermacht, steht die FDP nicht für den Anspruch auf 7500 zusätzliche Wohnungen sondern für 7500 Ausreden, warum das Viererfeld nicht gebaut werden soll. Das ist ein bisschen wenig, um ernstgenommen zu werden.

PS: Die SVP ist auch nur aus ideologischen Gründen dagegen. Sie gibt sich als Hüterin der grünen Wiese. Wenn es aber zwei Parkplätze pro Wohnung gäbe, hätte sie nichts dagegen, die Wiese sofort zu überbauen, sagte mir ein SVP-Stadtrat unter vier Augen.