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Journal B

Sagt, was Bern bewegt
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KOLUMNE /

Aline Trede

09.10.2015 | 06:30

Sind wir schon müde ob all der Flüchtlingsbilder? An der Situation hat sich nichts geändert, aber eine Lösung wurde bis heute nicht gefunden. Krass, wie schnell schwerwiegende Themen aus den Medien und Timelines verschwinden.

Manchmal frage ich mich: Was muss eigentlich noch passieren, damit sich die EU endlich für eine solidarische Verteilung der Flüchtlinge entscheidet? Dass die EU solidarisch mit seinen Mitgliedstaaten umgeht?

Der Bundesrat hat beschlossen, 3000 SyrerInnen aufzunehmen. Eine lächerlich kleine Zahl. Aber noch lächerlicher ist, dass es erst 50 Personen sind. Die Zahl wurde sogar wieder auf 1500 nach unten korrigiert.

Was die Stadt Bern machen kann

Es braucht endlich Handlung! Deshalb bin ich sehr froh, dass die Flüchtlingsunterkunft in der alten Feuerwehrkaserne am Viktoriaplatz eröffnet wurde und die ersten Menschen dort einziehen konnten. Ich bin auch froh, dass der Gemeinderat der Stadt Bern von 100 auf 150 rauf ist und dass die Heilsarmee, welche die Feuerwehrkaserne betreibt, diese Zahl problemlos angepasst hat.

Jetzt muss das Zieglerspital folgen. Regierungsrat Hans-Jürg Käser hat endlich der Gemeinderätin Franziska Teuscher, dem öffentlichen Druck durch eine Petition mit über 7000 Unterschriften und dem Grossen Rat des Kantons Bern nachgegeben und sich bereit erklärt, das Zieglerspital noch vor Wintereinbruch für Flüchtende zu öffnen. Ich hoffe, somit ist die Armeezelte-Diskussion ein für alle mal vom Tisch. Das ist, was momentan die Stadt Bern machen kann. Aber es braucht auch auf nationaler Ebene sofortige Entscheidungen.

Botschaftsasyl wieder einführen

Es braucht schnell legale Wege nach Europa, denn nur so können wir den Schleppern das Handwerk legen. Mauern sind kontraproduktiv, denn so wird es noch schwieriger, nach Europa zu kommen, die Preise, welche die Schlepper verlangen können, werden höher, die Risiken grösser. Das Botschaftsasyl gehört wieder eingeführt, die Schweiz darf nicht mehr auf andere Länder warten.

Die EU muss schnell einen europäischen Verteilschlüssel finden, an dem sich auch die Schweiz beteiligt. Die Schweiz hätte unglaublich viele Möglichkeiten, Flüchtlinge aufzunehmen und zu integrieren. Was wir jedoch tun: Das Problem verschärfen, indem wir uns nicht vorbereiten, keine Wohnungen, Zwischennutzungen etc. bereitstellen. Nein, wir tun dann überrascht und überrollt und bauen Armeezelte auf. Das wäre alles gar nicht nötig, wenn eine Planung gemacht würde.

Frieden schaffen

Und am wichtigsten wäre Frieden in den Heimatländern zu schaffen. Das tönt utopisch, das ist mir klar. Aber es ist wie bei jedem Krieg. Ohne Krieg gingen die Leute gar nicht weg. Und die Schweiz tut zu wenig, um diesen grausamen Krieg in Syrien zu beenden. Im Gegenteil. Weiterhin exportieren wir Waffen und lockern sogar das Waffengesetz. Das steht einem neutralen Staat schlecht an. Friedensgespräche müssen endlich aufgenommen werden.

Flüchtlinge brauchen Schutz statt Hetze. Darum sagen wir: Refugees welcome! Denn es geht hier um Menschen. Menschen wie du und ich. Dieses Thema darf wegen keinem anderen Thema aus unserem Bewusstsein verschwinden.