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«Mein Herz schlägt klar für YB»

Web-Talk

Im Web-Talk Nr. 7 mit Journal B äussert sich SP-Nationalrat Matthias Aebischer zur möglichen Wende im Regierungsrat, zur Arbeit auch während der Ferien und zur YB-Misere.

Aebischer mit Forte: Kein Fan von Trainerentlassungen (Foto: zvg)

Die Sommerferien sind vorbei und man sieht dich wieder gut erholt in den Medien. Was hast Du den Sommer über gemacht?

Matthias Aebischer:

Ich habe in Nizza zwei Wochen lang einen Sprachkurs besucht. Sieben Stunden pro Tag Kurs, den Rest darf man als Ferien betrachten. Die letzte Schulferienwoche verbringen meine Kinder und ich immer in Locarno am Filmfestival.

Als Präsident der Kulturkommission und Cinésuisse-Präsident wirst du in Locarno ja primär gearbeitet haben?

Das ist so. Meine Eltern kommen auch mit und schauen dann zu den Kindern. Ich bin eh kein Abtaucher in den Ferien. Ich arbeite gerne in den Ferien. Ich lese die Zeitungen und mache die Mails. Diese Kombine gefällt mir sehr gut.

Und das akzeptiert dein Umfeld?

Ich bin unerträglich, wenn ich in den Ferien nicht arbeiten kann.

In der Zeitung stand, dass du in Nizza auf SVP-Nationalrat Thomas Aeschi getroffen bist. Habt ihr den Kurs gemeinsam gebucht?

Nein, natürlich nicht. Ich war sehr überrascht, als Thomas Aeschi in der zweiten Woche am Morgen plötzlich auch erschien. Wenn wir nicht über Politik sprechen, verstehen wir uns gut. Viele andere Kursbesucher waren darüber sehr erstaunt.

Sie dachten, ihr würdet euch jetzt Saures geben?

Genau. Wohl nicht zuletzt wegen der oft sehr heftigen Kontroversen in Radio und Fernsehen glauben die Leute, wir würden immer ein Gstürm haben. Aber dem ist nicht so.

Hast Du Dein Französisch verbessert, um deine Wahlchancen für die Nachfolge von Regierungsrat Andreas Rickenbacher zu verbessern? Zusammen mit Evi Allemann wirst du ja als Topkandidat gehandelt.

Mit andern Worten, du glaubst, ich hätte bereits vor den Sommerferien von seinem Rücktritt gewusst? Nein, ich wurde überrascht von seinem Rücktritt und muss mir nun einmal zuerst überlegen, ob das ein Thema ist für mich. Im Fokus für mich stehen zurzeit die Nationalratswahlen im Herbst.

Ist es für Dich nachvollziehbar, dass Andreas Rickenbacher seine persönlichen Karriereüberlegungen und sein Alter so stark gewichtet?

Ich kann Andreas sehr gut verstehen. Er ist 47-jährig, also gleich alt wie ich, und hat nun bereits zehn Jahre als Regierungsrat gearbeitet. Ewig in der Politik bleiben kann er ja nicht. Ich kann seine Neuorientierung bestens nachvollziehen.

Ist der Rücktritt nicht politisch riskant? Man bringt so ja die links-grüne Mehrheit in der Regierung in Gefahr?

Klar, wir werden hart arbeiten müssen, um diesen Sitz verteidigen zu können. Es geht aber noch viel Wasser die Aare zdürab. Es steht ja noch nicht einmal der Wahltermin fest.

Wäre es nicht effizienter, wenn der stark bürgerliche Grossrat auch eine bürgerliche Regierung hätte? Denn die cohabitation blockiert ja vieles.

Auf gar keinen Fall. Eine linke Regierung tut dem Kanton Bern sehr gut. Noch lieber wäre mir ein linkes Parlament. Aber es ist ja nicht Wunschkonzert.

Ein Problem mit der cohabitation gab es ja auch bei YB mit Forte/Bickel. Der Trainer musste nach drei Spielen bereits gehen.

Ich bin kein Fan von Trainerentlassungen kurz nach Saisonstart. YB hat nun x-mal den Trainer ausgewechselt und passiert ist genau gar nichts. Wenn ich das Sagen hätte, wäre noch immer Vladimir Petkovic Trainer.

Alexander Tschäppät hat sich stark hinausgelehnt bei seinen Kommentaren zu YB («unter jedem Hund»). Soll man als Politiker diesen seit Jahren dauernden Medienhype um die Frage, ob YB Meister wird, selber anheizen oder besser eine andere Flughöhe wählen?

Tschäppät hat nach der Niederlage wohl kurz seinen Emotionen Luft verschafft. Weil er so populär ist, steht das dann halt am nächsten Tag auf den Frontseiten der Zeitungen. Aber ich versichere, Tschäppät wird auch mit 80 Jahren noch an den YB- und SCB-Spielen mitfiebern. Er ist ein Riesenfan – und wird es bleiben.

Politiker und Sport geht immer gut. Ausser man macht es wie Alt-Bundesrat Samuel Schmid. Einmal trug er den YB-Schal, einmal den FC Thun-Schal.

Ich gebe es zu, ich schaue auch immer, wie Thun spielt. Wenn, so wie in der letzten Saison, beide vorne mitmischeln, gefällt mir das sehr. Aber mein Herz schlägt klar für YB.