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Studierende am «Spirit of Bern» unerwünscht?

Diesen Herbst soll unter dem Titel «Spirit of Bern» ein kleines WEF mit namhaften Teilnehmenden abgehalten werden. Wem aber nützt dieser neue Berner Kongress? Die Studierenden fühlen sich jedenfalls nicht erwünscht.

«Wir wollen nicht nur Manager ansprechen», sagte Daniel C. Rohr im November an der Medienkonferenz am Cercle de la Grande Sociéte in Bern. Der Kommunikationsspezialist, Jurist und Autor ist der Initiant des «Spirit of Bern», eines neuen Politforums, in dem sich Wirtschaft, Politik, Kunst und Gesellschaft auf Augenhöhe begegnen sollen, um geopolitische Probleme übergreifend anzugehen.

Die Veranstaltung soll für alle Interessierten zugänglich sein. Und doch schimmert eine zumindest geteilte Ordnung durch. So sind zwei Teilnehmergruppen vorgesehen: Diejenigen, die 1050 Franken für das Hauptprogramm bezahlen, und diejenigen, die am Nebenprogramm teilnehmen wollen.

400 Plätze sollen verlost werden

800 Plätze sind den gutbetuchten Besuchern vergönnt, 400 weitere Tickets fürs Hauptprogramm vom 12. und 13. Oktober im Berner Kursaal sollen noch verlost werden. Ein Nebensatz von Rohr lässt darauf schliessen, dass diese Tickets an die Berner Wirtschaftshochschüler gehen. Auf Nachfrage wurden allerdings keine weiteren Informationen über die Verlosung ausgehändigt.

Nun, fünf Monate nach der Pressekonferenz, steht ein vielfältiges Hauptprogramm. Behandelt werden sollen unter anderem die Fragen nach den Grenzen des Wachstums und der Ökonomie, dem Ausmass der Überwachung oder der Zukunft des Internets. Damit will «Spirit of Bern» sein Ziel erreichen, in den kommenden Jahren zum bedeutendsten Polit-Forum der Schweiz werden.

An Konkurrenz fehlt es in der Schweiz indes nicht. Mit dem Weltwirtschaftsforum in Davos und dem Swiss Economic Forum existieren bereits zwei renommierte Anlässe mit ähnlichem Konzept.

Nebenprogramm unbekannt

Während das Hauptprogramm des Anlasses von kommendem Oktober grösstenteils festgelegt ist, bleiben die Eckpunkte des Nebenprogramms eine grosse Unbekannte. Genauere Informationen hierzu sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen, vertrösten die Organisatoren. Auch auf Nachfrage wollten sie keine näheren Angaben machen – weder über den Eintrittspreis noch über den Inhalt des Nebenprogramms.

Daniel C. Rohr ist ein gewiefter Organisator und ein fester Name in der Kommunikationsbrache Berns. Seine Kommunikationsfirma ist mitunter zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei der Miss-Bern-Wahl und lud in der Vergangenheit auch schon mal Medienschaffende zu Pressekonferenzen und Parlamentarier zu Lobbydinners von Avenir Suisse ein. Vor fünf Jahren war er laut einem Bericht der «Berner Zeitung» gar Teilhaber des Striplokals «Le Petit Perroquet» an der Laupenstrasse in Bern.

Dementsprechend durchdacht war auch seine Wahl der illustren Gäste, die an der Veranstaltung im Oktober teilnehmen werden. So werden etwa Glenn Grennwald, Enthüllungsjournalist beim britischen «Guardian» (NSA-Affäre), der norwegische Zukunftsforscher Jorgen Randes oder die Berner Rapperin Steff la Cheffe einen Auftritt haben.

Wem nützt der Event?

Sehr strategisch sei Rohr vorgegangen, als er sie dazu bewegt habe, sich für «Spirit of Bern» einzusetzen, sagt Steff la Cheffe. Vor etwa einem halben Jahr hatte sie an einer Lesung das Kapitel über Umweltschutz und Ressourcen aus Rohrs Buch vorgelesen. «Vielleicht hatte er schon damals den Hintergedanken, mich für diese Veranstaltung an Bord zu holen», sagt die Rapperin. Rohr denke nicht nur einen, sondern gleich zwei Schritte voraus. Ob dank der jungen Rapperin am «Spirit of Bern» der Jugend genügend Rechnung getragen wird, darf angezweifelt werden.

Das «Spirit of Bern» scheint ein Forum zu werden, das sich wenig von den bereits existierenden unterscheidet. Zugang zum Anlass haben nur jene, denen es leicht fällt, für eine Diskussion «auf gleicher Augenhöhe», wie das Forum sie in einer Mitteilung umschreibt, über tausend Franken hinzublättern. Dass die Diskussionen dadurch auch kaum von jenen an einem der beiden anderen Wirtschaftsforen abweichen werden, ist absehbar.

Auch an der Verlosung sind Zweifel angebracht. Wer wird an ihr teilnehmen können und wer wird von ihr profitieren? Auf diese Fragen sind die Organisatoren bislang eine Antwort schuldig geblieben.