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Rösten und Löschen in der Feuerwehrkaserne

Der Verein «Alte Feuerwehr Viktoria» hat ein Zwischennutzungskonzept für das Erd- und Untergeschoss der leeren Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse gemacht. Im April können erste Mieter einziehen.

  • In dieser grossen Halle wird Kaffee geröstet und getrunken werden. Foto: Naomi Jones)
  • Hier kommt die Kaffee-Rösterei hin. (Foto Naomi Jones)
  • Auch die alten Möbel sollen zwischen- oder wohl eher endgenutzt werden. (Foto: Naomi Jones)
  • Verena Näf, Kassiererin des Vereins «Alte Feuerwehr Viktoria» (Foto: Naomi Jones)
  • Manfred Leibundgut, Präsident des Vereins «Alte Feuerwehr Viktoria» (Foto: Naomi Jones)

Die Löscher-Bar und Adrianos Kaffee-Brennerei werden für drei Jahre in die grosse Halle in der alten Feuerwehrkaserne an der Viktoriastrasse einziehen. Zwischen Kaffee-Duft und Bargeräuschen stehen Marktstände, an denen Besucher und Besucherinnen Produkte aus den hauseigenen Manufakturen kaufen können. Etwa die Spezialitäten der Ölmühle von Cédric Wüthrich. Abends finden Konzerte, Filmvorführungen, Vernissagen und was das kulturbegeisterte Berner Herz sonst noch begehrt statt. So sieht es das Zwischennutzungskonzept des Vereins «Alte Feuerwehr Viktoria» vor.

Initiative des Quartiers

Der Verein wurde im letzten November auf Initiative des Quartiervereins «Dialog Nord» eigens für die Zwischennutzung der leerstehenden Kaserne gegründet. «Obwohl wir immer wieder bei der Stadt anklopften, haben wir nichts über die Planung der Zwischennutzung in der Feuerwehrkaserne erfahren», erzählt Vereinspräsident Manfred Leibundgut, der auch im Vorstand des «Dialog Nord» ist. «Also haben wir für das Quartier einen Diskussionsabend über Ideen zur Zwischennutzung organisiert. Der zuständige Gemeinderat Alexandre Schmidt war zwar verärgert, aber er überliess uns einen Teil der Räume für die Zwischennutzung.»

Weil der «Dialog Nord» sich nicht in der Rolle des Mieters und Vermieters von Räumen sieht, gründeten ein paar Vorstandsmitglieder den Verein «Alte Feuerwehr Viktoria». Diesem gehören unterdessen rund 120 Privatpersonen aus dem Quartier an. Er wird die Räume im Erd- und Untergeschoss von der Immobilienverwaltung der Stadt Bern mieten und an ausgewählte Projekte untervermieten. Dazu hat der Verein ein Bewerbungsverfahren für die Zwischennutzung ausgeschrieben und im Februar aufgrund der eingereichten Projekte das Zwischennutzungskonzept gemacht. Im Obergeschoss wird die Stadt ein Asylzentrum einrichten.

Werken, kochen, gärtnern und essen

In den kleineren Räumen der Kaserne können Quartierbewohner und -bewohnerinnen unter dem Projektnahmen «Plattform» Räume für verschiedene Kursangebote oder Sitzungen mieten. Daneben finden im «artLabor» für Schulklassen und Schulkinder in der Freizeit Workshops mit Kunstschaffenden statt. Eine öffentliche Quartierwerkstatt für Holz- und Metallarbeiten wird eingerichtet. In einer offenen Küche sollen Menschen gemeinsam kochen und essen können. Im Hof darf das Urban Gardening nicht fehlen. Und schliesslich wird der Verein für Jugendarbeit TOJ im Untergeschoss einen Kinder- und Jugendtreff aufbauen.

Schülerworkshops zum Auftakt

Obwohl noch nicht alle Mietverträge gemacht und noch nicht alle Bau- und Betriebsbewilligungen erteilt sind, soll bereits im März Leben in die leeren Räume kommen: Das «artLabor» führt mit rund 300 Schülerinnen und Schülern aus dem nahen Viktoria Schulhaus eine Projektwoche durch. 13 Künstler und Künstlerinnen werden mit den Kids arbeiten. Am Schluss öffnen sie die Türen für eine Ausstellung in der alten Feuerwehrkaserne.

«Danach werden nach und nach die Mieterinnen einziehen», sagt Vereinspräsident Manfred Leibundgut. Zuerst kämen die Mieter, die bloss einfache Räume ohne baulichen Veränderungen bräuchten. Was die baulichen Veränderungen angeht, so wolle man so wenig wie möglich und so viel als nötig investieren. Denn die Zwischennutzung ist auf drei Jahre beschränkt.

Asylsuchende integrieren

Wie stellt sich der Verein «Alte Feuerwehr Viktoria» das Zusammenleben mit den Asylsuchenden vor? «Leider wissen wir noch nicht, wer das Asylzentrum betreiben wird», sagt Juerg Luedi, Sekretär des Vereins und Leiter des Projekts «artLabor». «Wir hoffen natürlich, dass es nicht eine profitorientierte Organisation sein wird, und dass die Bewohner durchmischt sind, dass auch Familien mit Kindern dort wohnen. Sie können unter anderem von den Ateliers, den Werkstätten und den Kursangeboten profitieren. Wir können uns vorstellen, dass sie den urbanen Garten bewirtschaften und im Projekt ‘Social Kitchen’ der Künstlerin Antonia Erni kochen.»

Die Kassiererin Verena Näf sieht zwar, dass angesichts der zahlreichen kommerziellen Projekte in der grossen Halle Konfliktpotenzial mit den Asylsuchenden vorhanden ist. «Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber», sagt sie. Der Verein wolle diese Menschen integrieren und wer sich für ein Zwischennutzungsprojekt beworben habe, wisse um die besondere Situation der Asylbewerbenden.