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Wohnen statt Wurst

Aus den Quartieren

Die Zukunft des Meinen-Areals im Mattenhofquartier konkretisiert sich: Neben Dienstleistungs- und Gewerbebetrieben sollen hier bis 2020 rund zweihundert neue, vor allem 2½- und 3½-Wohnungen entstehen.

Darum geht es: Das Meinen-Areal nördlich und südlich der Schwarztorstrasse. (Illustration: zvg)

Noch steht das markante, grau und etwas abweisend wirkende Gebäude der Meinen-Fabrik mitten im Mattenhof-Quartier. Doch sind die Tage der Wurst- und Fleischproduktion gezählt. Die Grossmetzgerei hat das Areal 2011 der Personalvorsorgestiftung der Ärzte und Tierärzte (PAT BVG) verkauft. Diese möchte hier nun Wohnungen, Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe realisieren und arbeitete dabei eng mit dem Stadtplanungsamt Bern zusammen. Das Meinen-Areal umfasst mehrere Parzellen nördlich und südlich der Schwarztorstrasse, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Die Parzellen sind heute Industrie- und Gewerbezone sowie im südlichen Teil Dienstleistungs- bzw. gemischte Zone. Es braucht also eine Zonenplanänderung, um ein Wohnprojekt realisieren zu können. Die Bevölkerung wird somit schon bald darüber abstimmen können.

Das Siegerprojekt des Wettbewerbs

Ursprünglich hatte die Firma Meinen noch eine Umnutzungsstudie erstellen lassen. Diese kam aber zum Schluss, dass die bestehenden Gebäude nicht sinnvoll weiterverwendet werden können. Rund eine halbe Million Franken wurden deshalb durch die PAT BVG in einen Studien-Wettbewerb unter acht Architekturbüros investiert. Diese Architekturteams hatten in einem ersten Schritt die Aufgabe, schlüssige städtebauliche Konzepte zu erarbeiten. Fünf dieser Konzepte wurden anschliessend für eine vertiefte Weiterbearbeitung und zur Ausarbeitung von konkreten Projektvorschlägen für die einzelnen Teilgebiete ausgewählt. Die Jury bestand unter anderem aus Architekturprofis, Vertretern der Bauherrschaft, der Stadt und der Quartierkommission QM3.

Die Abstimmung über das Projekt auf dem Meinen-Areal resp. die Zonenplanänderung wird vermutlich 2017 stattfinden.

Christof Berger

Vom 26. Januar bis 6. Februar sind nun die verschiedenen Vorprojekte im Kirchgemeindehaus Steigerhubel vorgestellt worden, darunter das Siegerprojekt des Architekturbüros GWJARCHITEKTUR AG aus Bern. Es sieht eine qualitativ hochwertige und nachhaltige Wohn-, Gewerbe- und Dienstleistungsüberbauung mit 190 – 200 Wohnungen mit mehrheitlich 2½ – 3½ Zimmern vor. Gleichzeitig soll die Brunnmattstrasse im Bereich der Tramhaltestelle «Brunnmatt» zu einem attraktiven Quartierzentrum mit Bäumen umgestaltet werden. Ebenfalls eine Baumreihe soll die Schwarztorstrasse säumen. Die Stadt erwarte eine Aufwertung des Quartiers, sagte Stadtplaner Mark Werren anlässlich der Präsentation der Projekte.

Ein neuer Quartierplatz

Nördlich der Schwarztorstrasse sieht das Siegerprojekt eine Blockrandbebauung vor. Im ersten Untergeschoss sowie im Erdgeschoss sollen Verkaufsflächen für die Quartierversorgung, zum Beispiel eine kleine Filiale eines Grossverteilers, bereitgestellt werden, Wohnungen sind im Erdgeschoss sowie in den Obergeschossen vorgesehen. Der südlich der Schwarztorstrasse gelegene Teilbereich wird durch einen Solitär – ein 8- bis 9-stöckiges Gebäude – und einen daran anschliessenden, entlang der Schwarztorstrasse verlaufenden Längsbau geprägt. Im Erdgeschoss und den beiden ersten Obergeschossen des Solitärs möchte die Bauherrschaft Läden und Büros realisieren. Die restlichen Obergeschosse sowie der Längsbau sind für Wohnungen vorgesehen. Sämtliche Parkplätze werden in einer von der Schwarztorstrasse her zugänglichen unterirdischen Einstellhalle untergebracht. In beiden Teilbereichen sollen attraktive private und halböffentliche Grün- und Freiräume geschaffen werden. Es soll in mehreren Etappen gebaut werden können.

Noch sind Details der Planung nicht unumstritten, so der Wohn- resp. Gewerbeanteil, und Quartiervertreter wünschen sich zudem einen grösseren Quartierplatz. Nach der Überarbeitung des Siegerprojekts gemäss den Empfehlungen des Beurteilungsgremiums wird das Planerlassverfahren für die Umzonung voraussichtlich im zweiten Quartal 2015 starten. Die Abstimmung über das Projekt respektive die Zonenplanänderung wird vermutlich 2017 stattfinden. Gibt es keine Verzögerungen, werden die ersten Wohnungen 2020 bezogen werden können.

Bauen geht langsamer als gedacht

Als die Stadt Bern und die Bauherrschaft PAT ihre Pläne für das Meinen-Areal vorgestellten, interessierte auch die Frage nach den zu erwartenden Mietzinsen für diese neuen Wohnungen. Die Mieten würden sicher «quartierüblich» ausfallen, äusserte sich dazu Walter Nellen als Vertreter der Bauherrschaft relativ vage, immerhin sei man sich aber bewusst, dass im Mai 2014 die Wohn-Initiative mit 72 Prozent Ja-Stimmen klar angenommen worden sei und dass sie, trotz noch hängiger Einsprache, wahrscheinlich in Kraft trete. Man geht also von der Verpflichtung aus, dass ein Teil der Wohnungen zu Kostenmieten angeboten werden müssen. Die Wohn-Initiative verfolgt folgende Anliegen: Bei Um- und Neueinzonungen von Wohnzonen soll mindestens ein Drittel der Wohnnutzung mit preisgünstigen Wohnungen bebaut oder an gemeinnützige Wohnbauträger abgegeben werden. Für Neu- und Umbauten von Gebäuden soll das Nutzungsmass um 20 Prozent erhöht werden, wenn dies städtebaulich verträglich ist und alle Wohnungen im Gebäude preisgünstig oder durch eine gemeinnützige Trägerschaft erstellt werden. Man darf auf demselben Boden dafür also mehr bauen, wenn man die Vorgaben der Kostengünstigkeit erfüllt.

Die Umsetzung der Wohn-Initiative ist wie erwähnt aber wegen Einsprachen aus Kreisen des Hauseigentümerverbands HEV noch nicht rechtskräftig. Die neue Bestimmung sei ein unzulässiger Eingriff in die Eigentumsgarantie, moniert der HEV. Es ist zwar unwahrscheinlich, dass der Kanton, welcher die Initiative vorgängig auf ihre Rechtsgültigkeit geprüft hatte, bei der Beurteilung der Beschwerde zu einem anderen Schluss kommen wird, doch könnten die Beschwerdeführer bis vor Bundesgericht gehen, was den Volksentscheid bis ungefähr 2018 blockieren würde.

Lange warten mussten auch die gemeinnützigen Wohnbauträger, die sich für das Bauprojekt auf dem Warmbächliareal interessieren, da die Stadt noch keinen Musterbaurechtsvertrag ausgearbeitet hatte. Laut einer Antwort des Gemeinderats auf eine diesbezügliche dringliche Interpellation der Stadträte Rithy Chheng und Thomas Göttin liegt ein solcher jetzt im Entwurf vor. Damit sollte nun Bewegung in die Sache kommen.

Auch die Planung Mutachstrasse liegt auf Eis. Laut einem Bericht der «Berner Zeitung» erschwert hier unter anderem der «überraschend hohe Grundwasserspiegel» das Bauprojekt für weitere 200 Wohnungen. Die Holliger wissen allerdings, dass die Schlossmatte seit jeher ein Sumpfgebiet war und ist. Die Stadt verspricht nun, den Planungswettbewerb im Herbst dieses Jahres zu lancieren.

Christof Berger

(Die beiden Beiträge sind zuerst erschienen im «QuartierMagazin Stadtteil III Bern» Nr. 182 [Februar-April 2015].)